Star Trek Spielzeug: Happy Meals, Eaglemoss, Playmobil & LEGO
Von McDonald's-Tüten bis Eaglemoss-Armadas: Star Trek-Merch auf dem Weg nach Deutschland - und der Lizenz-Paukenschlag mit LEGO.
In diesem Artikel
- Seite 1 Vom Fanwerden bis zum AMT-Deal - wie alles anfing
- Seite 2 Label-Slapper, Toy-Fails & der Weg zu den ersten Actionfiguren
- Seite 3 Mego, Kinofilme und der ewige Teufelskreis im Spielwarenregal
- Seite 4 Playmates-Explosion, Sammler-Zoff und die Zeit nach dem Höhenflug
- Seite 5 Happy Meals, Brettspiele, Eaglemoss, Playmobil & der Klemmbaustein-Krieg bis LEGO
- Seite 6 LEGO übernimmt - und was das für Fans, Hersteller und Sammler bedeutet
- Seite 7 Bildergalerie
Von den Actionfiguren zurück ins Jahr 1979 auf eine im wahrsten Wortsinne köstliche Abbiegung: Der erste Kinofilm zeichnete sich am Horizont ab und hatte am Ende ein Fiskalbudget von 40 Millionen Dollar. Paramount-Grande Jeffrey Katzenberg gab daraufhin folgenden Auftrag an Dawn Steel, die Vizepräsidentin der Abteilung Marketing & Lizenzen: Die Spielzeuglizenzen zum Film sollten an so viele Firmen wie möglich verkauft werden. Kein potenziell interessierter Lizenznehmer sollte "Nein" als Antwort bekommen. Alles in der Hoffnung, dass Kleinvieh so viel Mist machen würde, damit wenigstens ein Teil des Millionenbergs abgetragen würde.
Unter anderem brachte die Firma South Bend ein recht großes Plastikmodell der Kino-Enterprise, batteriebetrieben, mit Licht und Sound, heraus. Die Besonderheit dieser Enterprise war, dass man sie modular auseinandernehmen und zu anderen Schiffskonfigurationen zusammenstecken konnte. Eine der möglichen Kombinationen - Untertassensektion und Warpgondeln ohne die "Zigarre" - inspirierte nur wenige Jahre später das Produktionsteam des zweiten Kinofilms zum Design der Reliant - dem Schiff, das Khan und seine Leute kapern.
Zu den kuriosesten und seltensten Star-Trek-Spielzeugen, die in diesem Lizenzwahn entstanden, gehörten in Italien hergestellte Masken, welche Alien-Antlitze darstellten, die in The Motion Picture in der Crew-Versammlungsszene auf dem Rec Deck zu sehen waren. Im Kino nur ganz klein im Hintergrund - beim Karneval in Venedig der neueste Schrei.
Klingonen aus der Juniortüte
Einen legendären Deal machte Dawn Steel mit McDonald's in Kooperation mit Coca-Cola: Zwischen Dezember 1979 und Februar 1980 gab es die "Star Trek: The Motion Picture Happy Meals"! Das Konzept der Happy Meals - also eine Mäckes-Tüte mit einem kleinen Burger, Pommes, Softdrink und einem Spielzeug - hatte McDonald's erst wenige Monate zuvor eingeführt, allerdings mit hauseigenem Spielzeug. Star Trek war die allererste Happy-Meal-Filmlizenz und ebenfalls der erste Marketing-Deal zwischen der Nahrungsmittelindustrie und einem Filmstudio, welches nicht Disney hieß.
Quelle: Sebastian Göttling
Klingonische Juniortüten-Reklame.
Im Fernsehen lief dazu ein herrlich verrückter Spot, in dem ein Klingone zu sehen war, der das Happy Meal in seiner eigenen Sprache anpries. Jahre, bevor Linguist Marc Okrand die klingonische Sprache offiziell erarbeitete, war das lediglich Kauderwelsch. Auf einem der Burger-Schächtelchen waren Klingonen zu sehen, die Hamburger mampften und Cola schlürften. Dawn Steel zeigte diese Box dem damaligen Paramount-Chef Barry Diller. Steel: "Barry musste sehr laut lachen. Ich habe ihn sonst nie lachen sehen. Nicht davor, nicht danach."
Und was für Star-Trek-Zeug war in der Tüte drin? Einer von fünf unterschiedlichen Mini-Comics, ein Videokommunikator, in den man die Comics reinschieben und per Kurbel "abspielen" konnte, Fingerringe mit Geheimfach und kleine Plastikspielzeuge: Enterprise, Klingonenkreuzer, Spocks Shuttle, das Trockendock, die Tram aus dem Föderationshauptquartier in San Francisco, der orbitale Bürokomplex, der Pod, in dem Kirk und Scotty fliegen, die Epsilon-9-Station und ein kleines Brettspiel mit dem Namen Star Trek: Starfleet. Das Design der Tüten und Verpackungen war galaktisch - genau wie der eigentliche Film fing es das Spätsiebziger-Disco-Feeling ein.
Übrigens: Fünf Jahre später gab es beim dritten Film erneut eine Fast-Food-Kooperation, wenn auch ohne Spielzeug. Bei der mexikanisch angehauchten Kette Taco Bell gab es Trinkgläser mit Motiven vom fiesen Klingonen Kruge bis zum durstlöschenden Fal-Tor-Pan-Ritual. Legendär auch 1989 beim fünften Kinofilm der "Marschmelonen"-Spender des Lebensmittelgiganten Kraft, der sogar im Film zu sehen war, als Kirk, Spock und Pille im Yosemite-Nationalpark am Lagerfeuer hockten.
Spaß für die ganze Familie
1993 begann der Siegeszug von Multimedia als Buzzword, allerdings setzte Star Trek nicht auf die neue CD-ROM, sondern auf die gute alte VHS. MB brachte ein Next-Generation-Video-Brettspiel heraus mit dem Untertitel A Klingon Challenge. Während die Spielerinnen und Spieler würfelten und ihre Figürchen bewegten, lief zeitgleich eine Videokassette, die das Spielgeschehen um eine Story und um Spielaufforderungen erweiterte, gedreht in den Original-Kulissen der Next Generation unter der Regie des Trek-Veteranen Les Landau. Vor der Kamera standen Jonathan Frakes als Commander Riker und Robert O'Reilly nicht in seiner Paraderolle Gowron, sondern als Klingonenschurke Kavok.
Wer Zeit und Lust hat, kann sich das Video auf YouTube anschauen. Es ist ein herrlicher Schmarrn: Die Spielenden haben eine Stunde Zeit, bevor die Enterprise aufgrund von Kavoks teuflischem Plan zerstört wird und ein Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen ausbricht. Das Spiel wurde hierzulande von MB auf dem Höhepunkt des deutschen Star-Trek-Erfolgs sogar lokalisiert und synchronisiert veröffentlicht.
Auch Deutschland ist bekanntermaßen Heimat und Hochburg strategielastiger Brettspiele, darunter das 1995 erstmals erschienene Die Siedler von Catan aus der Feder von Klaus Teuber. Im Jahr 2012 gönnte sich der Kosmos-Verlag die Trek-Lizenz für eine Variante namens Star Trek Catan.
Es weihnachtet sehr trekkig
Im silbernen Jubiläumsjahr 1991 veröffentlichte erstmals zum Weihnachtsgeschäft der US-Grußkarten-Hersteller (und Kitschfilm-Produzent) Hallmark ein sogenanntes "Keepsake Ornament" mit Star-Trek-Lizenz, das man sich in den Christbaum hängen konnte. Zum Auftakt natürlich eine hübsche Original-Enterprise aus Plastik. Das wurde zur Weihnachtstradition - es folgten das Galileo-Shuttle, die D-Enterprise, ein klingonischer Bird-of-Prey - und dann ab 1995 jedes Jahr sogar mehrere dieser Keepsakes - bis heute. Zu den Raumschiffen kamen auch bald Figuren und kleine Dioramen hinzu.
Alarm im Jugendzimmer
1994 brachte die britische Firma Wesco mehrere sprechende Star-Trek-Wecker heraus, darunter die Original-Enterprise, die D-Enterprise und die Voyager. Die Original-Enterprise, schwebend über einer Mondoberfläche mit einer Art Sternenschürze als Hintergrund, weckte ihre Besitzer mit: "Landing party to Enterprise, beam us up, Scotty", gefolgt von einem Beamgeräusch, leider fälschlicherweise das aus der Next Generation. Von mindestens diesem Wecker gab es sogar eine deutsche Variante, die ohrenbetäubend und grammatikalisch fragwürdig verkündete: "Landungsmannschaft zu Enterprise - beam uns hoch, Scotty!" Diesen Wecker schenkten mir meine Pateneltern zum 16. Geburtstag. Zum stressfreien Wecken vollkommen ungeeignet, aber ein Dauerbrenner, den meine Star-Trek-Freunde bei jedem Besuch bis zu zwanzig Male betätigten.
Sicherlich gibt es noch jede Menge unerwähntes Trek-Spielzeug. Bevor wir jetzt halbwegs in der Lizenz-Gegenwart und auf unserer Seite des Atlantiks ankommen, sei erwähnt: Dieser Artikel soll ein Gefühl davon vermitteln, was das Franchise im Spielwarenhandel für eine Reise hinter sich hat, und erhebt nicht den utopischen Anspruch auf Vollständigkeit.
Quelle: Sebastian Göttling
Drei XL-Vehikel der von vielen Fans vermissten Firma Eaglemoss.
Die Eaglemoss-Flotte
Großer Beliebtheit erfreuten sich insbesondere auch in Deutschland die Sammel-Raumschiff-Modelle aus dem Hause Eaglemoss. Zwischen 2013 und 2022 erschienen Hunderte Schiffchen, die vorrangig aus wertigen Druckguss-Aluminiumelementen bestanden, teilweise ergänzt durch Kunststoff an zu filigranen und mechanisch schwierigen Stellen. Die detailreichen Schiffe mit recht verlässlicher Ähnlichkeit gab es im Abo mit Begleitzeitschrift, und viele Star-Trek-Fans versammelten in ihren Wohnzimmerregalen regelrechte Armadas.
Auch ich schlug bei den deutlich größer geratenen XL-Modellen zu und staube regelmäßig die Hauptraumschiffe beziehungsweise -raumstationen der ersten fünf Live-Action-Serien ab, wobei die kopflastige Voyager sich mindestens einmal pro Woche mit einem satten Klonk aus ihrem Ständer verabschiedet.
Großes Entsetzen breitete sich 2022 im Fandom aus, als Eaglemoss Konkurs anmeldete. Nach unsicheren Monaten sicherte sich Master Replicas die Lagerrestbestände, während Fanhome die Produktionslizenz neuer Schiffe übernahm, bis heute aber noch nicht mit so viel Dampf auf dem Warpkern wie Eaglemoss zu den besten Zeiten.
Quelle: Sebastian Göttling
Drei XL-Vehikel der von vielen Fans vermissten Firma Eaglemoss.
Ich gebe zu, dass ich bei einem Schnapsidee-Projekt von Eaglemoss dummerweise aufsprang: einer Enterprise-D zum Selbstbauen in 120 Ausgaben. Aus Metall, furchtbar fummelig zusammenzuschrauben, von innen beleuchtet - und mittendrin im Abo die Firmenpleite. Auch hier ist Fanhome eingesprungen und trug das Projekt über die Ziellinie, aber da waren bei mir bereits die Luft, die verfügbare Freizeit und der Wille zur Investition raus. In meinem Keller wird auf alle Zeiten eine halb fertige Enterprise ihr Dasein fristen. Ich versuche, selten an sie zu denken, dann ärgere ich mich weniger.
- Seite 1 Vom Fanwerden bis zum AMT-Deal - wie alles anfing
- Seite 2 Label-Slapper, Toy-Fails & der Weg zu den ersten Actionfiguren
- Seite 3 Mego, Kinofilme und der ewige Teufelskreis im Spielwarenregal
- Seite 4 Playmates-Explosion, Sammler-Zoff und die Zeit nach dem Höhenflug
- Seite 5 Happy Meals, Brettspiele, Eaglemoss, Playmobil & der Klemmbaustein-Krieg bis LEGO
- Seite 6 LEGO übernimmt - und was das für Fans, Hersteller und Sammler bedeutet

Allerdings fehlt mir ein cooles Merchandise: Furuta aus Japan hat zwischen 2003 und 2006 kleine aber coole Modelle hergestellt.
Auf der Ülattform Memory Alpha findet sich dazu eine tolle Auflistung