Der Retro-Trend: Warum die vielen Neuauflagen?
Das direkte Remake Bionic Commando Rearmed könnte eine Lücke füllen und mit spaßigen, quietschbunten Schlachten ganze Freundeskreise beglücken. Auf reine Nostalgie wollte man sich bei Capcom indes doch nicht verlassen. Deswegen hat man zusätzlich auch gleich einen 3D-Aufguss des Spielhallen-Klassikers in Auftrag gegeben. Quasi ein Breitband- Backflash für Junggebliebene.
Man glaubt es kaum, aber selbst in die Welt der Online-Spiele ist die Retro-Welle übergeschwappt. Mit Jumpgate Evolution steht Ende 2008 eine Art Neuauflage des MMOs Jumpgate aus dem Jahre 2001 an. In den sieben Jahren seit der Veröffentlichung wurde die Mischung aus Rollenspiel und Weltraum-Shooter zum Überraschungserfolg und dann doch vom Genreprimus EVE Online verdrängt. Die Evolution soll jetzt in einer runderneuerten Grafik, frischen Quests und einer glaubwürdigeren künstlichen Intelligenz bestehen.
Fast ist man versucht, in Jahrmarkt- Manier "... und, und, und ..." zu schreien. Denn die lange Liste der aktuellen Remakes ist damit keinesfalls abgehandelt. Was aber treibt Publisher und Entwickler gerade jetzt dazu, im Biedermeier- Giftschrank zu wühlen und die alten Schätzchen hervorzuholen? Sicherlich gehört eine gewisse Portion Profitstreben dazu. Eine alte Marke fortzuführen ist kostengünstiger, als eine komplett neue Welt zu schaffen und im Markt zu etablieren. Auf dieser Weisheit beruht die Schwemme an Fortsetzungen, die den Markt bestimmt. Command & Conquer, FIFA, Need for Speed, Gothic, Grand Theft Auto und zuletzt Diablo - all das sind Beispiele, in denen erfolgreiche Serien das Rückgrat eines Publisher- Portfolios bilden - und nicht selten mutigere Projekte überhaupt erst ermöglichen.
Dass die Vorstandsetagen dabei jetzt auch Komplett-Remakes als Geschäftsmodell entdecken, ist keine große Überraschung. Denn mittlerweile ist das Spielegeschäft nicht mehr der Tummelplatz kreativer Zauberstabschwinger, als den einige ihn in den 80ern und 90ern verklärten. Die Zeiten werden härter. Derweil sind große Teile des Marktes unter den Akteuren aufgeteilt. Die Gewinnmargen werden schmäler und so beugt sich auch die innovativste Spieleschmiede dem Diktat von Kosten und Nutzen. Remakes versprechen passable Verkaufszahlen durch eine alte Fanbasis - und das bei oftmals moderaten Produktionskosten.
