Zwischen Gamergate und Woke - Der interessante Fall von Kingdom Come: Deliverance

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Kolumne Antonia Dreßler - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Zwischen Gamergate und Woke - Der interessante Fall von Kingdom Come: Deliverance
Quelle: PC Games

Manchmal schieben wir Spiele in eine politische Ecke, ohne sie von allen Seiten zu betrachten. Wie schnell Kingdom Come: Deliverance von ganz rechts nach ganz links wanderte, beweist aber, dass es nicht immer so einfach ist.

Kingdom Come: Deliverance 2 ist echt 'ne Wucht! So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr in einem Rollenspiel - ja, selbst Baldur's Gate 3 konnte ich nur wenig abgewinnen. Dass ich in KCD2 überhaupt reingespielt habe, war eher zufällig und hat mehr mit meinem Job zu tun als damit, dass ich so ein großes Interesse am mittelalterlichen Böhmen hätte. Als großer Fantasy-Fan war das Fehlen von Drachen, Zwergen, Elfen und Magie ein ausschlaggebender Punkt für mich, vor rund sieben Jahren nicht zuzugreifen, als der erste Teil von Kingdom Come: Deliverance erschien.

Aber vor allem schreckte mich die ganze Kontroverse ab, die ich am Anfang meines Journalismusstudiums mit zwei Aushilfsjobs und wenig Energie für mediale Kulturkämpfe eher so am Rande mitbekommen habe. Trotzdem kamen auch bei mir einige der heißesten Infos an. Erstens: Der Spieldirektor Daniel Vávra trug während eines Interviews ein T-Shirt eines bekennenden Rassisten und Metal-Musikers. Und zweitens: Es schafften keine schwarzen Figuren ins Spiel. Zwei Umstände, die aber auch eine Gegenseite haben. Für Ersteres entschuldigte sich der Spieldirektor. Zweiteres begründete das Studio damit, dass es zu der Zeit einfach keine schwarzen Leute in der Gegend gegeben habe, in der Kingdom Come spielt, und man sich an die historischen Fakten halten wolle. Diese Aussage stand dann wiederum in der Kritik, weil laut einiger Internetnutzer durchaus schwarze Personen im mittelalterlichen Europa existiert hätten.

Artwork von Kingdom Come: Deliverance 2 Quelle: Warhorse Das war der Moment, als ich aus dem Diskurs ausgestiegen bin, weil er zunehmend unübersichtlich und emotional wurde. Um keine Position in einer Debatte einnehmen zu müssen, in der für mich nicht so wirklich klar war, wer nun übertreibt, was gesagt hat und welcher Historiker nun recht hat, traf ich den Beschluss, an Kingdom Come generell nicht interessiert zu sein. Jeden neuen Tweet und Artikel konnte ich von da an mit einem augenrollenden "Aha" und seufzenden "Tja" abtun und endlich das Browser-Fenster mit den pulssenkenden Meditationsübungen schließen, das ich bis dahin offen hatte.

Kein Weg an vorbei an Kingdom Come

Nun habe ich aber aus Versehen doch Gefallen an KCD gefunden und muss mich nun nachträglich mit der vor allem nervigen Kontroverse auseinandersetzen. Kunst und Künstler gehören meines Erachtens nach zusammen und eine echte Trennung erfolgt in der Regel erst, wenn der Erschaffer von seiner Kreation nicht mehr profitiert. Also zum Zeitpunkt seines Todes. Natürlich gibt es auch genügend Leute, die einen feuchten Dreck darauf geben, wer was gemacht hat. Die Argumentation dahinter: Wenn jemand tatsächlich ein Vergehen begangen hat, ist es Aufgabe des Justizsystems, die Person zu belangen, und nicht die des Konsumenten, ein persönliches Embargo auszusprechen.

Die entsprechende Frage danach, ob gesellschaftliche Verantwortung an Individuen weitergegeben werden sollte, hat am Ende kein "Richtig" oder "Falsch". Genauso wie die Frage danach, ob man Kunst und Künstler trennen kann. Wem das nicht gelingt, sollte nicht gezwungen sein, mit Medien zu interagieren, mit denen er sich schlecht fühlt. Andersherum verstehe ich auch, wenn jemand seine Lieblingsmusik weiterhört, auch wenn der Sänger sich als gesellschaftlicher Bodensatz entpuppt. Medien sind schließlich was total Persönliches und Emotionales, mit dem wir in der Regel sehr viel mehr verbinden als den Künstler - es gibt schließlich auch Leute, die überhaupt nichts über die Urheber ihrer Lieblingswerke wissen.

Ich persönlich mache das von Fall zu Fall anders und wie ich es vor mir selbst und meinem Gewissen vereinbaren kann. Mit Kingdom Come: Deliverance finde ich es aber gar nicht so einfach, ein Urteil zu fällen. Ja, der Game Director hat ein moralisch fragwürdiges Fan-Shirt getragen. Dabei ging es Herrn Vavra aber um das abgebildete Album und nicht den Künstler dahinter: Entschuldigt hat er sich und selbst erkannt, dass das keine schlaue Idee war. Und die ganze Debatte um schwarze Menschen im Mittelalter ist auch nicht so leicht, wie das manchmal so hingestellt wird.

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    • Kommentare (24)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Athrun
        Zum Thema "woke" in KCD2, ich habe in forumdiskussionen Punkte gesehen, die mnache als "woke" oder schlicht unpassend finden. Zum einen die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Romanze

        Lt Lore ist der mögliche Partner von Henry angeblich minderjährig (15 Jahre). Etwas, was man häufig den woken Leuten vorwirft, das sie Pedophilie unterstützen (und leider hats da tatsächlich Leute, die Pedophilie mit MAP oder MinorAttractedPerson verniedlichen,
        . Viele betrachten es als Retcon wenn die beiden Charaktere in KCD1 als Hetero rüberkommen.
        Dazu kommt, das der schwarze Charakter auch noch als sehr "preachy" rüberkommt. so nach dem Motto "bei uns ist alles besser" usw. Und dann hab ich gesehen, das in einem Dialog ein weiblicher NPC sagt "Ja, in Nürnberg habe ich einen Hermaphroditen getroffen. Er hatte tasächlich beides". Ich bin kein Geschichtsforscher darum weiß ich nicht, ob es sowas überhaupt gab oder ob das jemals beschrieben wurde aber für manche ist das dann wieder ein Zeichen von "WOKE!"
        Gute Beispiele für das hier aktive Griftertum, das Leute ausbeutet, die gerne ausgebeutet und getriggert werden wollen. Das mit dem preachy Schwarzen ist nicht annähernd das, als was es von diesen Kanälen geframet wird -- besonders amüsant, sollte spätestens heute jeder vertraut sein mit Alpha-Males, die den Dicken machen und sich und die ihren zu den Größten aufblasen. Wenn schon nicht aus eigenem Tun -- nicht jeder macht sich gerne vor anderen zum Gockel -- so spätestens aus den Nachrichten. :-D

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        Und dass diese Leute Charktere in KCD als minderjährig verkaufen konnten, entlarvt nur, dass es nie um Games geht und nie gehen wird. Denn der fragliche Charakter war schon im ersten KCD nie minderjährig (und zwitscherte und vögelte sich da noch bejubelt durchs Game). Und mehr noch: Es steht noch einmal explizit im Kodex des Spiels, dass der Charakter auf einer damals sehr jungen Person BASIERT -- was nicht dasselbe ist. Aber da dies nicht in die Narrative passt, spart sich der Grifter das aus. Nur zum Wohl der "Besorgten Gamer", versteht sich. Wer solche Kanäle deabonniert, macht nichts verkehrt.

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      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Athrun
        Zum Thema "woke" in KCD2, ich habe in forumdiskussionen Punkte gesehen, die mnache als "woke" oder schlicht unpassend finden. Zum einen die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Romanze

        Lt Lore ist der mögliche Partner von Henry angeblich minderjährig (15 Jahre). Etwas, was man häufig den woken Leuten vorwirft, das sie Pedophilie unterstützen (und leider hats da tatsächlich Leute, die Pedophilie mit MAP oder MinorAttractedPerson verniedlichen,
        . Viele betrachten es als Retcon wenn die beiden Charaktere in KCD1 als Hetero rüberkommen.
        Dazu kommt, das der schwarze Charakter auch noch als sehr "preachy" rüberkommt. so nach dem Motto "bei uns ist alles besser" usw. Und dann hab ich gesehen, das in einem Dialog ein weiblicher NPC sagt "Ja, in Nürnberg habe ich einen Hermaphroditen getroffen. Er hatte tasächlich beides". Ich bin kein Geschichtsforscher darum weiß ich nicht, ob es sowas überhaupt gab oder ob das jemals beschrieben wurde aber für manche ist das dann wieder ein Zeichen von "WOKE!"
        Gute Beispiele für das hier aktive Griftertum, das Leute ausbeutet, die gerne ausgebeutet und getriggert werden wollen. Das mit dem preachy Schwarzen ist nicht annähernd das, als was es von diesen Kanälen geframet wird -- besonders amüsant, sollte spätestens heute jeder vertraut sein mit Alpha-Males, die den Dicken machen und sich und die ihren zu den Größten aufblasen. Wenn schon nicht aus eigenem Tun -- nicht jeder macht sich gerne vor anderen zum Gockel -- so spätestens aus den Nachrichten. :-D

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        Und dass diese Leute Charktere in KCD als minderjährig verkaufen konnten, entlarvt nur, dass es nie um Games geht und nie gehen wird. Denn der fragliche Charakter war schon im ersten KCD nie minderjährig (und zwitscherte und vögelte sich da noch bejubelt durchs Game). Und mehr noch: Es steht noch einmal explizit im Kodex des Spiels, dass der Charakter auf einer damals sehr jungen Person BASIERT -- was nicht dasselbe ist. Aber da dies nicht in die Narrative passt, spart sich der Grifter das aus. Nur zum Wohl der "Besorgten Gamer", versteht sich. Wer solche Kanäle deabonniert, macht nichts verkehrt.

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      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Je mehr ich von dem Spiel spiele, schockierende sechzig Stunden total mittlerweile, je lächerlicher wird das alles. Und je härter wird dieses Griftertum enttarnt, das aus jedem Pups einen YouTube-Clickbait macht. Klar: Ein Mittelalterspiel ohne Hexenjagden wäre auch wieder enttäuschend.

        Aber: Dies ist ein Game, in dem es Buffs gibt, jedes Mal, nachdem du Pussy hattest. In dem Titten- und Pimmelwitze so verbreitet wie die Plumpsklos sind. Das Bros hat, die Bros sind -- spätestens, wenn sie sich gegenseitig mal wieder unter den Tisch saufen. Stubenreiner Männerkram, wohin man schaut. Aber es taucht für drei Sekunden von 100 Stunden ein Schwarzer auf. Der so belehrend ist wie ein Alpha-Männchen aus den Streets von Castrop-Rauxel, das felsenfest davon überzeugt ist, dass seine Hinterlande-Hood die größte aller Zeiten ist. Kennen Leute natürlich nicht, die sich von alles und jedem geopfert und angegriffen fühlen, am wenigsten aus eigener Handlung. Leichtes Spiel für die Grifter, das als etwas zu framen, das es nicht mal im Ansatz ist. Wie gesagt: Gib der Mischpoke noch zwei Jahre. Und sie findet das Inakzeptable in den Blutlachen, die der Doomguy in E1M1 hinterlässt.

        PS: Dies ist ein gutes Spiel, übrigens. Sollte bei all der Aufregung mal wieder nicht vergessen werden. ;)
      • Von Athrun Gelegenheitsspieler/in
        Zum Thema "woke" in KCD2, ich habe in forumdiskussionen Punkte gesehen, die mnache als "woke" oder schlicht unpassend finden. Zum einen die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Romanze

        Lt Lore ist der mögliche Partner von Henry angeblich minderjährig (15 Jahre). Etwas, was man häufig den woken Leuten vorwirft, das sie Pedophilie unterstützen (und leider hats da tatsächlich Leute, die Pedophilie mit MAP oder MinorAttractedPerson verniedlichen,
        . Viele betrachten es als Retcon wenn die beiden Charaktere in KCD1 als Hetero rüberkommen.
        Dazu kommt, das der schwarze Charakter auch noch als sehr "preachy" rüberkommt. so nach dem Motto "bei uns ist alles besser" usw. Und dann hab ich gesehen, das in einem Dialog ein weiblicher NPC sagt "Ja, in Nürnberg habe ich einen Hermaphroditen getroffen. Er hatte tasächlich beides". Ich bin kein Geschichtsforscher darum weiß ich nicht, ob es sowas überhaupt gab oder ob das jemals beschrieben wurde aber für manche ist das dann wieder ein Zeichen von "WOKE!"
      • Von ImperatorBob Spiele-Novize/Novizin
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Ich finde es ziemlich cool, dass du hier nochmal so umfangreich im Forum auf deinen Artikel eingehst, danke dafür 👍
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von Toni
        Es geht aber nicht direkt um ihn und ich habe auf seine Verbindungen zu Gamergate und sein Verhalten hingewiesen. Die politische Einstellung einer Person ist über einen langen Zeitraum hinweg wie alleine zwischen KGD und KGD2 auch nicht zwingend konstant und wenn ich etwa nur meine Einstellung mit all ihren Nuancen und Komplexitäten betrachte, würde ich einfach mal behaupten, dass sich die Einstellung anderer Leute auch nicht in wenige Worte zusammenfassen lassen. Das wäre tatsächlich "unterkomplex".

        Warum ich schreibe, was ich schreibe (im Artikel), sagt der Artikel selbst aus - er lässt sich weder in die eine noch komplett andere Ecke schieben - unabhängig davon, ob er nun weiter rechts von der Mitte steht, oder mir seine generelle Einstellung gefällt, verfällt er offenbar nicht dem Extremismus. Ich nehme also eine Wertung eines ganz spezifischen Verhaltens vor, ohne die Person im Ganzen zu kommentieren. Das ist eine absolut gängige Vorgehensweise, die eher zu wenig gemacht wird im Aufmerksamkeitsjournalismus, der dann verkürzte Wertungen trifft, statt eben auf die Komplexität einer Sache zu verweisen. Wenn man dann als Leser sich weiter mit der Person beschäftigen will (wie gesagt, es gibt Indizien im Text, die klar auf bestimmtes Verhalten Vavrás hinweisen), kann das gerne tun. Aber zu erwarten, dass ein Artikel sich über seinen Kerninhalt mit umfassenden und komplexen Fragestellungen auseinandersetzt (über die Erwähnung der Existenz solcher hinaus), hat nicht unbedingt ein klares Bild davon, wie Journalismus funktioniert. Das sind keine wissenschaftlichen Abhandlungen, die in einem "Werk" alle Facetten betrachten, sondern das wird in der Regel in mehrere Artikel aufgeteilt.
        ja, wie gesagt ich seh das - und zwar vollkommen - anders. da werden wir nicht zusammenkommen.
        aber gut. belassen wirs dabei. :]
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