Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 2
Jahrelang galt die Echtzeitstrategie als Königsdisziplin der PC-Spiele, doch heute gibt es das Genre beinahe nicht mehr. Wir suchen nach Gründen dafür und schauen was aus einstigen Leuchttürmen wie Command & Conquer und Age of Empires geworden ist.
Finanzielles Risiko?
Auch für Publisher bringt das größere Angebot an Plattformen Probleme mit sich. Konsolen, vor allem die von Microsoft und Sony, und PCs sind heute im Großen und Ganzen technisch ähnlich aufgestellt, sodass Spiele meist parallel auf drei Systemen veröffentlicht werden – schon alleine deshalb, weil PC-only-Titel auf Absatzmärkten wie den USA (aber auch auf anderen) zu wenig Profit bringen würden. Somit stehen bei der Entwicklung von Spielen vor allem Gameplay-Konzepte im Vordergrund, die sowohl auf dem Computer mit Maus und Tastatur steuerbar sind als auch auf den Konsolen mit Gamepads. Gerade Echtzeitstrategietitel stoßen hier schnell an die Grenzen der Gamepads, wenn man bedenkt, wie hektisch eine Schlacht in Starcraft werden kann. Entsprechend erscheinen die wenigsten Echtzeitstrategiespiele auf den Konsolen – oder fallen dort prompt auf die Nase. Selbst alternative Steuerungsmethoden wie etwa per Spracheingabe bei Ubisofts Tom Clancy's Endwar im Jahr 2008 verhalfen dem Strategiegenre auf den Konsolen nicht zum Durchbruch.
Quelle: PC Games
Im März 2013 kehrte Age of Empires auf die PCs zurück, jedoch nicht mit einem neuen Teil, sondern mit einer HD-Auflage der zweiten Auskopplung. Dieses bietet denselben Umfang wie das OriginalSpiel aus dem Jahr 1999, lediglich ein LAN-Modus ist nicht mehr vorhanden.
Die dadurch eher geringen Erfolgsaussichten eines Echtzeitstrategiespiels auf den Konsolen und die damit einhergehende Limitierung auf den PC dürfte für Publisher ein zu großes Risiko darstellen, um ein derartiges Budget in solch einen Titel zu investieren. Heutige Entwicklerteams bestehen aus hunderten Programmierern, Künstlern, Musikern und so weiter. Dazu kamen bei Titeln wie Command & Conquer Schauspieler und Regisseure für die Zwischensequenzen – kurzum, die Kosten für ein hochwertiges Echtzeitstrategiespiel würden in der heutigen Zeit schnell einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Auf dem PC alleine ist der hierfür nötige Umsatz schwer zu erreichen.
Meinung
Somit ist es aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht verwunderlich, dass Konzerne wie Microsoft oder Electronic Arts sich von großen Marken wie Command & Conquer oder Age of Empires als Vollpreisspiele verabschiedet haben und stattdessen andere Wege suchten, wie sie ihre Marken am Leben erhalten können, ohne zu große Verluste einzufahren – und vielleicht sogar mit der Hoffnung, die Fans nicht allzu sehr zu vergraulen.
Natürlich kamen Versuche wie Age of Empires Online nicht allzu gut bei den Spielern an. Ein kostenloses Age of Empires mochte zu Beginn noch vielversprechend klingen, doch die späteren Bezahlinhalte schreckten die Spieler ab, sodass Microsoft die Online-Variante 2014 vom Netz nehmen wird. Ob dagegen jemals ein vollwertiges Age of Empires erscheinen wird, bleibt fraglich, einfach deshalb, weil die Rechte beim Großkonzern aus Redmond liegen.
Ähnlich sieht es bei Command & Conquer aus. Auch hier liegen die Rechte bei Electronic Arts, sodass kein kleines Indie-Studio einfach über Kickstarter einen Nachfolger finanzieren lassen könnte – etwas, das Bruce Shelley generell als schwierig erachtet. Das zuletzt als Free2Play-Spiel geplante Command & Conquer stellte EA im Oktober ein. Ob und wann Spieler wieder etwas von der legendären Strategiemarke hören werden, das dürfte auch der talentierteste Kaffeesatzleser aktuell nicht sagen können.
Tablet-PCs als Rettung
Quelle: PC Games
Auch Firefly Studios hat seinen Burgenbau- und -eroberungs-Klassiker Stronghold aus dem Jahr 2001 mit HD-Auflösung neu aufgelegt und im Oktober 2013 auf Steam veröffentlicht.
Ein zumindest theoretisch vielversprechender Markt wären dann zusätzlich zum PC lediglich mobile Endgeräte und dort vor allem Tablet-PCs. Einige der großen Publisher haben dort bereits Versuche gestartet, unter anderem gibt es eine Umsetzung von Command & Conquer: Alarmstufe Rot. Bruce Shelley kritisiert im Gespräch jedoch, dass das Genre der Echtzeitstrategiespiele den Sprung auf Tablets & Co. bislang nicht erfolgversprechend genug vollzogen hat. Denn auch hier – genau wie auf den Konsolen – scheint die Frage der Steuerung noch nicht geklärt zu sein. Zumindest beschweren sich viele der Käufer darüber, dass das genannte Alarmstufe Rot auf dem iPad zwar an das Original erinnert, aber eher ein Casual-Titel als ein echtes Command & Conquer sei.
Meinung
Mit der Maus-ähnlichen Eingabe am Touchscreen wären zwar die Möglichkeiten für ein vollwertiges, klassisches Echtzeitstrategiespiel prinzipiell gegeben. Allerdings darf auch hier der Spielverlauf nicht zu hektisch ausfallen, damit die Eingaben noch präzise genug ausgeführt werden können.
Düstere Zukunft
Doch was bleibt den treuen Fans des Genres am Ende? Die Fortsetzung einer der bekannten Marken dürfte in absehbarer Zeit unwahrscheinlich sein, einfach weil sich die Spielgewohnheiten geändert haben und das finanzielle Risiko für die Publisher somit zu hoch ist. Blizzard scheint im Moment der einzige große Hersteller zu sein, der weiterhin am Echtzeitstrategie-Genre festhält, immerhin erscheint noch ein Add-on für Starcraft 2 und angeblich sind HD-Umsetzungen der Warcraft-Titel geplant. Und auch einige kleinere Studios und Publisher versuchen ihr Glück immer wieder.
In diesem Artikel
Die großen Reihen dagegen erleben in den letzten Monaten höchstens als Neuauflage ein Revival. Und trotz ihres Alters machen diese noch immer Laune und verkürzen die Wartezeit, bis sich einer der Big Player der Spieleindustrie vielleicht doch dazu durchringt, ein vielleicht gar nicht allzu großes Risiko einzugehen.

Prozentual gesehen muss ein Entwickler doch heutzutage nur noch 10% der Spieler erreichen und hat damit noch mehr Exemplare verkauft als damals bei 100%.
Nur reicht ein kleiner Gewinn heutzutage ja keinem Publisher mehr.
Die junge Generation wird doch durch die ganzen Mini- und Browserschrott"-spiele" so verhunzt, dass die gar nicht mehr mit einem simplen C&C klarkommen.
Das Alles betrifft allerdings andere Genre genauso, wie im Artikel erwähnte Ego-Shooter.
Das Klassische RTS heute immer noch funktioniert zeigen die ganzen alten Klassiker. C&C 1 und Red Alert, Warcraft 2, Starcraft, Age of Empires etc. Diese Spiele funktionieren auch heute noch. Trotz etwas veralteter Bedinung. Starcraft 2 war/ist ja der beste Beweis dafür.
Ebenso passt es nicht in das Konzept der Publisher das Strategiespiele hauptsächlich Singelplayer sind, da kann man dann schlecht online Zwang verkaufen, sowie Ingame-Transaktionen erklären. Ebenso muß der Spielumfang dadurch deutlich gesteigert werden, da ja länger an einer Mission gespielt wird und somit muß viel mehr Liebe ins Detail gesteckt werden. Alleine eine Einheit hatte ja 5(fiktive Zahl nicht mehr sicher) Aussehen bei Age of Empires. Pro Epoche ein anderes. Da ist dann die Frage, sind die Publisher überhaupt bereit soviel Detailbessesenheit zu unterstützen oder bleiben sie dann lieber auf dem guten alten "kopieren und einsetzen" Prinzip?
In meinen Augen wäre es auf jeden Fall machbar ein erfolgreiches Strategiespiel auf den Markt zuwerfen. Es würde auch hohe Absatzzahlen haben, allerdings würde es nie den Konzerngewinn signifikant steigern wie es ein aufpoliertes BF4 oder Far Cry gemacht hat...
Ich habe das aber auch ein wenig missverständlich ausgedrückt, da bin ich ehrlich. ;-)