Raiders of the lost Ark: Als Steven Spielberg höchstpersönlich das kryptischste Adventure der Geschichte für gut befand
Warum die Umsetzung des Kinoklassikers Jäger des verlorenen Schatzes die Generation Atari 2600 begeisterte - das rätselhafte Rätselspiel im Gegenwartscheck aber zu Nervenzusammenbrüchen führen kann.
Raiders of the lost Ark gilt nicht nur als erstes Spiel, das auf einer Filmlizenz basiert. Es ist auch das einzige Singleplayer-Game für die altehrwürdige Atari-2600-Konsole, für das man zwingend zwei Joysticks und drei Gehirne braucht. Klingt komisch? Ist aber so!
Also: Herzlich willkommen zu meiner Kryptoanalyse von Raiders of the lost Ark, dem Liebling höchstbegabter Menschen, die sich in ihrer Freizeit gerne mit sumerischen Kreuzworträtseln befassen, Navier-Stokes-Gleichungen lösen, Bücher in Maschinencode schreiben oder einfach auf den ersten Blick wissen, was 01010010 01100001 01101001 01100100 01100101 01110010 01110011 00100000 01101111 01100110 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01101100 01101111 01110011 01110100 00100000 01000001 01110010 01101011 heißt.
Ein Vollpfosten wie - ich will hier niemanden bloßstellen, nennen wir ihn einfach mal Ich - der sich ohne Vorkenntnisse blind in das Action-Adventure zum Kinoklassiker Jäger des verlorenen Schatzes stürzt, scheitert daran kläglich. Genau genommen zu einem Zeitpunkt, wo das eigentliche Spiel noch gar nicht begonnen hat. Klingt ebenfalls komisch? Ist aber so!
Entwickler Howard Scott Warshaw, der einen wüstentrockenen Humor pflegt, kam nämlich auf die irrsinnig witzige Idee, bereits vor Spielbeginn ein Rätsel einzubauen. Während jedes mir bekannte andere Atari-2600-Spiel dieses Universums startet, sobald ich den Feuerknopf von Joystick 1 drücke oder am "Game-Reset"-Hebel der 1977 erschienenen Konsole zupfe, verharrt dieser Titel stur im ersten Screen.
Immerhin trötet dazu in Endlosschleife der heroische Raiders March von John Williams aus dem Fernseher - notfalls bis die Sonne erlischt oder der Stromanbieter die Geduld verliert.
Potenzieller Lebenskrisenherd
Ist das erste Rätsel endlich entschlüsselt (Spoiler: Das Lösungswort dafür lautet RTFM, also "Read The Fucking Manual" oder "Lies das feine Handbuch"), bringt man das Spiel und somit auch Indiana Jones mittels Steuerknüppel 2 zum Laufen. Controller 1 wird hingegen zur Hosentaschenverwaltung degradiert. Der Archäologe holt damit bei Bedarf einen von bis zu sechs Gegenständen hervor, um ihn zu benutzen.
Das hätte man natürlich andersrum und damit intuitiv designen können. Weil 1 bekanntlich vor 2 kommt, A vor B und man in der Regel erst nach links und dann nach rechts guckt. Aber ich unterstelle dem Designer mal in dubio pro reo, dass er mit dem Vorab-IQ-Test allzu hoffnungslose Fälle frühzeitig aussortieren wollte. Zum Schutz aller Beteiligten vor schweren Nervenzusammenbrüchen.
Heute arbeitet Programmierer Howard Scott Warshaw übrigens passenderweise als Psychotherapeut in San Francisco. Ich hoffe inständig, dass er auch Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung hilft, die als Kinder versuchten, Raiders of the lost Ark zu verstehen. Eine Lebenskrise ist ob der kryptischen Darreichung, sowohl in puncto Grafik als auch Spielmechanik, im Wortsinn programmiert. Außer, man heißt zufällig Alan Turing und hat im Zweiten Weltkrieg den Enigma-Code geknackt.
Die Aufgabe klingt erst mal simpel: Finde die Bundeslade. Da die Anleitung sehr vage bleibt (bewusst positiv formuliert), lautet die Realität allerdings: Finde auch einen guten Aggressionsbewältigungskurs.
Bildergalerie
Ich muss an dieser Stelle einflechten, dass Raiders of the lost Ark in meiner Kindheit an mir vorübergegangen ist, als es einige Zeit nach dem US-Release 1982 Anfang 1983 endlich nach Deutschland schwappte. Ich habe es für diesen Artikel also zum ersten Mal gespielt. Like a Virgin - I touched it for the very first time, deshalb lasse ich mich nicht von schöngefärbtem Erinnerungszuckerguss blenden. Was danach passiert, sprengt endgültig jede klassische Spielkonvention. Willkommen bei einem Atari-Adventure, das sich lieber in Rätseln ausdrückt.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.
Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.
Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!