Fröhlich am Freitag: kik oder Prada, Benz oder Lada -- so ändert sich 2010 die Spielewelt
Unser Bundespräsident wirft von einem Tag auf den anderen die Brocken hin und ein 19jähriges Mädel namens Lena gewinnt für Deutschland den Eurovision Song Contest. Ereignisse, die vor wenigen Wochen noch als undenkbar galten. Auch in der Welt der PC- und Videospiele passieren derzeit Dinge von wahrlich historischen Dimensionen, wie PC-Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich beobachtet hat.
Anders, als es der Titel suggeriert, erschien dieses SimCity nicht im Jahr 2000, sondern 1993 - genau wie das Buch.
Mein Arbeitsvertrag datiert auf den 1. Juni 1995. Seit exakt 15 Jahren wirke ich also als angestellte Redakteurin bei COMPUTEC MEDIA (zuvor hab ich einige Jahre lang Spielebücher und Artikel für alle möglichen Computermagazine geschrieben).
In diesen anderthalb Jahrzehnten ist irre viel passiert: Die 3,5“-Diskette wurde durch die CD-ROM, schließlich von der DVD und schließlich durch die Flatrate ersetzt. Gigantische Call of Duty-, Starcraft- und FIFA-Schlachtfelder haben die Viermann-C&C-Firmennetzwerk-Partien der 90er abgelöst. Mein PC hatte noch nie so viele Kerne und Hertzen wie heute. Und man muss auch keine Hartgummikugeln mehr aus der Maus ausbauen und die angesetzten Staubfetzen mit dem Schraubenzieher von den Rädchen schaben.
Keine Frage, eine buchstäblich atemberaubende Entwicklung.
Aber was derzeit auf dem Spielemarkt passiert, ist extrem aufregend -- und dramatisch. Es beeinflusst die Art und Weise, wo und wie und was und wie viel wir spielen. Es hat fundamentale Auswirkungen auf Spieldesigner, auf Publisher, auf Spieleverkaufszahlen, die Zugriffe auf Websites, auf Communities und Fansites, auf die Auflagen von Spielemagazinen, auf die Anzahl und Qualität der veröffentlichten Spiele.
Quelle: Computec Media
"Fröhlich am Freitag" ist die Kolumne der gleichnamigen Chefredakteurin von PC Games - und sie heißt nicht Freitag.
Das Ausmaß ist mir erst gestern wieder bewusst geworden, als ich eine Meldung über die PSP Go gelesen habe. Die Sony-Hosentaschenkonsole wird den Händlern – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade aus den Händen gerissen (zumindest außerhalb Japans), tritt sie doch gegen andere tragbare Spielzeuge wie den Nintendo DS und das iPhone an.
Ein Grund könnten die vergleichsweise hohen Spielepreise sein, die potenzielle Käufer verschrecken. Ein britischer Sony-Manager bestätigte dies indirekt mit der Feststellung, dass sich das Verhalten der Spielekäufer massiv geändert hat: „Die Verbraucher akzeptieren zwar, dass sie hochpreisige Hardware kaufen müssen. Gleichzeitig erwarten sie, dass sie für die Software nur ganz wenig – manchmal sogar überhaupt nichts – zahlen.“
Huch, hat Sony womöglich die waghalsige Argumentation mancher Raubkopierer übernommen („Der PC ist so teuer, da kann ich doch nicht auch noch Geld für Risen ausgeben…“)?
Mitnichten. Stattdessen teilt sich die Milliardenschwere Spieleindustrie zunehmend in zwei Lager. Dazwischen: nichts. Frei nach dem Motto: Kik oder Prada? Für Karstadt bleibt da nix übrig.
Wenn man sich die Schlagzeilen der vergangenen Wochen anguckt, gibt es derzeit enorm viele Argumente pro „Kostenlos“:
Quelle: Radon Labs / dtp
Fortsetzung folgt: Der "Fluss der Zeit" ist versiegt, dafür kommt Drakensang 3 -- allerdings von Bigpoint, vermutlich als Free2play-Rollenspiel.
· Nach der Pleite von Radon Labs (Das Schwarze Auge: Drakensang, Drakensang: Am Fluss der Zeit) übernimmt ausgerechnet der Hamburger Browsergames-Riese Bigpoint (Seafight, Dark Orbit) das angeschlagene Berliner Studio. Drakensang 3 kommt zwar, aber mit Sicherheit nicht mehr als klassisches 50-Euro-Spiel wie bisher, sondern als prinzipiell kostenloses Client-Rollenspiel à la Metin 2, 4Story oder Runes of Magic.
· Neben World of Warcraft gibt es kein einziges Abo-Rollenspiel (also mit monatlichen Gebühren), das weltweit vernünftig funktioniert. Aion, Herr der Ringe Online, Warhammer Online, Star Trek: Online und Age of Conan haben sich nach anfänglichen Erfolgen auf einem Mehr-schlecht-als-recht-Niveau eingependelt. Bei Bioware wird man sich deshalb intensive Gedanken über Star Wars: The Old Republic machen.
· Das Berliner Unternehmen Frogster wollte ursprünglich mit Abo-Rollenspielen nach dem Vorbild von World of Warcraft den Markt aufrollen – und scheiterte unter anderem mit der Fantasy-Welt The Chronicles of Spellborn. Hingegen landete Frogster einen Volltreffer mit dem extrem populären, kostenlosen Runes of Magic, der Aktienkurs schoss in die Höhe. Erst kürzlich ist das dritte Chapter erschienen, PC Games begleitet das Spiel mit einer eigenen Sonderheft-Reihe.
Quelle: Monte Cristo
Megaflop mit Megastädten: Der Online-"Planetenmodus" von Cities XL wird nicht weiter betrieben -- den Käufern des Spiels bleibt nur der Trost im Solomodus.
· Der traditionsreiche französische PC-Spiele-Hersteller Monte Cristo stellte im Mai den Geschäftsbetrieb ein, weil der SimCity-Klon Cities XL (50 EUR für das eigentliche Spiel plus monatliche Gebühren) überhaupt nicht funktioniert hat. Aus heutiger Sicht wäre es vermutlich cleverer gewesen, das Spiel einfach zu verschenken und stattdessen Geld durch den Verkauf von außergewöhnlichen Gebäuden oder Sehenswürdigkeiten einzunehmen (Motto: „Wer den Eiffelturm haben will, zahlt dafür 1 EUR“).
· Den Spielern stehlen sie die Zeit, den Nichtspielern die Nerven: Farmville und Mafia Wars (ein rundenweises GTA) sind neben Bejeweled die beliebtesten Facebook-Spiele – man kann sie kostenlos spielen und zahlt nur, wenn man sich zeitraubendes Geklicke ersparen will. Hersteller Zynga Games machte im vergangenen Jahr 200 Millionen Dollar Umsatz – und das wohlgemerkt mit kostenlosen Flash-Spielen.
· Spiele sind die mit weitem, weitem Abstand beliebstesten und meistgekauften Apps im Download-Store von Apples iPhone. Viele Perlen gibt’s für ein paar Cents oder gar kostenlos, Kracher wie das Geschicklichkeitsspiel Plants vs Zombies sind für wenige Euro zu haben. Nintendo und Sony verlangen drei-, vier-, fünf-, sechs Mal soviel für DS- und PSP-Module.
Quelle: PC Games
Für das kostenlose Strategiespiel Lord of Ultima reichen Internet Explorer oder Firefox - trotzdem bietet das Phenomic-Spiel enorme Spieltiefe.
· Das deutsche Studio EA Phenomic (gegründet vom Siedler-Erfinder Volker Wertich) wäre am komplexen Strategiespiel Battleforge fast zugrunde gegangen, ehe man es zum kostenlosen Download bereitgestellt hat. Hoffnungsträger von Phenomic ist das ausgeklügelte Aufbauspiels Lord of Ultima, das direkt im Browser gespielt wird.
· Nach den sehr guten Erfahrungen mit FIFA Online versucht’s Electronic Arts nochmal mit einem Need-for-Speed-Online-Rennspiel: Sie können Need for Speed World (erscheint am 20. Juli) gratis herunterladen und spielen und zahlen nur, wenn Sie sich bestimmte Strecken, Fahrzeuge oder Tuningteile leisten wollen.
Ist „Gratis“ also das Allheilmittel?
Auf der entgegengesetzten Seite der „Wir verschenken unsere Spiele“-Skala steht ein fröhlich winkender Bobby Kotick, der Chef von Activision-Blizzard. Der behauptet keck, dass 60 Euro für Starcraft 2 oder Modern Warfare 2 eigentlich ein Schnäppchen sind. Der Erfolg gibt dem Firmenlenker Recht: Während Electronic Arts und Ubisoft rote Zahlen schreiben, kann Activision vor Kraft kaum laufen und ist extrem profitabel (nicht zuletzt wegen World of Warcraft, klar).
Quelle: Rockstar
Alle Mann nachladen: Nach den erfolgreichen DLCs für GTA 4 wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Downloadpakete für Rockstars Red Dead Redemption geben.
Keine Frage: Das Jahr 2010 wird zum Schicksalsjahr für fast alle Publisher und Studios – und die Mitte Juni stattfindende E3 in Los Angeles wird ein Zeugnis dessen ablegen. Da die Entwicklung von Spielen immer teurer wird (Red Dead Redemption hat angeblich 100 Millionen Dollar gekostet), müssen sich PC- und PlayStation-3-Spielehersteller entscheiden, und zwar schnell: Bin ich Premium – oder bin ich (fast) kostenlos? Dazwischen wird es auf absehbare Zeit keine Luft zum Atmen mehr geben.
Doch wer kann eigentlich überhaupt (noch) Premium? Will sagen: Wer darf seinen Kunden 50 EUR und mehr für ein Spiel abknöpfen, ohne rot zu werden? Zum Kreise dieser Top-Studios würde ich unter anderem zählen:
· Rockstar Games (GTA 4, Red Dead Redemption)
· Valve (Half-Life 2)
· Blizzard (Warcraft 3, Starcraft 2, Diablo 3)
· Infinity Ward (Call of Duty: Modern Warfare 2) – zumindest bis Ende 2009
· Related Designs (Anno 1701, Anno 1404)
· Crytek (Crysis 1 + 2)
· Ubisoft Montreal (Assassin’s Creed 2, Far Cry 2)
· Bioware (Dragon Age: Origins, Mass Effect 2)
· DICE (Battlefield: Bad Company 2)
· Bethesda Softworks (Fallout 3, Oblivion)
Ihnen fallen sicher noch zwei, drei weitere Studios dieser Güteklasse ein.
Wie so oft: Die Welt ist nicht komplett schwarzweiß: Die Schweden von EA DICE stellen beispielsweise ein Battlefield: Bad Company 2 auf die Beine und experimentieren gleichzeitig mit dem kostenlosen Online-Multiplayer-Shooter Battlefield Heroes. Und Valve verschenkt via Steam mal eben das geniale Portal.
Ein sonniges Premium-Wochenende - und zwar völlig gratis - wünscht Ihnen
Petra Fröhlich

Es gibt eben zwei riesige unterschiedliche Gesichter. Auf der einen Seite gibt es ein paar Entwickler, die wirklich richtig gute Spiele machen. Auf der anderen Seite aber der ganze Großteil der Branche, der einfach nur Dreck produziert. Machen wir uns nichts vor: Ein Großteil der heute veröffentlicht wird, ist einfach nur schlecht. Oberflächliche Wischiwaschi-Spiele, irgendwo beim Anspruch zwischen Sonderschule und Schulabbrecher gelandet, die eine Beleidigung für jeden sind, der gerne Qualität möchte. Deswegen sind wohl viele einfach nicht mehr bereit für solche Spiele zu zahlen.
Ich wäre auch bereit für jedes Spiel 60 Euro zu zahlen, wenn man einfach nur mal wieder etwas vom Schlage eines Deus Ex, No one lives Forever oder Morrowind bekäme, aber da gibt es nichts. Fast keine Spiele mehr in die man sich richtig reinknien und vertiefen kann, welche durch eine intelligentes und anspruchsvolles Spielerelebnis glänzen. Stattdessen wird man mit Dumpfheit und Oberflächlichkeiten ohne Ende bombadiert.
So als müsste jemand der gerne ein leckeres Schnitzel oder Braten mag, sich nur noch mit Fast-Food-Burgern begnügen. Davon wird man zwar auch satt, aber wirklich glücklich macht das einen nicht.
Also ich hab kein Problem damit 50 oder 60€ für ein gutes Spiel auszugeben. Man muss halt sehen wie viel man dafür bekommt. Wenn ich als Beispielt MW2 heranziehe, war ich nicht bereit das volle Geld zu bezahlen und habs mir für knapp 20 Euro (nach nichtmal 2 Monaten!) bei Amazon gekauft. 6 Stunden Singleplayer (der dafür nichtmal bombastisch ist. Wenn ich Kriegsepos sehen will, wo ich eigentlich nur Statist bin, schau ich mir Saving Private Ryan an -.-) war schon der erste Kritikpunkt, aber als ichs dann hatte und sah wie der Multiplayer war, habe ich doch meine drei Kreuze gemacht, dass ichs mir nicht neu gekauft habe.
Andere Spiele dagegen, wie zB Dragon Age Origins, für die ich jetzt schon 70 Stunden draufgehauen hab (mit meinem ersten Charakter wohlgemerkt!), und noch viele andere Karrieren zumindest mal die Einstiegskampagne durchzocken kann, und insgesamt locker auf 150 Stunden guten Spielspaß kommen werde, da bin ich auch bereit 60 Euro zu zahlen.
Genauso die Spiele von Blizzard, ich habe fast 3 Jahre WoW gespielt. Klar hat es 13 Euro im Monat gekostet, aber ich hab zu Topzeiten auch fast 20 Stunden die Woche gespielt. Wenn ich überleg 55 Euro für andere Spiele die insgesamt nur 10 Stunden Spielspaß liefern...
Also wie bereits gepostet: Ich brauch die Mitte nicht. Für die Kurzweil Zwischendurch tuts auch das Gratisspiel, wenn ich ne Story will, tolle Grafik und Spielspaß en masse, dann darfs auch 50-60 Euro kosten. Dann solls aber auch bitteschön mindestens 50-60 Stunden fesseln, und nicht blos 5-6.
Das hat Blizzard halt raus. Starcraft werd ich bestimmt nicht unter 50 Stunden rauskommen.
Ich zahle gerne 100€ für die SC 2 Collector's Edition.
50-60€ halte ich für angebracht für neue Singleplayer Spiele. Man muss halt bedenken, daß die Entwicklungskosten ungleich höher sind, als bei Spielen vor 10 Jahren. Vertonung, Videos, 3D, Physik, Kompabilität, Patches.
Das alles gab es früher entweder gar nicht, oder nur in sehr geringem Maße.
Ich glaube nicht das sich auf dem PC Spielpreise von 50 oder 60€ durchsetzen. Ich selbst würde nicht mehr als 25€ für ein neues Spiel zahlen wollen.
Prinzipiell würde ich mich weder Premium noch kostenlos einordnen.
Premium nur recht selten, da ich bis auf wenige Ausnahmen (Blizzard, Nintendo und mit leichten Abstrichen Valve + Bioware sowie große Überraschungen wie z.B. den Witcher) nie den 50€ Startpreis für Spiele zahle.
Stattdessen kaufe ich Unmengen GotY-Editionen, Budgettitel, Sammlungen, Bundles und andere Angebote (von Grabbeltisch für 2,50€ bis Schnäppchen für 20-30€ ist alles dabei). Also quasi schon Premium, nur nicht zum Premium-Preis. Muss ich auch nicht, da es so viele gute Games gibt und ich immer so einen Berg verschiedener Titel noch durchspielen muss, das interessante Neuheiten dann schon längst günstiger zu haben sind, wenn ich mich bis zu ihnen vorgearbeitet habe.
Kostenlos sowieso nicht, weil ich mit dem ganzen Schrott nichts anfangen kann, mir dafür meine Zeit zu schade ist und ich qualitativ hochwertige und epische Erlebnisse im Spielesektor will.