Command & Conquer 3 Tiberium Wars
Die meisten Wendungen im Verlauf des dritten Tiberiumkrieges sind vorhersehbar wie die chronisch des Lebens überdrüssigen Ernte-fahrzeuge. Auch eine wirkliche emotionale Bindung zu den Charakteren entsteht nicht - dazu sind die Protagonisten zu eindimensional.
Das ändert nichts daran, dass die teilweise großartig inszenierten Missionen durch die vielfältigen Settings und die spaßigen Einheiten große Freude bereiten - etwa wenn Ihnen kurz nach der Ankunft der Scrin angekündigt wird, jetzt im schlimmsten Schlachtfeld überhaupt herumzukommandieren: Deutschland.
Sein oder Nichtsein
Dennoch leistet sich Command & Conquer 3 auch beim Missionsdesign einige Schnitzer. Zu oft begegneten wir beim Test Missionen der Marke "Zerstören Sie A, B und C, um dann D kaputtzumachen" (kennen Sie vielleicht aus dem Zimmer Ihres kleinen Bruders). Glücklicherweise wechselt sich derartig uninspirierte Stangenware mit deutlich besserer Kost ab: Im Regelfall bemühen sich die Entwickler sichtlich, durch sekundäre Missionsziele, Videoeinblendungen und neue Einheiten die Missionen aufzuwerten, sodass Sie einen Großteil des Spiels mit reger Freude an den rund um den Globus führenden Missionen verbringen.
Allzu schwer macht es Ihnen die künstliche Intelligenz während der Kampagne nicht. Meist ist vielmehr ein äußerst begrenztes Rohstoffaufkommen oder ein von vornherein vorhandener Einheitenvorteil für spielerische Unbillen verantwortlich. Übrigens: Das legendäre Mauer-Problem - im ersten C&C ließ sich der Gegner einfach seelenruhig einbauen - umgingen die Entwickler aus, wie es hieß, "Design-Gründen": Sie können keine Mauern errichten.
Auch mit einer weiteren Tradition wird gebrochen. Sie kommandieren echte Soldaten statt blecherne Cyborgs. Bewusst aufgegriffen hingegen wurden Elemente der musikalischen Unterlegung der Vorgänger - außerdem feilten prominente Komponisten (Trevor Morris und Steve Jablonski) am Soundtrack. Dennoch - und symptomatisch für das ganze Spiel - ist die Musik nicht der ganz große Wurf geworden.
Command & Conquer 3 zeugt allerortens vom Willen der Entwickler, ein wirklich überragendes Produkt herauszubringen. Nur sind sie dabei an einigen Stellen arg übers Ziel hinausgeschossen, besonders bei den übertriebenen Videosequenzen. An anderen Stellen, etwa dem Missionsdesign oder Einheiten mit Charakter, wäre weniger Zurückhaltung angebracht gewesen. Eifriges Bemühen um den Genre-Thron zeigt Tiberium Wars. Aber wer möchte schon auf seinem Arbeitszeugnis lesen, sich um eine gute Aufgabenerfüllung bemüht zu haben?
