Kolonialismus in Videospielen: Warum wir gerne erobern
Überfallen, plündern und herrschen - all das macht zwar Spaß, aber gleichzeitig reproduzieren solche Spielmechaniken kolonialistische Werte. Müssten wir die nicht langsam mal überwinden?
Machtphantasien virtuell ausleben: Wo ist das Problem?
Spiele wie Anno 1800 sind beliebt, weil sie unser Grundbedürfnis nach Autonomie und Selbstwirksamkeit erfüllen. Spielefirmen haben das längst erkannt und wiederholen erfolgreiche Spielkonzepte. "Das führt zu einer Wiederholung der kolonialen Narrative, auch im Zusammenspiel mit Gameplay, das Spaß macht", sagt Benjamin Strobel.
Häufige Wiederholung könne allerdings dazu führen, dass wir abstumpfen und die koloniale Vergangenheit verharmlosen. "Auf der anderen Seite sind wir Menschen gut dazu in der Lage, Realität und Fiktion im Spiel zu unterscheiden. Das ist auch ein weiterer Grund für den Erfolg. In Spielen darf man sich gefahrlos ausprobieren und ohne Konsequenzen Dinge tun, die im echten Leben hochproblematisch wären."
Zum Beispiel als weißer Dude nach Afrika reisen und dort schwarze Zombies abknallen wie in Resident Evil 5. Das Horrorspiel erschien im Jahr 2009 und löste aufgrund seiner stereotypen Darstellung schwarzer Kultur eine Kontroverse aus, was dem Erfolg des Spiels jedoch keinen Abbruch tat.
Quelle: PC Games
Resident Evil 5
"Manchmal ist es einfach rassistisch", kommentierte der US-Journalist und Menschenrechtsaktivist Ta-Nehisi Coates im Magazin "The Atlantic". "Es ist durchaus möglich, Afrika als Schauplatz für eine kraftvolle und beunruhigende Horrorgeschichte zu verwenden", schrieb er. "Aber wenn man das Konzept von Menschen, die in wilde Monster verwandelt werden, auf eine tatsächliche ethnische Gruppe anwendet, die lange Zeit fälschlicherweise als wilde Monster dargestellt wurde, ist es schwer zu verstehen, wie rassistische Elemente keine Rolle spielen könnten."
Kolonialismus und Rassismus sind eng miteinander verwoben. Denn der Kolonialismus basierte auf rassistischen Ideologien und der pseudowissenschaftlichen und längst widerlegten Rassentheorie, die im 19. Jahrhundert viele Anhänger hatte. Sie waren davon überzeugt, dass es verschiedene menschliche Rassen gebe, an deren Spitze Weiße stünden, weil sie allen anderen kulturell und zivilisatorisch überlegen seien. Damit rechtfertigten sie die Ausbeutung und Unterdrückung nicht-weißer Menschen.
Männer, Frauen und Kinder aus Afrika, Süd- und Mittelamerika wurden von den Menschen aus dem vermeintlich zivilisierten Westen als unzivilisierte "Wilde" bezeichnet und teilweise wie Tiere behandelt; sie wurden angekettet und ausgestellt, missbraucht und verkauft. Solche drastischen Bilder tauchen in Spielen eher nicht auf.
Sie würden das weitverbreitete Bild europäischer Siedler, Entdecker und Missionare konterkarieren, die doch mit besten Absichten einen Kontinent aus seiner Lethargie befreien wollten, die Schulen und Krankenhäuser bauten und in die Infrastruktur investierten. Tatsächlich tauschten die Kolonialisten in Afrika Land gegen Schnaps, beraubten die Einheimischen so ihrer Lebensgrundlage.
"Wir müssen uns bewusst sein, dass Spiele und andere populäre Medien unser Bild von historischen Vergangenheiten ganz massiv beeinflussen", sagt Benjamin Strobel. "Diese Bilder stellen immer eine Verzerrung dar, aber die Grade der Verzerrung können sehr unterschiedlich sein." Mediale Darstellungen von Geschichte entsprächen oft der westlichen und kolonialistischen Perspektive, was auch daran liege, dass die Produzierenden dieser Medien häufig aus diesem Kulturkreis kommen.
Die Spieleindustrie in Afrika steckt beispielsweise noch in den Kinderschuhen. Es gibt rund 100 Studios, aber kaum Ausbildungsmöglichkeiten für junge Talente. Es fehlt an Geld, an privaten Investitionen und staatlicher Förderung, an bezahlbarem und stabilem Internet und einer gesicherten Stromversorgung. All das erschwert die Spieleentwicklung auf dem Kontinent.

Sowieso interessant, wie sehr der Artikel hier einige wieder zur Weißglut bringt und sie sich persönlich angegriffen fühlen. Es ist durchaus möglich Spaß an unzähligen Spielen zu haben und gleichzeitig darüber zu reflektieren. Ich kann auch Spaß an alten Filmen und Serien haben und gleichzeitig die alten Rollenbilder und Stereotypen reflektieren. Ich hatte auch Spaß mit Hogwarts Legacy und kann gleichzeitig kritisch zu Rowling stehen. Das geht alles, schaffen aber wohl einige nicht. Müsst ihr auch nicht, wirklich nicht, aber dann kann man auch einfach einen Artikel ignorieren, wenn euch das Thema nicht interessiert.
P.S. Danke für den Artikel, der auch mal über den Tellerrand blickt.
Und ich rege mich nicht auf. Eine ehrliche und neutrale Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gehört sogar ins Schulsystem. Aber hier wird einfach viel Quatsch geredet. Aber das ist wieder typisch euer Freund oder Feind Denken. Ist mir zu blöd, sry.
„Als viele ihre kranken Sklaven, die erkrankten, keiner Pflege mehr
für werthielten, sondern sie aus ihren Häusern warfen, erließ er
das Gesetz, dass alle, die eine solche Behandlung
überlebten, frei sein sollten.“
(Originaltext: hg. von U. Ph. Boissevain (Historiae Romanae, III), Berlin 1955;
Übersetzung Konrad Vössing)"
(...)
Es ist eher eine Seltenheit, dass Menschen sich bewusst darüber Gedanken machen, warum sie so denken wie sie denken und auch beim Spiele entwickeln ist wohl wenig Zeit dafür, sich darüber Gedanken zu machen warum man ein Spiel so entwickelt wie man tut, warum beispielsweise ein häufiges Spielziel ist - wie im Artikel genannt - Land von anderen zu erobern Ressourcen auszubeuten und und einen Feind komplett auszulöschen. Anscheinend fehlt manchen Leuten (auch in der Diskussion hier) das Grundverständnis dafür, dass es möglich und vielleicht sogar notwendig ist, sich mit solchen Dingen kritisch auseinanderzusetzen.
Ich finde es legitim sich damit auseinanderzusetzen und bspw. zu dem Ergebnis zu kommen, dass Computerspiele ein Fantasieprodukt sind und dass man Menschen eine emotionale Distanz und Differenzierung zwischen historischen Realitäten und fiktiver Darstellung in Computerspielen zutraut. Mir scheint in der Diskussion hier aber schon vor einer Auseinandersetzung, die zu solch einem Ergebnis führen könnte, ein Abwehrreflex gegen einen vermeintlichen "woken" Mainstream eine inhaltliche Auseinandersetzung zu verhindern.
Klar kann ich auch historische Themen hinterfragen aber die Umsetzung, wie hier im Artikel, scheint mir da äußerst ungeeignet zu sein. Die Kritik im Detail muss ich denke ich nicht wiederholen, das habe ich in meinen Beiträgen und andere auch in ihren gemacht. Ich denke, auch Beiträge die einfacher sind, sind einfach ein Resultat von Frustration, weil die journalistische Arbeit eher ungenügend ist, ja teilweise mehr an videospielferne Autoren erinnert wie damals zu Zeiten von Killerspielen. Und es ist jetzt auch nicht der erste Beitrag an dem es inhaltlich eine Menge auszusetzen gibt, was ebenfalls die Reaktionen erklärt. Der nächste Artikel der Art wird vermutlich exakt genauso aussehen im Kommentarbereich und sich nicht bessern, solange sich nicht etwas inhaltlich tut. Du wirst diesen Abwehrreflex gegen den woken Mainstream nicht los, wenn in trauter Regelmäßigkeit der Leser das Gefühl hat, er ist gar nicht die Zielgruppe des Artikels und eigentlich sollte das bei der TAZ erscheinen, wurde aber abgelehnt und wird daher hier veröffentlich.
Das Grundübel scheint mir eher zu sein, dass eine rechte Erzählung mit Kampfbegriffen wie "woke" und angeblicher Unterdrückung von anderen plitischen Richtungen verhindert, dass eine einfache Diskussionen darüber, wie koloniales Denken sich in Spielen ausdrückt, geführt werden können.
Alles in allem keine gute Basis für eine ausgeglichene Diskussion. Zum Stichwort "angebliche Unterdrückung" waren wir dann auch hier recht schnell an einem Punkt an der eine bestimmte Art von Meinung über die Inhalte des Artikels als problematisch empfunden wurden und ich sogar die Meinungspluralität hier gefährdet sah.
Jetzt einfach nochmal darüber nachdenken.
Die Frage sollte lauten, weshalb immer wieder kontroverse Positionen in einem Freizeitbereich aufgerührt werden müssen, welcher über alle politischen Lager hinweg der Unterhaltung und Entspannung dienen soll. Die Aufladung von Spielen mit progressiven Themen ist ein Grundübel, das innerhalb der Gaming-Community ständig für Unfrieden sorgt.
Einfach die Politik außen vor lassen und es gibt auch keinen Streit mehr.
Das Grundübel scheint mir eher zu sein, dass eine rechte Erzählung mit Kampfbegriffen wie "woke" und angeblicher Unterdrückung von anderen plitischen Richtungen verhindert, dass eine einfache Diskussionen darüber, wie koloniales Denken sich in Spielen ausdrückt, geführt werden können.