Spec Ops: The Line im Retro-Special: Postmodern Warfare

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Special Christian Fussy - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Spec Ops: The Line im Retro-Special: Postmodern Warfare
Quelle: Yager Development

Angekündigt und beworben als späte Fortsetzung der vergessenen Spec-Ops-Reihe, wirkt Spec Ops: The Line auf den ersten Blick wie ein generischer Military-Shooter, in dem mal wieder eine Truppe einfacher Soldaten die Welt retten muss. Nach und nach enthüllt die Geschichte aber ihren rebellischen Kern und mündet in ein Finale, das auch über zehn Jahre später noch das gesamte Genre auf den Kopf stellt.

In Spec Ops: The Line wird Dubai, Reiseziel der Reichen und Superreichen, von einer Reihe verheerender Sandstürme begraben. Das US-Militär schickt zur Rettung und Evakuierung der Zivilbevölkerung Truppen in die Metropole. Als die Lage aber zunehmend aussichtslos erscheint, erhalten die Soldaten die Order zum Abzug. Lieutenant Colonel John Konrad, ein Rückkehrer aus Afghanistan und Kommandant des 33. Bataillons, verweigert jedoch den Befehl und lässt sich mit seiner Einheit in der Stadt nieder. Kurz darauf bricht der Kontakt zu der kompletten Region ab und die Rettungsversuche werden für gescheitert erklärt. Nach monatelanger Eskalation durch die Naturgewalten erreicht dann ein Funkspruch Konrads das US-Kommando, in dem der Deserteur von einem dramatischen Fehlschlag und hohen Opferzahlen spricht.

In der Rolle von Delta-Squad-Leader Captain Martin Walker, der in Afghanistan mit Konrad gedient hat - und diesen in hohen Ehren hält -, werden wir nach Dubai geschickt, um uns ein Bild von der Lage zu machen. Begleitet werden wir bei dieser verdeckten Operation lediglich von zwei Soldaten, die unserem Befehl unterstellt sind, Ltd. Alphanso Adams und Staff Sgt. John Lugo.

Auf den ersten paar Metern Richtung Stadt wirkt diese noch wie eine friedliche Ruine, in den zerstörten Hotels, Wolkenkratzern und Boutiquen stoßen die drei Männer aber schon bald auf zahlreiche Spuren menschlicher Gräueltaten - und bewaffneten Widerstand -, auch aus den vermeintlich eigenen Reihen. Statt die Mission hier zu beenden und seinen Vorgesetzten Bericht zu erstatten, entschließt sich Walker, in den Überresten Dubais nach Konrad zu suchen und in Erfahrung zu bringen, was zum Teufel mit seiner Einheit und der Bevölkerung passiert ist.

Die Ära des Kriegsblockbusters

Obwohl es sich bei Spec Ops um einen ordinären Covershooter handelt, steht das Spiel klar in der Tradition von Activisions weltberühmter Ego-Shooter-Reihe Call of Duty. Ohne das Franchise-Reboot Modern Warfare aus dem Jahr 2007 und seine Fülle an Sequels würde es Spec Ops so wahrscheinlich gleich in mehrerlei Hinsicht nicht geben. Auch wenn der Multiplayer-Modus heutzutage für viele Fans das ausschlaggebende Kauf-Kriterium sein mag, waren es in den 00er-Jahren auch vorwiegend die cineastisch inszenierten, narrativen Singleplayerkampagnen von Call of Duty, die bei Shooter-Fans - und in den Medien - für Aufsehen sorgten.

Modern Warfare verwandelte die Reihe nicht nur in einen spielbaren Blockbuster, sondern verlegte die Action auch vom 2. Weltkrieg in das aktuelle Jahrtausend. Die gezeigten Konflikte und Szenarien waren dann zwar fiktiv, jedoch offensichtlich von realen Ereignissen und Schlagzeilen inspiriert, was die ein oder andere Kontroverse nach sich zog.

In der Mission "Death from Above" aus dem ersten Modern Warfare steuern wir beispielsweise die Geschütze des US-amerikanischen Kampfflugzeuges AC-130. Die Personen auf dem Boden werden von einer Wärmebildkamera verzerrt dargestellt und sind nur schemenhaft zu erkennen. Auf Anweisung unserer Kollegen auf dem Boden, die besonders hervorgehoben sind, schalten wir dann feindliche Ziele aus, um den Soldaten den Weg zu einem Evakuierungspunkt freizumachen. Um was es sich bei den Gebäuden genau handelt und wer da genau herausstürmt, ist auch auf den zweiten Blick nicht eindeutig zu sehen.

Call of Duty 4: Modern Warfare Quelle: Activision Die gesamte Sequenz erinnert an tatsächliche Einsatz-Aufnahmen aus Afghanistan und erzeugte durch die Unklarheit und Distanz zu den eigenen Taten ein unangenehmes Gefühl bei vielen Leuten.

Spektakel an der Grenze zur Geschmacklosigkeit und die Darstellung von Kriegshandlungen als schockierende, aber letztendlich unpersönliche Action-Sequenzen wurden in den Folgejahren zum Markenzeichen der Call-of-Duty-Reihe. So aufwühlend einige Szenen in Modern Warfare noch waren, durch die Flut an Sequels wurde das Publikum schnell gegen die Gewalt desensibilisiert und die Provokation durch grausame Bilder als das wahrgenommen, was sie letztendlich war: ein Marketing-Gimmick.

Kriegsverbrechen, Terrorismus, Folter, Exekutionen, ermordete Kinder und sogar eine Atombombe: Die CoD-Reihe hat wirklich alles, was das Herz begehrt und war im Jahr 2012 der absolute Maßstab für realistische Kriegsaction mit Heimkino-Charakter.

Um da mithalten zu können, hätte 2K Games wahrscheinlich mindestens das Dreifache in die Entwicklung von Spec Ops stecken müssen. Stattdessen wählte der Publisher einen gänzlich anderen Ansatz. Hier steht nicht das Spektakel, sondern in erster Linie die Erzählung im Vordergrund. Deren Qualität enthüllt sich jedoch erst in den späteren Kapiteln des Spiels.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MatthiasBrueckle Redakteur
        Ich muss ja auch einmal in den Raum werfen noch: Das Spiel hat einen der geilsten Soundtracks meiner ganzen Gaming-Erfahrung. So viele tolle Needle Drops (etwa Hush von Deep Purple, Jimi Hendrix im Menü oder auch der grandiose Moment mit Glasgow Mega-Snake im Aquarium-Level). Und eben auch fantastischer Post-Rock-OST von Elia Cmíral. Findet man leider nicht auf Spotify, aber einfach nach Videos suchen und man wird fündig.
      • Von MatthiasBrueckle Redakteur
        Ich muss ja auch einmal in den Raum werfen noch: Das Spiel hat einen der geilsten Soundtracks meiner ganzen Gaming-Erfahrung. So viele tolle Needle Drops (etwa Hush von Deep Purple, Jimi Hendrix im Menü oder auch der grandiose Moment mit Glasgow Mega-Snake im Aquarium-Level). Und eben auch fantastischer Post-Rock-OST von Elia Cmíral. Findet man leider nicht auf Spotify, aber einfach nach Videos suchen und man wird fündig.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Zitat von MarcHammel
        Ich hab das Spiel nie durchgespielt. Spielerisch war es mir einfach zu seicht. Die Story hab ich dann nachgeholt, indem ich mir mal ein Let's Play rein gezogen habe, weil die ja doch sehr gut war.
        Ich weiss nicht mal ob ich es zuende gespielt habe- ich fand es auch spielerisch zu breiig.. habe immer auf die in der Berichterstattung mMn damals schon durchs Dorf getriebenen "krassen" Szenen gewartet.

        Das und die Sache mit der Knarre vom Protagonisten, die sinnloserweise zwo rear sights montiert hat haben mir den Spaß verhagelt xD
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Ich hab das Spiel nie durchgespielt. Spielerisch war es mir einfach zu seicht. Die Story hab ich dann nachgeholt, indem ich mir mal ein Let's Play rein gezogen habe, weil die ja doch sehr gut war.

        Das Spiel ist eines von denen, die ein gutes Remake verdient hätten, in dem man spielerisch noch ein wenig mehr Qualität hätte bieten können.

        Zitat von fud1974
        Bin eher überrascht, dass dass das schon "Retro" ist, aber das ist wohl der Lauf der Zeit.. ;)

        Ein schöner Bericht über einen bemerkenswerten Titel.. kann man nicht anders sagen.

        Gibt nicht viele Spiele die diesen Weg gegangen sind, war ein Erlebnis damals.

        Auch wenn ich ihm - nach wie vor - ankreide etwas zu sehr zu "forcen", man soll sich schlecht fühlen, man hat keine Wahl usw. .. Klar, das ist eine sehr stringent erzählte Geschichte und ein Statement, aber mir stieß das immer etwas auf wie mich der Titel dazu "zwingen" will was bestimmtes zu fühlen um - letztlich wenig subtil - seine Message rüberzubringen.

        Dieses "Fühlst du dich gut dabei? Du sollst dich schlecht fühlen" hinterließ bei mir schon damals ein halb gleichgültiges ".. tja... nun ja.. geht so."

        Aber nichtsdestotrotz ein bemerkenswerter Titel.

        Schade, dass da nicht mehr kam, auch interessant dass der Titel aus "deutschen Landen" kam bzw. hier produziert wurde. Passiert ja auch nicht so häufig.
        Dass eine Geschichte Emotionen transportieren will, ist ja nun nichts neues.

        Ich finde, es wäre der Story sogar abträglich, wenn man das ganze subtiler gestaltet. Manchmal ist es richtig und vlt. sogar nötig, einem die Emotionen und die Message wie einen nassen Lappen ins Gesicht zu klatschen.
      • Von Skullverton Mitglied
        Zitat

        Auch wenn ich ihm - nach wie vor - ankreide etwas zu sehr zu "forcen", man soll sich schlecht fühlen, man hat keine Wahl usw. .. Klar, das ist eine sehr stringent erzählte Geschichte und ein Statement, aber mir stieß das immer etwas auf wie mich der Titel dazu "zwingen" will was bestimmtes zu fühlen um - letztlich wenig subtil - seine Message rüberzubringen.

        Dieses "Fühlst du dich gut dabei? Du sollst dich schlecht fühlen" hinterließ bei mir schon damals ein halb gleichgültiges ".. tja... nun ja.. geht so."
        Hm, Schwierig. Kommt wahrscheinlich bei jeder/jedem anders an.
        Mich persönlich hat dieser Twist am Ende echt überrascht und nachdenklich gemacht. Ich meine, natürlich wird das vom Spiel so forciert - wie und was denn auch sonst? Darum geht's ja ;)
      • Von fud1974 Mitglied
        Bin eher überrascht, dass dass das schon "Retro" ist, aber das ist wohl der Lauf der Zeit.. ;)

        Ein schöner Bericht über einen bemerkenswerten Titel.. kann man nicht anders sagen.

        Gibt nicht viele Spiele die diesen Weg gegangen sind, war ein Erlebnis damals.

        Auch wenn ich ihm - nach wie vor - ankreide etwas zu sehr zu "forcen", man soll sich schlecht fühlen, man hat keine Wahl usw. .. Klar, das ist eine sehr stringent erzählte Geschichte und ein Statement, aber mir stieß das immer etwas auf wie mich der Titel dazu "zwingen" will was bestimmtes zu fühlen um - letztlich wenig subtil - seine Message rüberzubringen.

        Dieses "Fühlst du dich gut dabei? Du sollst dich schlecht fühlen" hinterließ bei mir schon damals ein halb gleichgültiges ".. tja... nun ja.. geht so."

        Aber nichtsdestotrotz ein bemerkenswerter Titel.

        Schade, dass da nicht mehr kam, auch interessant dass der Titel aus "deutschen Landen" kam bzw. hier produziert wurde. Passiert ja auch nicht so häufig.
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