Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 3 - zwischen Humor und harter Realität

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Special Sebastian Göttling - Autor Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 3 - zwischen Humor und harter Realität
Quelle: Paramount

Zwischen Humor und Realität in Star Trek Deep Space Nine - Was leistete das Autoren-Team?

Knospen-Babys und andere Details

Das Autorenteam blieb dem Vorhaben treu, durch viele - in diesem Artikel meist unerwähnte - B-Handlungen das Familiengefühl der Crew zu stärken. In Shakaar beispielsweise spielte Chief O'Brien eine nicht enden wollende Darts-Glückssträhne. Heart of Stone wurde zur Geburtsstunde eines Running Gags bei DS9, dem nie gesehenen Ensign Vilix'pran, der von Mal zu Mal wilder beschrieben wurde.

Autor Robert Hewitt Wolfe: "Es war frustrierend, dass wir mit unserem Fernsehbudget keine nicht-humanoiden Aliens zeigen konnten. Nichts wirklich Weirdes. Da überlegten wir uns einen Charakter, über den öfters gesprochen wird, und übertrafen uns gegenseitig mit abgefahrenen Ideen. Zum Beispiel, dass die Babys nicht im Körper wachsen, sondern wie Knospen auf dem Körper."

Showrunner Ira Behr gab sich außerdem große Mühe, das Muster des Bechdel-Tests zu durchbrechen: "Dass sich zwei Männer (Bashir und O'Brien) über eine Baby-Shower-Party unterhalten, wäre bei TNG undenkbar gewesen. Damals wäre das an Beverly und Deanna hängengeblieben. Da dachten wir uns: "Hey, was wäre, wenn das schwangere Alien auch ein Mann ist?"

Ein Ferengi-Teenager geht seinen Weg

Sowohl in Heart of Stone als auch in Facets wuchs der in Staffel 1 noch äußerst delinquente Teenager Nog über sich hinaus. Obwohl es ihm keiner der Offiziere zutraute und auch sein Onkel Quark strikt dagegen war, schlug er im Gegensatz zum Commanderssohn Jake eine Karriere bei der Sternenflotte ein. Als erster Ferengi!

Autor Robert Hewitt Wolfe: "Eines Tages traf mich plötzlich der Gedanke, dass von der Teenagergruppe Wesley Crusher, Jake und Nog am Ende ausgerechnet Nog derjenige sein würde, der zwanzig Jahre später auf einer Raumschiffbrücke steht und 'Energie' sagt. Schöne Ironie und eine coole Entwicklung für den Charakter." Kollege Ron Moore kurz: "Captain Nog klingt einfach cool."

So großartig Darsteller Aron Eisenberg diese Entwicklung fand, er hatte dennoch große Angst, dass sein Charakter zur Sternenflotten-Akademie gehen und so aus der Serie geschrieben würde. Doch Rick Berman nahm ihn beiseite und versicherte ihm, dass dies nicht der Fall sein würde.

Fortsetzung und Crossover

Nachdem das DS9-Autorenteam zufrieden war mit dem Ausflug ins dunkle Spiegeluniversum in Staffel 2, sollte es nun eine Fortsetzung geben. Diesmal wechselten nicht zwei seiner Untergebenen, sondern Commander Sisko selbst auf die andere Seite, um sein Spiegelbild zu ersetzen. Nur warum? Um die Spiegelversion seiner verstorbenen Gattin Jennifer Sisko zu retten, die "drüben" noch lebte. Sisko-Darsteller Avery Brooks war äußerst glücklich, als er das Drehbuch zu lesen bekam, weil sein Charakter erstmalig in der Serie Sex haben durfte. Und dann direkt zweimal in einer Episode! Pikanterweise mit Siskos Arbeitskolleginnen Dax und Kira, denen er das nach seiner Heimkehr wahrscheinlich nicht verriet.

Franchise-Lenker Rick Berman bestand darauf, Werbung für Voyager zu machen, indem Tim Russ' vulkanischer Charakter Tuvok auftauchte. Im ursprünglichen Drehbuch war zunächst Sakonna vorgesehen, die waffenschiebende Vulkanierin aus der Staffel-2-Doppelfolge The Maquis.

Crosspromo für Voyager: Tuvok taucht im Spiegeluniversum auf. Quelle: Paramount Crosspromo für Voyager: Tuvok taucht im Spiegeluniversum auf. Leider war die Episode Through the Looking Glass (Durch den Spiegel) nicht so unerbittlich finster, wie es die Spiegel-Story in Staffel 2 gewesen war. Jede weitere Episode in diesem Paralleluniversum litt darunter, dass die Geschehnisse zunehmend comichaft überzeichnet wurden.

Deep Space Nine holt die eigene Zukunft ein

Der Zweiteiler Past Tense (Gefangen in der Vergangenheit) war das erste Star Trek, das im Jahr 1995 ausgestrahlt wurde - und zugleich das letzte DS9 vor dem Start des Spin-Offs Voyager. DS9 schuf zu dieser Gelegenheit eine Story für die Ewigkeit. Von vielen übersehen ist Past Tense bis heute eine meiner allerliebsten Star-Trek-Geschichten, ganz oben mit City on the Edge of Forever (Griff in die Geschichte) aus der Originalserie, mit der sie viel gemein hatte.

Ein Unfall warf einige Crewmitglieder ins San Francisco der damaligen Zukunft und heutigen Vergangenheit: das Jahr 2024. Arbeitslose, psychisch Kranke und andere marginalisierte Menschen lebten in dieser alternativen Zeitlinie in Ghettos und wurden ihrem Schicksal überlassen. Ein Aufstand mit Geiselnahme, den ein gewisser Gabriel Bell weitestgehend gewaltlos hielt, machte die Welt auf diese Missstände aufmerksam und war ein erster Schritt in die strahlende Zukunft namens Star Trek.

Problem war nur, dass durch die Zeitreise der Crew versehentlich Gabriel Bell den verfrühten Heldentod starb. Wo in der klassischen Episode Jim Kirk den Tod seiner geliebten Edith Keeler herbeiführen musste, waren hier die Vorzeichen anders. Commander Sisko schlüpfte in die Rolle des toten Gabriel Bell, damit die Geschichte ihren richtigen Verlauf nahm.

Ursprünglich war Past Tense eine Einzelfolge. Als Michael Piller die erste Drehbuchfassung las, fiel ihm auf, dass erst ab Akt 4 das Geiseldrama seinen Anfang nahm, obwohl es locker Stoff für eine komplette Episode bot. Pillers Vorschlag war es, einen Zweiteiler zu machen, dem Bell-Aufstand die komplette zweite Folge widmen, der Geschichte auf diese Weise Raum zum Atmen zu geben und sie komplexer zu machen.

Autor Robert Hewitt Wolfe schrieb den ersten Entwurf dieser Episode unter dem Titel Cold and Distant Stars. In dieser Version der Geschichte wurde Sisko alleine ins 20. Jahrhundert zurückgeworfen, hatte dort natürlich keinen festen Wohnsitz und wurde bald obdachlos. Als Sisko darauf beharrte, dass er aus der Zukunft kam und Chef einer Raumstation war, wurde er in eine Klinik für psychisch Kranke eingewiesen und mit Chlorpromazin ruhiggestellt. (Teile dieser Idee sollten drei Staffeln später in anderer Form wiederkehren.)

Richtig zufrieden war niemand mit Wolfes erstem Entwurf, bis Ira Behr die Inspiration traf: "Ich spazierte an einem wunderschönen Tag in Santa Monica. Das Meer, der Himmel, die Sonne - und überall Obdachlose. Außer mir waren jede Menge Touristen und Passanten unterwegs, und sie gingen an diesem Obdachlosen vorbei, als wären sie Teil der Landschaft. Niemanden schien das zu kümmern. Ich dachte bei mir, wo führt das hin? Wie weit wird die Menschheit damit gehen? Daraus entwickelte ich die Idee, eine Geschichte zu erzählen über Konzentrationslager für Obdachlose."

Eine weitere Inspiration war der 1971er Aufstand im New Yorker Attica-Gefängnis, bei dem die Insassen Geiseln nahmen. Ihre Forderung war es, menschenwürdig behandelt zu werden. Ira Behr weiter: "Außerdem wollten wir Rassismus thematisieren. Zwei Männer, der eine ein Schwarzer (Sisko), der andere ein Araber (Bashir), lagen auf der Straße und wurden von der Polizei aufgegriffen. Ein paar Meter weiter lag die schöne, weiße Frau (Dax) und wurde behandelt wie eine Königin."

Während diese Episode produziert wurde, erschien in der Los Angeles Times ein Interview mit Richard Riordan, dem damaligen Bürgermeister. Der schlug vor, abgezäunte Zufluchtsorte für Obdachlose einzurichten, damit der Bezirk Downtown attraktiver für Geschäfte werden könnte. Robert Hewitt Wolfe: "Anbetracht dieser Parallele waren wir ganz schön freaked-out!"

Ira Behr: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Zukunft, die wir in diesem Zweiteiler extrapolieren, zur Realität wird. Das sollte ein Weckruf sein. Wenn nur ein Mensch diese Folge sieht und danach eine andere Sicht auf soziale Probleme hat, dann waren wir erfolgreich." Behr weiter: "Zur selben Zeit war Forrest Gump der Feelgood-Film des Jahres. Ja, es ist okay, sich gut zu fühlen, das will ich gar nicht schlechtreden. Aber in der Realität des Jahres 1995 wäre Forrest Gump ein Obdachloser." Außerdem wollte Behr die Ideen des Star-Trek-Erfinders Gene Roddenberry einfangen und wahrhaftig erzählen, dass die Zivilisation auf der Erde erst durch die Hölle gehen muss, dass der Weg in die Utopie kein geschmeidiger ist.

Das tatsächliche Medienecho enttäuschte Ira Behr jedoch. Der Zweiteiler ging womöglich unter zwischen Kinofilm und Voyager. Immerhin: Regie führte Riker-Darsteller Jonathan Frakes, der sich hiermit erfolgreich bewarb für die Regie des 1996er Kinofilms Star Trek: First Contact.

Auch bei mir landete der Zweiteiler, als ich ihn am 19. August 1995 erstmals sah, nur unzureichend. In den Jahrzehnten danach ist Past Tense in mir gewachsen. Auf sehr komplexe und dreidimensionale Art zeigte die Geschichte, vor welchem Hintergrund die Zukunft von Star Trek entstanden war, eingebettet in viele unterschiedliche Emotionen, die mich alle immens berühren.

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  1. Seite 1 Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 3 - mehr Freiheit, mehr Risiko, mehr Erfolg
  2. Seite 2 von Quark bis Dax: große Charaktermomente
  3. Seite 3 zwischen Humor und harter Realität
  4. Seite 4 zwischen Abenteuer und Intrigen
    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von mrBurke23 NPC
        Ich liebe diese Analysen von Star Trek und schaue nahezu jeden Tag nach, ob es einen neuen Teil gibt. Vielen Dank dafür und hoffentlich weiter so. Thump up !!!
      • Von mrBurke23 NPC
        Ich liebe diese Analysen von Star Trek und schaue nahezu jeden Tag nach, ob es einen neuen Teil gibt. Vielen Dank dafür und hoffentlich weiter so. Thump up !!!
      • Von jensmachwitz_88 Spiele-Novize/Novizin
        Wie immer ein detaillierter Einblick hinter die Kulissen und ein echter Lichtblick an Beiträgen hier. Auch wenn es nix mit PC-Spielen im eigentlichen Sinne zu tun hat. Aber als alter Trekker ein MUSS. Danke
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