Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 4

49
Special Sebastian Weber Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Dieser Stillstand könnte ein Grund dafür sein, dass das Genre heute kaum mehr Spiele hervorbringt oder ein Dasein als Casual- und Browser-Game fristen muss.
Quelle: PC Games

Jahrelang galt die Echtzeitstrategie als Königsdisziplin der PC-Spiele, doch heute gibt es das Genre beinahe nicht mehr. Wir suchen nach Gründen dafür und schauen was aus einstigen Leuchttürmen wie Command & Conquer und Age of Empires geworden ist.

Was wurde aus Age of Empires?

Nach Command & Conquer verhalf vor allem die Age of Empires-Reihe als zweite große Marke dem Genre der Echtzeitstrategie zu seiner Popularität.

Die Anfänge
Age of Empires erschien im Jahr 1997, zwei Jahre nach der Gründung von Ensemble Studios. Vor allem der spielerische Tiefgang dank verschiedener Völker und Epochen sowie die für damalige Verhältnisse detaillierte Grafik verhalfen dem Titel zum Durchbruch, sodass im Jahr 1998 zunächst ein Add-on namens The Rise of Rome erschien, worauf 1999 der Nachfolger Age of Empires 2: The Age of Kings mit dem zugehörigen Add-on The Conquerors (2000) folgten.

Übernahme durch Microsoft
Age of Empires (1997) Quelle: PC Games Age of Empires (1997) Nach den Erfolgen der Age of Empires-Reihe wurde Microsoft auf den Entwickler Ensemble Studios aufmerksam und kaufte diesen im Jahr 2001 auf. Ein Jahr später veröffentlichte das Studio Age of Mythology, ein Spin-off zu Age of Empires, das im Grunde das gleiche Spielprinzip verfolgte, aber sich mit mythologischen Themen beschäftigte und erstmals in 3D zu bewundern war. Nach einem Add-on dazu im Jahr 2003 veröffentlichten die Entwickler im Jahr 2005 Age of Empires 3, zu dem 2006 und 2007 jeweils ein Add-on hinterher kam – die letzten "Lebenszeichen" von Age of Empires wie es die Fans kennen und lieben, wie wir heute wissen.

Free2Play-Ansatz
Nach dem letzten Add-on zu Age of Empires 3 arbeitete Ensemble Studios für Microsoft am Xbox-360-exklusiven Strategietitel Halo Wars, der 2009 erschien. Nach dessen Fertigstellung schloss Microsoft das namhafte Entwicklerstudio und zerstörte somit die Hoffnungen auf ein neues Age of Empires. Zuletzt veröffentlichte Microsoft Age of Empires Online im Jahr 2011, eine Mischung aus Echtzeitstrategiespiel und MMO, das allerdings nicht gut bei den Spielern ankam und zum 1. Juni 2014 abgeschaltet werden soll. Daneben bietet Microsoft seit April 2013 eine aufgehübschte HD-Neuauflage von Age of Empires 2 auf Steam an.

Interview mit Bruce Shelley

PC Games: Vor allem in den 1990er-Jahren waren Echtzeitstrategiespiele extrem populär. Was machte deiner Meinung nach diesen Erfolg aus?
Shelley: "Der Erfolg der Echtzeitstrategiespiele startete wohl mit Dune 2, mit Warcraft und Command & Conquer nahm die Welle aber Geschwindigkeit auf und das Genre entwickelte sich rund 15 Jahre lang zum Primus auf dem PC. Erfolgreich waren diese Spiele meiner Meinung nach deshalb, weil sie den Spieler herausforderten und für die damalige Zeit eine exzellente Grafik boten, aber auch, weil die Entwickler allerlei großartige Dinge mit ins Paket legten: Karten-Editoren, spannende Einzelspieler und ausgewogene Mehrspieler-Kampagnen. Es gab seinerzeit wenige andere Genres, die so viel Inhalt boten wie Echtzeitstrategietitel."

Age of Empires Online (2011) Quelle: PC Games Age of Empires Online (2011) PC Games: Heute scheint das Genre mehr oder weniger ausgestorben. Vor allem große Marken wie Age of Empires oder Command & Conquer wurden zu Grabe getragen. Was denkst du, woran das liegen könnte?
Shelley: "Absolut sicher bin ich mir nicht, aber ich habe Theorien: Ein Level in einem klassischen Echtzeitstrategiespiel beschäftigte den Spieler bis zu eine Stunde, wenn nicht länger. Ich denke, diese Zeitspanne ist für heutige Verhältnisse zu lange. Matches in einem Ego-Shooter oder einem Spiel wie World of Tanks sind heute nach rund 15 Minuten vorbei, bieten aber in der kurzen Zeit mehr Herausforderung für den Spieler und das in besserer Qualität als die Spiele früher. Außerdem denke ich, dass viele der alten Hasen sich Spielen wie League of Legends zugewandt haben, einfach weil diese mehr Wettbewerb unter den Spielern bieten und das in kleineren Häppchen. Ein weiterer Faktor ist, dass Spiele heute auf unterschiedliche Weisen genutzt werden, etwa auf dem PC, auf den Konsolen oder Smartphones und Tablets. Leider hat das Genre der Echtzeitstrategie den Schritt auf mobile Geräte bislang noch nicht besonders gut vollzogen."

PC Games: Das heißt also, dass die größere Auswahl an Plattformen das Ende der Echtzeitstrategie besiegelt hat? Oder siehst du eine Chance, dass wir zum Beispiel dank Kickstarter in Zukunft wieder einen Klassiker auferstehen sehen könnten?
Shelley: "Ich glaube, die typischen Echtzeitstrategiespieler haben sich in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Zum einen die genannte, die eher schnelle, aber herausfordernde Partien sucht. Zum anderen diejenigen, die es lieben, ihre Basen aufzubauen. Für diese Gruppe bieten sich heute Browser-Games besonders an, einfach weil sie dort jeden Tag ein wenig weiter an ihrer Vision tüfteln können. Klassische Echtzeitstrategiespiele sprachen ein großes Publikum an, ein Job, den heute andere Genres ausfüllen. Deshalb denke ich, dass Publisher heute ein Risiko darin sehen, ein Echtzeitstrategiespiel zu entwickeln anstelle von etwas Massenmarkttauglichem. Und obwohl die Entwicklung nicht besonders teuer wäre, denke ich nicht, dass wir einen Klassiker in naher Zukunft auf Kickstarter sehen werden, auch wenn ich weiß, dass es darüber bereits Gespräche gab."

PC Games: Wir sollten also nicht auf die Wiederauferstehung von Age of Empires, Command & Conquer oder ähnlichen Klassikern hoffen?
Shelley: "Ich denke nicht, dass wir in naher Zukunft etwas Neues von den großen Marken hören werden, falls überhaupt jemals. Das Einzige, was ich mir vorstellen kann, ist, dass einige der Klassiker mit besserer Technik neu aufgelegt werden, so wie wir es bei Age of Empires 2 gesehen haben oder wie Blizzard es für Warcraft plant."

Bildergalerie

49
  1. Seite 1 Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 1
  2. Seite 2 Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 2
  3. Seite 3 Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 3
  4. Seite 4 Echtzeitstrategie in der Krise - Teil 4
    • Kommentare (49)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Die ganz alten RTS-Klassiker packe ich hin und wieder gerne aus. "C&C: Alarmstufe Rot", "WarCraft 2", "Dune 2",... Basis errichten, Defensive ausbauen, eine Streitmacht produzieren und dann altmodische Tankrushs auf den Computer-Gegner... Hach ja... Damals war alles noch so einfach... Und machte trotzdem Spaß... :-D
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Die ganz alten RTS-Klassiker packe ich hin und wieder gerne aus. "C&C: Alarmstufe Rot", "WarCraft 2", "Dune 2",... Basis errichten, Defensive ausbauen, eine Streitmacht produzieren und dann altmodische Tankrushs auf den Computer-Gegner... Hach ja... Damals war alles noch so einfach... Und machte trotzdem Spaß... :-D
      • Von ebug5 Anfänger/in
        Shelley ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Publisher nur noch auf Massenware und "Häppchen" aus sind. Bloß nicht einen Spieler länger als 20 min an ein Level binden. Und von wegen die Qualität sei besser als damals, das ist nicht mehr als grafische Augenwischerei!

        Prozentual gesehen muss ein Entwickler doch heutzutage nur noch 10% der Spieler erreichen und hat damit noch mehr Exemplare verkauft als damals bei 100%.
        Nur reicht ein kleiner Gewinn heutzutage ja keinem Publisher mehr.

        Die junge Generation wird doch durch die ganzen Mini- und Browserschrott"-spiele" so verhunzt, dass die gar nicht mehr mit einem simplen C&C klarkommen.

        Das Alles betrifft allerdings andere Genre genauso, wie im Artikel erwähnte Ego-Shooter.
      • Von Grolt Mitglied
        RTS hat das selbe Problem wie viele andere Genres oder derrren Unterklassen auch. Sie sind nicht mehr Massenkompatibel. Es ist mittlerweile ein Nischengenre an das sich kaum noch ein großer Entwickler traut, auch weil es nicht genügend Gewinn abwirft. Zumindest nicht in dem Maßstab der erwünscht ist. Und wenn doch eine alte Serie ausgekramt wird, wird sie total umgekrempelt ( siehe C&C 4 oder dieser Online-Ablerger der zum Glück eingestellt wurde).

        Das Klassische RTS heute immer noch funktioniert zeigen die ganzen alten Klassiker. C&C 1 und Red Alert, Warcraft 2, Starcraft, Age of Empires etc. Diese Spiele funktionieren auch heute noch. Trotz etwas veralteter Bedinung. Starcraft 2 war/ist ja der beste Beweis dafür.
      • Von USA911 Mitglied
        Für mich ist der Finanzielle Aspekt, der kleinste. Denn die Anzahl der PC Spieler hat sich genauso gesteigert, wie die allgemeinen Kosten, daher würde dieser Aspekt +/- 0 ausfallen. Allerdings haben sich die Studios so aufgebläht, das die Grundkosten des gesamt Konzerns höher ist, so das sie sich mit einer Gewinnmarge von Bsp. 2 € bei einem Spiel wie damals, heute nicht zufriden geben würden, da muß heute schon 5€ rauskommen, sonst kann man ja seine Bilanzzahlen nicht signifikant steigern.

        Ebenso passt es nicht in das Konzept der Publisher das Strategiespiele hauptsächlich Singelplayer sind, da kann man dann schlecht online Zwang verkaufen, sowie Ingame-Transaktionen erklären. Ebenso muß der Spielumfang dadurch deutlich gesteigert werden, da ja länger an einer Mission gespielt wird und somit muß viel mehr Liebe ins Detail gesteckt werden. Alleine eine Einheit hatte ja 5(fiktive Zahl nicht mehr sicher) Aussehen bei Age of Empires. Pro Epoche ein anderes. Da ist dann die Frage, sind die Publisher überhaupt bereit soviel Detailbessesenheit zu unterstützen oder bleiben sie dann lieber auf dem guten alten "kopieren und einsetzen" Prinzip?

        In meinen Augen wäre es auf jeden Fall machbar ein erfolgreiches Strategiespiel auf den Markt zuwerfen. Es würde auch hohe Absatzzahlen haben, allerdings würde es nie den Konzerngewinn signifikant steigern wie es ein aufpoliertes BF4 oder Far Cry gemacht hat...
      • Von Taiwez Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von Bonkic
        das gabs schon in z, also etliche jahre früher.
        Ich meinte das auch eher auf CoH und Dawn of War 2 bezogen, weil die Thematik in den beiden Spielereihen ja quasi im Mittelpunkt gestanden hat, mir aber das Balancing zwischen Basenbau und strategischem Punkteeinnehmen in der ersten Dawn of War-Reihe besser gefallen hat.

        Ich habe das aber auch ein wenig missverständlich ausgedrückt, da bin ich ehrlich. ;-)
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk