Vom Fernsehen direkt ins Kino: Die Geschichte von Star Trek: Treffen der Generationen

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Special Sebastian Göttling - Autor Maik Koch - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Vom Fernsehen direkt ins Kino: Die Geschichte von Star Trek: Treffen der Generationen
Quelle: Copyright Paramount

Star Trek Treffen der Generationen - Die Geschichte: Pünktlich zum Weihnachtsfest liefert euch unser Star Trek-Experte Sebastian Göttling einen Einblick ins weihnachtliche Star Trek Generations.

Das Wort Spoiler kannte ich vor 30 Jahren noch nicht - und selbst wenn, wäre es mir wahrscheinlich egal gewesen. Ich war damals ein Star-Trek-Megafan und als solcher ein Schwamm, der jegliche Infos bereitwillig aufsog. In meinem Artikel zum Next-Generation Serienfinale All Good Things... zitierte ich bereits aus meinen Aufzeichnungen vom 28. Mai 1994, dass mir mein lieber Freund und Nerdkollege Christian dessen gesamte Handlung telefonisch durchgab. Entnommen hatte er diese dem Clubmagazin des deutschen Star-Trek-Fanklubs STCE (Star Trek Central Europe), der Trekworld mit der Nummer 32.

Doch das war nur die halbe Wahrheit, denn in derselben Ausgabe wurde ebenfalls der komplette Inhalt des kommenden Kinofilms ausgeplaudert, der ein halbes Jahr nach Erstausstrahlung des Serienfinales starten sollte. Aus meinen Aufzeichnungen: "[Christian erzählte mir] die komplette Handlung des siebten Kinofilms Star Trek VII: Generations! [sic] Er wird sehr actionlastig sein, mit viel Handlung, der Enterprise-B, der ganzen Classic- und TNG-Crew und Data wird den Emotionschip aus Brothers bekommen!" Acht Monate und zwölf Tage vor dem deutschen Kinostart wusste ich alles über den heißersehnten Film. Oder besser gesagt: Ich glaubte, alles zu wissen.

Das Drehbuch

Spulen wir weitere zwei Jahre zurück zum Beginn der Entstehungsgeschichte von Star Trek: Generations (ohne VII, zu Deutsch Star Trek: Treffen der Generationen), irgendwann zu Beginn des Jahres 1992. Da stand fest, dass der sechste Kinofilm Star Trek VI: The Undiscovered Country (Star Trek VI: Das unentdeckte Land), seines Zeichens eine Feier des silbernen Star-Trek-Jubiläums und Schwanengesang der Original-Crew, ein Kassenschlager war. Infolgedessen zitierte Paramount-Chef Brandon Tartikoff Rick Berman zu sich.

Der hatte eigentlich nichts mit Kino-Trek zu tun, dafür war bei den Filmen II bis IV Harve Bennett verantwortlich und zuletzt Spock-Darsteller Leonard Nimoy. Nein, Berman war strikt aufs Fernsehen abonniert als ausführender Produzent der Next Generation. Tartikoffs Auftrag an Berman: Die Serie nach der siebten Staffel beenden und die Crew um Captain Picard danach schnellstmöglich auf die Kinoleinwand bringen. Bestenfalls mit einer offiziellen Übergabe des Staffelstabs von der alten Crew an die neue.

TV-Produzent Rick Berman holt Captain Kirk für sein letztes Abenteuer zurück. Quelle: Copyright Paramount TV-Produzent Rick Berman holt Captain Kirk für sein letztes Abenteuer zurück.

Bemerkenswert: Die Chefetage von Paramount mischte sich zunächst kaum weiter ein, Berman bekam freie Hand. Er rief zwei seiner besten Fernsehautoren zu sich: Ronald D. Moore und Brannon Braga. Und weil sie gerade in der Mitte der sechsten Staffel Next Generation steckten, dachten die zwei zunächst, die Serie würde am Ende des Produktionsjahres abgesetzt und sie wären ihre Jobs los. Ron Moore: "Rick wusste, dass wir das denken, und hat uns richtig zappeln lassen. Er stand lange am Fenster und guckte raus. Als würde er für Mount Rushmore posieren. Endlose, quälende Minuten." Doch weit gefehlt, der Chef delegierte den kreativen Anteil seiner eigenen Kino-Aufgabe: "Ihr schreibt ein Drehbuch für den siebten Kinofilm, den ersten mit Picards Crew."

Ein Wunschzettel

Rick Berman händigte den beiden eine umfangreiche Checkliste aus. Auf dieser standen sechs Dinge, die seiner Meinung nach im fertigen Film unbedingt enthalten sein mussten...

  1. Die gesamte Original-Crew tritt zu Beginn des Films auf.
  2. Den Mittelteil bestreitet die Crew der Next Generation für sich.
  3. Am Filmende kommt von der alten Crew alleinig Captain Kirk zurück und übergibt im übertragenen Sinne den Staffelstab an Picard.
  4. Ein Bösewicht, der sich mit Khan aus dem zweiten Kinofilm messen kann.
  5. Klingonen!
  6. Ein humorvoller Subplot um den Androiden Data.

Die beiden Autoren wurden den gesamten Mai 1993 freigestellt, um das Drehbuch zu schreiben - das entsprach für sie exakt der Sommerpause der Next-Generation-Staffeln 6 und 7.

Einige Fehlstarts

Beim Gedanken an ein Aufeinandertreffen der alten und neuen Crew hegte Ron Moore einige Zeit lang eine elektrisierende Marketing-Idee. Ihm schwebte ein Filmplakat vor, auf dem die Enterprises A und D gegeneinander in eine epische Raumschlacht verwickelt sind. Allerdings fanden Moore und sein Kollege Braga keine zu diesem Visual passende Geschichte - vor allem, weil es bedeutet hätte, entweder Kirk oder Picard zumindest vorübergehend die Position des Antagonisten einnehmen zu lassen. So verlockend dieses Postermotiv auch war, man verabschiedete sich davon.

Beide Autoren fanden, dass der zweite und der vierte Kinofilm die besten der klassischen Reihe sind - The Wrath of Khan (Der Zorn des Khan), weil er auf allen narrativen Ebenen hochdramatisch funktioniert - und The Voyage Home (Zurück in die Gegenwart) wegen des leichtfüßigen Humors. Sie schauten sich die Filme mehrfach an mit der Zielsetzung, die perfekte Kombination aus beiden zu entwickeln.

Regisseur David Carson und der andere Captain. Quelle: Copyright Paramount Regisseur David Carson und der andere Captain.

Nun hatte man schon drei Mal Charaktere der Originalserie in die Next Generation gebracht. Scotty war jahrzehntelang im Transporterstrahl "eingefroren" - McCoy und Spock hingegen waren einfach nur steinalt geworden, wobei man das dem unfassbar langlebigen Halbvulkanier nicht ansah. Um die Originalcrew nicht so runzlig erscheinen zu lassen wie Pille im Next-Generation-Pilotfilm, bedurfte es irgendeines Kniffs. Die grundsätzlich entscheidende Idee kam von Rick Berman, der ein wie auch immer geartetes, die Jahrhunderte umspannendes Mysterium vorschlug. So konnte jede Crew in ihrer eigenen Zeit agieren. Als mögliches Bindeglied überlegten sich Moore und Braga den Charakter der Enterprise-D-Barkeeperin Guinan, die noch um einiges langlebiger war als Spock und sich sogar bereits im 19. Jahrhundert auf der Erde herumgetrieben hatte.

Den allerersten Drehbuchfehlstart hatte Ron Moore bei sich selbst geklaut. Eigentlich wollte er die sechste Staffel mit einem spektakulären Cliffhanger beenden, in dem die Enterprise-D ausgemustert wird und fortan nur noch als Luxusliner/Museumsschiff das Trockendock verlässt, um im heimischen Sonnensystem prestigeträchtig Würdenträger umherzufliegen. Daraufhin wäre es gekommen, wie es kommen musste: Natürlich wäre das Schiff wider Erwarten doch auf gefährliche Notfallmission geschickt worden. (Womöglich, weil mal wieder kein anderes Raumschiff in der Nähe war - Klassiker.) Im Laufe dieses Einsatzes wäre die Antriebssektion der Enterprise-D zerstört worden - und die Untertasse auf einem Planeten notgelandet. Doch der Staffel-Cliffhanger war dann doch eine Borg-Story, Descent (Angriff der Borg). Und auch für den Kinofilm kam dieses Konzept nicht zum Einsatz, mit Ausnahme der Notlandungssequenz.

Captain Kirk muss sterben

Zurück auf Null. Star Trek funktionierte immer dann besonders gut, wenn es sich den ganz großen philosophischen Menschheitsfragen stellte, da waren sich Moore und Braga einig. Gesucht war zunächst also ein solcher Aufhänger als übergeordnetes Thema für den Film. Etwas Monumentales. Rasch einigte man sich auf das Konzept der Sterblichkeit, das auch bereits ein zentrales Motiv des zweiten Kinofilms gewesen war.

Einen Charakter der Next Generation konnte und wollte man nicht umbringen, die sollten immerhin noch mehr Filme als nur diesen einen unbeschadet bestreiten. Also musste es jemanden der alten Garde treffen. Ron Moore: "Einer von uns meinte plötzlich - was wäre, wenn wir Kirk umbringen? Wow! Mehr als Wow fiel uns dazu nicht ein, von da an war das gesetzt." Am 1. Juni 1993 wurde hierauf basierend der erste vorzeigbare Entwurf fertiggestellt.

Doch nun galt es, Paramount und vor allem Kirk-Darsteller William Shatner zu überreden. Zur großen Überraschung aller hatte dieser kein Problem damit, den Leinwandtod zu sterben - vielmehr war er mit etwas ganz anderem unzufrieden. Shatner machte Moore und Braga die klare Ansage, dass er das Drehbuch mehrere Male komplett studiert hatte und zu dem Schluss kam: Sein Kirk war kein wesentlicher Bestandteil der Geschichte.

Die zwei Autoren waren schwer verunsichert, hatten sie Kirk doch als aufopfernden Helden der Story geschrieben. Schließlich trauten sie sich aber doch, genauer bei Shatner nachzubohren. Der wünschte sich daraufhin, dass Kirk deutlich mehr Selbstzweifel an den Tag legt und sogar mit seiner zentralen Lebensentscheidung hadert - genauer gesagt der, viele Jahrzehnte zuvor eine Sternenflottenkarriere anzutreten. Weil sie nicht am Sockel ihres großen Idols rütteln wollten, hatten die beiden Autoren es tunlichst vermieden, dem legendären Captain solche schwachen Momente anzudichten. Nun aber hatten sie Shatners ausdrücklichen Segen und gingen tiefer.

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  1. Seite 1 Die Geschichte von Star Trek: Treffen der Generationen
  2. Seite 2 Der Regisseur & die Gaststars
  3. Seite 3 Der Drehbeginn & die Enterprise
  4. Seite 4 Weihnachten bei den Picards
  5. Seite 5 Das falsche Finale & Epilog
    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von tribberdibber Anfänger/in
        Auch von Interesse https://forum.pcgames.de/...
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Neben "Nemesis" der einzige Trek-Film den ich mir nur ein (!) Mal antun konnte. Ich kann als ST-Fan ja viel ertragen, diese "Staffelübergabe" war allerdings übelster Graus.
      • Von steel2000 Mitglied
        Als ich im Vorfeld etwas über den Inhalt hörte, malte ich mir eine Menge aus. Allein die Vorstellung: Die Besatzungen beider Schiffe in einem Film!
        Das Ergebnis empfand ich doch eher enttäuschend. Und verließ obendrauf schockiert das Kino, denn: `Meine` Enterprise kaputt und Kirk tot.

        Danke für die Hintergrundinformationen, denn so weiß ich endlich: Mal wieder lag es am Geld und so manchen Ego – es war eigentlich mehr geplant. Wobei gut war, dass auf einige Dinge verzichtet wurde, wie der Ausbau der Nebenhandlung um Data. So, wie es schließlich verfilmt wurde, war schon in Ordnung. Lustig bis heute: Seine Suche nach Lebensformen mittels Brückenkonsole!:-D
        Mehr davon hätte wohl bedeuten können, in so einem Klamauk wie Sektion 31 zu enden. Oder vor allem der erste Film von J.J. Abrams (Aber andere Geschichte)

        Letztendlich ist der Film nicht der Schlechteste, auch wenn er einige Längen aufweist. Doch bedenkt man, als Nachfolger von Das unentdeckte Land zu erscheinen, würden es die meisten Filme schwer haben.
      • Von 08-of-15 Spiele-Novize/Novizin
        Eine weitere wunderbare Star Trek Retrospektive.
        Ja ist denn heut schon Weihnachten? ... *check Kalender* OMG!!!
      Direkt zum Diskussionsende
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