Der große Report: Steam Early Access – Unser Fazit
Der Handel mit unfertigen Spielen im Alpha- oder Beta-Status boomt, besonders über Steam und dessen Early-Access-Shop. Im großen PC-Games-Report gehen wir dem Phänomen auf die Spur, beleuchten die Sichtweise von Befürwortern und Kritikern, sprechen mit Entwicklern sowie Publishern und suchen nach einer Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen Early Access auf die Zukunft der PC-Branche haben könnte.
Der schleichende Verfall
Release-Termine verlieren am PC dank Early Access zunehmend an Bedeutung: Wann ein Spiel wirklich fertig ist, interessiert immer weniger Spieler, wenn sie es doch vorab schon zum oft verminderten Preis kaufen und spielen können. Dadurch beschäftigt man sich über einen größeren Zeitraum mit einzelnen Spielen, schaut alle paar Wochen mal wieder rein, wenn ein neuer Patch Änderungen vornimmt. Und man zeigt sich verständnisvoller gegenüber Macken und Problemen des gekauften Spiels: "Ist ja noch Alpha", geistert es durch die Steam-Foren. Indes: Der Blick hinter die Kulissen birgt die Gefahr, Spiele zu entzaubern. Wenn der lang erwartete Titel dann endlich fertig ist, verbindet man mit ihm vielleicht hauptsächlich jene frustrierenden Stunden, in denen man sich über die Bugs der Alpha-Version geärgert hat. Nicht vergessen: Mit Early-Access-Spielen kauft ihr nicht sofort ein fertiges Produkt – ähnlich wie bei Kickstarter-Aktionen investiert ihr euer Geld in das Versprechen auf ein gutes Spiel. Es liegt an den Entwicklern, dieses Versprechen einzulösen.
Wir Spieler müssen derweil die Augen offen halten und nicht nach Ausreden suchen, um schlechte Early-Access-Spiele in Kauf zu nehmen: Die zunehmende Popularität von Early Access birgt das Risiko eines stetig sinkenden Anspruchs an neue Spiele. Wer sich nach dem Kauf von Early-Access-Spielen nicht kritisch zu Bugs und fehlenden Features äußert, fördert womöglich den Schlendrian bei anderen Entwicklern. Der mögliche Gedankensprung – auch bei großen Publishern mit ihren Millionen-Budgets – ist leicht nachvollzuziehen: Warum noch viel Wert auf Qualitätssicherung vor Release legen, wenn die Leute doch auch bare Münze für eine unfertige Alpha-Version zahlen, die man erst später oder gar nicht mit Updates spielbar macht? Und wer garantiert einem als Käufer eigentlich, dass bereits im Early-Access-Stadium sagenhaft erfolgreiche Spiele wie Prison Architect oder Kerbal Space Program überhaupt jemals fertig entwickelt werden?
Ein vorläufiges Fazit
Quelle: Bugbear Entertainment
Next Car Game begeistert Rennspiel-Enthusiasten bereits in seinem frühen Stadium mit einer beeindruckenden Physik-Simulation.
Das Risiko, mit dem Kauf von Early-Access-Spielen Geld zum Fenster herauszuschmeißen, ist somit groß. Hier sind interessierte Kunden gefordert, sich über den Zustand des Projekts zu informieren, bevor sie zuschlagen: Mit Let's Plays, Steam Reviews und natürlich Artikeln auf PCGames.de. Dass sich auch die Art der Berichterstattung mit dem Aufkommen von Early-Access-Spielen ändern muss, ist nur logisch: Alpha- oder Beta-Versionen lassen sich nicht final bewerten, schon gar nicht mit einer Zahl. Der Grund ist offensichtlich: Scheinbar verhängnisvolle Kritikpunkte können schon mit dem nächsten Update aus der Welt geschafft sein. Daher wird die PC Games-Redaktion auch in Zukunft spannende Early-Access-Projekte frühzeitig in Video- und Textform vorstellen, Spielern die Kaufentscheidung zu erleichtern.
Letztlich ist es aber eine Frage der eigenen Präferenz, wie ein jeder mit Early-Access-Spielen umgeht. Niemand wird zum Kauf dieser unfertigen Alpha- oder Beta-Versionen gezwungen: Wer Spiele lieber in ihrer fertigen Version spielt, wartet einfach bis zum offiziellen Veröffentlichungstermin. Das klassische Modell mit Spielen, die erst nach dem Erreichen des Gold-Status zum Kauf angeboten werden und sich dann ohne weitere Updates komplett spielen lassen, wird darüber hinaus trotz des Booms der Early-Access-Sparte so schnell nicht aussterben. Darin sind sich alle von uns befragten Entwickler einig.
Auch wenn bereits Millionenerträge mit Early-Access-Spielen verdient werden: Diese neue Art der Spieleveröffentlichung steckt noch immer in den Kinderschuhen. Die Studios testen die Grenzen der neuen Methode aus und allein durch die Reaktion der potenziellen Käufer werden sich viele problematische Entwicklungen von selbst regulieren. Ihr als Spieler und Kunden habt es selbst in der Hand; ihr bestimmt, wie künftige Early-Access-Spiele aussehen werden und ob die Kommunikation zwischen Spielen und Studios für ausgereiftere Spiele sorgt; ihr seid am Drücker. Die Entscheidung, ob ihr das Risiko eines Early-Access-Kaufs eingeht oder nicht, liegt allein bei euch. Oder wie es Larian-Chef Swen Vincke ausdrückt: "Wenn du geschützten Sex haben möchtest, solltest du ein Kondom benutzen. Wenn du keine bösen Überraschungen beim Spielekauf erleben willst, dann warte gefälligst, bis es erschienen ist! Es sei denn du möchtest den Entwickler unterstützen oder du willst durch dein Feedback Einfluss auf das Spiel nehmen. Ansonsten kannst du einfach warten, bis es fertig ist."
In diesem Artikel
- Seite 1 Der große Report: Steam Early Access - Was ist Early Access?
- Seite 2 Der große Report: Steam Early Access - Ursprünge und Publisher-Gelüste
- Seite 3 Der große Report: Steam Early Access - Kickstarter und Early Access
- Seite 4 Der große Report: Steam Early Access – Wie wichtig ist das Kunden-Feedback?
- Seite 5 Der große Report: Steam Early Access – Der Beta-Eindruck als Nachteil?
- Seite 6 Der große Report: Steam Early Access – Gefahren, die Zukunft und Konsolen
- Seite 7 Der große Report: Steam Early Access – Unser Fazit
- Seite 8 Bildergalerie
- Seite 1 Der große Report: Steam Early Access - Was ist Early Access?
- Seite 2 Der große Report: Steam Early Access - Ursprünge und Publisher-Gelüste
- Seite 3 Der große Report: Steam Early Access - Kickstarter und Early Access
- Seite 4 Der große Report: Steam Early Access – Wie wichtig ist das Kunden-Feedback?
- Seite 5 Der große Report: Steam Early Access – Der Beta-Eindruck als Nachteil?
- Seite 6 Der große Report: Steam Early Access – Gefahren, die Zukunft und Konsolen
- Seite 7 Der große Report: Steam Early Access – Unser Fazit

Nur weil der Künstler beispielsweise nur Strichmännchen zeichnet, weil er halt kein Maler ist, kann es doch nicht plötzlich Nicht-Kunst werden.
Um noch mal was aufzuwerfen, wenn Kunst unter Anderem auch von Können und guter Fertigkeit und Begabung in einem Bereich kommt, dann sind Gamer doch auch Künstler, wenn sie gut in einem Spiel sind. Wenn Videos daraus gemacht werden und auf Youtube gestellt gibt es auch ein "Werk". Aber auch der Platz auf einer Liga oder Rangliste ist gewissermassen ein Werk bzw eine Leistung.
Hm, Programmieren ist dann auch Kunst. Es hat auch kreative Bestandteile und es gibt verschiedene Grade an Talent und Begabung dabei. Gut geschriebener Code ist auch nichts anderes als eine Komposition von Musik oder Farben.
Aber die Frage ist hier eigentlich, wo hin führt die Diskussion? Eine Definition werden wir nicht schaffen. Eine gemeinsame Meinung auch nicht. Bleibt nur der Austausch von Ansichten und Argumenten.
Aber zum Thema, Early Access finde ich jetzt bald wie ein Virus. Gefühlt jeder dritte Steam Titel den ich anklicke ist Early Access. Die müssten schon irgendwo markiert sein. Das ist die kapitalisierung von Bananensoftware. Seit Internet war es ein Merkmal von Software, dass sie nicht funktionieren muss, man kann ja updaten und patchen. Mittlerweile sogar auf Konsolen. So gesehen haben wir schon immer mal für unfertige Titel bezahlt. Jetzt ist es nur fairer, eventuell geringerer Preis und klare Ansage, dass es nicht komplett geht und Bugs hat. Aber die Tendenz mit unfertiger, unreifer Software auf den Markt zu gehen ist irgendwie unangenehm. Und jetzt schon wissentlich dafür zu zahlen. Aber das ist so ne Community Sache. Wenn der Hype vergeht wird sich das irgendwo einpendeln. Und es mag auch was sein, was einfach für mich nicht funktioniert. So wie Twitter. Hab ich nicht, hatte ich nie, kapiere ich bis heute net.
-Smoke
:)