Der große Report: Steam Early Access - Kickstarter und Early Access

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Der große PC-Games-Report widmet sich in aller Ausführlichkeit dem Phänomen Early Access: Worin besteht der Reiz am Spielen auf der virtuellen Baustelle?
Quelle: PC Games

Der Handel mit unfertigen Spielen im Alpha- oder Beta-Status boomt, besonders über Steam und dessen Early-Access-Shop. Im großen PC-Games-Report gehen wir dem Phänomen auf die Spur, beleuchten die Sichtweise von Befürwortern und Kritikern, sprechen mit Entwicklern sowie Publishern und suchen nach einer Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen Early Access auf die Zukunft der PC-Branche haben könnte.

4 Godus vom Peter-Molyneux-Studio 22 Cans erschien nach der erfolgreich abgeschlossenen Kickstarter-Kampagne als kostenpflichtige Alpha-Version. Quelle: PC Games Godus vom Peter-Molyneux-Studio 22 Cans erschien nach der erfolgreich abgeschlossenen Kickstarter-Kampagne als kostenpflichtige Alpha-Version.

Erst spenden, dann die Alpha testen

Wie sich 2013 gezeigt hat, sind die beachtlichen Erfolge in Sachen Crowdfunding-Spendenaufrufe der vergangenen Jahre oftmals nicht genug, um die Entwicklung eines Spiels vollständig zu finanzieren. Das hat Tim Schafer mit Broken Age ebenso gemerkt wie Peter Molyneux mit Godus oder die Planetary Annihilation-Macher von Uber Entertainment. Was tun? Na klar: Das Spiel Stück für Stück veröffentlichen. Der Gedanke ist naheliegend: Kickstarter-Projekte haben von Anfang an mit Alpha- und Beta-Zugängen für besonders spendable Unterstützer geworben – da ist es nur ein kleiner Sprung hin zum regulären Verkauf der Early-Access-Version an alle anderen Interessierten.

Die Entwickler von Project Cars haben die Alpha-Version des Spiels bislang nur einem kleinen zahlenden Personenkreis zur Verfügung gestellt. Ob ein Release auf Steam Early Access folgt? Quelle: Slightly Mad Studios Die Entwickler von Project Cars haben die Alpha-Version des Spiels bislang nur einem kleinen zahlenden Personenkreis zur Verfügung gestellt. Ob ein Release auf Steam Early Access folgt? Der Early-Access-Pfad bietet auch eine Lösung für ein drängendes Problem der Kickstarter-Entwickler, die sich nach dem Ende ihrer erfolgreichen Spendenaktion oftmals die Frage stellten, wie sie die versprochenen Vorabversionen an die "Backer" übermitteln und regelmäßig aktualisieren sollten. Die Antwort war natürlich Steam: Die Download-Plattform erlaubt Spielemachern, ihre Software bequem zu patchen; per automatischer Updates erhalten Besitzer des Spiels stets die aktuellste Version inklusive der jüngsten Bugfixes. So können Unterstützer, die mit ihrer Spende ein Projekt finanziert haben, live den Entstehungsprozess des Spiels mitverfolgen. Entwickler sind derweil in der Lage, experimentelle Features ausprobieren und gemäß dem Feedback der Spieler anzupassen oder zu streichen. Die Öffnung hin zum Early-Access-Kundenstamm erlaubt dabei eine Vergrößerung der Zielgruppe. Neben den Crowdfunding-Unterstützern, die mit ihrer Spende bereits für das Spiel bezahlt haben, können dadurch auch jene Spieler das Projekt unterstützen, die zuvor gezögert haben, das Projekt zu "backen". Und Personen, die auf Kickstarter lediglich eines der unteren "Pledge-Tiers" mit einer geringen Spende belegt haben, erlaubt Early Access nachträglich, den Alpha- oder Beta-Zugang eines Spiels zu erwerben.

Planetary Annihilation ist ein Echtzeitstrategie-Spiel im Stil von Supreme Commander mit Fokus auf spannende Mehrspieler-Gefechte. Quelle: Uber Entertainment Planetary Annihilation ist ein Echtzeitstrategie-Spiel im Stil von Supreme Commander mit Fokus auf spannende Mehrspieler-Gefechte. Im Vergleich zum klassischen Modell des Spiele-Publishing, bei dem große Unternehme Entwickler finanzieren, um Spiele jahrelang fernab der Öffentlichkeit zu entwickeln und irgendwann das fertige Produkt zu veröffentlichen, stecken die Konzepte von Crowdfunding und Early Access noch in den Kinderschuhen. Probleme und Fehler waren bei diesen Release-Methoden daher von vornherein zu warten. Für ein geteiltes Echo in Medien und Spielergemeinde sorgte 2013 etwa Uber Entertainments Entscheidung, die Alpha-Version seines Echtzeitstrategie-Spiels Planetary Annihilation per Early Access zum Kauf anzubieten – für satte 83 Euro! Diese exorbitante Gebühr entsprach etwa dem Doppelten des angepeilten Verkaufspreises der für 2014 geplanten fertigen Version des Spiels. Damit widersetzte sich Uber Entertainment dem mittlerweile als Standard etablierten Trend, Early-Access-Spiele günstiger als die endgültige Release-Version anzubieten, um Spieler zum frühzeitigen Kauf zu verführen. Der Hintergrund: In der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne von Planetary Annihilation versprach Uber Entertainment jenen Unterstützern Alpha-Zugang, die den Entwicklern eine Mindestspende von 83 Euro zusicherten. Weil die Macher beim anschließenden Early-Access-Start des Projekts ihre treuen Kickstarter-Unterstützer nicht vor den Kopf stoßen wollten, verlangte das Unternehmen den gleichen Preis von alle jenen Interessieren, die das Spiel nicht im Voraus "gebackt" hatten. Ein verständlicher Wunsch, doch eines ist klar: Mit diesem Preismodell hat Uber Entertainment in Kauf genommen, potenzielle Käufer zu vergraulen, die zuvor noch nie etwas von Planetary Annihilation gehört haben.

Kickstarter-Komplikationen

Swen Vincke ist CEO der belgischen Larian Studios, die ihre Divinity-Serie zuletzt um die Ableger Dragon Commander und Original Sin erweiterten. Quelle: PC Games Swen Vincke ist CEO der belgischen Larian Studios, die ihre Divinity-Serie zuletzt um die Ableger Dragon Commander und Original Sin erweiterten. Swen Vincke, der Studiochef der belgischen Larian Studios, die derzeit an Divinity: Original Sin arbeiten, wirbt um Verständnis: "Ich glaube, es ist wichtig, deine Kickstarter-Community fair zu behandeln. [..] Die Macher von Planetary Annihilation gehören in gewisser Weise zu den Kickstarter-Pionieren. Natürlich macht man da Fehler, aber man lernt auch daraus. Ich persönlich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, ein Spiel auf Steam für 90 oder 60 Dollar anzubieten, das ist zu viel. Besonders wenn man bedenkt, dass man damit Spieler darum bittet, mehr zu zahlen, um am Alphatest teilzunehmen." Was hält er für einen fairen Preis für ein Early-Access-Spiel? "Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn das Spiel genauso viel kostet wie am Releasetag, an dem es fertig ist. Denn der Käufer erhält ja nicht nur eine Alpha-Version, sondern das komplette Spiel. Eventuell kann man diesen Preis etwas senken – ein Rabatt von zehn Prozent erscheint mir vernünftig. Ich würde allerdings auch nicht weniger verlangen, denn dann läuft man Gefahr, sein Spiel unter Wert zu verkaufen." Gleichzeitig findet es Vincke in Ordnung, wenn Entwickler von Early-Access-Kunden einen höheren Preis verlangen als von den Kickstarter-Unterstützern: "Man muss sich deutlich machen, dass die Menschen, die das Spiel auf Kickstarter finanziert haben, ein unglaubliches Risiko eingegangen sind. Wer das Spiel später per Early Access kauft, hat dagegen bereits etwas Spielbares in der Hand, daher kann er meiner Meinung nach auch den vollen Preis des fertigen Spiels bezahlen."

Um die Kickstarter-Unterstützer nicht vor den Kopf zu stoßen, verlangte Entwickler Uber Entertainment über 80 Euro für die Early-Access-Alpha von Planetary Annihilation auf Steam. Quelle: PC Games Um die Kickstarter-Unterstützer nicht vor den Kopf zu stoßen, verlangte Entwickler Uber Entertainment über 80 Euro für die Early-Access-Alpha von Planetary Annihilation auf Steam. Die Art, wie frühe Kickstarter-Projekte den Alpha-Zugang zu Spielen mit höheren "Pledge-Tiers" verbunden haben, ergo die Alpha als eine Belohnung für besonders zahlungskräftige Spender angeboten haben, sieht Vincke im Rückblick kritisch. Auch bei Divinity: Original Sin wollte Larian Spielern die Alpha ursprünglich erst ab einer Spende von mindestens 135 Dollar zugänglich machen. "Davon sind wir wieder abgekommen", so Larian-Chef Vincke im Interview. "Ich würde jedem einzelnen Entwicklerstudio Folgendes empfehlen: Macht den Alpha-Zugang zu eurem Spiel einen automatischen Part eurer Kickstarter-Kampagne. Das heißt, wenn Spieler genug spenden, um das fertige Spiel zu erhalten, macht ihnen auch die Alpha zugänglich! Versucht nicht, mit dem Alpha-Zugang mehr Geld zu scheffeln, denn der Wert des Feedbacks, das ihr von euren Alpha-Testern bekommt ist viel wertvoller als diese zusätzlichen Spenden."

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  1. Seite 1 Der große Report: Steam Early Access - Was ist Early Access?
  2. Seite 2 Der große Report: Steam Early Access - Ursprünge und Publisher-Gelüste
  3. Seite 3 Der große Report: Steam Early Access - Kickstarter und Early Access
  4. Seite 4 Der große Report: Steam Early Access – Wie wichtig ist das Kunden-Feedback?
  5. Seite 5 Der große Report: Steam Early Access – Der Beta-Eindruck als Nachteil?
  6. Seite 6 Der große Report: Steam Early Access – Gefahren, die Zukunft und Konsolen
  7. Seite 7 Der große Report: Steam Early Access – Unser Fazit
    • Kommentare (117)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Worrel Mitglied
        Zitat von SmokeOnFire
        Und teils auch was vom Image des Autors.
        Entweder ist etwas Kunst oder nicht. Es kann aber nicht sein, daß es nur dann Kunst ist, wenn X das macht und wenn Y haargenau dasselbe macht, ist es plötzlich nur noch ungestalte Schmiererei oder sonstige "Un-Kunst".

        Zitat
        Irgendwie kann Kunst auch an verschiedenen Ecken aufgehangen werden. An der Botschaft, der Leistung, der Fertigkeit, dem Aufwand, der Stilrichtung oder im Kontrast zu anderen Werken.
        Sicher kann man Kunst danach beurteilen - aber hochstens in ihrem Einfluß und ihrer Qualität.
        Nur weil der Künstler beispielsweise nur Strichmännchen zeichnet, weil er halt kein Maler ist, kann es doch nicht plötzlich Nicht-Kunst werden.

        Zitat
        Um noch mal was aufzuwerfen, wenn Kunst unter Anderem auch von Können und guter Fertigkeit und Begabung in einem Bereich kommt,...
        Das bezieht sich in erster Linie auf Handwerks-Kunst, nicht auf Kunstwerke. Siehe zB Readymades oder Warhols Mehrfarbdrucke.

        Zitat
        Hm, Programmieren ist dann auch Kunst. Es hat auch kreative Bestandteile und es gibt verschiedene Grade an Talent und Begabung dabei. Gut geschriebener Code ist auch nichts anderes als eine Komposition von Musik oder Farben.
        Programmcode hat aber eine Funktion auszuführen und widerspricht damit der Kunstdefinition.
      • Von Worrel Mitglied
        Zitat von SmokeOnFire
        Und teils auch was vom Image des Autors.
        Entweder ist etwas Kunst oder nicht. Es kann aber nicht sein, daß es nur dann Kunst ist, wenn X das macht und wenn Y haargenau dasselbe macht, ist es plötzlich nur noch ungestalte Schmiererei oder sonstige "Un-Kunst".

        Zitat
        Irgendwie kann Kunst auch an verschiedenen Ecken aufgehangen werden. An der Botschaft, der Leistung, der Fertigkeit, dem Aufwand, der Stilrichtung oder im Kontrast zu anderen Werken.
        Sicher kann man Kunst danach beurteilen - aber hochstens in ihrem Einfluß und ihrer Qualität.
        Nur weil der Künstler beispielsweise nur Strichmännchen zeichnet, weil er halt kein Maler ist, kann es doch nicht plötzlich Nicht-Kunst werden.

        Zitat
        Um noch mal was aufzuwerfen, wenn Kunst unter Anderem auch von Können und guter Fertigkeit und Begabung in einem Bereich kommt,...
        Das bezieht sich in erster Linie auf Handwerks-Kunst, nicht auf Kunstwerke. Siehe zB Readymades oder Warhols Mehrfarbdrucke.

        Zitat
        Hm, Programmieren ist dann auch Kunst. Es hat auch kreative Bestandteile und es gibt verschiedene Grade an Talent und Begabung dabei. Gut geschriebener Code ist auch nichts anderes als eine Komposition von Musik oder Farben.
        Programmcode hat aber eine Funktion auszuführen und widerspricht damit der Kunstdefinition.
      • Von SmokeOnFire Spiele-Novize/Novizin
        Leute, da wirds keinen 100% Konsens geben. Irgendwo hab ich mal aufgeschnappt "Kunst ist eine Behauptung, die gerechtfertigt wird, wenn andere Sie glauben". So in etwa. Es gibt ja z.B. genug Kontroverse um abstrakte Kunst und sowas, wo irgendwer ne Pommes, nen Fettfleck oder Kleckse auf der Leinwand als Kunst erklärt oder Leute riesen Beträge für sowas zahlen. Kunst ist auch irgendwo Angebot und Nachfrage. Und teils auch was vom Image des Autors. Irgendwie kann Kunst auch an verschiedenen Ecken aufgehangen werden. An der Botschaft, der Leistung, der Fertigkeit, dem Aufwand, der Stilrichtung oder im Kontrast zu anderen Werken.

        Um noch mal was aufzuwerfen, wenn Kunst unter Anderem auch von Können und guter Fertigkeit und Begabung in einem Bereich kommt, dann sind Gamer doch auch Künstler, wenn sie gut in einem Spiel sind. Wenn Videos daraus gemacht werden und auf Youtube gestellt gibt es auch ein "Werk". Aber auch der Platz auf einer Liga oder Rangliste ist gewissermassen ein Werk bzw eine Leistung.

        Hm, Programmieren ist dann auch Kunst. Es hat auch kreative Bestandteile und es gibt verschiedene Grade an Talent und Begabung dabei. Gut geschriebener Code ist auch nichts anderes als eine Komposition von Musik oder Farben.

        Aber die Frage ist hier eigentlich, wo hin führt die Diskussion? Eine Definition werden wir nicht schaffen. Eine gemeinsame Meinung auch nicht. Bleibt nur der Austausch von Ansichten und Argumenten.

        Aber zum Thema, Early Access finde ich jetzt bald wie ein Virus. Gefühlt jeder dritte Steam Titel den ich anklicke ist Early Access. Die müssten schon irgendwo markiert sein. Das ist die kapitalisierung von Bananensoftware. Seit Internet war es ein Merkmal von Software, dass sie nicht funktionieren muss, man kann ja updaten und patchen. Mittlerweile sogar auf Konsolen. So gesehen haben wir schon immer mal für unfertige Titel bezahlt. Jetzt ist es nur fairer, eventuell geringerer Preis und klare Ansage, dass es nicht komplett geht und Bugs hat. Aber die Tendenz mit unfertiger, unreifer Software auf den Markt zu gehen ist irgendwie unangenehm. Und jetzt schon wissentlich dafür zu zahlen. Aber das ist so ne Community Sache. Wenn der Hype vergeht wird sich das irgendwo einpendeln. Und es mag auch was sein, was einfach für mich nicht funktioniert. So wie Twitter. Hab ich nicht, hatte ich nie, kapiere ich bis heute net.

        -Smoke
      • Von Worrel Mitglied
        Zitat von Lukecheater
        Ein Gericht, das von einem Spitzenkoch aufwendig auf dem Teller präsentiert wird, ist auch Kunst...
        Sobald der Koch auch auf die Ästhetik achtet: Klar.
      • Von MichaelG Mitglied
        Sag ich ja. Oder was ist mit Bauwerken wie dem Kolloseum, dem Petersdom, dem Kölner Dom, der Golden Gate Bridge ? Das ist imho auch Kunst, wenn auch auf statischem/architektonischem Sektor. Oder die klassischen Automobile/das Design. Ist imho genauso Kunst. Ebenso technische Lösungen wie z.B. bei besonderen mechanischen Armbanduhren.
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von Lukecheater
        Ein Gericht, das von einem Spitzenkoch aufwendig auf dem Teller präsentiert wird, ist auch Kunst... jetzt kommt ihr :-B
        Zustimm
        :)
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