Spielzeug mit Star Trek: 60 Jahre galaktisches Auf und Ab im Spielwarenhandel

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Special Sebastian Göttling - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Spielzeug mit Star Trek: 60 Jahre galaktisches Auf und Ab im Spielwarenhandel
Quelle: AMT Ertl

Star-Trek-Merch ist eine Achterbahn: mal originalgetreu und legendär, mal Sticker-Quatsch. Wir zeigen euch die wichtigsten Toy-Epochen, warum manche Lines scheiterten und weshalb LEGO 2025 plötzlich alles verändert.

Als ich Star-Trek-Fan wurde, war es Frühjahr 1991 und ich war zwölf Jahre alt. Mein Taschengeld ging drauf für Game-Boy-Spiele und Bücher, nicht mehr wie in den Jahren zuvor für Spielzeug. Ohnehin hätte ich - mit einer Ausnahme - in den Spielwarenabteilungen meiner Provinz-Heimatstadt keine trekkigen Toys gefunden, denn die konnte man zu der Zeit nur über den Shopservice des Star-Trek-Fanklubs aus den USA importieren. Undenkbar für mich. Selbst wenn ich davon gewusst hätte. Ebenso unvorstellbar, dass sich jemals Playmobil und LEGO, diese beiden Eckpfeiler eines jeden deutschen Kinderzimmers, mit der Star-Trek-Lizenz befassen könnten.

Tausche Shuttle gegen Lizenz

Die Reise dorthin ist weit und begann am Dienstag, den 27. September 1966. In Deutschland kannte noch niemand die Enterprise, stattdessen flog vor zehn Tagen zum ersten Mal die Raumpatrouille Orion. In den Vereinigten Staaten liefen auf NBC bisher die ersten drei Episoden der Original-Star-Trek-Serie, während in den Desilu-Studios gerade die dreizehnte Episode gedreht wurde, The Galileo Seven (Notlandung auf Galileo 7).

An diesem vierten von sieben Drehtagen filmte Regisseur Robert Gist auf Stage 10 Szenen der Planetenoberfläche von Taurus II, wo blutrünstige Steinzeitzottel gewaltige Speere auf eine gestrandete Landungsmission warfen - und Spock sich während seines ersten Kommandos daran aufrieb, dass seine Crew aller vulkanischen Logik zum Trotz wie die Fliegen wegstarb.

An diesem Septembertag ebenfalls zum ersten Mal vor der Kamera: das beinahe lebensgroße Modell des Enterprise-Shuttles Galileo. Warum beinahe? Aus Kostengründen hatte das Shuttle nur drei Viertel der eigentlichen Größe. Die Innenaufnahmen des Beiboots entstanden auf einer anderen Soundstage, und dass das Innere nicht ganz zum Äußeren passte, kaschierte die perspektivische Kunst von Kameralegende Jerry Finnerman routiniert.

Die ersten paar Episoden hatte man ohne ein solches Shuttle gedreht. Besonders eklatant war dies in The Enemy Within (Kirk : 2 = ?) - einer Folge, in welcher der Transporter den Geist aufgab und ein Landeteam rund um Sulu drohte, auf einem Planeten zu erfrieren. Warum wurden die nicht kurzerhand per Shuttle gerettet? Weil das noch nicht erfunden war. Nun endlich waren sowohl Konzept als auch Modell vorhanden, obwohl die Produktion dafür eigentlich überhaupt kein Budget übrig hatte.

Die Lizenz für die ersten Enterprise-Modellbausätze gab es im Tausch gegen ein Gratis-Shuttle. Quelle: AMT Ertl Die Lizenz für die ersten Enterprise-Modellbausätze gab es im Tausch gegen ein Gratis-Shuttle. Wie war Star Trek an ein Gratis-Shuttle gekommen? (Deutlich klobiger als der Entwurf von Designer Matt Jefferies, aber man nahm, was zu haben war.) Der Grund dafür war ein Handschlag-Deal, den die Produktion mit der Modellbaufirma AMT (Aluminium Models Toys) gemacht hatte. Die spendierte das Shuttlemodell und erhielt im Gegenzug die Lizenz, Modellbausets der Enterprise herzustellen und zu verkaufen. Was auf den ersten Blick wie ein Hammerdeal aussieht, bedeutete eine Menge Vertrauensvorschuss seitens AMT. Denn: Das Vertragsdatum war der 1. August 1966 - da war noch keine einzige Folge Star Trek gelaufen. Der Erfolg stand buchstäblich in den Sternen.

Von Sammlern und Modellbau-Amateuren

Das Modellbau-Set war ein wahres Schmuckstück, sehr originalgetreu. Und wurde zum großen Glück von AMT ein Riesenerfolg, der sich im ersten Jahr eine Million Mal verkaufte. Mit der zweiten Auflage gingen sicherlich auch einige an die begehrte Kundengruppe der Komplettisten - denn die beigelegten Wassertransfer-Aufkleber boten die Möglichkeit, die Beschriftung für alle Enterprise-Schwesterschiffe der Constitution-Klasse aufzubringen. Vollkommen besessene Sammler kauften das Set dreizehn Mal und hatten dann eine Flotte bestehend aus Constitution, Constellation, Defiant, Yorktown, Farragut, Hood, Lexington, Excalibur, Republic, Potemkin, Intrepid, Exeter - und eben die Enterprise.

AMT, die einsamen Rekord-Lizenzhalter, brachten 1989 die ersten Next-Generation-Bausätze heraus. Quelle: AMT Ertl AMT, die einsamen Rekord-Lizenzhalter, brachten 1989 die ersten Next-Generation-Bausätze heraus. Es folgte das Modell eines Klingonenraumschiffs und der Rest ist Geschichte, denn AMT hat die Star-Trek-Lizenz heute nach knapp sechzig Jahren immer noch und ist somit einsamer Rekordhalter unter den Lizenznehmern.

Diese Sets von AMT (später AMT-Ertl) waren neben den Star-Trek-Romanen das einzige Merch, das im örtlichen Modellbaugeschäft zu bekommen war - und so gab es doch einen trekkigen Taschengeldfresser neben Game-Boy-Spielen. Zugegeben, ich war nie ein sonderlich begabter Baumeister. Die Modelle bestanden aus einfarbig weißen oder grauen Kunststoffteilen, die aus ihrem "Gerippe" ausgebrochen, die Nuten abgeschmirgelt, mit Modellfarben bemalt und dann zusammengeklebt werden mussten.

Allein schon beim Anstrich fehlte meinem Trek-Kumpel Thorsten und mir die ruhige Hand - und auch Airbrush-Equipment. Die Klebeflächen waren so klein, dass die Raumschiffe windschief gerieten und teilweise beim bloßen Anschauen ihre Teile verloren. Trotzdem waren sie große Schätze, meine Enterprise-D, mein romulanischer Warbird und meine Original-Series-Brücke, komplett mit ein paar Figürchen. Darunter ein in seinem Kommandosessel sitzender Captain Kirk, den wir nur zu gerne auch auf die Untertassensektion seines Raumschiffes setzten.

Und weil unser Modell-Dealer schneller importierte als alle anderen, konnten wir 1995 die Formen der brandneuen Voyager genauestens untersuchen, Monate bevor wir die erste Episode der Serie zu sehen bekamen. Doch nicht jede Lizenz war so ein Glücksgriff wie AMT - manche Firmen klebten Star Trek einfach nur auf irgendwas drauf. Auf der nächsten Seite wird's herrlich absurd.

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  1. Seite 1 Vom Fanwerden bis zum AMT-Deal - wie alles anfing
  2. Seite 2 Label-Slapper, Toy-Fails & der Weg zu den ersten Actionfiguren
  3. Seite 3 Mego, Kinofilme und der ewige Teufelskreis im Spielwarenregal
  4. Seite 4 Playmates-Explosion, Sammler-Zoff und die Zeit nach dem Höhenflug
  5. Seite 5 Happy Meals, Brettspiele, Eaglemoss, Playmobil & der Klemmbaustein-Krieg bis LEGO
  6. Seite 6 LEGO übernimmt - und was das für Fans, Hersteller und Sammler bedeutet
    • Kommentare (1)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MannyMamut NPC
        Interessanter Artikel.
        Allerdings fehlt mir ein cooles Merchandise: Furuta aus Japan hat zwischen 2003 und 2006 kleine aber coole Modelle hergestellt.
        Auf der Ülattform Memory Alpha findet sich dazu eine tolle Auflistung
      • Von MannyMamut NPC
        Interessanter Artikel.
        Allerdings fehlt mir ein cooles Merchandise: Furuta aus Japan hat zwischen 2003 und 2006 kleine aber coole Modelle hergestellt.
        Auf der Ülattform Memory Alpha findet sich dazu eine tolle Auflistung
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