Raiders of the Lost Ark: Trial & Error extrem
Unlogische Steuerung, verlorene Items und tödliche Fallen - Raiders of the Lost Ark treibt Spieler in den Wahnsinn.
Zu Gewaltphantasien regt aber erst die Versuch-und-Irrtum-Philosophie an. Trial and Error hat bei diesem Adventure nicht Methode, sondern ist Religion. Verlasse ich den Markt in Richtung Süden, fällt Indy ohne Vorwarnung in die Schlucht des Giftes. In diesem Labyrinth will ihm ein böser Bube ans Leder. Jetzt muss ich unter Stress möglichst schnell einen Ausgang finden, der - wie alle Türen und Tore im Spiel - nicht als solcher zu erkennen ist. Es gilt also, zu raten, welcher Pixel am Bildschirmrand die Flucht ermöglicht.
In dieselbe Schlucht stürzt Indy, wenn er den aus dem Film bekannten Kartenraum verlassen möchte und dabei keinen Schlüssel in der Hand hält. Wer kennt es nicht: Man geht im realen Leben aus dem Haus, hat den Türöffner nur in der Hosentasche und nicht in der Hand - und zack, findet man sich in der Wutachschlucht im Südschwarzwald wieder.
Hat der Spieler schmerzhaft dazugelernt, dass er beim Verlassen der Katakomben den Schlüssel in den Griffeln haben muss, obwohl er die Tür zum Kartenraum bereits beim Betreten entriegelt hat, landet er unvermittelt in einer Höhle. Dort beklauen ihn Diebe, Nazis waren fürs Spiel wohl vergriffen.
Getreu Murphy's Law mopsen die Typen natürlich stets die wichtigsten Gegenstände, sodass Indy schlimmstenfalls wieder ganz am Anfang steht. Wer übrigens glaubt, diese Diebeshöhle werde in der Anleitung erwähnt: MUHAHAHA!
Quelle: PC Games
Alles an diesem Adventure ist rätselhaft: In dieser Szene spielt Indiana Jones nicht etwa Minigolf. Er schwingt mithilfe eines Seilhakens von Fels zu Fels.
Da liefe selbst Harrison fort
Gerade die für die Lösung des Spiels nötigen Utensilien erscheinen nach dem Zufallsprinzip. Das bedeutet: Indy muss vielfach die immer selben Stellen abklappern, fast wie ein bedauernswerter Pfandflaschensammler, der täglich derselben Mülleimer-Route folgt.
Überdies besteht stets die Gefahr, dass man versehentlich Gegenstände verliert, weil sich auch die Steuerung inkonsequent unlogisch gebärdet: In der Regel drückt man den Knopf an Joystick 1, um etwas zu benutzen. Außer beim Geld: Das muss ich in bester Rockstar-Manier mit Button 2 auf den Boden schmeißen, es also ablegen, um etwas zu kaufen.
Blöd daran: Weggeworfene Items bleiben nicht liegen, sondern lösen sich in Luft auf. Stünde eine derart unlogische Gemeinheit in einem Filmdrehbuch, liefe wohl sogar der wagemutigste Harrison fort. Wenn er etwa in der Szene angelangt ist, in der er die Bundeslade ausgraben soll.
Komme ich hier durcheinander, gerade weil es bei Raiders of the lost Ark im letzten Screen sehr hektisch zugeht (verfluchte Diebe, schon wieder!), werfe ich schon mal versehentlich mit Knopf 2 die kurz vorher für zwei fette Goldsäcke gekaufte, sündteure Schaufel weg.
In einem solchen Moment dringt das hämische Lachen des Kaliforniers Howard Scott Warshaw problemlos bis nach Deutschland vor. Vielleicht ruft er stattdessen auch feixend: "Ist dir Raiders of the lost Ark zu hart, du kleiner Loser, dann spiel halt Yars' Revenge oder E.T. The Extra-Terrestrial, die sind auch von mir!" Was sich damals wie eine Prüfung des Geistes anfühlte, ist heute Kult - und selbst Spielberg hatte eine Meinung dazu.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.
Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!
Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich sehr dankbar bin, dass PCG meinen Artikel sowohl im Heft als auch nun online veröffentlicht hat. Mir als Autor ist es extrem wichtig, dass meine Texte von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Gerade wenn es um die sehr frühe Spielehistorie geht, passiert auf heutigen kommerziellen Online-Seiten doch viel zu wenig, finde ich! Und wegen des Honorars musst du dir keine Sorgen machen, das lief alles sehr zufriedenstellend - was mich angeht, ist also alles tutti.
Sollte das Hauptproblem für dich nun allerdings darin bestehen, Geld ausgegeben zu haben, täte mir das leid. Ich muss hier zu bedenken geben: Ob derart spezielle Themen wie Raiders of the lost Ark für die Steinzeitkonsole Atari 2600 auch stattfinden könnten, wenn ein Verlag alles nur über Klicks finanzieren muss, scheint mir (zumindest auf längere Sicht) fraglich. Insofern danke noch mal für deinen monetären Support!