Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 3 - von Quark bis Dax: große Charaktermomente

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Special Sebastian Göttling - Autor Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 3 - von Quark bis Dax: große Charaktermomente
Quelle: Paramount

Auf dieser Seite des Star Trek Deep Space Nine Specials beleuchten wir große Charaktermomente.

Die Ausarbeitung der Ferengi-Kultur

Blicken wir auf ausgewählte Highlights aus dem dritten Serienjahr - nicht zwingend chronologisch geordnet, aber thematisch. In The House of Quark (Das Haus des Quark) ließ Klingonen-Spezi Ron Moore die Kultur der stolzen Krieger zusammenprallen mit dem Turbokapitalismus der Ferengi in der einzigen DS9-Episode, die auf der klingonischen Heimatwelt Qo'noS spielte.

Dies entsprach einem weiteren Mission Statement von Showrunner Ira Behr: "Bei TNG wurde so sehr über die Ferengi als Witzfiguren hergezogen, ich wollte sie endlich rehabilitieren." Gleichzeitig gelang mit The House of Quark eine hervorragende Mischung aus dramatischem und komödiantischem Storytelling, erzeugt durch den Trick, zwei der zahlreichen Kulturen des Star-Trek-Universums in einen Topf zu werfen. Rätselhaft ist, warum diese Herangehensweise nicht viel häufiger gewählt wurde.

Übrigens: Wieder einmal zu Besuch bei Star Trek und seinem persönlichen Freund Rick Berman war Dr. Stephen Hawking. Bei dieser Gelegenheit entstand ein fantastisches Foto des legendären Physikers mit Ferengi Quark und einem Klingonen.

Eine weitere Heimatwelt und einen noch tieferen Blick in die Kultur der Ferengi gab es zu sehen in Family Business (Familienangelegenheiten), wo Quark seiner Mutter zu Hilfe eilte in einer Folge, die Quark-Darsteller Armin Shimerman zu Recht nannte: "Eine von Herzen kommende, psychologische Charakterstudie."

Barkeeper Quark bringt den Klingonen die Finanzen bei. Quelle: Paramount Barkeeper Quark bringt den Klingonen die Finanzen bei. Wie wurde die Ferengi-Welt gestaltet? Ira Behr: "Wir dachten uns, so wie die aussehen - große Köpfe, große Ohren, kleine Augen, keine Haare -, bei denen muss das Klima sehr feucht sein." So schrieb Behr ins Drehbuch: "Ferenginar, die Heimatwelt der Ferengi, ist ein stinkender, trostloser Sumpf, über dem es ewiglich regnet." Sein Autorenkollege Robert Hewitt Wolfe dazu: "Wir haben in ganz Star Trek noch nie Regen auf einem fremden Planeten gesehen. Wüsten hingegen ständig. Vulkan? Heiß und trocken. Cardassia? Heiß und trocken. Für Ferenginar wollten wir etwas anderes."

Für Quarks Mutter Ishka entwarf Makeup-Guru Michael Westmore ein beeindruckendes Alters-Makeup, sogar mit labbrig herabhängenden Kniescheiben. Darstellerin Andrea Martin war jedoch alles andere als begeistert von so viel Latex und litt unter Klaustrophobie. Wahrscheinlich der Grund, warum ab dem nächsten Auftritt Cecily Adams als Moogie (ferengisch für "Mama") übernahm.

Symbiotisches

In Equilibrium (Das Equilibrium) ereignete sich eine gesundheitliche Krise für die Trill Jadzia, die in Symbiose mit dem jahrhundertealten Wurm Dax in ihrem Bauch lebte. Dabei stellte sich heraus, dass Dax in der Vergangenheit einen vergessenen Wirt namens Joran gehabt hatte - unterdrückt deswegen, weil es sich bei ihm um einen psychopathischen Mörder handelte. Ebenfalls vertuscht wurde auf Trill, dass ein deutlich größerer Teil der Bevölkerung Symbiose-geeignet war, als nach außen hin stets behauptet wurde. Eine potenziell gesellschaftsumwälzende Enthüllung, die DS9 nie weiterentwickelte.

Auslöser für diese Story war kurioserweise, dass der scheidende Showrunner Michael Piller einen Zirkus besucht hatte. Dort sah Michael Piller die Show eines Magiers namens Jeff Magnus McBride, der sich scheinbar immer wieder Masken vom Gesicht nahm, nur um darunter immer noch eine weitere Maske zu tragen. Viele Rewrites später war aus dem Besuch eines intergalaktischen Zirkus und der Mordermittlung eines von dunklen Träumen geplagten Odo die Dax-Story geworden, immerhin mit dem inspirierenden Magier McBride als mordender Trill.

Eine Quasi-Fortsetzung gegen Ende der Staffel war Facets (Facetten). Die Grundidee dieser Episode ging zurück auf einen erfolgreichen US-Fernsehfilm aus dem Jahre 1976, Sybil, in dem eine junge Frau, die unter multipler Persönlichkeitsstruktur litt, sich in einer Hypnoseszene den einzelnen Persönlichkeiten leibhaftig gegenüberfand. Das Autorenteam sah darin eine gute Möglichkeit, den Charakter der Jadzia Dax erneut zu beleuchten, indem ihre bisherigen Wirte gezeigt wurden. Autor René Echevarria hatte nach längeren Überlegungen die zündende Idee, die bisherigen Wirte in andere Mitglieder der DS9-Crew auszulagern.

Trill Jadzia Dax hat symbiotische Gesundheitsprobleme. Quelle: Paramount Trill Jadzia Dax hat symbiotische Gesundheitsprobleme. Der mörderische Joran übernahm hier den Körper von Commander Sisko, doch die Szenen mit Avery Brooks mussten gleich zweimal gefilmt werden, denn als sich das Produktionsteam am Abend die Szenen ansah, gruselte es sie alle. Brooks' Stimme war ein "kaum hörbares Flüstern, das einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte". Beim Reshoot hielt sich Brooks entsprechend zurück.

Zentrales Dilemma in Facets war aber nicht der Psychopath, sondern dass Jadzias unmittelbarer Vorgängerwirt Curzon Odos Körper übernahm und nicht wieder rausrücken wollte. So evozierte die Story klassische Körper-Übernahme-Episoden, wie es sie bereits in der Originalserie gegeben hatte. Ira Behr dazu: "Was für eine chaotische Episode. Die eigentliche Story begann erst in Akt 3! Vorher hatte man keine Ahnung, worum es eigentlich geht, ein großes Ratespiel. Weil aber im Zusammentreffen mit den Wirten ständig ungeheuerliche Dinge passierten, wurde es nie langweilig und funktionierte besser, als ich zunächst dachte."

Reklame für den Kinofilm

In der Episode Defiant kam zu Beginn scheinbar der erste Offizier der Enterprise-D, Will Riker, an Bord der Station, nur um sich als dessen Transporter-Klon Thomas zu entpuppen, bekannt aus TNG-Staffel 6. Dieser war mittlerweile zur Widerstandstruppe Maquis übergelaufen und kaperte das titelgebende Schiff auf einem Himmelfahrtskommando ins cardassianische Raumgebiet. Hiermit erfüllte sich Ron Moore den eigenen Wunsch nach einer Fortsetzung der Geschichte um Thomas Riker.

Es ist davon auszugehen, dass die Episode mit der Anwesenheit von Jonathan Frakes Werbung für den Kinofilm Star Trek: Generations machen sollte, der in den USA gerade einmal drei Tage zuvor in die Kinos gekommen war.

Wie so oft bei DS9 kam die Inspiration von einem Filmklassiker - in diesem Fall Sidney Lumets Fail Safe (Angriffsziel Moskau) von 1964, in dem es zu verhindern galt, dass ein amerikanisches Militärflugzeug eine Atombombe auf Moskau warf und so den dritten Weltkrieg auslöste. Was der Episode einerseits schadete, sie andererseits aber militärisch-taktisch erscheinen ließ: Aus Kostengründen konnten die Raumschlachten nicht inszeniert, sondern lediglich in einer Art "War Room" grafisch dargestellt werden.

Wenige Wochen nach der Ausstrahlung von Defiant meinte Ira Behr noch hoffnungsvoll: "Wir werden Tom Riker wahrscheinlich zurückbringen. Das Coole an ihm ist, er ist nicht wirklich Teil von TNG. Er gehört uns bei DS9 und wir können mit ihm erzählen, was wir wollen, und müssen uns nicht um die Kinofilme mit William Riker sorgen." Was aber niemals geschehen sollte, obwohl sich viele Fans und auch Darsteller Jonathan Frakes selbst eine Rückkehr des Charakters wünschten.

Was sehr wohl wieder aufgegriffen wurde, war eine Geheimdienst-Flotte im Orias-System, welche Tom Riker enttarnte. Dabei stand des Rätsels Lösung noch gar nicht fest, als Defiant gefilmt wurde. Damit begann eine schöne Tradition im Autorenzimmer: Wann immer es passte, wurde Saat ausgestreut für mögliche, zukünftige Storys. Nur eben nicht hundertprozentig festgelegt, sondern so, dass man zu späterer Zeit spontan weiterentwickeln konnte.

Das Gefühlsleben der Aliens

Für Life Support (Der Funke des Lebens) schlug das Autorenduo Roger Soffer und Christian Ford eine Variation von Mary Shelleys klassischem Gruselroman Frankenstein vor - mit Doctor Bashir als Victor Frankenstein. Die ursprüngliche Geschichte handelte von einem Föderationsbotschafter, der bei einem Shuttleunfall verletzt wurde und von Bashir so lange am Leben erhalten wurde, bis kritische Friedensverhandlungen abgeschlossen waren. Der Botschafter wurde aufgrund der zahlreichen neurologischen Eingriffe wahnsinnig und starb am Ende der Folge.

Das fand Ron Moore, der den Drehbuchjob übernahm, schwierig. "Es sollte eine Bashir-Story werden, aber eigentlich drehte sie sich um diesen Botschafter, zu dem das Publikum keinerlei emotionale Verbindung hatte." Für wirklich sehr kurze Zeit überlegte man, Chief O'Brien auf diese Weise aus der Serie zu schreiben, damit Star Trek niemals wieder seiner Filmkarriere im Weg war. Doch dann einigte man sich auf einen Charakter, über dessen zukünftige narrative Richtung man zu dem Zeitpunkt sowieso unentschlossen war: den bajoranischen Geistlichen Vedek Bareil, mit dem Major Kira bereits seit über einer Staffel eine Beziehung hatte. Der Serientod brachte das Aus für diese Liebe.

Robert Hewitt Wolfe, der den Charakter Ende der ersten Staffel erfunden hatte: "Ron hat mir nichts, dir nichts meinen Charakter umgebracht. Was soll ich dazu sagen? Die Folge war gut, aber das waren Charakter-Tantiemen, die ich hiernach nicht mehr gezahlt bekam." Noch dramatischer aber war das Nachspiel für Bareil-Darsteller Philip Anglim, denn jahrelang hielt sich hartnäckig das hanebüchene Gerücht, der 2026 immer noch quicklebendige Anglim wäre verstorben, möglicherweise an den Folgen von HIV.

Und obwohl es vor der Episode praktisch keinerlei Fanpost für den Charakter des Bareil gegeben hatte, flatterten bei Paramount ab sofort für die nächsten Jahre immer wieder vorwurfsvolle Briefe einer Gruppe ins Haus, die sich "The Friends of Vedek Bareil" nannte. Beigefügt waren Fotos einer Gedenkveranstaltung, die man abgehalten hatte.

Moore nahm sich bei Life Support außerdem vor, zur düsteren A-Handlung eine leichte B-Handlung zu schreiben, in der menschliches und Ferengi-Dating-Verhalten in Form der Teenager Jake Sisko und Nog gegenüber gestellt wurde. Anbetracht der finalen Folge bereuten Moore und Ira Behr diese Entscheidung jedoch sehr, denn der krasse tonale Wechsel wirkte so, als wäre die Episode selbst ein frankensteinhaft zusammengeschustertes Geschöpf.

DS9-Staffel 3 taucht ein in das Gefühlsleben des Gestaltwandlers Odo. Quelle: Paramount DS9-Staffel 3 taucht ein in das Gefühlsleben des Gestaltwandlers Odo.

Für Heart of Stone (Herz aus Stein) bediente sich DS9 erneut an einem klassischen Hollywood-Film, in diesem Fall Sometimes a Great Notion (Sie möchten Giganten sein). Gegen Ende dieses Films gab es eine dramatische Szene, in der das Bein eines Charakters unter einem Baumstamm feststeckte. Das Wasser des benachbarten Flusses stieg und stieg, am Ende ertrank der Charakter tragisch. Ira Behr: "Eine großartige Szene in einem nicht sonderlich großartigen Film."

Trotzdem wurde das die Inspiration dafür, dass Kira scheinbar von einem Kristall allmählich umhüllt wurde - mit optisch durchwachsenem Ergebnis. Ira Behr: "Dieses fürchterliche, fürchterliche Felsen-Requisit." Regisseur Alexander Singer: "Nichts ließ dieses lila-pinke Ding realistischer aussehen." Für Darstellerin Nana Visitor, die an Klaustrophobie litt, waren die Dreharbeiten nicht angenehm: "Zu Beginn der Staffel [in Second Skin] steckte man mich in diese unerträgliche, cardassianische Maske. Dieses Mal schraubten sie mich am Fußboden fest. Am Ende sah ich aus wie ein überdimensionierter Eisbecher - und mein Kopf war die Kirsche."

Tatsächlich aber handelte es sich um einen weiteren Versuch der Dominion-Gründer, Odo nach Hause zu holen, denn mitnichten steckte dessen geliebte Kira in dem Kristall, sondern die aus The Search bekannte Gestaltwandlerin. Um Spoiler zu vermeiden, wurde Darstellerin Salome Jens ausnahmsweise nicht in den Credits nach dem Vorspann eingeblendet. Stattdessen wurde sie im Abspann als "Special Guest Star" gelistet.

Immerhin sprach Odo erstmals offen über seine Liebe zu der Arbeitskollegin - eine zwar seifenoperhafte Entwicklung, die aber auch von meiner Fan-Clique und mir goutiert wurde. Autor René Echevarria: "Eine meiner liebsten Episoden. Wie herzzerreißend Odo war in seiner völligen Offenbarung - und am Ende die Umkehrung. Wenn man sich in Odos Denkprozess versetzt, mit dem er sich erarbeitet, dass die falsche Kira lügt, ist es niederschmetternd."

In Shakaar traute man sich an eine Idee heran, die lange Staub angesetzt hatte. Denn nach Staffel 2, die viel bajoranische Politik beinhaltete, hatte man in Staffel 3 davon Abstand nehmen wollen. Gegen Ende des Jahres aber traute man sich erstmalig wieder an das Thema - die Folge war eine Mischung aus Machtergreifungsversuch der fiesen Kai Winn und einem Riff auf die mexikanischen Unabhängigkeitskriege. Dennoch geriet die Episode sehr farblos, öde und kaum charismatisch, genau wie der titelgebende Widerstandskämpfer Shakaar, fanden die Autoren (und auch ich). Immerhin hatte Kira am Ende nach dem Tod Bareils wieder eine Romanze am Horizont. Und der arme Odo erneut einen Nebenbuhler.

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  1. Seite 1 Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 3 - mehr Freiheit, mehr Risiko, mehr Erfolg
  2. Seite 2 von Quark bis Dax: große Charaktermomente
  3. Seite 3 zwischen Humor und harter Realität
  4. Seite 4 zwischen Abenteuer und Intrigen
    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von mrBurke23 NPC
        Ich liebe diese Analysen von Star Trek und schaue nahezu jeden Tag nach, ob es einen neuen Teil gibt. Vielen Dank dafür und hoffentlich weiter so. Thump up !!!
      • Von mrBurke23 NPC
        Ich liebe diese Analysen von Star Trek und schaue nahezu jeden Tag nach, ob es einen neuen Teil gibt. Vielen Dank dafür und hoffentlich weiter so. Thump up !!!
      • Von jensmachwitz_88 Spiele-Novize/Novizin
        Wie immer ein detaillierter Einblick hinter die Kulissen und ein echter Lichtblick an Beiträgen hier. Auch wenn es nix mit PC-Spielen im eigentlichen Sinne zu tun hat. Aber als alter Trekker ein MUSS. Danke
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