Star Trek Spielzeug: Playmates-Boom, Sammlerdrama & danach

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Special Sebastian Göttling - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Star Trek Spielzeug: Playmates-Boom, Sammlerdrama & danach
Quelle: AMT Ertl

400+ Figuren, Deep Cuts und dann der Sammler-GAU: Wie Playmates Star Trek prägte - und was nach dem Absturz passierte.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs der Next Generation im Jahr 1992 sicherte sich die Firma Playmates die brachliegende Lizenz und führte eine Wende herbei. Endlich war der Sweetspot getroffen: eine erfolgreiche Fernsehserie und dazu wunderbar griffige Figuren in der Größe viereinhalb Zoll, die einerseits "Playability" für Kids und "Collectability" für die erwachsenen Fans boten.

Dazu noch stimmige und robuste Playsets, lebensgroße Phaser und andere Gadgets, die wirklich aussahen wie ihre Bildschirmvorbilder - die Playmates-Produkte respektierten die Marke und ihre Fans, was sich in großem Erfolg auszahlte.

'Playable' und mitunter schrullig: Nur eine Handvoll der über 400 Playmates-Actionfiguren. Quelle: Sebastian Göttling "Playable" und mitunter schrullig: Nur eine Handvoll der über 400 Playmates-Actionfiguren. Playmates kannte sich bereits mit zündenden Toylines aus, denn die Firma hatte seit 1988 die Teenage Mutant Ninja Turtles im Programm - und wer diese Produkte mit den Star-Trek-Figuren in Sachen Proportionen, Aussehen und Haptik vergleicht, erkennt viele Ähnlichkeiten.

Die wilde Welt der Playmates

Über die kommenden Jahre vertrieb Playmates über 400 verschiedene Star-Trek-Actionfiguren - der absolute Hammer. Nur wie kommt man auf so viele Püppchen? Zum einen gab es die einzelnen Hauptcharaktere in zahlreichen Varianten: der "normale" Captain Picard, Picard in Gala-Uniform, Picard als alter Mann aus All Good Things... (Gestern, heute, morgen), Picard als Holo-Detektiv Dixon Hill. Und so weiter.

Auch scheute Playmates nicht davor zurück, wirklich obskure Nebencharaktere zu Spielzeug zu machen, selbst wenn diese nur in einer einzelnen Episode vorkamen. Sagt euch Esoqq, der Chalnoth aus Allegiance (Versuchskaninchen) etwas? Oder Boratus, der Vorlone aus Captain's Holiday (Picard macht Urlaub)? Als Casual Fans wahrscheinlich nicht - nur, wenn ihr absolute Hardcore-Trekkies seid. Trotzdem gab es beide Kollegen aus Kunststoff im Westentaschenformat zu kaufen.

Ich kaufte als Teenager keine einzige Star-Trek-Figur von Playmates. Einerseits fühlte ich mich damals zu alt für Actionfiguren, andererseits sah ich in Star Trek eine "Laberserie" im besten Sinne. Captain Picard war ein Mann der tiefen Gedanken und Worte, kein He-Man, der Muskeln und Schwert sprechen ließ. Und doch machte es irgendwann vor ein paar Jahren Klick bei mir. Ich erkannte als über vierzigjähriges Ex-Kind in den Figuren eine Art absurden Humor, der dem meinen entsprach. Besonders, wenn es um die wirklich verrückten Figuren ging. Tom Paris, Pilot der Voyager, durch einen Warp-10-Flug zum zungenlosen Frosch mutiert. Mit drei Lurch-Kindern als Gimmick. Vedek Bareil, bajoranischer Mönch aus Deep Space Nine - welches Kind möchte nicht mit einem Plastik-Pfarrer spielen? Aus dadaistischem Spaßfaktor legte ich mir gebraucht und mit Jahrzehnten Verspätung gute zwei Dutzend Playmate-Figuren zu. Sie haben mir schon durch so manche Schreibblockade geholfen.

Bloß nicht die Sammler ärgern!

Im Jahr 1996 verscherzte es sich Playmates mit der Käuferschaft durch einen unfassbar dummen Marketing-Schachzug. Einige Figuren erschienen in der sogenannten 1701-Serie, nicht nur benannt nach der Enterprise-Seriennummer, sondern auch strengstens auf diese Stückzahl limitiert. Doch ein wahnsinnig großen Anteil der Käuferschaft waren erwachsene Sammler. Schätzungen gehen davon aus, dass sechsstellige Stückzahlen jeder einzelnen Figur nicht zum Spielen in Kinderhände gingen, sondern eben an Komplettisten. Das heißt: Von diesen Sammlern gingen bei der 1701-Serie Hunderttausende leer aus.

Die Konsequenz? Es gab auf einmal jede Menge Playmates-Fans, die ihre Sammlung niemals komplett haben würden. Die Strafe folgte auf dem Fuße - viele kauften schlicht gar nichts mehr, denn für sie war das Sammeln sinnlos geworden. Die Lust wurde ersetzt durch Frust oder gar Wut Playmates gegenüber. Aufgrund des 1701-Debakels brachen die Verkaufszahlen innerhalb eines Jahres um die Hälfte ein - Tendenz steil sinkend. Zwei Jahre später war die Toyline Geschichte.

Der museumsreife Disco Bones von Exo-6. Quelle: Sebastian Göttling Der museumsreife Disco Bones von Exo-6.

Actionfiguren nach Playmates

Ab 2001 übernahm Art Asylum das Figuren-Business mit sehr akkuraten und wahnsinnig ähnlich ausschauenden Plastikkameraden, bei denen man sogar Hände und andere Extremitäten austauschen konnte, um alternative Posen und dramatische Situationen darzustellen. Später benannte die Firma sich um zu Diamond Select. Eine von vielen respektierte Lizenz, die aber nicht an den Erfolg der Playmates anknüpfen konnte. Für meinen Geschmack sahen die Art Asylums auch zu ernst und edgy aus, da schätze ich den cartoonhaften Look der Playmates umso mehr.

2009, als Star Trek mehrere Jahre nach dem Ende seiner goldenen Ära von J. J. Abrams im Kino einen Relaunch erfuhr, gab es abermals Actionfiguren, die jedoch spektakulär scheiterten. Denn Star Trek war zu dem Zeitpunkt, was Merchandising anging, vollends aus dem Mainstream in die Nische abgetaucht. Die Figuren hatten aber eine Massenmarkt-Anmutung und waren nicht ausreichend nerdig-nischig für das begehrte Sammlersegment. Auch waren noch immer die Nachwirkungen der Banken- und damit verbundenen Wirtschaftskrise von 2008 zu spüren.

Das gehört in ein Museum!

Seit 2021 produziert Exo-6 High-End-Sammlerstücke, die die schnöde Actionfigur bereits nicht mehr im Rückspiegel sehen: "Museumsreife" Statuen im Maßstab 1:6, also de facto um die 30 cm groß. Diese Figuren bewundere ich - mit einer Ausnahme - aus der Ferne. Denn durch die Bank sind sie extrem kostspielig: Die am simpelsten ausgestatteten Figuren kosten knapp unter 200 Dollar, und von da an geht es je nach Kleidung und Material rauf bis knapp 300 Dollar.

Der museumsreife Disco Bones von Exo-6. Quelle: Sebastian Göttling Der museumsreife Disco Bones von Exo-6. Dabei sind manche Figuren hervorragend getroffen - Klingonenschurke Kruge ist Christopher Lloyd wie aus dem Gesicht geschnitten, erstmals mit einer Haarfrisur statt einer Frise, die Teil des Plastikschädels ist - wohingegen beliebte Figuren wie die Captains Sisko oder Picard Gesichter haben, die mir irgendwie off erscheinen.

Einmal biss ich bisher bei Exo-6 an und gönnte mir "Pille" McCoy aus dem ersten Kinofilm, denn die Figur zeigt seinen nur kurz dargestellten, aber dafür umso sagenumwobeneren Look, mit dem er aus der Rente zurückkehrt und seine ersten Schritte auf die frisch renovierte Enterprise tut: eine Mischung aus Richard Chamberlain in Shogun und John Travolta in Saturday Night Fever, komplett im weißen Partyanzug mit tiefem V-Ausschnitt. Und ja, ich gebe zu, dass ich diese toll getroffene Statue oftmals bewundere. Sogar die Augäpfel wurden mit Glanzlack versehen, damit sie lebendig funkeln.

In die Zukunft mit Nacelle

Am Star-Trek-Tag 2024, also am 8. September, gab es nach langem Dornröschenschlaf des Konzepts Actionfigur eine besondere Ankündigung der Nacelle Company. Das ist die Firma von Brian Volk-Weiss, weltbekannter Spielzeugsammler und Produzent diverser popkulturgeschichtlicher Dokumentationsreihen, darunter die Star-Trek-Reihe The Center Seat, aber auch der 2017er Netflix-Kracher The Toys That Made Us. (Spielzeug - Das war unsere Kindheit). Vom Sammler und TV-Produzenten wurde Volk-Weiss hiermit zum waschechten Spielzeug-Lizenznehmer, denn Nacelle kündigte an, Star-Trek-Actionfiguren aus der klassischen Trek-Ära bis 2005 herzustellen.

Die Nacelle Company hat Großes vor - hier ihre versammelten Prototyp-Entwürfe. Quelle: The Nacelle Company Die Nacelle Company hat Großes vor - hier ihre versammelten Prototyp-Entwürfe. Zu Premium-Preisen bieten diese Figuren ein Mittelding aus der Ernsthaftigkeit von Art Asylum und der Schrulligkeit der Playmates. Es gibt unerwartete Deep Cuts wie Scottys Neffe Peter Preston aus dem zweiten oder die klingonische Spionin Valkris aus dem dritten Kinofilm. Sogar ein Kirk im Stile des siebten Kinofilms ist in Vorbereitung - mit dazugehörigem Pferd. Auch größentechnisch liegen die Figuren mit sechs Zoll dazwischen und versprechen Detailreichtum, Zubehör und austauschbare Gliedmaßen oder Köpfe für alternative Gesichtsausdrücke.

Warum schreibe ich "versprechen"? Weil die Auslieferung der ersten Welle Ende 2025 von qualitativen Problemen geplagt war: geringe Ähnlichkeit mit den Charakteren und unsaubere Bemalung - da waren auf Messen gezeigte Prototypen deutlich besser geraten - ebenso war die Verpackung nicht transportsicher. Immerhin gelobte Nacelle, alles bisher Gelieferte zu ersetzen, nur einerseits steht das Ergebnis noch aus und andererseits schneidet so ein Austausch empfindlich in die Profite eines jungen Unternehmens.

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  1. Seite 1 Vom Fanwerden bis zum AMT-Deal - wie alles anfing
  2. Seite 2 Label-Slapper, Toy-Fails & der Weg zu den ersten Actionfiguren
  3. Seite 3 Mego, Kinofilme und der ewige Teufelskreis im Spielwarenregal
  4. Seite 4 Playmates-Explosion, Sammler-Zoff und die Zeit nach dem Höhenflug
  5. Seite 5 Happy Meals, Brettspiele, Eaglemoss, Playmobil & der Klemmbaustein-Krieg bis LEGO
  6. Seite 6 LEGO übernimmt - und was das für Fans, Hersteller und Sammler bedeutet
    • Kommentare (1)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MannyMamut NPC
        Interessanter Artikel.
        Allerdings fehlt mir ein cooles Merchandise: Furuta aus Japan hat zwischen 2003 und 2006 kleine aber coole Modelle hergestellt.
        Auf der Ülattform Memory Alpha findet sich dazu eine tolle Auflistung
      • Von MannyMamut NPC
        Interessanter Artikel.
        Allerdings fehlt mir ein cooles Merchandise: Furuta aus Japan hat zwischen 2003 und 2006 kleine aber coole Modelle hergestellt.
        Auf der Ülattform Memory Alpha findet sich dazu eine tolle Auflistung
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