Raiders of the Lost Ark: Spielberg & das Atari-Chaos

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Special Harald Fränkel - Autor Tobias Meyer - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Raiders of the lost Ark: Als Steven Spielberg höchstpersönlich das kryptischste Adventure der Geschichte für gut befand. (1)
Quelle: Elena Ternovaja/Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Was Steven Spielberg zur Filmumsetzung sagte und warum Howard Scott Warshaw sein eigenes Spiel verteidigen musste.

Was er nirgends verrät: Warum zur Hölle Dr. Henry Jones Jr. im Spiel erst ein grünes Gewand trägt und danach öfter die Farbe wechselt als ein Chamäleon auf einer Diskokugel. Er ist mal braun, mal lila, mal blau. Ich denke: An diesem Spiel sollte einfach alles rätselhaft sein.

Immerhin lässt sich Indy ganz hervorragend als solcher erkennen. Er ist auch schön animiert. Böse Zungen würden an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass die Spielfigur, anders als der Rest, von einem Künstler namens Jerome Domurat gepixelt wurde, statt von Howard Scott Warshaw - und es gute Gründe gibt, warum im Arbeitsamt heute unterschiedliche Karteikarten für Designer, Programmierer, Grafiker und Musiker herumfliegen.

Im Kartenraum wartet der Held so lange, bis die Sonne aufgeht (der Klumpen oben). Dann markiert ein Sonnenstrahl alias Pixel die Stelle, wo sich die Bundeslade befindet. Quelle: PC Games Im Kartenraum wartet der Held so lange, bis die Sonne aufgeht (der Klumpen oben). Dann markiert ein Sonnenstrahl alias Pixel die Stelle, wo sich die Bundeslade befindet. Wobei sich Howard Scott Warshaw definitiv stets sehr bemüht hat, das steht außer Frage. Er kaufte sich sogar einen Filzhut und eine Peitsche, um damit durch die Atari-Büros zu wandeln und sich wie Indiana Jones zu fühlen.

Das größte Rätsel bleibt für mich, wie jemand dieses Spiel Anfang der 80er-Jahre aus eigener Kraft mit einem Happy End abschließen konnte. Ich bin während meiner Recherchen auf Erfahrungsberichte von eingefleischten Fans gestoßen, die Raiders of the lost Ark geliebt haben, aber offen zugeben: Vollständig verstanden oder gar durchgespielt? Gnihihi ... NÖ. Sie fanden es als Kinder einfach nur magisch, durch die riesige Welt zu tappen und allerlei absurde Sachen auszuprobieren.

Ich verstehe das, denn man darf nie vergessen, selbst wenn das für die heutige Generation grotesk klingt: Es fühlte sich nicht weniger als sensationell an, dass wir mithilfe einer Videokonsole plötzlich quasi in Filme eingreifen konnten. Wir befahlen, was die Helden, Fahrzeuge und Fluggeräte tun sollten - und sie gehorchten aufs Wort.

Das ist ja wie im Film! Nicht.

Hat sich eigentlich Steven Spielberg, der Regisseur des Films Jäger des verlorenen Schatzes, jemals zu der Adaption seines Babys geäußert, die sich inhaltlich ja als sehr freie Interpretation des Vorbilds entpuppt? Ja, er winkte das Spiel sogar höchstpersönlich durch!

Howard Scott Warshaw erinnert sich genau an die Begegnung mit Steven Spielberg während der Consumer Electronics Show in Chicago, einer der weltweit größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik. Weil er den großen Filmemacher immer als einen seiner Helden angesehen hatte. Ihm präsentierte er dort ein Let's Play des Spiels, als so etwas noch "kommentiertes VHS-Video" hieß.

Kurz vorm Ziel gilt es, per Fallschirmsprung in einer Höhle zu landen. Der grüne Busch frisst vermutlich so viel Speicher, dass Indiana Jones in dieser Szene die Beine amputiert wurden. Quelle: PC Games Kurz vorm Ziel gilt es, per Fallschirmsprung in einer Höhle zu landen. Der grüne Busch frisst vermutlich so viel Speicher, dass Indiana Jones in dieser Szene die Beine amputiert wurden. "Ich war zuversichtlich, aber auch sehr nervös. Es ist eine Sache, sein Idol zu treffen, aber eine andere, seine Arbeit von ihm bewerten zu lassen. Eine ganz andere Sache war es, meine Arbeit bewerten zu lassen, die eine Ableitung seiner Arbeit war."

Da saßen die beiden nun im Krähennest des Atari-Messestandes, mit einem Fernseher und einem Kassettendeck: "Spielberg schaute sich das Demoband aufmerksam an. Während der gesamten 12 Minuten und 27 Sekunden bewegte er sich überhaupt nicht. Ich weiß das, weil ich ihn während der gesamten 12 Minuten und 27 Sekunden aufmerksam beobachtet habe."

Anschließend dachte Spielberg eine Weile nach. Dann schaute er zu Warshaw auf und sagte: "Das ist wirklich toll, Howard. Das ist ja wie im Film!" Warshaw erzählt in seinem Buch, dass in diesem Moment seine innere Welt vor Freude explodiert sei. "Steven Spielberg findet, dass sich das Demoband meines Spiels für seinen Film wie ein Film anfühlt. Yeah, BABY!" Was bleibt von diesem Spiel, das gleichzeitig bewundert und verflucht wird? Ein Rückblick auf ein Kult-Phänomen.

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  1. Seite 1 Der Einstieg ins Abenteuer
  2. Seite 2 Orientierungslos im Pixel-Dschungel
  3. Seite 3 Trial & Terror - Irrsinn mit System
  4. Seite 4 Zwischen Genie und Wahnsinn
  5. Seite 5 Ein Spiel, das niemand verstand
  6. Seite 6 Warshaw, Atari & das Vermächtnis
    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PascalParvex Stille/r Leser/in
        Zitat von HaraldFraenkel
        Hi, danke für deinen Kommentar!

        Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.

        Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!
        Das Geld reut mich nicht, ich hätte nur wissen müssen, dass der Artikel wohl auch online erscheint. Aber das PDF hat ja noch mehr zu bieten.
      • Von PascalParvex Stille/r Leser/in
        Zitat von HaraldFraenkel
        Hi, danke für deinen Kommentar!

        Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.

        Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!
        Das Geld reut mich nicht, ich hätte nur wissen müssen, dass der Artikel wohl auch online erscheint. Aber das PDF hat ja noch mehr zu bieten.
      • Von HaraldFraenkel Autor
        Zitat von PascalParvex
        Schwierig. Da habe ich noch so gerne Harald und somit Computec mit dem Kauf des ePapers unterstützt, und jetzt ist der ganze Artikel, plus noch ein exklusives Video für lau auf der Webseite. Harald hat wohl einen Fixbetrag erhalten, er hat also keine Tantiemen, wie ich annehme.
        Hi, danke für deinen Kommentar!

        Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.

        Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!
      • Von PascalParvex Stille/r Leser/in
        Schwierig. Da habe ich noch so gerne Harald und somit Computec mit dem Kauf des ePapers unterstützt, und jetzt ist der ganze Artikel, plus noch ein exklusives Video für lau auf der Webseite. Harald hat wohl einen Fixbetrag erhalten, er hat also keine Tantiemen, wie ich annehme.
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