Die größten Kontroversen der Gaming-Geschichte - Seite 2

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Special Andreas Altenheimer - Autor Benedikt Plass-Fleßenkämper - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die größten Kontroversen der Gaming-Geschichte - Seite 2
Quelle: PC Games

Anlässlich des 30. Jubiläums von PC Games beleuchten wir in diesem Special einige der prägendsten Kontroversen und Skandale der Spielegeschichte.

Im Grunde könnte man bereits die Arbeitspraxis der BPjS als kontrovers bezeichnen, weil sie nur auf Antrag tätig werden durfte und offenkundig Raubkopien wie "1942 Trainer" von Doctor Bit prüfte. Interessanterweise existierten auch unter den damaligen Spielekritikern ernsthafte Zweifel, ob gewaltverherrlichende Games überhaupt "Spaß" machen dürften. So bewertete die Happy Computer die Schneider-CPC-Version des Rambo-inspirierten Actionhits Ikari Warriors (1986) mit ordentlichen 82 Prozent, wobei Redakteur Gregor Neumann in seinem Meinungskasten seinen Unmut über die Kriegsdarstellung kundgab. Dabei schrieb er unter anderem den harschen Satz: "Ich weiß nicht, was sich die Programmierer dabei denken (oder ob sie beim Entwickeln eines solchen Spiels überhaupt mal denken), aber ich halte Ikari Warriors für schlichtweg geschmacklos."

Auf jeden Fall war es normal, dass "kontroverse" Spiele von allen Ecken befeuert wurden. Allerdings waren solche Meinungen nie von Dauer und die Toleranzgrenze wurde spätestens dann verschoben, sobald ein vormals verpöntes Genre sprunghaft an Beliebtheit gewann.

Die hiesige Berichterstattung über blutige Action-Titel schlug jedenfalls einen komplett anderen Tonfall an, als mit Doom (1993) der Ego-Shooter-Boom hereinbrach. Plötzlich war es "cool" anstatt "moralisch fragwürdig", wenn irgendwelche Pixel-Männchen in einer Blutlache zerplatzten.
Vor Doom waren übertrieben blutige Spiele in Deutschland eher verpönt. Doch dank seiner herausragenden spielerischen Qualitäten sorgte der Ego-Shooter für ein Umdenken. Quelle: id Software / Medienagentur plassma Vor Doom waren übertrieben blutige Spiele in Deutschland eher verpönt. Doch dank seiner herausragenden spielerischen Qualitäten sorgte der Ego-Shooter für ein Umdenken. Kurioserweise startete zum gleichen Zeitpunkt in den USA eine Debatte über gewaltverherrlichende Spiele, nachdem plötzlich die Senatoren Joe Lieberman und Herb Kohl Videospiele als eine Gefahr für die Jugend betrachteten. Ausgerechnet im "Land of the Free" wurde ein politisches Schauspiel betrieben, bei dem das Beat 'em Up Mortal Kombat (1992) sowie das FMV-Adventure Night Trap (1992) als Sündenbock herhalten mussten.

Während Midways Prügelspiel-Klassiker aufgrund seiner brutalen Fatalities ins Visier geriet, offenbarte die Diskussion rund um Night Trap die volle Ignoranz der Politiker. Laut ihnen würde das Spiel dazu animieren, Teenagerinnen Gewalt anzutun. Dabei war das glatte Gegenteil der Fall - der Spieler musste die Mädchen vor vampirähnlichen Kreaturen beschützen. Die Diskussion führte jedenfalls zur Gründung des Entertainment Software Rating Boards (kurz ESRB), die seit 1994 Altersfreigaben für den amerikanischen Videospielmarkt vornimmt.
Unter Generalverdacht: Der Taktik-Shooter Counter-Strike geriet 2002 nach dem Amoklauf von Erfurt ins Kreuzfeuer der Kritik, obwohl der Täter das Spiel so gut wie gar nicht gespielt hatte. Quelle: Valve / Medienagentur plassma Unter Generalverdacht: Der Taktik-Shooter Counter-Strike geriet 2002 nach dem Amoklauf von Erfurt ins Kreuzfeuer der Kritik, obwohl der Täter das Spiel so gut wie gar nicht gespielt hatte. Richtig schwierig wurde das Thema "Gewalt in Videospielen" erstmals 1999, als zwei Jugendliche den Amoklauf an der Columbine High School durchführten und zwölf Mitschüler, einen Lehrer sowie sich selbst töteten. Wie gewohnt weigerten sich insbesondere rechtskonservative Amerikaner, die laxen Waffengesetze des Landes zu überdenken. Stattdessen schob man den schwarzen Peter Filmen wie Natural Born Killers (1994) und eben den digitalen Spielen zu.

Drei Jahre später wurde Deutschland mit einem ähnlich tragischen Vorfall konfrontiert: Bei einem Amoklauf in Erfurt kamen zwei Schüler und 14 Erwachsene (die meisten davon Lehrer) ums Leben, bevor sich der 19-jährige Täter selbst richtete. Die wahren Motive konnten nie zweifelsfrei geklärt werden.

Doch alle, die den Fall zur damaligen Zeit verfolgt haben, wissen ganz genau, welcher Sündenbock durch die Presse getrieben wurde: Computer- und Videospiele.

So verfasste beispielsweise "Die Zeit" sieben Tage nach dem Amoklauf ein mehrseitiges Essay über den Ablauf der Tat und schrieb mittendrin den folgenden Satz: "Wie in dem brutalen Computerspiel Counter-Strike war der Killer im Gutenberg-Gymnasium darauf aus, seine Opfer aufzuspüren und gezielt niederzustrecken." Dumm nur, dass der Täter das Spiel nachweislich kaum bis gar nicht gespielt hatte!

Schnell machte die Bezeichnung "Killerspiele" die Runde, die sich bis heute in unsere Köpfe eingebrannt hat. Einige Monate lang sah alles danach aus, dass "wir" Spieler aufgrund eines vom Leben frustrierten Einzeltäters für immer stigmatisiert sein könnten.

Doch zu aller Überraschung reagierte die damalige rot-grüne Regierung mit einschneidenden und richtig sinnvollen Gesetzesänderungen: Man taufte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften um in Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (kurz BPjM) und machte die vormals freiwilligen USK-Alterskennzeichnungen gesetzlich bindend.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Mudge NPC
        Hallo zusammen,

        ein schöner Artikel, der Erinnerungen wach ruft.

        Trotzdem möchte ich folgendes kritisieren:
        Schade, das auch ihr schlecht recherchiert habt und mit dem Hot-Coffee-Mod auch in das Gaming-Gebashe wegen Sex einsteigt.
        Man konnte dort nicht eine Frau "flachlegen".
        Man konnte dort aus verschiedenen Frauen, die man an unterschiedlichen Orten treffen konnte, eine Freundin haben. Dazu musste man sie kennen lernen, dann diese ausgeführen, war mit ihr tanzen, hat mit ihr Zeit verbracht. Nach einiger Zeit, wenn es gut lief, hat sie einen dann, wenn man sie nach Hause gefahren hat, zum Kaffee ins Haus eingeladen.
        Mir erscheint das wie ein Vorgang des normalen Kennenlernens, der so eher häufig passiert. Nur jetzt wurde er einem Spiel dargestellt.
        Da nur die Frau zum Kaffee eingeladen kann, bezeichne ich es als einvernehmlich! Der Spieler hat keine Chance was gegen den Willen der Frau zu tun!
        Da ist nichts mit "flachlegen", wo man die Frauen mal fragen muss, wie witzig sie das finden.
        Es sei denn man behandelt Frauen auch im echten Leben nur als Trophäe und geht den ganzen Weg des Kennenlernens um sie flach zu legen. Dann ist man ein Betrüger und das findet niemand witzig.

        Grüße
        Mudge
      • Von Mudge NPC
        Hallo zusammen,

        ein schöner Artikel, der Erinnerungen wach ruft.

        Trotzdem möchte ich folgendes kritisieren:
        Schade, das auch ihr schlecht recherchiert habt und mit dem Hot-Coffee-Mod auch in das Gaming-Gebashe wegen Sex einsteigt.
        Man konnte dort nicht eine Frau "flachlegen".
        Man konnte dort aus verschiedenen Frauen, die man an unterschiedlichen Orten treffen konnte, eine Freundin haben. Dazu musste man sie kennen lernen, dann diese ausgeführen, war mit ihr tanzen, hat mit ihr Zeit verbracht. Nach einiger Zeit, wenn es gut lief, hat sie einen dann, wenn man sie nach Hause gefahren hat, zum Kaffee ins Haus eingeladen.
        Mir erscheint das wie ein Vorgang des normalen Kennenlernens, der so eher häufig passiert. Nur jetzt wurde er einem Spiel dargestellt.
        Da nur die Frau zum Kaffee eingeladen kann, bezeichne ich es als einvernehmlich! Der Spieler hat keine Chance was gegen den Willen der Frau zu tun!
        Da ist nichts mit "flachlegen", wo man die Frauen mal fragen muss, wie witzig sie das finden.
        Es sei denn man behandelt Frauen auch im echten Leben nur als Trophäe und geht den ganzen Weg des Kennenlernens um sie flach zu legen. Dann ist man ein Betrüger und das findet niemand witzig.

        Grüße
        Mudge
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Beim Amoklauf in Erfurt waren zwar die Killerspiele gern genommene Aufhänger für die Taten des Schülers, allerdings zensierte sich die Medienlandschaft ab da auch auf eine vollkommen neue und abstruse Weise selbstständig um sich jeglichen Vorwurfs zur Verrohung unserer Gesellschaft zu distanzieren. Das endete dann damit dass Anime Serien wie Dragonball Z oder Detective Conan grundsätzlich geschnitten liefen, sobald Blut oder Gewalt zu sehen war, was gerade die Kämpfe in Dragonball Z unübersichtlich werden ließ oder den Tathergang bei Detective Conan nicht mehr nachvollziehbar machte, da man den Zuschauer den Anblick eines Toten ersparen wollte.
        Spätestens als man dann auf Pro 7 einige Jahre später im Abendprogramm auch noch Anfing Indiana Jones zu schneiden, damit man ja nicht sehen konnte, wie auf ihn eingepeitscht worden war, war jedem klar - das klassische Spielfilm-Fernsehen ist tot - lang lebe die ungeschnittene Streaming Industrie.

        Übrigens finde ich es etwas makaber in dem Artikel von Elliot Page zu reden, wenn der Schauspieler damals zu Beyond 2 Souls noch erkennbar als Frau gelebt hat und eingetragen war. Ich kenne jetzt nicht jedes Detail von Elliots Geschlechsanpassungen, aber damals war diese Person eine Frau und weil sie damals gutaussehend war, war das vermutlich auch Anlass von Nackt-Hacks. In der aktuellen Fassung wirkt der Artikel so als wäre ein Mann unter der Dusche wegen einer Nackt-Mod zum Skandal geworden.

        Man kann zwar immer wieder mit er Sexismus Debatte anfangen auf Gamern rumzuhacken, aber das Männer sich schöne Frauen ansehen (wollen) ist kein Problem, was man wegsozialisieren kann. Und ja, als gutaussehender Mensch hat man als Frau oder Mann halt leider auch mit Sexismus-Problemen im Alltag zu kämpfen. Die menschliche Natur wird sich aber dahingehend nicht ändern lassen.
      • Von Deris91 Stille/r Leser/in
        Wenn es um Zensur oder Selbstzensur geht, gibt es bestimmt etliche Beispiele in der Spielegeschichte die man aufzählen könnte. Ich selbst erinnere mich auch an Soldier of Fortune, bei welcher die Uncut-Fassung doch explizite Gewaltdarstellungen zeigte. Wahrscheinlich erinnere ich mich besonders daran, da ich irgendwo mal eine CD erwarb welche für unzählige Titel Uncut-Patches beinhaltete, SoF war einer davon.

        Weitere Beispiele für mich wären allerdings auch C&C Generals, Commandos aká Sandsackleichen, Half-Life mit den sich setzenden NPC's und Robotersoldaten. Ich habe auch noch irgendwas mit Far Cry und Ragdoll-Effekte im Kopf.

        Wobei ich nicht mehr darüber urteilen könnte was davon bekannt ist oder nicht, es sind nur diverse Beispiele die mir persönlich erhalten geblieben sind. Ich bin auch froh das wir das mittlerweile zum größten Teil hinter uns haben.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Zitat von MichaelG
        Selbstzensur von Entwicklern aber Ihr vergeßt die Bekannteste ?? Soldier of Fortune II (deutsche CUT-Version) mit den Robotern statt Menschen ? Was damals einfach nur wortlos machte ??
        Bekannteste weiß ich jetzt nicht, jedoch jeder der das damals gespielt hat (und ich habe es besonders im MP rauf und runter gespielt) erinnert sich an diese lächerliche Veränderung, die die SP Kampagne vollkommen ruinierte.

        Wäre ich gefragt worden, hätte ich jedoch C&C Generals als Beispiel genannt.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Selbstzensur von Entwicklern aber Ihr vergeßt die Bekannteste ?? Soldier of Fortune II (deutsche CUT-Version) mit den Robotern statt Menschen ? Was damals einfach nur wortlos machte ??
        ... also das kannte ich gar nicht mehr. Dürfte einigen Leuten vom Fach auch so gehen... ist dir vermutlich noch sehr präsent.. ansonsten... Tears in the rain, die Zeit es geschluckt.

        Zitat von Matthias Dammes
        Also auf Soldier of Fortune wäre ich bei dem Thema auch nicht gekommen.
        Command & Conquer und Half-Life sind imo die wohl berühmtesten Beispiele.
        Sag ich doch.
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