Der Retro-Trend: Warum die vielen Neuauflagen?
Doch natürlich liegt nicht nur schnöder Mammon in der Luft. Auch ein wenig Feenstaub ist dabei. Denn einigen Remake-Projekten kann man Elan und hehre Motive nicht absprechen. Manchmal glaubt ein Studio so sehr an die Qualitäten eines Produkts, dass es das zu Unrecht untergegangene Original durch ein Remake wiederbeleben will (siehe Jumpgate Evolution). Manchmal wollen Entwickler etwas beweisen (siehe King's Bounty: The Legend). Und manchmal wurde einfach nur auf die Wünsche der Spieler gehört (siehe Civilization 4: Colonization).
Womit wir an einem interessanten Punkt in unserer Diskussion angelangt wären: Welche Rolle spielen wir als Konsumenten überhaupt? Nun, auch hier greift die halbwegs erschreckende Erkenntnis, dass unser Lieblingsmedium nicht mehr in den Kinderschuhen steckt. Im selben Maße, in dem die Spielebranche zu einem Multimilliarden- Dollar-Markt herangewachsen ist, sind natürlich auch die Spieler älter geworden. Und da ein Retro-Trend immer auch etwas mit der uneingeschränkten Mystifizierung der eigenen Jugend zu tun hat, sind es gerade die jetzt erwachsenen Spieler, die einen ausgeprägten Hang zu Remakes zeigen.
Da wird jedes neue Adventure an der guten alten Lucas-Arts-Zeit gemessen und den Tagen hinterhergeweint, in denen man noch die Counter- Strike (dt.)-Server aufmischen konnte. Die traurige Wahrheit aber: Es war einmal! Und so hören wir auf der Heimfahrt in unserem New Beetle schreckliche Euro-Trash- Musik, und sobald wir zu Hause sind, werfen wir unsere Schlaghosen von uns und genehmigen uns eine gepflegte Partie Civilization 4: Colonization - sieht viel besser aus als das Original, erweckt aber in uns das Gefühl, dass alles noch genauso ist wie damals in der guten, alten Zeit.
