Spec Ops: The Line im Retro-Special - Seite 3

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Spec Ops: The Line im Retro-Special - Seite 3
Quelle: Yager Development

Angekündigt und beworben als späte Fortsetzung der vergessenen Spec-Ops-Reihe, wirkt Spec Ops: The Line auf den ersten Blick wie ein generischer Military-Shooter, in dem mal wieder eine Truppe einfacher Soldaten die Welt retten muss. Nach und nach enthüllt die Geschichte aber ihren rebellischen Kern und mündet in ein Finale, das auch über zehn Jahre später noch das gesamte Genre auf den Kopf stellt.

Köpfe im Sand

LETZTE CHANCE, ES FOLGEN HEFTIGE SPOILER

Bei weißem Phosphor handelt es sich um hochgiftiges und hochentzündliches Material, das bei Kontakt mit der Luft in Flammen aufgeht und nicht mit Wasser gelöscht werden kann. Beim Kontakt mit der Haut brennt es das Fleisch bis auf die Knochen nieder. Aufgrund ihrer Grausamkeit ist der Einsatz von Phosphorbomben stark umstritten, eine Zündung in der Nähe von bevölkerten Gebieten wird als Kriegsverbrechen eingestuft. Auch in Spec Ops sorgt der Vorschlag, die Chemiewaffe gegen die Feinde zu benutzen erst einmal für Protest, insbesondere bei Squad-Küken Lugo. Beim Durchqueren der Ruinen stießen wir vorher bereits auf einige Opfer der Brandwaffe. Ausmaß und Brutalität der Entscheidung sind dem Team unmissverständlich bewusst. In die Ecke gedrängt sieht Walker jedoch keine andere Möglichkeit, seine Einheit lebendig durch die Gefahrenzone ins Innere der Mauern zu bringen und beschließt, die Bombe einzusetzen. Was folgt ist eine Sequenz, die stark an die vorher genannte Flugzeug-Mission aus Call of Duty erinnert. Wir sehen das Gebiet aus der Vogelperspektive durch eine Wärmebildkamera, die uns anzeigt, wo sich in der Nähe Menschen befinden. Mehrere Ansammlungen von Personen müssen der Reihe nach ausgeschaltet werden, um das Spiel fortzusetzen. Sind alle Gruppen eliminiert, können wir zum Tor vorrücken.

Dort erwartet uns dann eine tragische Überraschung und der große Aufreger-Moment des Spiels: Unter den Opfern der Bombardierung befanden sich nämlich nicht nur Soldaten, sondern auch eine große Gruppe Zivilisten in Obhut der 33rd. Walker hielt alle menschlichen Umrisse auf der Wärmebildkamera für feindliche Truppen und nahm keine Rücksicht bei der Bombardierung. Nun steht er in den Überresten von 47 wehrlosen Geflüchteten, die seinetwegen einen grausamen Tod erleiden mussten - und Spec Ops zeigt diese Bilder der Verheerung schonungslos.

Die Kamera hält länger auf den eng umschlungenen, verbrannten Kadavern einer Mutter und ihres Kindes, während Captain Walker zur Salzsäule erstarrt versucht, das Geschehen irgendwie zu verarbeiten und seine Schuldgefühle abzuschotten. Im Hintergrund streiten sich Adams und Lugo und konstatieren richtigerweise, dass sie durch ihre Taten nie wieder dieselben sein werden.

Spec Ops: The Line Quelle: 2K Games Wäre dieser Schlag in die Magengrube das Ende von Spec Ops: The Line (jetzt kaufen ), wäre die Botschaft des Spiels wahrscheinlich trotzdem schon recht deutlich zu erkennen: Auch vermeintlich noble Absichten können Menschen zu Gräueltaten verleiten und die Fantasie des bewaffneten Videospielhelden, der Situationen auf fast magische Weise durch das Austeilen von Gewalt in Ordnung bringt, ist bestenfalls albern.

Die Geschichte geht allerdings noch weiter. Walker gibt dem 33rd die Schuld an allem, was in Dubai passiert ist, befiehlt seinem Team, sich am Riemen zu reißen und die Sache ein für alle Male zu Ende zu bringen. Alles, was nun noch zählt, ist, den Anführer der feindlichen Truppen zu finden und für seine Verbrechen zu richten. Kurze Zeit später meldet sich dieser dann auch höchstpersönlich bei Walker. Unser Team findet bei den mit Phosphor getöteten Leichen einiger Meuterer des 33rd ein Funkgerät, aus dem überraschend die Stimme des verschollen geglaubten Konrad ertönt.

Walker nimmt das Gerät an sich und fortan mokiert sich der Colonel live in unserem Ohr über seine Versuche, das Blatt noch zu wenden. Als wir bei einer Unterführung zwei gefesselte Zivilisten vorfinden, trägt Konrad, der in der Gegend Scharfschützen positioniert hat, uns auf, zu entscheiden, welcher der beiden leben und welcher sterben soll.

Der erste stahl Wasserrationen. Der zweite wurde geschickt, den ersten festzunehmen, tötete dabei jedoch dessen Familie. Nur ein Beispiel für die Entscheidungen, die Konrad in Dubai täglich treffen musste und die ihm letztendlich den Ruf eines Tyrannen einbrachten. Weigern wir uns, eine Wahl zu treffen oder eröffnen stattdessen das Feuer auf Konrads Leute, kommt es zu einem Feuergefecht, bei dem beide Gefangenen im Kugelhagel sterben.

Spec Ops: The Line Quelle: 2K Games

Vollkommen abgestürzt

Der sadistische Test und der Spott treiben Walker immer weiter in den Wahnsinn. Gegen die Warnungen seiner Leute verbündet sich Walker dann mit dem letzten in Dubai verbleibenden CIA-Agenten Jeff Riggs, der plant, den Wasservorrat der 33rd zu stehlen.

Die Aktion läuft allerdings aus dem Ruder und Riggs zerstört stattdessen sämtliche Reserven in der Stadt, was den sicheren Tod aller noch überlebenden Personen in Dubai zur Folge hat. Ein Ergebnis, das innerhalb der CIA als Best Case Scenario gilt. Riggs selbst verliert dabei sein Leben.

Wurden Delta Squad bereits vorher von sämtlichen Fraktionen mit Skepsis und Feindseligkeit betrachtet, gilt spätestens ab diesem Moment zurecht die Devise "sofort erschießen".

Walkers psychischer Zustand verschlechtert sich weiter und er wird immer wieder von Visionen von Feuer und Zerstörung geplagt. Anfangs der Inbegriff eines professionellen Soldaten, plärrt er während der Schusswechsel nun Kraftausdrücke und schreit vor Wut wie ein Barbar. Doch auch seine Begleiter leiden unter der Last ihrer Taten. Der anfangs noch sensible Lugo schottet sich emotional komplett von seiner Umwelt ab und steht Walker in Determination und Brutalität bald in nichts mehr nach. Als die Truppe dem Radiomann endlich gegenübersteht, erschießt er ihn kaltblütig und unaufgefordert aus nächster Nähe. Adams hingegen verhält sich zunehmend antagonistisch und erinnert Walker bei jeder Gelegenheit an die Schwere seiner Schuld.

Spec Ops: The Line Quelle: 2K Games Es dauert auch nicht lange, bis dieser erneut monumentale Abfuck ein erstes Opfer in unseren Reihen fordert. Nach der am Anfang bereits angeteaserten Helikopterverfolgungsjagd und dem Absturz in der Wüste wird Sgt. Lugo von einer Gruppe Rebellen gefangen genommen und gelyncht.

Adams und Walker stellen sich dann in einem letzten Gefecht den Truppen der 33rd, in dem Adams sich von seinem Befehlshaber losreißt und alleine gegen eine Übermacht aus Feinden den Freitod sucht.

Komplett alleine und am Ende seiner Kräfte erreicht Walker schließlich Konrads Hauptquartier an der Spitze eines Wolkenkratzers. Statt zu versuchen, ihn aufzuhalten, stehen die letzten Mitglieder der Damned 33rd vor dem Aufzug Spalier. Wir fahren nach oben und treffen Konrad zur finalen Konfrontation. Dann zieht uns Spec Ops noch ein letztes Mal den Boden unter den Füßen weg.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MatthiasBrueckle Redakteur
        Ich muss ja auch einmal in den Raum werfen noch: Das Spiel hat einen der geilsten Soundtracks meiner ganzen Gaming-Erfahrung. So viele tolle Needle Drops (etwa Hush von Deep Purple, Jimi Hendrix im Menü oder auch der grandiose Moment mit Glasgow Mega-Snake im Aquarium-Level). Und eben auch fantastischer Post-Rock-OST von Elia Cmíral. Findet man leider nicht auf Spotify, aber einfach nach Videos suchen und man wird fündig.
      • Von MatthiasBrueckle Redakteur
        Ich muss ja auch einmal in den Raum werfen noch: Das Spiel hat einen der geilsten Soundtracks meiner ganzen Gaming-Erfahrung. So viele tolle Needle Drops (etwa Hush von Deep Purple, Jimi Hendrix im Menü oder auch der grandiose Moment mit Glasgow Mega-Snake im Aquarium-Level). Und eben auch fantastischer Post-Rock-OST von Elia Cmíral. Findet man leider nicht auf Spotify, aber einfach nach Videos suchen und man wird fündig.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Zitat von MarcHammel
        Ich hab das Spiel nie durchgespielt. Spielerisch war es mir einfach zu seicht. Die Story hab ich dann nachgeholt, indem ich mir mal ein Let's Play rein gezogen habe, weil die ja doch sehr gut war.
        Ich weiss nicht mal ob ich es zuende gespielt habe- ich fand es auch spielerisch zu breiig.. habe immer auf die in der Berichterstattung mMn damals schon durchs Dorf getriebenen "krassen" Szenen gewartet.

        Das und die Sache mit der Knarre vom Protagonisten, die sinnloserweise zwo rear sights montiert hat haben mir den Spaß verhagelt xD
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Ich hab das Spiel nie durchgespielt. Spielerisch war es mir einfach zu seicht. Die Story hab ich dann nachgeholt, indem ich mir mal ein Let's Play rein gezogen habe, weil die ja doch sehr gut war.

        Das Spiel ist eines von denen, die ein gutes Remake verdient hätten, in dem man spielerisch noch ein wenig mehr Qualität hätte bieten können.

        Zitat von fud1974
        Bin eher überrascht, dass dass das schon "Retro" ist, aber das ist wohl der Lauf der Zeit.. ;)

        Ein schöner Bericht über einen bemerkenswerten Titel.. kann man nicht anders sagen.

        Gibt nicht viele Spiele die diesen Weg gegangen sind, war ein Erlebnis damals.

        Auch wenn ich ihm - nach wie vor - ankreide etwas zu sehr zu "forcen", man soll sich schlecht fühlen, man hat keine Wahl usw. .. Klar, das ist eine sehr stringent erzählte Geschichte und ein Statement, aber mir stieß das immer etwas auf wie mich der Titel dazu "zwingen" will was bestimmtes zu fühlen um - letztlich wenig subtil - seine Message rüberzubringen.

        Dieses "Fühlst du dich gut dabei? Du sollst dich schlecht fühlen" hinterließ bei mir schon damals ein halb gleichgültiges ".. tja... nun ja.. geht so."

        Aber nichtsdestotrotz ein bemerkenswerter Titel.

        Schade, dass da nicht mehr kam, auch interessant dass der Titel aus "deutschen Landen" kam bzw. hier produziert wurde. Passiert ja auch nicht so häufig.
        Dass eine Geschichte Emotionen transportieren will, ist ja nun nichts neues.

        Ich finde, es wäre der Story sogar abträglich, wenn man das ganze subtiler gestaltet. Manchmal ist es richtig und vlt. sogar nötig, einem die Emotionen und die Message wie einen nassen Lappen ins Gesicht zu klatschen.
      • Von Skullverton Mitglied
        Zitat

        Auch wenn ich ihm - nach wie vor - ankreide etwas zu sehr zu "forcen", man soll sich schlecht fühlen, man hat keine Wahl usw. .. Klar, das ist eine sehr stringent erzählte Geschichte und ein Statement, aber mir stieß das immer etwas auf wie mich der Titel dazu "zwingen" will was bestimmtes zu fühlen um - letztlich wenig subtil - seine Message rüberzubringen.

        Dieses "Fühlst du dich gut dabei? Du sollst dich schlecht fühlen" hinterließ bei mir schon damals ein halb gleichgültiges ".. tja... nun ja.. geht so."
        Hm, Schwierig. Kommt wahrscheinlich bei jeder/jedem anders an.
        Mich persönlich hat dieser Twist am Ende echt überrascht und nachdenklich gemacht. Ich meine, natürlich wird das vom Spiel so forciert - wie und was denn auch sonst? Darum geht's ja ;)
      • Von fud1974 Mitglied
        Bin eher überrascht, dass dass das schon "Retro" ist, aber das ist wohl der Lauf der Zeit.. ;)

        Ein schöner Bericht über einen bemerkenswerten Titel.. kann man nicht anders sagen.

        Gibt nicht viele Spiele die diesen Weg gegangen sind, war ein Erlebnis damals.

        Auch wenn ich ihm - nach wie vor - ankreide etwas zu sehr zu "forcen", man soll sich schlecht fühlen, man hat keine Wahl usw. .. Klar, das ist eine sehr stringent erzählte Geschichte und ein Statement, aber mir stieß das immer etwas auf wie mich der Titel dazu "zwingen" will was bestimmtes zu fühlen um - letztlich wenig subtil - seine Message rüberzubringen.

        Dieses "Fühlst du dich gut dabei? Du sollst dich schlecht fühlen" hinterließ bei mir schon damals ein halb gleichgültiges ".. tja... nun ja.. geht so."

        Aber nichtsdestotrotz ein bemerkenswerter Titel.

        Schade, dass da nicht mehr kam, auch interessant dass der Titel aus "deutschen Landen" kam bzw. hier produziert wurde. Passiert ja auch nicht so häufig.
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