Kingdom Come 2: Dieses Spiel hat so viel Gothic im Blut!

4
Kolumne Carlo Siebenhüner - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Kingdom Come 2: Dieses Spiel hat so viel Gothic im Blut!
Quelle: Plaion / PC Games

Kingdom Come: Deliverance 2 will die Atmosphäre mit der groben Kelle austeilen. Gothic-Experte Carlo schätzt ein, ob es mit der RPG-Serie mithalten kann.

Das Spiel gibt einem auch die Zeit, sich daran zu gewöhnen. Der Prolog geht echt eine ganze Weile und führt einen sanft an die Sache ran. Na ja, und nachdem ich dann in die offene Welt entlassen wurde und gesehen habe, wie viele Systeme in dieser Spielwelt stecken, habe ich die Ego-Perspektive sogar sehr gern in Kauf genommen.

Von Wäldern und Wiesen

In meiner Kolumne zur Atmosphäre in Gothic habe ich damals zwei Punkte festgemacht: einmal die Welt und wie sie gestaltet ist und einmal ihre Bewohner bzw. ihr Verhalten.

Ein Ausblick auf die Felder des Großbauern in Gothic 2 Quelle: pcgames Lege ich da jetzt Kingdom Come: Deliverance 2 (jetzt kaufen 42,99 € / 28,99 € ) an, gibt's viele Parallelen zu Gothic. Fangen wir doch mal mit der Spielwelt an. Gothic hat ein sehr durchdachtes Leveldesign. Man erkennt markante Punkte zügig und so verfestigt sich die Welt schnell im Gedächtnis. Man findet sich flott gut zurecht.

Die erste Region in Kingdom Come 2 ist da genauso. Trosky ist ein bildschönes Fleckchen Erde mit einem ganz wichtigen Erkennungsmerkmal: Da thront eine fette Burg in der Mitte der Karte. Das ist natürlich ein einfacher, aber sehr starker Orientierungspunkt. Die Burg sieht man fast von jeder Stelle der Region aus. Um den Hügel herum gibt es dann ein paar kleinere Dörfer. Außerdem findet man in der Umgebung auch einige Seen. Genug markante Punkte, dass ich die Orientierung schnell draufhatte.

Dazu kommt die allgemeine Gestaltung dieser Welt. Ich bin jemand, der Piranha Bytes immer hochgehalten hat, wenn es um die Gestaltung von Wäldern und Wiesen geht. Gerade, als Gothic in den 2000ern noch aktuell war, wurde Piranha Bytes immer als Meister von Umgebungen der "Marke Schwarzwald" hingestellt, und das stimmte auch. Die Wälder in Gothic 3 sehen selbst heute noch stimmungsvoll aus.

Die Burg Trosky im böhmischen Paradies. Quelle: Warhorse Piranha Bytes ist jetzt aber nun mal Geschichte, und ich bin jetzt auch in Kingdom Come sehr viel durch die Wälder gelatscht. Und es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen: Das sieht fantastisch aus! Ich bin auf dem Dorf groß geworden. Ich bin also auch in der Realität oft durch Wälder und Wiesen rumgeräubert. Als ich jetzt Kingdom Come 2 gespielt habe, ging mir immer wieder durch den Kopf, dass ich früher über genau solche Wiesen und durch genau solche Wälder selbst schon durchgelaufen bin, so nahe dran an der Realität ist das Gefühl.

Auch die Dörfer sehen einfach unheimlich malerisch aus. Mir ist kein Haus aufgefallen, das so aussieht wie das andere. Die haben alle ihre ganz eigenen Bauweisen, sind krumm und schief.

Schaffe, Schaffe

Doch hübsche Häuser und Landschaften können auch die Anderen. Wenn die Bewohner nur herumstehen oder eine Animation abspulen und sonst nichts machen, dann ist die Welt trotzdem leblos. Schon das erste Kingdom Come hat hier ebenfalls die Tugenden eines Gothic aufgegriffen und sogar weitergedacht, und der zweite Teil verfeinert das jetzt. Jeder NPC geht seinem Tagesablauf nach. Der Schmied geht morgens in seine Schmiede, er macht mal ein Päuschen auf seiner Bank, abends geht's dann in die Schenke, wo er vom Schankwirt bedient wird. Anschließend geht er pennen.

Man findet die Leute nie 24/7 an einem Fleck, und das gibt einem das Gefühl, dass sie alle ihre eigenen Leben führen.

Und: Sie reagieren auf mich! Wachen grüßen mich manchmal einfach so, und ich kann entscheiden, ob ich zurückgrüße oder herumpöbele. Eventuell pöbeln aber auch sie mich an, wenn ich mit gezogener Waffe vor ihnen herumstolziere. Ich kann auch nicht einfach so in fremder Leute Häuser reinspazieren. Wenn mich jemand erwischt, scheucht man mich schleunigst wieder raus, oder die Leute rennen gleich los und holen die Wachen. NPCs reagieren auf meinen Hund und finden ihn entweder süß oder scheuchen ihn weg. Das alles gibt mir das Gefühl, dass ich hier echte Charaktere vor mir habe.

4
    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von s3dr1ck Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Svenc
        Eigentlich müsstest du da ja sehr gut bedient sein.

        Schließlich gibt es nirgends mehr Szenariotapeten-Monokultur als in RPGs: Wenns zur gelegentlichen Abwechslung keine Pip-Boys oder Cyberpunks sind: irgendwas mit Drachenelfenzwergen geht immer. :-D Und selbst das letzte größere Horror-RPG ist mit Bloodlines mittlerweile zwanzig PC-Games-Jahrgänge her!

        RPGs sind mein Lieblingsgenre. Aber: Sie sind auch das letzte Spielgenre, in dem selbst ein Spiel in der Zombieapokalypse oder im Zweiten Weltkrieg noch eine radikale Idee wäre. :-D
        Da hast Du natürlich Recht. Für mich ist KCD aber immer noch eine Ausnahme in dem Genre durch das Worldbuilding und den Spielablauf, weswegen ich es einem Witcher oder einem Dragon Age in vielen Belangen vorziehen würde. Die verfügbaren Titel sind mir zudem auch zu durchstrukturiert und auch auf eine Map und POIs würde ich gern verzichten, wie Du selbst schon angesprochen hast. Aber ja, am Ende behältst Du natürlich Recht damit, dass das Genre der nicht-fantastischen, realistischen Rollenspiele definitiv nicht sonderlich gut vertreten ist im Fantasy-Einheitsbrei. Ich wünsche mir scheinbar nur ein weniger unrealistisches, neues Gothic oder etwas in der Art. Wünsche allen viel Spaß mit KDC2!
      • Von s3dr1ck Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Svenc
        Eigentlich müsstest du da ja sehr gut bedient sein.

        Schließlich gibt es nirgends mehr Szenariotapeten-Monokultur als in RPGs: Wenns zur gelegentlichen Abwechslung keine Pip-Boys oder Cyberpunks sind: irgendwas mit Drachenelfenzwergen geht immer. :-D Und selbst das letzte größere Horror-RPG ist mit Bloodlines mittlerweile zwanzig PC-Games-Jahrgänge her!

        RPGs sind mein Lieblingsgenre. Aber: Sie sind auch das letzte Spielgenre, in dem selbst ein Spiel in der Zombieapokalypse oder im Zweiten Weltkrieg noch eine radikale Idee wäre. :-D
        Da hast Du natürlich Recht. Für mich ist KCD aber immer noch eine Ausnahme in dem Genre durch das Worldbuilding und den Spielablauf, weswegen ich es einem Witcher oder einem Dragon Age in vielen Belangen vorziehen würde. Die verfügbaren Titel sind mir zudem auch zu durchstrukturiert und auch auf eine Map und POIs würde ich gern verzichten, wie Du selbst schon angesprochen hast. Aber ja, am Ende behältst Du natürlich Recht damit, dass das Genre der nicht-fantastischen, realistischen Rollenspiele definitiv nicht sonderlich gut vertreten ist im Fantasy-Einheitsbrei. Ich wünsche mir scheinbar nur ein weniger unrealistisches, neues Gothic oder etwas in der Art. Wünsche allen viel Spaß mit KDC2!
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von s3dr1ck
        Ich habe den ersten Teil gespielt und war auch wirklich angetan. Der neue Teil schlägt in die gleiche Kerbe, und lässt damit aber leider bei mir etwas wichtiges aus: Ich kann Rollenspiel irgendwie nicht langfristig ohne Fantasy und Magie.
        Eigentlich müsstest du da ja sehr gut bedient sein.

        Schließlich gibt es nirgends mehr Szenariotapeten-Monokultur als in RPGs: Wenns zur gelegentlichen Abwechslung keine Pip-Boys oder Cyberpunks sind: irgendwas mit Drachenelfenzwergen geht immer. :-D Und selbst das letzte größere Horror-RPG ist mit Bloodlines mittlerweile zwanzig PC-Games-Jahrgänge her!

        RPGs sind mein Lieblingsgenre. Aber: Sie sind auch das letzte Spielgenre, in dem selbst ein Spiel in der Zombieapokalypse oder im Zweiten Weltkrieg noch eine radikale Idee wäre. :-D
      • Von s3dr1ck Gelegenheitsspieler/in
        Ich habe den ersten Teil gespielt und war auch wirklich angetan. Der neue Teil schlägt in die gleiche Kerbe, und lässt damit aber leider bei mir etwas wichtiges aus: Ich kann Rollenspiel irgendwie nicht langfristig ohne Fantasy und Magie. Ich wünschte, dass dieses Thema mehr eingeflochten würde, da ich glaube, dass es im Mittelalter einen hohen Stellenwert hatte. Auch wenn man vielleicht nie einen Drachen oder eine Hexe zu Gesicht bekam, so haben doch viele Menschen daran geglaubt. Es wäre schön, wenn man auch den Spieler mitnehmen würde und das fantastische mit in die Story einbauen würde, denn damals war das sicherlich ein Thema. Man könnte ja trotzdem ein Monster jagen, bei dem sich hinterher herausstellt, dass es sich dabei nur um einen ausgestoßenen, deformierten Menschen handelt. Heute ein Spiel zu spielen, bei dem ich von Anfang an weiß, dass Fantasy keine Rolle spielt, finde ich daher irgendwie, wie einen Spoiler und das Spiel empfinde ich dann eher wie eine Simulation des damaligen Lebens aus heutiger Sicht. Das Ungewisse und das "Was wäre wenn?" kommt mir dabei irgendwie zu kurz. Zumindest war das beim ersten Teil so.
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Drovadrovadrova!

        Habe hier aber auch vorbestellt. Der erste Teil hatte mich und meinen Entdeckerdrang ähnlich respektiert, statt mich an Hexersinnen und Dummymarkern komplett durch die Manege zu zerren. Dazu kommen deutlich tiefere RPG-Systeme, als man es auf diesem Budget gewohnt ist -- ach was, generell. Don't make me so wuschig! :-D
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk