Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 4
Jahrelang galt die Echtzeitstrategie als Königsdisziplin der PC-Spiele, doch heute gibt es das Genre beinahe nicht mehr. Wir suchen nach Gründen dafür und schauen was aus einstigen Leuchttürmen wie Command & Conquer und Age of Empires geworden ist.
Was wurde aus Age of Empires?
Nach Command & Conquer verhalf vor allem die Age of Empires-Reihe als zweite große Marke dem Genre der Echtzeitstrategie zu seiner Popularität.
Die Anfänge
Age of Empires erschien im Jahr 1997, zwei Jahre nach der Gründung von Ensemble Studios. Vor allem der spielerische Tiefgang dank verschiedener Völker und Epochen sowie die für damalige Verhältnisse detaillierte Grafik verhalfen dem Titel zum Durchbruch, sodass im Jahr 1998 zunächst ein Add-on namens The Rise of Rome erschien, worauf 1999 der Nachfolger Age of Empires 2: The Age of Kings mit dem zugehörigen Add-on The Conquerors (2000) folgten.
Übernahme durch Microsoft
Quelle: PC Games
Age of Empires (1997)
Nach den Erfolgen der Age of Empires-Reihe wurde Microsoft auf den Entwickler Ensemble Studios aufmerksam und kaufte diesen im Jahr 2001 auf. Ein Jahr später veröffentlichte das Studio Age of Mythology, ein Spin-off zu Age of Empires, das im Grunde das gleiche Spielprinzip verfolgte, aber sich mit mythologischen Themen beschäftigte und erstmals in 3D zu bewundern war. Nach einem Add-on dazu im Jahr 2003 veröffentlichten die Entwickler im Jahr 2005 Age of Empires 3, zu dem 2006 und 2007 jeweils ein Add-on hinterher kam – die letzten "Lebenszeichen" von Age of Empires wie es die Fans kennen und lieben, wie wir heute wissen.
Free2Play-Ansatz
Nach dem letzten Add-on zu Age of Empires 3 arbeitete Ensemble Studios für Microsoft am Xbox-360-exklusiven Strategietitel Halo Wars, der 2009 erschien. Nach dessen Fertigstellung schloss Microsoft das namhafte Entwicklerstudio und zerstörte somit die Hoffnungen auf ein neues Age of Empires. Zuletzt veröffentlichte Microsoft Age of Empires Online im Jahr 2011, eine Mischung aus Echtzeitstrategiespiel und MMO, das allerdings nicht gut bei den Spielern ankam und zum 1. Juni 2014 abgeschaltet werden soll. Daneben bietet Microsoft seit April 2013 eine aufgehübschte HD-Neuauflage von Age of Empires 2 auf Steam an.
Interview mit Bruce Shelley
PC Games: Vor allem in den 1990er-Jahren waren Echtzeitstrategiespiele extrem populär. Was machte deiner Meinung nach diesen Erfolg aus?
Shelley: "Der Erfolg der Echtzeitstrategiespiele startete wohl mit Dune 2, mit Warcraft und Command & Conquer nahm die Welle aber Geschwindigkeit auf und das Genre entwickelte sich rund 15 Jahre lang zum Primus auf dem PC. Erfolgreich waren diese Spiele meiner Meinung nach deshalb, weil sie den Spieler herausforderten und für die damalige Zeit eine exzellente Grafik boten, aber auch, weil die Entwickler allerlei großartige Dinge mit ins Paket legten: Karten-Editoren, spannende Einzelspieler und ausgewogene Mehrspieler-Kampagnen. Es gab seinerzeit wenige andere Genres, die so viel Inhalt boten wie Echtzeitstrategietitel."
Quelle: PC Games
Age of Empires Online (2011)
PC Games: Heute scheint das Genre mehr oder weniger ausgestorben. Vor allem große Marken wie Age of Empires oder Command & Conquer wurden zu Grabe getragen. Was denkst du, woran das liegen könnte?
Shelley: "Absolut sicher bin ich mir nicht, aber ich habe Theorien: Ein Level in einem klassischen Echtzeitstrategiespiel beschäftigte den Spieler bis zu eine Stunde, wenn nicht länger. Ich denke, diese Zeitspanne ist für heutige Verhältnisse zu lange. Matches in einem Ego-Shooter oder einem Spiel wie World of Tanks sind heute nach rund 15 Minuten vorbei, bieten aber in der kurzen Zeit mehr Herausforderung für den Spieler und das in besserer Qualität als die Spiele früher. Außerdem denke ich, dass viele der alten Hasen sich Spielen wie League of Legends zugewandt haben, einfach weil diese mehr Wettbewerb unter den Spielern bieten und das in kleineren Häppchen. Ein weiterer Faktor ist, dass Spiele heute auf unterschiedliche Weisen genutzt werden, etwa auf dem PC, auf den Konsolen oder Smartphones und Tablets. Leider hat das Genre der Echtzeitstrategie den Schritt auf mobile Geräte bislang noch nicht besonders gut vollzogen."
PC Games: Das heißt also, dass die größere Auswahl an Plattformen das Ende der Echtzeitstrategie besiegelt hat? Oder siehst du eine Chance, dass wir zum Beispiel dank Kickstarter in Zukunft wieder einen Klassiker auferstehen sehen könnten?
Shelley: "Ich glaube, die typischen Echtzeitstrategiespieler haben sich in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Zum einen die genannte, die eher schnelle, aber herausfordernde Partien sucht. Zum anderen diejenigen, die es lieben, ihre Basen aufzubauen. Für diese Gruppe bieten sich heute Browser-Games besonders an, einfach weil sie dort jeden Tag ein wenig weiter an ihrer Vision tüfteln können. Klassische Echtzeitstrategiespiele sprachen ein großes Publikum an, ein Job, den heute andere Genres ausfüllen. Deshalb denke ich, dass Publisher heute ein Risiko darin sehen, ein Echtzeitstrategiespiel zu entwickeln anstelle von etwas Massenmarkttauglichem. Und obwohl die Entwicklung nicht besonders teuer wäre, denke ich nicht, dass wir einen Klassiker in naher Zukunft auf Kickstarter sehen werden, auch wenn ich weiß, dass es darüber bereits Gespräche gab."
In diesem Artikel
PC Games: Wir sollten also nicht auf die Wiederauferstehung von Age of Empires, Command & Conquer oder ähnlichen Klassikern hoffen?
Shelley: "Ich denke nicht, dass wir in naher Zukunft etwas Neues von den großen Marken hören werden, falls überhaupt jemals. Das Einzige, was ich mir vorstellen kann, ist, dass einige der Klassiker mit besserer Technik neu aufgelegt werden, so wie wir es bei Age of Empires 2 gesehen haben oder wie Blizzard es für Warcraft plant."

Prozentual gesehen muss ein Entwickler doch heutzutage nur noch 10% der Spieler erreichen und hat damit noch mehr Exemplare verkauft als damals bei 100%.
Nur reicht ein kleiner Gewinn heutzutage ja keinem Publisher mehr.
Die junge Generation wird doch durch die ganzen Mini- und Browserschrott"-spiele" so verhunzt, dass die gar nicht mehr mit einem simplen C&C klarkommen.
Das Alles betrifft allerdings andere Genre genauso, wie im Artikel erwähnte Ego-Shooter.
Das Klassische RTS heute immer noch funktioniert zeigen die ganzen alten Klassiker. C&C 1 und Red Alert, Warcraft 2, Starcraft, Age of Empires etc. Diese Spiele funktionieren auch heute noch. Trotz etwas veralteter Bedinung. Starcraft 2 war/ist ja der beste Beweis dafür.
Ebenso passt es nicht in das Konzept der Publisher das Strategiespiele hauptsächlich Singelplayer sind, da kann man dann schlecht online Zwang verkaufen, sowie Ingame-Transaktionen erklären. Ebenso muß der Spielumfang dadurch deutlich gesteigert werden, da ja länger an einer Mission gespielt wird und somit muß viel mehr Liebe ins Detail gesteckt werden. Alleine eine Einheit hatte ja 5(fiktive Zahl nicht mehr sicher) Aussehen bei Age of Empires. Pro Epoche ein anderes. Da ist dann die Frage, sind die Publisher überhaupt bereit soviel Detailbessesenheit zu unterstützen oder bleiben sie dann lieber auf dem guten alten "kopieren und einsetzen" Prinzip?
In meinen Augen wäre es auf jeden Fall machbar ein erfolgreiches Strategiespiel auf den Markt zuwerfen. Es würde auch hohe Absatzzahlen haben, allerdings würde es nie den Konzerngewinn signifikant steigern wie es ein aufpoliertes BF4 oder Far Cry gemacht hat...
Ich habe das aber auch ein wenig missverständlich ausgedrückt, da bin ich ehrlich. ;-)