Assassin's Creed: Syndicate Kolumne - Die Bugs von Unity sind ein schweres Erbe - kann Ubisoft das Steuer rumreißen?
Was dürft ihr vom neuen Assassin's Creed erwarten? Einige Tage vor Release wirft Redakteur Peter Bathge einen Blick zurück auf die Bugs von AC: Unity und fragt sich, ob Publisher Ubisoft diese Scharte tatsächlich schon 2015 mit dem Nachfolger Syndicate auswetzen kann.
Ubisoft hat beim bevorstehenden Assassin's Creed: Syndicate Release am 23. Oktober 2015 (für PS4 und Xbox One, die PC-Version erscheint einen Monat später) eine Menge zu verlieren. Die Zukunft der Assassin's Creed-Serie hängt in der Schwebe.
Größter anzunehmender Unity-Unfall
Ein bisschen mehr als elf Monate ist es nun her, dass Ubisoft mit Assassin's Creed: Unity auf die Schnauze fiel. 2014 sollte ein großes Jahr für den Publisher werden. Mit dem sagenhaften Erfolg des offiziell als Teil 4 deklarierten Piraten-Ablegers Black Flag im Rücken, wollte das französische Unternehmen so richtig durchstarten.
Neben Unity erschienen auch noch die HD-Neuauflage des PS-Vita-Spiels Assassin's Creed: Liberation, der überraschend solide Black Flag-Aufguss Assassin's Creed: Rogue für PC und die alten Konsolen - und eine Neuinterpretation der Serie, das aus der Seitwärts-Perspektive gespielte Assassin's Creed: Chronicles. Oder zumindest die erste Chronicles-Episode, China. Von den beiden geplanten Nachfolgern mit Settings in Russland und Indien gibt es bis heute keine Spur.
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed: Syndicate Kolumne: Im Schatten von Unity (3)
Diese seltsame Funkstille an der Chronicles-Front dürfte auch eine Folge des Image-Verlusts sein, den der Launch von Unity der Assassin's Creed-Reihe zugefügt hat. Man will jetzt die ganze Aufmerksamkeit der Fans auf Syndicate richten. Es sind besonders die unzähligen Glitches, die stockende Performance und die allgemein unausgereifte PC-Technik von Assassin's Creed: Unity, die den Spielern im Gedächtnis geblieben sind. Doch wie unser damaliger Test enthüllte, hatte das Spiel auch mit inhaltlichen Problem zu kämpfen. Unter anderem hatte Ubisoft etwa die Gegenwarts-Story auf ein Minimum gekürzt. In jedem Fall war Unity für den Großteil der Fans der Tiefpunkt der Reihe. Das machte sich auch bei den Verkaufszahlen negativ bemerkbar.
In der jüngeren Vergangenheit hat Ubisoft mehrfach betont, dass man aus den Fehlern gelernt habe und ein ähnliches Debakel bei Syndicate um jeden Preis verhindern wolle. Alle wichtigen Infos zu diesen Versprechen und weiteren Features des Spiels lest ihr auf unserer Assassin's Creed: Syndicate Themenseite.
Zu wenig Zeit für echte Änderungen?
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed: Syndicate Kolumne: Im Schatten von Unity (2)
Jetzt ist es ein Jahr später, und die Veröffentlichung des mittlerweile neunten großen Assassin's Creed-Spiels steht bevor. Mir stellt sich die Frage: Hat dieses eine Jahr wirklich gereicht, um den gekenterten AC-Dampfer wieder aufzurichten? Denn: Als Unity mit all seinen Fehlern erschien, wurde schon längst an Syndicate gearbeitet. Das Team bei Ubisoft Quebec darf mit Syndicate zum ersten Mal ein eigenes Assassin's Creed bauen, dementsprechend sind die Hoffnungen auf frischen Wind im Serien-Alltag groß. Indes: Bei der Call of Duty-Serie, die mit ihrem jährlichen Erscheinungsrhythmus mehr und mehr wie das Vorbild von Assassin's Creed wirkt, hatte der Entwicklerwechsel beim letzten Teil Advanced Warfare auch keine große Wirkung.
Fraglich etwa, ob Ubisoft Quebec in nur elf Monaten die neue Grafik-Engine in den Griff bekommen hat. Die debütierte in Unity, und war zusammen mit der Umstellung auf PS4 und Xbox One (Black Flag war noch primär für die alten Konsolen konzipiert) für die ganzen technischen Probleme des Action-Adventures verantwortlich. Ein Jahr ist in der Spieleentwicklung eine verschwindend geringe Zeitspanne, erst recht wenn es um solche Basics wie die Engine geht. Erste Hands-on-Berichte auf Basis einer (unfertigen) Anspiel-Version zeichnen ein ähnliches Bild wie bei Unity und zeigen weiterhin grobe Technik-Schwächen auf. Allerdings scheint es in der Hinsicht unterschiedliche Meinungen zu geben; als wir unseren freien Redakteur Olaf Bleich zum Anspiel-Termin schickten, war er in seiner Vorschau auf Assassin's Creed: Syndicate voll des Lobes.
Vertraute Muster
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed: Syndicate Kolumne: Im Schatten von Unity (4)
Erinnert ihr euch noch an die dämlichen Uplay-Truhen in Assassin's Creed: Unity, die man nur durch das Anmelden bei externen Diensten öffnen konnte? Das war ein derart dummes Feature, dass selbst Ubisoft daran zweifelte und die Kisten nachträglich allen Spielern per Patch zugänglich machte. Zwar hat Ubisoft begleitenden Companion Apps für den neuesten Serien-Ableger eine Absage erteilt. Ein anderes Ekel-Feature aus Unity wird aber übernommen: auch Assassin's Creed: Syndicate wird Mikrotransaktionen enthalten. Dazu gibt es plattformexklusive DLCs mit Missionen nur für die PS4, Vorbesteller-Boni und Season Pass. Auch der erste DLC nach Release (mit Jack the Ripper) ist bereits angekündigt. Das volle Programm, Ubisoft wie man es kennt. Das lässt nicht eben auf das Beste hoffen.
Auch die spielerischen Neuerungen reißen kaum einen übersättigten Assassin's Creed-Fan aus der Lethargie. Ja, es gibt jetzt zwei spielbare Charaktere und einen Greifhaken, der wie in Batman: Arkham Knight funktioniert. Ihr könnt auf Pferdekutschen steigen und damit wie mit den Autos aus Grand Theft Auto durch die Straßen brettern. Der Rest wirkt aber wie eine Kombination bekannter Serien-Traditionen. So gibt es etwa Gangs, deren Verstecke wir ausräuchern müssen, und die sich einem anschließen.
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed: Syndicate Kolumne: Im Schatten von Unity (1)
Wen erinnert das noch an das Gilden-Management vergangener Teile? Wieso nicht einfach mal rigoros etablierte Gameplay-Mechaniken auf den Prüfstand stellen und bei unzureichender Funktionalität aus dem Spiel kicken? Das Klettern funktionierte etwa auch nach der Überarbeitung in Unity nicht immer zufriedenstellend, vom neuen Schleichsystem ganz zu schweigen. Ubisofts Lösung für letzteres Problem? Einer der beiden Hauptcharaktere macht sich auf Knopfdruck unsichtbar, wenn sie stillsteht. Sauber ...
Kann Syndicate auf eigenen Beinen stehen?
Quelle: Ubisoft
Assassin's Creed: Syndicate Kolumne: Im Schatten von Unity (5)
Und doch, bei aller Kritik wünsche ich mir im tiefsten Herzen, dass Ubisoft das Ruder entgegen aller Erwartungen rumreißt, dass man mit Syndicate einen ähnlichen Knaller abliefert wie mit Assassin's Creed 2 und Black Flag. Beide Titel zählen zusammen mit Brotherhood zu den besten Serienteilen und beide erschienen nach einem schwächelnden Part, den sie jeweils spielend übertrumpften (den an Abwechslung armen Erstling und das viel zu stark aufgeblasene Assassin's Creed 3). Nicht alle Vorzeichen sind schlecht: Der jüngste Story-Trailer zu Syndicate macht optimistisch, das virtuelle London sieht großartig aus. Doch stets ist da im Hinterkopf diese leise Stimme des Skeptikers in mir, die zu bedenken gibt: "Unitys Paris war auch klasse, die Charaktere interessant und trotzdem hat dir das alles - Technik hin, Technik her - keinen Spaß gemacht."
Wann immer Ubisoft seit der Ankündigung im Mai öffentlich über Assassin's Creed: Syndicate gesprochen hat, war der Vorgänger Unity ein Gesprächsthema. Das ist nur richtig so, denn das Unternehmen hat viel verlorenes Vertrauen wieder gutzumachen. Es muss zeigen, dass es sein Scheitern im letzten Jahr akzeptiert und die Gründe für dieses Scheitern verstanden hat.
Doch leider hat diese "Diesmal machen wir es besser!"-Taktik einen unschönen Nebeneffekt: Das neue Assassin's Creed: Syndicate hat es schwer, auf eigenen Beinen zu stehen. Es wird an seinem Vorgänger gemessen werden. Ist die Technik gut und das Spiel gelungen, wird es heißen: "Das ist doch wohl das Mindeste!" Ist das Gegenteil der Fall, wird die Reaktion wohl in etwa so ausfallen: "Das war nach Unity doch eh klar!"
Eure Meinung
Wie schaut's bei euch aus? Freut ihr euch auf die Veröffentlichung von Syndicate am 23. Oktober (bzw. 19. November für PC)? Und was war euer Eindruck vom Vorgänger Unity? Schreibt es mir in den Kommentaren!

Wie gesagt der Reiz bei AC besteht für mich zu 100% in der Historie. In der Neuzeit gibts nichts relevantes seit AC3. Un in Liberation war er gar nicht erst vorhanden. Von daher wäre die Streichung des Gegenwart-Parts nur konsequent.
Okay, die Story ist sackdämlich: Bei ausgewählten Menschen, ähnlich wie bei Jedi-Rittern oder so, ist die Erinnerung der Ahnen in der DNS gespeichert, und zwar so, daß sie elektronischa als vollwertiges VR-Erlebnis wiederhergestellt werden kann. Da springt doch jeder Waldorf-Esoteriker und Reinkarnationsapostel vor Freude im Dreieck. Außerdem kann man, wie in der Matrix, in der Erinnerung auch sterben. Oder so. Oder so ähnlich. Was soll's. Die Kröte muß man erstmal schlucken, aber das ist halt das Fundament von "Creed". Es gab auch durchaus Teile, in der die Gegenwartsebene ansprechend umgesetzt war. Mit den Titeln kann ich nicht dienen, ich krieg die Teile schon komplett durcheinander, aber der "Desmond-Kram", nennen wir ihn mal so, gehört einfach mit dazu.
EDIT: Ich hab mal "DNA" durch "DNS" ersetzt. "DNA" ist Ami-Kram, auf deutsch ist es "DNS". Machen viel zu viele falsch.
Der ist seit dem Tod von Desmond absolut überflüssig. Und bei Liberation gabs den konsequenterweise nicht einmal
Okay, die Story ist sackdämlich: Bei ausgewählten Menschen, ähnlich wie bei Jedi-Rittern oder so, ist die Erinnerung der Ahnen in der DNS gespeichert, und zwar so, daß sie elektronischa als vollwertiges VR-Erlebnis wiederhergestellt werden kann. Da springt doch jeder Waldorf-Esoteriker und Reinkarnationsapostel vor Freude im Dreieck. Außerdem kann man, wie in der Matrix, in der Erinnerung auch sterben. Oder so. Oder so ähnlich. Was soll's. Die Kröte muß man erstmal schlucken, aber das ist halt das Fundament von "Creed". Es gab auch durchaus Teile, in der die Gegenwartsebene ansprechend umgesetzt war. Mit den Titeln kann ich nicht dienen, ich krieg die Teile schon komplett durcheinander, aber der "Desmond-Kram", nennen wir ihn mal so, gehört einfach mit dazu.
EDIT: Ich hab mal "DNA" durch "DNS" ersetzt. "DNA" ist Ami-Kram, auf deutsch ist es "DNS". Machen viel zu viele falsch.