Zwischen Gamergate und Woke: Der interessante Fall von Kingdom Come: Deliverance

24
Kolumne Antonia Dreßler - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Zwischen Gamergate und Woke: Der interessante Fall von Kingdom Come: Deliverance
Quelle: PC Games

Manchmal schieben wir Spiele in eine politische Ecke, ohne sie von allen Seiten zu betrachten. Wie schnell Kingdom Come: Deliverance von ganz rechts nach ganz links wanderte, beweist aber, dass es nicht immer so einfach ist.

In einem Anfall von "Ich will das jetzt wissen" habe ich lange recherchiert und gebe euch hier meine Recherchen zum Thema Schwarze im mittelalterlichen Böhmen weiter (und nicht einfach nur, weil ich klugscheißen will):

Gab es Schwarze im Böhmen um 1400?

Es gab zwar bereits rund um das Jahr 1400 (der Zeitraum, in dem KCD spielt) Schwarze in Europa - aber vor allem in Italien, Spanien, Portugal und Frankreich. Nur wenige schafften es bis in die Schweiz und noch einmal weniger nach Deutschland, es gibt aber keine Aufzeichnungen schwarzer Personen in Böhmen zu dieser Zeit. Was es gibt, ist ein Gemälde eines Schwarzen, das zur Zeit von Kingdom Come in Böhmen prominent in der Schlosskapelle von Karlstein zu sehen war. Zwischen 1360 und 1365 entstand ein Bild des heiligen Mauritius, der seit dem vierten Jahrhundert in großen Teilen Europas als heilig verehrt wurde. Doch obwohl Mauritius laut seiner Legende aus Ägypten kommt, waren seine Abbildungen nicht immer schwarz.

Abbild des heiligen Mauritius in der Burgkapelle von Karlstein. Quelle: Dittrich Theodorik (1365) via Wikimedia Commons Abbild des heiligen Mauritius in der Burgkapelle von Karlstein. Erst zu Zeiten der Kreuzzüge, als es immer beliebter wurde, anderen zu erklären, wie sie zu leben und zu denken haben, fing die christliche Kirche an, Mauritius mit dunkler Hautfarbe abzubilden. Das ist bemerkenswert, denn Christen wurden in der Regel immer mit heller Haut dargestellt - unabhängig, ob es sich um tatsächlich Weiße gehandelt hat. Entsprechend ging es nicht darum, den Heiligen möglichst real darzustellen, sondern zu "beweisen", dass das Christentum auch nach Afrika gehört. Da mehrere Kreuzzüge bereits in Ägypten ihr Ende nahmen, spekulieren Forscher, dass die Darstellung von Mauritius als Schwarzer für die Kirche eine Art Notwendigkeit darstellte, Gesicht zu wahren und über ihre Niederlagen hinwegzutäuschen.

Daraus könnte man nun mitnehmen, dass die Kirche schon vor 800 Jahren ein woker Haufen war, der aus rein politischen Gründen Personen schwarz gemacht hatte - allerdings gibt es da ein wichtiges Detail, das noch erwähnt gehört. Dass man Mauritius mit dunkler Haut darstellte, hatte weniger etwas mit der tatsächlichen Hautfarbe als mit Mauritius' Herkunft zu tun, die man abbilden wollte. Gang und gäbe wäre gewesen, ihn als stereotypen Ägypter mit Krummsäbel und Turban zu verewigen, doch diese Insignien standen für Muslime und besagter Heiliger war ja Christ.

Erste bekannte Abbildung des heiligen Mauritius als Schwarzer in Magdeburg. Quelle: Rabanus Flavus via Wikimedia Commons Erste bekannte Abbildung des heiligen Mauritius als Schwarzer in Magdeburg. Das ist alles deswegen relevant, weil es bedeutet, dass Hautfarbe eine ganz andere Bedeutung im Mittelalter hatte als heutzutage. Dass sie so wenig Erwähnung in alten Schriften findet, hängt wohl damit zusammen, dass Religion und Stand viel relevanter waren, als welcher Ethnie man angehörte. So gibt es beispielsweise Dokumente, die auf die Anwesenheit von äthiopischen Botschaftern in Konstanz verweisen. Die reden aber nicht von Schwarzen - sondern nur von Gesandten aus Äthiopien.

Ob es nun also wirklich Schwarze im Böhmen des 15. Jahrhunderts gab, kann man abschließend gar nicht genau sagen, weil es möglich ist, dass es einfach niemand aufgeschrieben hat. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass sie zu dieser Zeit dort nicht wirklich zu sehen waren oder nur in großen Städten, die ggf. auf prominenten Handelsrouten gelegen haben.

24
    • Kommentare (24)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Athrun
        Zum Thema "woke" in KCD2, ich habe in forumdiskussionen Punkte gesehen, die mnache als "woke" oder schlicht unpassend finden. Zum einen die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Romanze

        Lt Lore ist der mögliche Partner von Henry angeblich minderjährig (15 Jahre). Etwas, was man häufig den woken Leuten vorwirft, das sie Pedophilie unterstützen (und leider hats da tatsächlich Leute, die Pedophilie mit MAP oder MinorAttractedPerson verniedlichen,
        . Viele betrachten es als Retcon wenn die beiden Charaktere in KCD1 als Hetero rüberkommen.
        Dazu kommt, das der schwarze Charakter auch noch als sehr "preachy" rüberkommt. so nach dem Motto "bei uns ist alles besser" usw. Und dann hab ich gesehen, das in einem Dialog ein weiblicher NPC sagt "Ja, in Nürnberg habe ich einen Hermaphroditen getroffen. Er hatte tasächlich beides". Ich bin kein Geschichtsforscher darum weiß ich nicht, ob es sowas überhaupt gab oder ob das jemals beschrieben wurde aber für manche ist das dann wieder ein Zeichen von "WOKE!"
        Gute Beispiele für das hier aktive Griftertum, das Leute ausbeutet, die gerne ausgebeutet und getriggert werden wollen. Das mit dem preachy Schwarzen ist nicht annähernd das, als was es von diesen Kanälen geframet wird -- besonders amüsant, sollte spätestens heute jeder vertraut sein mit Alpha-Males, die den Dicken machen und sich und die ihren zu den Größten aufblasen. Wenn schon nicht aus eigenem Tun -- nicht jeder macht sich gerne vor anderen zum Gockel -- so spätestens aus den Nachrichten. :-D

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Und dass diese Leute Charktere in KCD als minderjährig verkaufen konnten, entlarvt nur, dass es nie um Games geht und nie gehen wird. Denn der fragliche Charakter war schon im ersten KCD nie minderjährig (und zwitscherte und vögelte sich da noch bejubelt durchs Game). Und mehr noch: Es steht noch einmal explizit im Kodex des Spiels, dass der Charakter auf einer damals sehr jungen Person BASIERT -- was nicht dasselbe ist. Aber da dies nicht in die Narrative passt, spart sich der Grifter das aus. Nur zum Wohl der "Besorgten Gamer", versteht sich. Wer solche Kanäle deabonniert, macht nichts verkehrt.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Athrun
        Zum Thema "woke" in KCD2, ich habe in forumdiskussionen Punkte gesehen, die mnache als "woke" oder schlicht unpassend finden. Zum einen die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Romanze

        Lt Lore ist der mögliche Partner von Henry angeblich minderjährig (15 Jahre). Etwas, was man häufig den woken Leuten vorwirft, das sie Pedophilie unterstützen (und leider hats da tatsächlich Leute, die Pedophilie mit MAP oder MinorAttractedPerson verniedlichen,
        . Viele betrachten es als Retcon wenn die beiden Charaktere in KCD1 als Hetero rüberkommen.
        Dazu kommt, das der schwarze Charakter auch noch als sehr "preachy" rüberkommt. so nach dem Motto "bei uns ist alles besser" usw. Und dann hab ich gesehen, das in einem Dialog ein weiblicher NPC sagt "Ja, in Nürnberg habe ich einen Hermaphroditen getroffen. Er hatte tasächlich beides". Ich bin kein Geschichtsforscher darum weiß ich nicht, ob es sowas überhaupt gab oder ob das jemals beschrieben wurde aber für manche ist das dann wieder ein Zeichen von "WOKE!"
        Gute Beispiele für das hier aktive Griftertum, das Leute ausbeutet, die gerne ausgebeutet und getriggert werden wollen. Das mit dem preachy Schwarzen ist nicht annähernd das, als was es von diesen Kanälen geframet wird -- besonders amüsant, sollte spätestens heute jeder vertraut sein mit Alpha-Males, die den Dicken machen und sich und die ihren zu den Größten aufblasen. Wenn schon nicht aus eigenem Tun -- nicht jeder macht sich gerne vor anderen zum Gockel -- so spätestens aus den Nachrichten. :-D

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Und dass diese Leute Charktere in KCD als minderjährig verkaufen konnten, entlarvt nur, dass es nie um Games geht und nie gehen wird. Denn der fragliche Charakter war schon im ersten KCD nie minderjährig (und zwitscherte und vögelte sich da noch bejubelt durchs Game). Und mehr noch: Es steht noch einmal explizit im Kodex des Spiels, dass der Charakter auf einer damals sehr jungen Person BASIERT -- was nicht dasselbe ist. Aber da dies nicht in die Narrative passt, spart sich der Grifter das aus. Nur zum Wohl der "Besorgten Gamer", versteht sich. Wer solche Kanäle deabonniert, macht nichts verkehrt.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Je mehr ich von dem Spiel spiele, schockierende sechzig Stunden total mittlerweile, je lächerlicher wird das alles. Und je härter wird dieses Griftertum enttarnt, das aus jedem Pups einen YouTube-Clickbait macht. Klar: Ein Mittelalterspiel ohne Hexenjagden wäre auch wieder enttäuschend.

        Aber: Dies ist ein Game, in dem es Buffs gibt, jedes Mal, nachdem du Pussy hattest. In dem Titten- und Pimmelwitze so verbreitet wie die Plumpsklos sind. Das Bros hat, die Bros sind -- spätestens, wenn sie sich gegenseitig mal wieder unter den Tisch saufen. Stubenreiner Männerkram, wohin man schaut. Aber es taucht für drei Sekunden von 100 Stunden ein Schwarzer auf. Der so belehrend ist wie ein Alpha-Männchen aus den Streets von Castrop-Rauxel, das felsenfest davon überzeugt ist, dass seine Hinterlande-Hood die größte aller Zeiten ist. Kennen Leute natürlich nicht, die sich von alles und jedem geopfert und angegriffen fühlen, am wenigsten aus eigener Handlung. Leichtes Spiel für die Grifter, das als etwas zu framen, das es nicht mal im Ansatz ist. Wie gesagt: Gib der Mischpoke noch zwei Jahre. Und sie findet das Inakzeptable in den Blutlachen, die der Doomguy in E1M1 hinterlässt.

        PS: Dies ist ein gutes Spiel, übrigens. Sollte bei all der Aufregung mal wieder nicht vergessen werden. ;)
      • Von Athrun Gelegenheitsspieler/in
        Zum Thema "woke" in KCD2, ich habe in forumdiskussionen Punkte gesehen, die mnache als "woke" oder schlicht unpassend finden. Zum einen die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Romanze

        Lt Lore ist der mögliche Partner von Henry angeblich minderjährig (15 Jahre). Etwas, was man häufig den woken Leuten vorwirft, das sie Pedophilie unterstützen (und leider hats da tatsächlich Leute, die Pedophilie mit MAP oder MinorAttractedPerson verniedlichen,
        . Viele betrachten es als Retcon wenn die beiden Charaktere in KCD1 als Hetero rüberkommen.
        Dazu kommt, das der schwarze Charakter auch noch als sehr "preachy" rüberkommt. so nach dem Motto "bei uns ist alles besser" usw. Und dann hab ich gesehen, das in einem Dialog ein weiblicher NPC sagt "Ja, in Nürnberg habe ich einen Hermaphroditen getroffen. Er hatte tasächlich beides". Ich bin kein Geschichtsforscher darum weiß ich nicht, ob es sowas überhaupt gab oder ob das jemals beschrieben wurde aber für manche ist das dann wieder ein Zeichen von "WOKE!"
      • Von ImperatorBob Spiele-Novize/Novizin
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] Ich finde es ziemlich cool, dass du hier nochmal so umfangreich im Forum auf deinen Artikel eingehst, danke dafür 👍
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von Toni
        Es geht aber nicht direkt um ihn und ich habe auf seine Verbindungen zu Gamergate und sein Verhalten hingewiesen. Die politische Einstellung einer Person ist über einen langen Zeitraum hinweg wie alleine zwischen KGD und KGD2 auch nicht zwingend konstant und wenn ich etwa nur meine Einstellung mit all ihren Nuancen und Komplexitäten betrachte, würde ich einfach mal behaupten, dass sich die Einstellung anderer Leute auch nicht in wenige Worte zusammenfassen lassen. Das wäre tatsächlich "unterkomplex".

        Warum ich schreibe, was ich schreibe (im Artikel), sagt der Artikel selbst aus - er lässt sich weder in die eine noch komplett andere Ecke schieben - unabhängig davon, ob er nun weiter rechts von der Mitte steht, oder mir seine generelle Einstellung gefällt, verfällt er offenbar nicht dem Extremismus. Ich nehme also eine Wertung eines ganz spezifischen Verhaltens vor, ohne die Person im Ganzen zu kommentieren. Das ist eine absolut gängige Vorgehensweise, die eher zu wenig gemacht wird im Aufmerksamkeitsjournalismus, der dann verkürzte Wertungen trifft, statt eben auf die Komplexität einer Sache zu verweisen. Wenn man dann als Leser sich weiter mit der Person beschäftigen will (wie gesagt, es gibt Indizien im Text, die klar auf bestimmtes Verhalten Vavrás hinweisen), kann das gerne tun. Aber zu erwarten, dass ein Artikel sich über seinen Kerninhalt mit umfassenden und komplexen Fragestellungen auseinandersetzt (über die Erwähnung der Existenz solcher hinaus), hat nicht unbedingt ein klares Bild davon, wie Journalismus funktioniert. Das sind keine wissenschaftlichen Abhandlungen, die in einem "Werk" alle Facetten betrachten, sondern das wird in der Regel in mehrere Artikel aufgeteilt.
        ja, wie gesagt ich seh das - und zwar vollkommen - anders. da werden wir nicht zusammenkommen.
        aber gut. belassen wirs dabei. :]
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk