Geht mir weg mit Unreal Engine 5 und Co. - Beim Wettrüsten um die "beste" Grafik verlieren wir alle
Moderne Grafikmotoren wie die Unreal Engine 5 sind mittlerweile eher für ihre miese Performance als für ihre Grafikpracht bekannt. Muss das wirklich sein?
Falsche Prioritäten
Spinne ich, oder sind wir irgendwo falsch abgebogen? Auf der Jagd nach immer realistischeren Beleuchtungssystemen, Schatten, Reflexionen und Geländestrukturen treiben wir unsere Performance in den Keller und die Kosten in die Höhe, und zwar für - für meinen Geschmack - vernachlässigbare Vorteile. Dass ich hier und da in einer Pfütze eine realistische Spiegelung sehe, ist nett, aber nett genug, um dafür meinen PC zum überdimensionierten Heizlüfter zu machen?
Vor allem, wenn gut gemachte Screen-Space-Reflections im Vorbeilaufen nur unwesentlich schlechter aussehen. Besonders haarig wird's, wenn das Raytracing wie etwa bei Star Wars Outlaws nicht einmal abschaltbar ist. Dann ist auf schwächeren Systemen wie dem Steam Deck komplett Sense, obwohl genügsamere Spiele wie Kingdom Come 2 hübscher sind und tadellos darauf laufen.
Quelle: PCGH
Im Gegenzug brauchen wir dann ein ganzes Sammelsurium an Tricks, um uns wieder auf das Mindestmaß von 60 FPS zu hieven. Wenn ich an die Optik moderner Spiele denke, dann habe ich weniger ihre bahnbrechenden Features vor Augen als vielmehr die Kompromisse, die ich eingehen muss, um das alles überhaupt nutzen zu können.
Ein dezent unscharfes Bild, fleckige Schatten, krümelige Vegetation und Frisuren, Artefakte, Schlieren, Schärfefilter, Reflexionen, die aussehen, als hätte man einen ganzen Ameisenhaufen reingekippt. Das definiert für mich den Look eines durchschnittlichen modernen Spiels, und erst, wenn meine Augen all das ausblenden, freue ich mich über die Technik, die eigentlich dahinter werkelt.
Vor allem bei so manchem Konsolenspiel wird das Ausblenden aber so gut wie unmöglich. Ihr wollt Black Myth: Wukong auf der PS5 mit einer Framerate spielen, die eines Actionspiels würdig ist? Dann müsst ihr damit leben, dass jeder zweite Frame KI-generiert ist und den resultierenden Input Lag und die Artefakte ertragen. Final Fantasy 16 und FF7: Rebirth laufen in (teils sehr) niedrigen Auflösungen, und das ist deutlich sichtbar, Upscaling hin oder her.
Keine Frage des Geldes
Ich bin mir bewusst, dass das ein Stück weit Meckern auf hohem Niveau ist, vor allem auf Konsole. Ein 500-Euro-Gerät wird Triple-A-Spiele nicht in 4K mit 60 FPS darstellen können, nicht jetzt und sicher auch nicht in Zukunft, ganz egal, welche Fantasiezahlen die Hersteller auf die Packung schreiben.
Das Problem wird aber leider nur unwesentlich kleiner, je mehr Geld man draufwirft. Je mehr Geld die Hardware kostet - und da sind wir im PC-Sektor in absurden Dimensionen angekommen - desto höher liegen logischerweise auch die Ansprüche. Monster Hunter Wilds und Stalker 2 lassen mit nativen Auflösungen auch einen 3.000+ Euro teuren PC schwach aussehen, und die gebotene Optik wiegt das für mich nicht auf.
Da liegt die Vermutung nahe, dass sich oftmals nicht mehr sonderlich viel Mühe gegeben wird, die verfügbaren Hardware-Ressourcen clever auszunutzen, wenn man auch vorgefertigte Systeme wie DLSS oder FSR einbauen kann, die einem scheinbar sämtliches Feintuning abnehmen.
Raytracing ist in der Entwicklung auch deutlich leichter zu implementieren als die vorher üblichen Mittel und Wege, um Spiele zu beleuchten. Wie wir alle wissen, ist es für das System des Endnutzers aber auch viel anspruchsvoller darzustellen, während Spiele, in denen es einen gravierenden Unterschied macht, rar sind.
Und am Ende dieser Kette sitze ich vor meinem eigentlich viel zu teuren Setup und frage mich, ob ich mal wieder neue Kontaktlinsen brauche oder ob das wirklich alles irgendwie unscharf ist. Aber da sich abzeichnet, dass Grafik voller KI-Kompromisse die Zukunft ist, werde ich mich wohl oder übel dran gewöhnen müssen. Oder mehr Entwickler nehmen sich ein Beispiel an Kingdom Come 2 und setzen zur Abwechslung mal wieder auf ein Technikgerüst, bei dem die miese Performance nicht schon vorprogrammiert ist.

die verschlechtert auch so ziemlich alles was graphik betrifft stichwort TAA etc.
unreal engine ist nicht mehr der heilige gral der graphik sondern der massive verfall und leuchtpfosten dafür was alles schiefläuft in punkto gamedesign.
Man sollte sich mal diesen youtube channel zu gemüte führen.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
Wenn ich daneben die technisch besten und performantesten Spiele mit Vorgänger-Engine stellen und damit Vergleiche erscheinen mir die Anforderungen der 5er-Version bei gleich bis leicht besserer Optik teilweise absurd hoch. Bin zwar froh dank meiner 4070 Super auch Frame Generation nutzen zu können - wenn unterstützt -, aber das kann ja auch nicht die Lösung sein.
Ich bin auch eher dafür dass Raum für Konkurrenz-Engine bleiben muss. Da spreche ich mich sogar für Unity aus, selbst angesichts der letzten fragwürdigen Vertriebsform und der unglücklich gewählten Kommunikation.
Beispiele: Wylde Flowers und Story of Seasons sind beides Farming Spiele a la Stardew Valley, allerdings mit 3d Grafik. Beide laufen sowohl auf meinem Steam Deck, als auch auf meinem Wohnzimmer-PC (Ryzen 4800 APU) problemlos mit maximaler Auflösung und stabilen 60 fps.
Vor kurzem hab ich mir dann noch Coral Island für's Steam Deck gekauft, das die Unreal Engine 5 nutzt. Grafisch ist es mit den beiden oben genannten Spielen vergleichbar, sieht allerdings deutlich verwaschener aus, weil TAA. Und selbst mit minimalen Details und reduzierter Auflösung, die nochmal deutlich schlechter aussehen, kriege ich auf dem Steam Deck keine stabilen 60 fps zusammen.
Hab schließlich nen Refund beantragt weil's für meine Zwecke (Steam Deck) einfach nicht angenehm spielbar ist. Auf der Ryzen APU sind nicht einmal 720p mit 30 fps bei minimalen Details stabil ohne Mikroruckler möglich.
Die Unreal Engine braucht dringend mal Konkurrenz. Warum braucht selbst ein Horizon Zero Dawn (nicht Remaster) weitaus weniger Leistung für maximale Grafik, als so mancher kleine UE5 Titel mit deutlich schwächerer Grafik und ohne riesige Spielwelt? Mein Zockrechner (Ryzen 5800x3d, 32 GB Ram, RTX 4070 Ti, 1440p 144 hz Monitor) ist bei kaum einem UE5 Spiel in der Lage stabile 60 oder 72 fps ohne Mikroruckler zu liefern. Das sollte doch wirklich besser gehen.
Müssen jetzt alle Spiele zwangsläufig auch auf dem allerletzten, veralteten Gurken PC in 60 fps laufen?
Wozu sollte es dann noch High-End Hardware geben, wo doch der Verfasser des Artikels pauschal für alle bescheinigt, dass das vollkommen unnötig wäre, weil ja immerhin er selbst meint, dafür kein Geld ausgeben zu wollen?
Wer sind wir schon, dass wir uns anmassen, für uns selbst entscheiden zu wollen, wieviel uns das wert ist?
Und wenn er keine schnelle Grafikkarte braucht, weil ihm Raytracing einfach zu teuer ist für das ach so bescheidene Bisschen mehr visuellen Realismus, dann brauchen wir das offenbar eben auch nicht.
Und wo wir schon dabei sind: Wenn Raytracing so ein unwichtiger Quatsch ist, der quasi so gut wie überhaupt keine Vorteile hat, könnte man das doch auch gleich Disney-Pixar vorschlagen und gegen teure Beraterhonorare vorrechnen, wieviel Geld die wohl sparen könnten, wenn sie ihre Kinofilme zukünftig mit billigen rasterizing-Verfahren rendern würden.
Selten so einen ausgemachten Käse gelesen!
Wer lieber nicht so viel Geld ausgeben möchte, um dann auf einem billig-PC zu zocken, soll das von mir aus ja gerne machen.
Aber dann etwas zu fordern, dass in der Konsequenz darauf hinausläuft, dass die Käufer von höherwertiger Hardware dann quasi nichts mehr bekommen können, wo sie von der Mehrleistung in irgendeiner Form etwas haben, finde ich einfach nur anmassend.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]