Guild Wars: Factions
Guild Wars ist eben anders
Die Missionen sind wieder angenehm abwechslungsreich. Hier stürzt gerade die Decke über uns ein, Treffer unterbrechen das Zauberwirken - nette Idee!
Während die Quests nicht wirklich an Qualität gewonnen haben, sind die Missionen von Factions den aus Prophecies bekannten Aufgaben überlegen: Die Zwischensequenzen sind besser vertont und die Hintergrundgeschichte um eine sich ausbreitende Seuche sowie einen machthungrigen Geist kommt schneller in Fahrt. Auch während der Missionen geben die Entwickler Gas: Es gibt zwar keine sekundären Ziele mehr, dafür aber mehr geskriptete Ereignisse und einen saftigen Schwierigkeitsgrad.
Wundern Sie sich nicht, wenn es Ihre Gruppe bereits in der zweiten kooperativen Mission nach Strich und Faden zerlegt - die seichte Lernkurve von Prophecies ist in Factions einem steileren Anspruch gewichen, der für so manchen Neueinsteiger vielleicht eine Spur zu happig ausfällt. Dafür werfen auch die ersten Quests nun eine Menge Erfahrungspunkte ab, sodass man durchaus nach einem Dutzend Stunden den maximalen Level 20 erreichen kann.
Auch in Factions ändert sich nichts am Grundkonzept: Erfahrungspunkte und Ausrüstungsgegenstände, das ist mehr Dreingabe denn Grundlage. Wer sich in World of Warcraft wochenlang die Nächte um die Ohren schlägt, nur um ein besonders exquisites Paar Handschuhe zu ergattern, der schüttelt über die Faustregel in Guild Wars den Kopf: Es zählt nur "der Skill", also das Können des Spielers.
Die Entwickler wollen verhindern, dass jene Spieler im Vorteil sind, die besonders viel Zeit investieren: Jeder soll die gleichen Chancen haben. Hier mag man nun einen typischen Anreiz von Online-Rollenspielen vermissen, doch haben wir es nicht bereits erwähnt? Guild Wars ist sowieso kein normales MMORPG (Massive(ly) Multiplayer Online Role-Playing Game; Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel).
Es ist vielmehr ein kooperatives Spiel, in dem Sie sich für die Missionen und Quests ein paar Mitspieler suchen. Kein Crafting, keine Berufe, keine Schönheitswettbewerbe. Sie sind der Held in einer Geschichte, verprügeln Monster in den instanzieren Gebieten, idealerweise natürlich gemeinsam mit anderen Spielern.
Fraktionen in Cantha
Die wichtige, namensgebende Besonderheit von Factions sind die Fraktionen Luxon und Kurzick. Es handelt sich um zwei rivalisierende Clans, wobei Sie sich für eine der Parteien entscheiden. Das führt zu zwei interessanten neuen Features: Erstens ergeben sich daraus neue Missionsvarianten, wie etwa die coolen, kompetitiven Missionen, in denen Sie nicht nur mit einem Team antreten, sondern auch eine feindliche Spielergruppe als Gegenpart haben.
Beide Teams erfüllen unterschiedliche Ziele und behindern sich natürlich gegenseitig nach Leibeskräften. Das andere wichtige Merkmal von Factions: Sie sammeln für die Fraktion Ihrer Wahl im Laufe der Quests und Missionen Punkte. Mehr Punkte bedeuten größeren Einfluss der Fraktion - schlicht als rot-blaue Grenzlinie auf der praktischen Übersichtskarte eingezeichnet.
Alle paar Stunden verschiebt sich die Grenze, je nachdem, welche Fraktion mehr Punkte hat. Sobald eine Stadt in den Einflussbereich einer Fraktion gelangt, bietet Sie seinen Unterstützern künftig exklusive Händler oder sogar spezielle Elite-Missionen an, an denen sich selbst erfahrene Spieler die Zähne ausbeißen. Das Konzept ist originell und funktioniert einwandfrei. Factions bietet damit ein wirklich interessantes, frisches Feature, das es so im ersten Guild Wars-Spiel nicht gab - für Fans vermutlich ein ganz entscheidender Kaufgrund.
