Login
Passwort vergessen?
Registrieren
Kolumne

Geht mir weg mit Unreal Engine 5 und Co. - Beim Wettrüsten um die "beste" Grafik verlieren wir alle

Moderne Grafikmotoren wie die Unreal Engine 5 sind mittlerweile eher für ihre miese Performance als für ihre Grafikpracht bekannt. Muss das wirklich sein?
Stefan Wilhelm
Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Quelle: GSC Game World / Epic Games / PC Games

Anfang Februar fegt eine Brise der Erleichterung durch die (PC-)Gaming-Community: Mit Kingdom Come: Deliverance 2 erscheint ein riesengroßes Triple-A-Rollenspiel in einer offenen Welt, voller Systeme und Features, und es ... läuft einfach!

Keine Berichte darüber, wie furchtbar die Optimierung auf dem PC ist, keine neuen Negativrekorde bei der Auflösung auf Konsole, sogar das Steam Deck stemmt den Brocken mühelos mit über 30 FPS. Dabei ist KCD2 optisch kein herunterstilisiertes Indie-Spiel, nein: Fotorealismus ist das Ziel, und zumindest die traumhaft schöne Spielwelt kommt dem auch erstaunlich nahe.

Woran liegt's? Vor allem daran, dass im Hintergrund der gleiche Grafikmotor werkelt wie beim Vorgänger von 2018, nämlich die CryEngine. Dass die in KCD2 weder Path- noch Raytracing beherrscht, und das Feature-Set auch sonst bodenständig daherkommt, scheint die Spielerschaft nicht groß zu stören.

Man ist viel zu erstaunt darüber, mal wieder ein Triple-A-Produkt zu bekommen, bei dem man nicht zig Kompromisse eingehen muss, um vernünftige Bildraten zu erzielen.

Das aktuelle Problemkind

Leider bestätigen Ausnahmen aber die Regel. Einen knappen Monat später bringt Capcom Monster Hunter Wilds auf den Markt und erntet zwar Traumwertungen für sein Gameplay, aber auch viel Kritik für seine Technik, vor allem bei Steam.

Dass die PC-Version direkt beim Start Frame Generation empfiehlt, also den Einsatz von zwischengeschobenen, KI-generierten Bildern, um die Framerate hochzupushen, lässt schon Übles erahnen, und das wird im Spiel nicht viel besser.

Monster Hunter Wilds entführt in den ersten Stunden in eine grau-braune, ziemlich leere und mit Matschtexturen tapezierte Wüste, und läuft dabei, als müsste der PC gerade eine Szene aus dem neuen Avatar-Film in Echtzeit rendern. Später, wenn sich der Grauschleier mal lichtet, kann das Spiel durchaus hübsche Landschaften auf den Bildschirm zaubern, Gesichter und Monster sehen ebenfalls klasse aus.

Aber klasse genug, um die Performance zu erklären? Wenn ihr mich fragt: nein. Und mir fallen auch sonst nicht viele Spiele der aktuellen Generation ein, bei denen mich die Technik so umgeblasen hat, wie es die Hardware-Anforderungen versprachen.

Cyberpunk 2077 mit Pathtracing ist so ein Fall, bei dem ich auch als Nicht-PCGH-Redakteur verstehe, warum das aktuell nur mit Upscaling und KI-Frames funktioniert. Oder Black Myth: Wukong, auch auf der Pathtracing-Stufe. Die sehen dann eben aus wie Spiele der nächsten Generation, die der Hardware ihrer Zeit voraus sind. So eine Beleuchtung, solche Reflexionen, das kannte man bisher nur aus vorgerenderten Szenen.

Oder die unglaublich echt aussehenden Gesichter und Landschaften in Hellblade 2. Ich denke da auch noch an das vielgescholtene Assassin's Creed Unity. Ja, das lief damals wie ein Sack Kartoffeln und war zu Release jenseits von unfertig, hatte aber auch eine viel zu detaillierte Spielwelt und eine beispiellose Menge an NPCs zu berechnen.

Was ist also der Grund, warum Spiele wie Monster Hunter Wilds, Stalker 2 oder Star Wars Outlaws einen derart massiven Hardware-Hunger an den Tag legen? Sehen sie viel besser aus als ein The Last of Us: Part 2 oder Ghost of Tsushima aus der letzten Konsolengeneration?

Builders of Egypt (PC / Steam Key) bei Gamesplanet.com für 17,55€ kaufen17,55 €

Haben sie lebendigere Welten als ein Red Dead Redemption 2? Ich finde nicht. Sie laufen aber deutlich schlechter. Ist der Unreal-Engine-5-Titel Remnant 2 dem Unreal-4-Shooter Atomic Heart optisch um Lichtjahre voraus? Nicht wirklich, aber der eine läuft auf der PS5 intern mit 720p, der andere bekommt native 1080p hin. Und zwar auf der PS4!

Artikel teilen

Reddit

Facebook

WhatsApp

Kommentare (11)

Zur Diskussion im Forum
  • Von mrvice Gelegenheitsspieler/in
    Nicht nur das unreal engine mega ressourcen frisst
    die verschlechtert auch so ziemlich alles was graphik betrifft stichwort TAA etc.
    unreal engine ist nicht mehr der heilige gral der graphik sondern der massive verfall und leuchtpfosten dafür was alles schiefläuft in punkto gamedesign.

    Man sollte sich mal diesen youtube channel zu gemüte führen.

    [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
  • Von mrvice Gelegenheitsspieler/in
    Nicht nur das unreal engine mega ressourcen frisst
    die verschlechtert auch so ziemlich alles was graphik betrifft stichwort TAA etc.
    unreal engine ist nicht mehr der heilige gral der graphik sondern der massive verfall und leuchtpfosten dafür was alles schiefläuft in punkto gamedesign.

    Man sollte sich mal diesen youtube channel zu gemüte führen.

    [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
  • Von sauerlandboy79 Mitglied
    Ich hab bis dato einige auf UE5 fußende Spiele erworben wie auch gespielt, und muss feststellen dass die Engine vor allem eines ist: Ein Ressourcenverschwender.

    Wenn ich daneben die technisch besten und performantesten Spiele mit Vorgänger-Engine stellen und damit Vergleiche erscheinen mir die Anforderungen der 5er-Version bei gleich bis leicht besserer Optik teilweise absurd hoch. Bin zwar froh dank meiner 4070 Super auch Frame Generation nutzen zu können - wenn unterstützt -, aber das kann ja auch nicht die Lösung sein.

    Ich bin auch eher dafür dass Raum für Konkurrenz-Engine bleiben muss. Da spreche ich mich sogar für Unity aus, selbst angesichts der letzten fragwürdigen Vertriebsform und der unglücklich gewählten Kommunikation.
  • Von Neawoulf Mitglied
    Die Unreal Engine kann zwar gut aussehen (Kantenglättung bzw. Bildschärfe mit Deferred Rendering mal beiseite gelassen), aber performancetechnisch bin ich da schon seit der UE4 am fluchen. Problem für mich ist nicht einmal primär die maximale oder durchschnittliche Framerate, sondern die minimalen Frames und Mikroruckler, selbst mit DLSS und Frame Generation (hallo Inputlag!).

    Beispiele: Wylde Flowers und Story of Seasons sind beides Farming Spiele a la Stardew Valley, allerdings mit 3d Grafik. Beide laufen sowohl auf meinem Steam Deck, als auch auf meinem Wohnzimmer-PC (Ryzen 4800 APU) problemlos mit maximaler Auflösung und stabilen 60 fps.

    Vor kurzem hab ich mir dann noch Coral Island für's Steam Deck gekauft, das die Unreal Engine 5 nutzt. Grafisch ist es mit den beiden oben genannten Spielen vergleichbar, sieht allerdings deutlich verwaschener aus, weil TAA. Und selbst mit minimalen Details und reduzierter Auflösung, die nochmal deutlich schlechter aussehen, kriege ich auf dem Steam Deck keine stabilen 60 fps zusammen.

    Hab schließlich nen Refund beantragt weil's für meine Zwecke (Steam Deck) einfach nicht angenehm spielbar ist. Auf der Ryzen APU sind nicht einmal 720p mit 30 fps bei minimalen Details stabil ohne Mikroruckler möglich.

    Die Unreal Engine braucht dringend mal Konkurrenz. Warum braucht selbst ein Horizon Zero Dawn (nicht Remaster) weitaus weniger Leistung für maximale Grafik, als so mancher kleine UE5 Titel mit deutlich schwächerer Grafik und ohne riesige Spielwelt? Mein Zockrechner (Ryzen 5800x3d, 32 GB Ram, RTX 4070 Ti, 1440p 144 hz Monitor) ist bei kaum einem UE5 Spiel in der Lage stabile 60 oder 72 fps ohne Mikroruckler zu liefern. Das sollte doch wirklich besser gehen.
  • Von denksde Anwärter/in
    ...Grundsätzlich ist es aber schon noch okay, auch Titel zu entwickeln, die dann auf einer 4090 verdammt gut aussehen und die Karte auch ordentlich auslasten, oder?
    Müssen jetzt alle Spiele zwangsläufig auch auf dem allerletzten, veralteten Gurken PC in 60 fps laufen?
    Wozu sollte es dann noch High-End Hardware geben, wo doch der Verfasser des Artikels pauschal für alle bescheinigt, dass das vollkommen unnötig wäre, weil ja immerhin er selbst meint, dafür kein Geld ausgeben zu wollen?
    Wer sind wir schon, dass wir uns anmassen, für uns selbst entscheiden zu wollen, wieviel uns das wert ist?
    Und wenn er keine schnelle Grafikkarte braucht, weil ihm Raytracing einfach zu teuer ist für das ach so bescheidene Bisschen mehr visuellen Realismus, dann brauchen wir das offenbar eben auch nicht.
    Und wo wir schon dabei sind: Wenn Raytracing so ein unwichtiger Quatsch ist, der quasi so gut wie überhaupt keine Vorteile hat, könnte man das doch auch gleich Disney-Pixar vorschlagen und gegen teure Beraterhonorare vorrechnen, wieviel Geld die wohl sparen könnten, wenn sie ihre Kinofilme zukünftig mit billigen rasterizing-Verfahren rendern würden.
    Selten so einen ausgemachten Käse gelesen!
    Wer lieber nicht so viel Geld ausgeben möchte, um dann auf einem billig-PC zu zocken, soll das von mir aus ja gerne machen.
    Aber dann etwas zu fordern, dass in der Konsequenz darauf hinausläuft, dass die Käufer von höherwertiger Hardware dann quasi nichts mehr bekommen können, wo sie von der Mehrleistung in irgendeiner Form etwas haben, finde ich einfach nur anmassend.
  • Von McDrake Mitglied
    Um die ganzen Probleme auch visuell nachvollziehen zu können, empfehle ich:
    [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
Direkt zum Diskussionsende
b_pcg_ArticlePage_Default