Wer braucht da noch Dark Souls? First Berserker Khazan macht das, was ich nie zu hoffen gewagt hatte!
The First: Berserker Khazan versucht alle Souls-Titel zu verbinden und mit einem Skill-Tree zu erweitern. Sogar ein Haltungssystem ähnlich zu Sekiro hat es in das Spiel geschafft. Ob das alles funktioniert, verrate ich euch in meinem Test!
Souls Fans streiten sich schon seit etlichen Jahren: Welches Kampfsystem ist das beste? Die klassische Souls-Formel? Das schnelle Haudrauf-Bloodborne? Oder doch das Parieren und Kontern aus Sekiro? Diese Frage haben sich wohl auch die Entwickler beim koreanischen Studio Neople gestellt und sind zum Entschluss gekommen: alle Systeme sind die Besten, und zwar gleichzeitig!
Und genau das macht The First Berseker: Khazan auch, ganz nach dem Vorbild von Lies of P! Warte mal, war nicht gerade eben noch von den Souls-Games die Rede? Ja, da gibt's schon einige Überkreuzungen.
Aber genau wie das Pinocchio-Soulslike hat Khazan auch ganz eigene Mechaniken, die das Spielerlebnis auffrischen und interessant halten. Als Souls-Fan musste ich mir das natürlich anschauen und werde euch nun sagen, wieso Khazan so Bock macht!
Die Backstory ... ein bisschen
Also, die Story ist es schon mal nicht. Unser Berserker Khazan war anscheinend mal ein gefeierter Held, der sogar Drachen getötet hat, aber dann wegen irgendeines Verrats festgenommen, gefoltert und eingesperrt wurde. Hat er wen verraten? Wurde er verraten? Ach, ich sag's euch, wie's ist: Ich hab' keine Ahnung mehr.
Die Backstory wird uns immer wieder nur über Rückblenden, per Standbildern und Texte oder in lahmen Dialoge erzählt. Vielleicht juckt das Fans des Onlinespiels Dungeon Fighter Online etwas mehr als mich, The First Berserker: Khazan (jetzt kaufen 44,40 € / 31,67 € ) ist nämlich die Vorgeschichte zu einem Charakter dieses Universums.
Von dem Spiel habe ich komischerweise aber noch nie gehört, obwohl es eines der beliebtesten Online-Games der Welt ist - also, zumindest in Asien, und offenbar auch nur dort. Aber egal, ich spiele hier auf jeden Fall ein Rollenspiel und sehe mich in der Rolle des Berserkers, der seine Gegner zum Bluten bringen muss.
Einfach ZU cool
Dazu fängt das Spiel auch passend an: Das erste, was nach der ersten Rückblende passiert ist, dass ein Geist mit verzerrter Stimme Besitz von Khazan ergreift, seine Wunden heilt und ihm ein paar Tools an die Hand gibt. An dieser Stelle muss ich aber sagen: Ich mag over-the-top-coole Charaktere und Storys, wie bei Resident Evil oder Devil May Cry, aber was hier abgeht ist sogar mir fast schon zu edgy.
Vor meinem inneren Auge sehe ich mein zwölfjähriges Ich, wie es seinem Klassenkameraden erzählt: "Alter, stell dir vor, es gäbe ein Game, bei dem man so einen Anime-Berserker spielt. Also mit Muskeln und dicken Waffen und so! Und der wird dann von einem bösen Geist namens Klingenphantom übernommen und kann dann besser mit seinen Klingen umgehen, weil es ist ja das KLINGENphantom!
Aber die zwei mögen sich nicht und das Phantom beleidigt den Berserker immer wieder! Sie müssen sich also erst einmal anfreunden, wie bei Naruto ... aus Naruto! Nur so können sie ihre volle Kraft entfachen! Nur mit mehr Blut!".
Quelle: Neople
Naja, vielleicht war an dem Tag, an dem die Story geschrieben wurde, ja Bring-Dein-Kind-Zur-Arbeit-Mit-Tag, und der Sohn eines Entwicklers durfte mal praktisch ran.
Vielleicht könnte ich das alles mit Hilfe von ein paar frischen Zwischensequenzen auch ernster nehmen, oder fände es wenigstens cool, wie eben bei Devil May Cry. Die Darstellungsform ließ mich aber schon nach wenigen Stunden Dialoge einfach wegklicken und bei den Rückblenden bin ich lieber schnell in die Küche gehuscht, um einen Beruhigungstee zuzubereiten.
"Diese Tür lässt sich von dieser Seite nicht öffnen."
Die habe ich meistens auch gebraucht, denn die Bosse in Khazan sind wirkliche Herausforderungen. Bevor wir bei denen ankommen, müssen wir uns aber erst einmal durch die einzelnen Levels schlagen, in die das Spiel eingeteilt ist.
Richtig, Khazan verfügt über keine durchweg miteinander verbundenen Gebiete wie bei der Souls-Reihe, wir kloppen uns stattdessen durch einen Katalog von verschiedenen Missionen.
Bildergalerie
Diese enden meistens mit einem Boss, auf den wir uns vorsichtig freuen, ähnlich wie bei Action-Games wie Bayonetta. Schön ist aber, dass die Levels in sich vernetzt sind und immer wieder zu unseren Leuchtfeu-, ähm, ich meine natürlich Phantomschwertern, zurückführen. Für mich gibt es nie genug "Diese Tür lässt sich von dieser Seite nicht öffnen"-Momente.

Allerdings nachdem ich das Spiel ausgiebig auf dem Prüfstand hatte, kann ich mit Sicherheit sagen, dass es weniger von Dark Souls/Bloodborne/Sekiro und deutlich stärker von Nioh und dessen Nachfolger "inspiriert" (eigentlich mehr als nur inspiriert) ist, ohne deren Klasse ganz zu erreichen.
Wenn also ein Tester behauptet "First Berserker Khazan macht das, was ich nie zu hoffen gewagt hatte!", dann liegt es wahrscheinlich daran, dass er Nioh an sich hat vorbeiziehen lassen oder er hat es aus seinen Erinnerungen verbannt. Die Parallelen sind mehr als nur schmerzhaft offensichtlich, denn Nioh tut all das und ein wenig mehr, was Khazan auch macht nur in besser.
Dennoch ist Khazan ein sehr zu empfehlender Vertreter des Genres und wenn jemandem dieser Titel gefällt, einfach auch bei Nioh sowie der noch besseren Fortsetzung (obwohl Prequel triffts eher) im Sale zuschlagen, wenn man diese noch nie zuvor gespielt haben sollte. Besonders den ersten Teil bekommt man in der Complete Edition meist schon zu 'nem Spottpreis.