Die Akte Half-Life 2 - Oktober 2003

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Geheimbericht Half-Life 2.
Quelle: Valve

Während die Welt auf Half-Life 2 wartete, ahnten wenige, welche Dramen sich bei Valve abspielten. Ein Blick hinter die Kulissen. Der nachfolgende Bericht stammt aus der PC Games 02/05. Anlässlich des zehnjährigen Jubliläums von Half-Life 2 hat sich die Redaktion für eine Neuveröffentlichung des Artikels in der ursprünglichen Originalfassung entschieden.

Oktober 2003: "Hello, Gabe"

Der 30. September geht vorüber, und niemand spielt Half-Life 2. Das heißt: Niemand, abgesehen von einem jungen Mann im Süden Deutschlands. Newell weiß davon nichts, er schlägt sich derweil mit anderen Problemen herum. Da ist das Lämpchen seiner Festplatte, das angeht, wenn es nicht angehen sollte. Es flackert auch nach einem "format c:" zu ungewöhnlichen Zeiten. Ein Virenscan hilft nichts. Newell schickt eine EMail ans Team: "Ist euch etwas Seltsames aufgefallen?" – keiner antwortet. Der Spuk wird schlimmer. Eine private E-Mail zwischen Newell und Dave Riller, Programmierer bei Valve, taucht im Internet auf. Darin geht es um die Doom 3-Engine.

Newell betritt Rillers Büro und fragt ihn, ob Langweilig. Die Sequenz in Dr. Kleiners Labor war zu lang und damit langweilig. Quelle: PCG Langweilig. Die Sequenz in Dr. Kleiners Labor war zu lang und damit langweilig. er die Mail an eine dritte Person weitergeleitet habe. Riller verneint. Da bekommt es Newell mit der Angst zu tun: Jemand hat bestimmt sein E-Mail-Passwort herausgefunden! Er ändert es rasch. Dann geht er die Sache methodisch an, sucht nach weiteren Spuren. Er findet seltsame Software, die auf dem Rechner installiert ist, dazu versteckte Festplattenpartitionen. Daten rauschen durchs Netzwerk, obwohl niemand bei Valve welche verschickt. Newell lässt andere PCs überprüfen. Auf mindestens 13 Rechnern sind Programme aktiv, die die Mitarbeiter zum ersten Mal sehen.

Nichts ist mehr sicher. Newell rennt durch die Gänge, er muss Schadensbegrenzung betreiben. Überall zieht er die Netzwerkstecker, bis ganz Valve von der Außenwelt abgeschnitten ist. Doch es ist zu spät. Als der Hacker merkt, dass sein Zugriff gekappt wurde, stellt er vertrauliche Valve-Daten ins Internet. Am 4. Oktober lässt er die Bombe platzen, indem er den kompletten Source-Code zu Half-Life 2 veröffentlicht. Newell schäumt vor Wut. Er weiß nicht, was der Hacker, der sich im Netz Osama Bin Leaker nennt, noch alles anstellen wird. Am 7. Oktober weiß er es: Eine spielbare Version taucht im Internet auf, inklusive Teile der E3-Demo. Newell ist am Boden, er sagt: "Es wird jeden Tag schlimmer."

Als die Spieler beginnen, mit der illegalen Version Screenshots anzufertigen, die Alyx und Dr. Kleiner in eindeutigen Stellungen zeigen, fühlt er sich in seinen schlimmsten Albtraum hineinversetzt. Die Version ist spielbar, aber eigentlich ist sie das nicht. Sie wirkt unfertig, und zwar extrem. Osama Bin Leaker ist gut im Nachtreten. In seinen öffentlichen Notizen steht: "So sieht sie aus, die Version, von der ihr wolltet, dass sie Valve am 30. September veröffentlicht." Und am Ende fügt er hinzu: "Ich möchte betonen, dass es sich bei der E3-Demo um einen großen, von Valve inszenierten Schwindel handelte." Monate lang hatte Newell zum Entwicklungsstand von Half-Life 2 geschwiegen. Und jetzt spricht das Spiel für sich selber. Jeder, der die illegale Version spielt, stellt fest: Das Ding ist noch nicht mal ansatzweise fertig.

Einige Fans freuen sich, dass Valve leiden muss, weil sie es für eine gerechte Strafe für den Terminschwindel halten. Verschwörungstheorien bilden sich. Das wäre alles von Valve organisiert, um von der Terminverschiebung abzulenken und Werbung zu machen, sagen einige. Der Hacker behauptet, er habe die Version ein paar Tage nach dem 30. September ins Internet geladen, um den Fans die Augen zu öffnen. Newell behauptet: "Das ist Bullshit. Die Version wurde veröffentlicht, weil wir den Hacker im Netzwerk entdeckt haben und er nichts mehr ausrichten konnte." Wie auch immer, der Schaden war da. Bei Valve kollektives Zähneklappern: Würde der Vorfall die Entwicklung entgleisen lassen? Das Team ist mit den Nerven völlig am Ende: Unfertige Arbeit, in der vier Jahre stecken, einfach so für Millionen zum Download ins Internet gestellt.

Ein Jammer. Newell merkt, dass seine Mitarbeiter leiden, sich Sorgen machen, und das bringt ihn erst recht auf die Palme. Er ruft seine Jungs ins Meeting; die Mission lautet: Wiederherstellung der Moral. Gelassen sagt er: "Leute, jedes Spiel von id Software ist vorab im Internet gelandet und das war nie ein großes Problem." Zuletzt stellt er eine rhetorische Frage: "Jetzt kann es kaum schlimmer werden, oder?" Die Programmierer und Designer bei Laune zu halten ist eine Sache, mit der sich Newell beschäftigt. Die andere: Er will den Hacker dingfest machen. Also informiert er das FBI, die sofort mit der Untersuchung anfangen. Die Internet-Surfer bittet er, die Augen nach dem Schuldigen offen zu halten.

Bildergalerie

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  1. Seite 1 Die Akte Half-Life 2 - Ein Blick hinter die Kulissen
  2. Seite 2 Die Akte Half-Life 2 - Juni, August 1999
  3. Seite 3 Die Akte Half-Life 2 - Mai, August 2001
  4. Seite 4 Die Akte Half-Life 2 - März, Juli, September 2002
  5. Seite 5 Die Akte Half-Life 2 - Februar, April, Mai 2003
  6. Seite 6 Die Akte Half-Life 2 - Juli, September 2003
  7. Seite 7 Die Akte Half-Life 2 - Oktober 2003
  8. Seite 8 Die Akte Half-Life 2 - Februar 2004
  9. Seite 9 Die Akte Half-Life 2 - März, Juli 2004
  10. Seite 10 Die Akte Half-Life 2 - September, Oktober 2004
  11. Seite 11 Die Akte Half-Life 2 - Leserkommentare
    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MichaelG Mitglied
        Was bitte schön hat das mit Bild-Niveau zu tun. Schon mal das TV verfolgt zu dem Thema ? Und wie bei uns mit solchen Typen umgegangen wird ist doch auch nichts neues. Das ist viel zu lax.
      • Von MichaelG Mitglied
        Was bitte schön hat das mit Bild-Niveau zu tun. Schon mal das TV verfolgt zu dem Thema ? Und wie bei uns mit solchen Typen umgegangen wird ist doch auch nichts neues. Das ist viel zu lax.
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Den Leipziger Sprayern in Singapur drohen ja auch Stockschläge und Schadenersatz. Das wegen Sachbeschädigung. Täter werden in Deutschland noch zu oft nur mit Samthandschuhen angefaßt. Da wäre bei einigen ein rauheres Klima/Umgang gar nicht so schlecht.
        noch so früh am morgen und schon bild-niveau... :-S
      • Von MichaelG Mitglied
        Naja Viren würde ich jetzt nicht gerade als Lappalie ansehen. Ebenso wenig wie hacken von Firmennetzwerken und Veröffentlichungen von streng vertraulichen Firmeninternas.

        Ob das allerdings ausreichend wäre daß das FBI einen deutschen Staatsbürger verhaftet ist eine zweite Frage. Aber ich fände das nur gerecht.

        Den Leipziger Sprayern in Singapur drohen ja auch Stockschläge und Schadenersatz. Das wegen Sachbeschädigung. Täter werden in Deutschland noch zu oft nur mit Samthandschuhen angefaßt. Da wäre bei einigen ein rauheres Klima/Umgang gar nicht so schlecht.
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Ich fand Nevells Idee richtig gut. Einer der Viren programmiert, Firmen hackt und interne Dokumente und Software veröffentlicht hätte noch viel härter getroffen werden müssen. Ich hätte dem Typen gewünscht, daß er nach der Landung gleich vom FBI einkassiert wird.
        ein deutscher, der unter falschem vorwand in die usa gelockt wird und dort im knast landet.
        das wär ein fall für die diplomaten geworden. ich bezweifele, dass das fbi sich das wegen einer solchen letztendlich lappalie angetan hätte.
      • Von MichaelG Mitglied
        Zitat von P3r0
        Das er Axel G. reinlegen wollte mit dem Jobangebot finde ich sehr schade. Ich meine, ich weiß was er ihm angetan hatte, aber an dieser Stelle hätte ich mir ein "happy end" gewünscht. :3
        Doch die Realität sieht natürlich anders aus.

        Ich frag mich was er heute macht?
        Ich fand Nevells Idee richtig gut. Einer der Viren programmiert, Firmen hackt und interne Dokumente und Software veröffentlicht hätte noch viel härter getroffen werden müssen. Ich hätte dem Typen gewünscht, daß er nach der Landung gleich vom FBI einkassiert wird.

        Was das "altern" betrifft so betrifft das eigentlich von der Grafik gesehen fast alle Games der damaligen Zeit. Man holte damals das raus, was machbar und auf vielen PC umsetzbar war. Da limitierten sowohl die Fähigkeiten der Grafikengines wie auch die Hardware die Möglichkeiten. Die heutigen grafischen Highend-Games sehen auch in 10 Jahren noch relativ gut aus, weil sie grafisch realitätsnäher sind. Aber auch diese werden trotzdem spielerisch wie auch grafisch Staub ansetzen. Die Entwicklung geht halt immer weiter.
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