Die Geschichte von Star Trek: Treffen der Generationen - Das falsche Finale & Epilog

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Special Sebastian Göttling - Autor Maik Koch - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die Geschichte von Star Trek: Treffen der Generationen - Das falsche Finale & Epilog
Quelle: Copyright Paramount

Im letzten Teil des Weihnachtsspecials zu Star Trek Generations findet ihr Infos zum falschen Finale und dem letztlich guten Ende.

Das falsche Finale

Im Valley of Fire wird gleich zweimal das strapaziöse Finale gedreht. Quelle: Copyright Paramount Im Valley of Fire wird gleich zweimal das strapaziöse Finale gedreht.

Im Nexus begegnen sich Picard und Kirk, woraufhin letzterer dazu überredet werden kann, das scheinbare Paradies aufzugeben, um ein letztes Mal den Tag zu retten. Die beiden kehren wenige Momente vor dem Abschuss von Sorans Rakete (so sein finaler Plan) auf die Bergkuppe zurück. Eigentlich ist es eine unfassbar dumme Idee, zu diesem Zeitpunkt zurückzukehren. Picard hätte nicht einmal Kirk gebraucht, wäre er mit seinem Königswissen einfach zum Beginn des Films gesprungen, um Soran von Enterprise-Sicherheitsleuten in Zehn Vorne festnehmen zu lassen.

Doch so kommt es, wie es kommen muss. Während sich Picard in Sorans Kontrollequipment hackt, entbrennt ein erbitterter Faustkampf zwischen Kirk und Soran, sehr Originalserien-typisch. Als Picard die Kontrolle erlangt, meint Kirk markig: "Das 24. Jahrhundert ist gar nicht so tough!" Zu früh gefreut, denn Soran zieht eine Waffe aus seinem Stiefel und schießt Kirk in den Rücken. Der Plan ist dennoch geplatzt, Soran rennt mit einem wütenden "Sie schon wieder!" auf Picard zu, nur um von dem mit seiner eigenen fallengelassenen Waffe niedergestreckt zu werden. Soran stürzt in einen Abgrund, die Kamera zeigt seinen zerbrochenen Körper. Seine symbolische Taschenuhr - er spricht den ganzen Film über in Zeit-Metaphern - ist zerbrochen und stehengeblieben. Hoch oben auf dem Berg kniet Picard im Sonnenuntergang neben dem sterbenden Kirk.

"Moment mal!" werden aufmerksame Leserinnen und Leser jetzt protestieren. "So kennen wir den Film nicht!" Völlig korrekt. So hatte ich ihn aber, Revision 4 sei Dank, erwartet - und so wurde das Ende auch gefilmt und einem Testpublikum vorgeführt. Nur zeigte sich besagtes Publikum komplett unbegeistert. Die ausgefüllten Rückmeldezettel gaben dem Film verheerende Bewertungen. Als Gründew wurden der unrühmliche Abgang des Jim Kirk - hinterrücks gemeuchelt - sowie fehlende Action-Wucht genannt.

Hektische Reshoots

Das verunsicherte die Paramount-Verantwortlichen, allen voran Präsidentin Sherry Lansing. Sie zitierte noch auf dem Parkplatz vor dem Kino Rick Berman zu sich und ordnete unverzügliche Reshoots an, "koste es, was es wolle!" Das finale Budget stieg infolgedessen auf 35 Millionen Dollar. Der unumstößliche Kinostartermin am 18. November kam immer näher.

Für das Drehteam und die beiden Hauptdarsteller hieß das, schleunigst zurückzukehren ins Valley of Fire. Die Gerüstkonstruktion, deren Bau im Hochsommer Wochen gedauert hatte, musste Setdesigner Herman Zimmerman nun innerhalb weniger Tage wieder aufbauen. Ein echter Blutjob. Wenigstens waren die herbstlichen Temperaturen Anfang Oktober deutlich angenehmer.

Patrick Stewart steckte zu dem Zeitpunkt mitten in den Dreharbeiten seines Folgeprojekts, der Dramedy "Jeffrey". Extra dafür hatte er sich seinen Haarkranz buschig wachsen lassen und den konnte er jetzt nicht einfach abrasieren. Ergo verpasste man ausgerechnet Sir Patrick eine Glatzenkappe. In diese Kappe wurde aus Kunsthaar die bekannte Picard-Frisur eingenäht. Oder was man so Frisur nennt.

In der neuen Fassung stürzt Kirk mit einem Metallgerüst ab und der fiese Soran wird, wie es sich für einen Actionfilm geziemt, in die Luft gejagt. Das Ergebnis war nun zeitgemäß mehr James Bond à la Pierce Brosnan, während das ursprüngliche Ende eher Western-Charakter gehabt hatte.

Berühmte letzte Worte

"It was fun" waren die letzten Worte, die sich die Autoren Ron Moore und Brannon Braga für Kirk wünschten. Doch William Shatner fügte eigenmächtig ein "oh my" hinzu. Er wollte damit ausdrücken, dass Kirk bereits das Jenseits sieht - und da erblickt er einen Nexus oder irgendwas anderes Beeindruckendes. Damit waren die beiden Autoren nie glücklich, vor allem, weil Shatner die Worte nicht erstaunt, sondern eher erschrocken ausspricht. Moore: "Für mich klingt das jedes Mal so, als würde Kirk jetzt zur Hölle fahren." So oder so: Der Captain war tot, lang lebe der Captain.

Drei Trekworld-Ausgaben nach der schicksalshaften Nummer 32 wurden sämtliche Unterschiede zwischen Revision 4 und finalem Film korrigiert; diese Trekworld erschien nur wenige Tage vor US-Kinostart. Und Fun Fact: Auch der englischsprachige Roman zum Film aus der Feder von J.M. Dillard erzählte in gebundener Form das originale Ende. Für die Taschenbuchversion wurde Dillard gebeten, das entsprechende Kapitel auf das wahrhaftige Filmende umzuschreiben.

Auf Wiedersehen, Enterprise - Hallo, Voyager

Zwei Captains, ein Herz und eine Seele. Quelle: Copyright Paramount Zwei Captains, ein Herz und eine Seele.

Am Ende nehmen Captain Picard und sein erster Offizier William T. Riker Abschied von der ruinierten Brücke der bruchgelandeten Enterprise-D. Diese Szenen waren in der Tat die letzten (abgesehen von vorgenanntem Reshoot), die im Mai 1994 gedreht wurden. Dabei wurden die sieben Jahre alten Seriensets tatsächlich demoliert, denn unmittelbar nach der letzten Klappe galt es, sie restlos zu zerstören. Das war mehr als dringend, denn an ihrer Stelle mussten nun hektisch die Kulissen für die nächste Serie entstehen, für Star Trek: Voyager. Nur einige wenige Korridor-Abschnitte wurden übernommen, ebenso Teile von Krankenstation, Maschinenraum und Transporterraum. Auch wurde das darunterliegende Grundgerippe der Sets bei Voyager weiterverwendet. Durchaus geschichtsträchtig, denn diese Bauten entstanden bereits 1977 für die nie realisierte Phase-II-Serie.

Für die Schauspielenden und die Stammcrew hinter der Kamera war das Serienfinale kein Abschied gewesen, weil sich direkt der Kinofilm anschloss. Als sie aber an diesem Tag ein letztes Mal in den Überresten der Enterprise standen, war ungewiss, ob sie jemals wieder zusammen arbeiten würden. Da kamen dann die Emotionen. Effektsupervisor Ronald B. Moore (nicht zu verwechseln mit Ronald D. Moore): "Am letzten Drehtag waren wir alle gefühlsduselig, nur Patrick [Stewart] schien es sehr gelassen zu nehmen. Er zog sein Kostüm aus und ging in Richtung Ausgang. Dort lief er gegen eine Glastür und fiel um."

Marketing und Erfolg

Star Trek: Generations war, diese Ehre kann er für sich verbuchen, der allererste Film überhaupt, der eine eigene Webseite hatte. Die wurde millionenfach geklickt - und das, obwohl 1994 weniger als eine Million US-Amerikaner über einen Internetzugang verfügten. Überreste der 31 Jahre alten Seite findet man noch heute auf startrek.com. Paramount gab sich zudem größte Mühe zu kommunizieren, dass der Film keine VII im Titel trägt. An vielerlei Stellen vergebens. Ende November 1994 waren William Shatner und Patrick Stewart gemeinsam auf dem Cover des TIME-Magazine, was bis heute als eine der epochalsten medialen Errungenschaften Star Treks gilt.

Auch war Generations der erste Star-Trek-Film, der in Deutschland eine breite Öffentlichkeit erreichte. Bis Film VI noch saß man als deutscher Fan nahezu alleine im Kino. Aber - der Dauerschleifen-Serienausstrahlung bei SAT.1 sei Dank - im Februar 1995 war Deutschland Star-Trek-Land! Die Stars gingen erstmals auf Promo-Tour durch deutsche Lande, tingelten durch die Fernsehsendungen. Olli Dittrich saß Wigald Boning bei RTL Samstag Nacht als Data geschminkt gegenüber. Er spielte aber nicht Data, auch nicht Brent Spiner, sondern Udo Lindenberg. (Man muss dabei gewesen sein.)

Star Trek war in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen und der Film wurde ein Riesenerfolg. Ausverkaufte Mitternachtspremieren, direkt auf Platz 1 der deutschen Kino-Wochencharts - und auch die internationale Endsumme konnte sich sehenlassen: Dem Budget von 35 Millionen Dollar standen 118 Millionen Einnahmen gegenüber.

Kritische Stimmen

Der Film kam in der Kritik bestenfalls mittelmäßig weg. Die Handlung fand der Konsens des Feuilleton halbwegs in Ordnung, aber auch überfrachtet und für Nicht-Fans an vielen Stellen, wo Begriffe wie Romulaner und Duras-Schwestern schnell umherfliegen, eher unverständlich. Mein damaliger Lieblingskritiker Roger Ebert schrieb über die Data-Handlung mit dem Emotionschip: "Das hätte zu vielen lustigen Szenen führen können. Tat es aber nicht." Lob gab es für Kameramann Alonzo, Kritik für die ungenau ausgearbeitete Motivation des Bösewichts. Spock-Darsteller und Beinahe-Regisseur Leonard Nimoy: "Der Film war ein Medienevent, das Treffen der beiden Captains. Aber als Film war er nicht sonderlich gut."

Kaum jemand nimmt Alan Ruck als Captain Harriman ernst. Quelle: Copyright Paramount Kaum jemand nimmt Alan Ruck als Captain Harriman ernst.

Die Boulevardpresse äußerte sich nicht zur Qualität, sie fand vielmehr ein gefundenes Fressen darin, Patrick Stewart und William Shatner eine bittere Fehde am Set anzudichten. Tatsächlich hatten die beiden sich jedoch blendend verstanden. McCoy-Darsteller DeForest Kelley scherzte auf der Premierenfeier: "Ein paar alte Freunde von mir haben einen Film gemacht. Ich hörte, Shatner wird langsam tüddelig und ich wollte schauen, ob er sich noch seinen Text merken kann."

Co-Autor Ron Moore: "Ich erinnere mich, wie Brannon und ich uns abmühten. Wie entschlossen wir waren, dass der Film funktioniert. Dann sahen wir das fertige Produkt und wussten sofort, dass unsere Augen größer gewesen waren als unser Mund. Wir hatten nicht ganz geschafft, was wir vorhatten. Immerhin entwickelte sich Generations zu einem großen finanziellen Erfolg. Heute mag ich den Film, aber er ist nicht perfekt. Das größte Problem war wahrscheinlich, dass wir direkt und ohne Pause aus der Serie in den Film durchstarteten."

Da bin ich ganz bei Moore. Die Kinofilme der Original-Crew funktionieren für mich deswegen so gut, weil man ihnen anmerkt, dass die Charaktere in der Zwischenzeit älter geworden sind, sich weiterentwickelt haben. Insbesondere der erste und zweite Kinofilm beendeten Durststrecken und waren von den Fans heiß ersehnt. Diese waren 1994 aber eher übersättigt und Generations fühlte sich an, wie ein zweites, schnell hinterhergeschossenes Serienfinale, das es mit All Good Things... nicht aufnehmen konnte.

Ich habe ein großes Herz für den Film, finde aber seine Handlung zu vollgestopft. Ich als Zuschauer fühle mich von einem Subplot in den nächsten gerissen, ohne dass es je zu einem einheitlichen Ganzen zusammenwächst. Auch bin ich der festen Überzeugung, dass die Einmischungen den Film nicht besser machten. Ich würde ihn gern sehen, den Film ohne den Feuertod von Picards Verwandten. Ohne die Kitsch-Weihnacht. Und mit dem Western-Finale.

Das letzte Wort hat der scheidende Captain, William Shatner. Er fand es befremdlich, dass Kirk von beiden Captains der passivere ist. "So ein Unsinn. Einen Jim Kirk muss man nicht dazu überreden, Gutes zu tun."

Epilog

Damals war ich begeisterter als heute. Aus meinen Aufzeichnungen vom 9. Februar 1995: "[Ich fuhr mit dem Bus] zum Filmpalast. Dort traf ich in der Vorhalle Marc und Simon. Wir bezahlten und gingen hoch. Wir sahen Star Trek: Generations. Ich behaupte, noch etwas voreingenommen allerdings, daß dieser Film der beste der ganzen Reihe sei. Zweifellos aber ist der Soundtrack genial, die Tricks furios und die Handlung schnell und sehr spannend. Nach dem Film trafen wir in der Vohalle [sic] Thorsten und die beiden Christians, die in die Vorstellung um 17.30 Uhr gehen wollten. Ich erzählte vom Film etwas, ohne zu viel zu verraten."

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine frohe Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Hoffentlich weniger kitschig als bei Picards im Nexus. Verfügbarkeitshinweis: "Star Trek: Treffen der Generationen" ist im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf 4K-UHD-Disc, Blu-ray und DVD.

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  1. Seite 1 Die Geschichte von Star Trek: Treffen der Generationen
  2. Seite 2 Der Regisseur & die Gaststars
  3. Seite 3 Der Drehbeginn & die Enterprise
  4. Seite 4 Weihnachten bei den Picards
  5. Seite 5 Das falsche Finale & Epilog
    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von tribberdibber Anfänger/in
        Auch von Interesse https://forum.pcgames.de/...
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Neben "Nemesis" der einzige Trek-Film den ich mir nur ein (!) Mal antun konnte. Ich kann als ST-Fan ja viel ertragen, diese "Staffelübergabe" war allerdings übelster Graus.
      • Von steel2000 Mitglied
        Als ich im Vorfeld etwas über den Inhalt hörte, malte ich mir eine Menge aus. Allein die Vorstellung: Die Besatzungen beider Schiffe in einem Film!
        Das Ergebnis empfand ich doch eher enttäuschend. Und verließ obendrauf schockiert das Kino, denn: `Meine` Enterprise kaputt und Kirk tot.

        Danke für die Hintergrundinformationen, denn so weiß ich endlich: Mal wieder lag es am Geld und so manchen Ego – es war eigentlich mehr geplant. Wobei gut war, dass auf einige Dinge verzichtet wurde, wie der Ausbau der Nebenhandlung um Data. So, wie es schließlich verfilmt wurde, war schon in Ordnung. Lustig bis heute: Seine Suche nach Lebensformen mittels Brückenkonsole!:-D
        Mehr davon hätte wohl bedeuten können, in so einem Klamauk wie Sektion 31 zu enden. Oder vor allem der erste Film von J.J. Abrams (Aber andere Geschichte)

        Letztendlich ist der Film nicht der Schlechteste, auch wenn er einige Längen aufweist. Doch bedenkt man, als Nachfolger von Das unentdeckte Land zu erscheinen, würden es die meisten Filme schwer haben.
      • Von 08-of-15 Spiele-Novize/Novizin
        Eine weitere wunderbare Star Trek Retrospektive.
        Ja ist denn heut schon Weihnachten? ... *check Kalender* OMG!!!
      Direkt zum Diskussionsende
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