Der Retro-Trend: Warum die vielen Neuauflagen?
Blick nach vorn
Christian Burtchen: "Die Vergangenheit wird merkwürdig verklärt!"
Christian Burtchen will frische Emotionen in Spielen und hat für die alten Lucas-Arts-Adventures seine Katze vernachlässigt.
Natürlich hat es einen gewissen Charme, sich noch an die Zeiten zu erinnern, als konventioneller Speicher ein rares Gut war. Als auf der Festplatte für jedes Spiel unterschiedliche autoexec.bat- und config.sys- Dateien herumlungerten, die mehr Zuwendung erhielten als die Hauskatze. Als 8 MB RAM viel waren. Dennoch fällt mir bei Diskussionen oft auf, dass die Vergangenheit auch merkwürdig verklärt empfunden wird. Dune 2, Warcraft, Prince of Persia - sicher, sie alle waren zu ihrer Zeit schöne Spiele, aber wieso sollte ich für etwas Nostalgie auf Luxus-Funktionen wie die Auswahl mehrerer Einheiten verzichten? Mit wenigen Ausnahmen (erraten: die Lucas-Arts-Adventures) sind mir da richtige Remakes wie King's Bounty: The Legend oder die Traditionsreihe der Siedler deutlich lieber. Außerdem ist es mir immer noch am liebsten, wenn ich frische Ideen auf meinen Redakteurstisch bekomme. Denn mittlerweile wären Spiele in der Lage, ein wirklich ernsthaftes Medium zu sein, das Gefühle authentisch vermitteln kann.
Blick zurück
Christian Schlütter: "Die Entwickler waren mit Herzblut bei der Sache."
Quelle: PC Games
Christian Schlütter fühlt sich alt und gebrechlich (aus guten Gründen, Anm. d. Red.) und wünscht sich wieder mutige, kreative Entwickler.
Hach ja, die stürmische Jugend! Kollege Burtchen ist zwar nur ein Jahr jünger als ich, hat aber anscheinend schon vergessen, welchen Spaß uns die alten Klassiker auch ohne viel Komfort beschert haben. Ich konnte Tage mit Perlen wie Battle Isle oder Jagged Alliance verbringen. Nicht nur weil sie tolle Erfahrungen boten, sondern auch weil man merkte: Die Entwickler waren mit Herzblut bei der Sache. Auch wenn ich mir nicht alles aus der alten Zeit zurückwünsche, so sehne ich mich doch nach dem alten, kreativen Mut unserer Branche. Heute wird vieles unter dem Druck von Veröffentlichungszeitpunkten und Fiskaljahren durch die Entwickler-Mühle gepresst. Das Ganze erinnert oftmals mehr an eine Logistik- Operation als an einen schöpferischen Prozess. Ich kann zwar auch auf Remakes aus Profitstreben verzichten und spiele lieber die alten Originale. Aber ich kann sehr gut verstehen, warum sich manche Spieler in die frühen Tage zurückwünschen. Und gerade ein Medium, das ernst genommen werden will, muss sich seiner Wurzeln immer bewusst sein.
