Alone in the Dark im Test: Erstklassiger Horror der alten Schule
Mit Alone in the Dark kehrt ein absoluter Klassiker zurück - in den Hauptrollen zwei Hollywood-Schauspieler. Warum uns der Oldschool-Horror begeistert, erfahrt ihr im Test.
Ganze 32 Jahre nach dem Original geht's für Grusel-Fans wieder zurück nach Derceto, einem abgelegenen Herrenhaus im Herzen von Louisiana. Mit dem ursprünglichen Alone in the Dark hat die Neuauflage nicht mehr viel zu tun. Doch die Entwickler schaffen es, den Charme des Videospiels von damals mit der Moderne zu verknüpfen. Und wer genau aufpasst, erkennt sogar kleine Überschneidungen der beiden Titel.
Das neue Alone in the Dark ist weder Remake noch Remaster, es ist vielmehr eine Hommage an den Klassiker aus dem Jahr 1992. Doch auch ohne Vorkenntnisse des Originals und der restlichen fünf Teile kommen wir voll auf unsere Kosten. Das Abenteuer bietet eine fantastische Horroratmosphäre, eine interessante Geschichte und ein kurzweiliges, etwa zehnstündiges Erlebnis. Nur ein paar Technikprobleme trüben den ansonsten erstklassigen Gruselausflug.
Stranger Things
Gleich zu Spielbeginn erwartet uns eine interessante Entscheidung: Bevor wir die ersten Schritte in die Horrorvilla wagen, müssen wir festlegen, mit wem wir das Abenteuer spielen. Wir haben die Wahl zwischen Emily Hartwood und dem Privatermittler Edward Carnby.
Je nachdem, für welchen Charakter wir uns entscheiden, verändern sich Zwischensequenzen und Dialoge. Ein zweiter Durchlauf mit der anderen Figur ergibt also durchaus Sinn, obwohl die eigentliche Geschichte identisch bleibt. Zwischendurch treffen Hartwood und Carnby immer wieder aufeinander und erzählen sich von ihren Entdeckungen.
Verkörpert werden die Charaktere von den Hollywood-Schauspielern Jodie Comer und David Harbour. Comer kennen wir unter anderem aus The Last Duel und Free Guy, Harbour spielt an der Seite von Millie Bobby Brown als Polizeichef Hopper eine der Hauptrollen im Netflix-Hit Stranger Things.
Quelle: THQ Nordic
Die perfekte Besetzung, denn auch in Alone in the Dark bekommen wir es recht schnell mit merkwürdigen Dingen zu tun. Zunächst knarzen nur die Türen und an manchen Orten warten zwielichtige Charaktere auf uns. Doch je weiter wir in der Story vorankommen, desto abgedrehter wird das Ganze.
Dabei hatten wir doch nur das simple Ziel, Jeremy, den durchgeknallten Onkel von Emily, ausfindig zu machen. Das entwickelt sich jedoch zu einer gruseligen Reise durch die Erinnerungen des besessenen Mannes.
Vom Regen in die Traufe
Zunächst stöbern wir in der Villa nach Anhaltspunkten zum Verschwinden von Jeremy Hartwood herum. Das bedeutet: Wir suchen Schlüssel, um verschlossene Türen zu öffnen und lösen kleinere Logikrätsel.
Doch kurze Zeit später passieren unerwartete Dinge und schon finden wir uns in düsteren, unwirklichen Arealen wieder. Dort treffen wir nicht nur auf freundlich gesinnte NPCs, sondern uns greifen wie im Original auch Ghule und andere Monster an.
Haben wir eines der fünf Kapitel abgeschlossen, geht's zwischendurch wieder zurück in die Villa. Die Aufgaben verlaufen dabei äußerst linear. Nur in ganz wenigen Fällen gibt's mehr als den einen richtigen Weg. Kleinere Abzweigungen führen lediglich zu Sammelgegenständen und im Anschluss wieder zurück zum Hauptweg. Nachdem viele Spiele immer umfangreicher werden, ist die kurzweilige Erfahrung für zwischendurch absolut perfekt und sorgt erst für die gelungene Atmosphäre. Zu keinem Zeitpunkt hatten wir das Gefühl, dass uns aufgrund der geradlinigen Story etwas fehlt.

Als Limited Edition Nr. 1463 von 5000. Für 47 Euro -- im MediaMarkt. Hübsch im Buchformat mit Soundtrack-CD und kleinem Art-Booklet. Wusste nicht, dass die gerade eine 20%-Aktion laufen haben, der normale Preis sind ja 59 Euro. MediaMarkt scheint aber einer der Handelspartner von den THQ-Limiteds zu sein. Dort hatte ich nämlich letztes Jahr auch die LE von Jagged Alliance 3 gesehen. Spiel gefällt bislang, läuft selbst auf einer 1050ti in mittleren Details, obwohl das das angegebene Minimum ist. Das Kampfsystem ist simpel, aber weder broken noch unterirdisch. Auch Gegner laufen mir bislang über die ganze Map nach, statt stehenzubleiben. Habe kurz davor The Evil Within zum ersten Mal gespielt. Das ist natürlich Kontrastprogramm -- auch wenn die Sprintmechanik in The Evil Within genauso genreüblich zum Stressen da ist wie die Nahkampfwaffen hier, die nach ein paar Schlägen kaputtgehen: Der Charakter kann in The Evil Within ohne Upgrades gerade mal drei, vier Sekunden sprinten, ohne dass ihm die Puste ausgeht (wer Kämpfe in Gruselspielen als spaßige Ballerei inszeniert, macht eh was grundverkehrt). Aber auf Geschnetzel liegt hier auch gar nicht der Fokus.
Schade, dass die den Preis so hoch angesetzt haben -- Alone In The Dark ist kein Resident Evil, das selbst bei mäßigen Spinoffs und mäßigeren Filmen die Kohle einfährt. Entsprechend dürfte das erstmal nur die Core-Fans anlocken. Von denen es nach zwanzig Jahren bestimmt nicht mehr viele gibt. Habe jetzt persönlich auch keine gigantische Marketingkampagne mitbekommen. Die Reviews sind gemischt bis ordentlich, ein herausragender Metacritic verlockt auch nicht. Und wenn die Jungen sich heute ein Let's Play anschauen, um das Spiel abzuchecken, wird das sie vermutlich auch eher überraschen. Denn Alone In The Dark werden sie vielleicht als vermeintlichen Vorläufer von Survival Horror und Resident Evil kennen. Aber das Spiel hier setzt stark auf Detektivarbeit, Puzzles und Erkundung.
Bin ansonsten gespannt, was Mikael Hedberg (SOMA, Amnesia) aus der Story des Oldies noch rausgeholt hat. Und habe bereits erste direkte Lovecraft-Referenzen gefunden: So liegt in einem Schlafzimmer ein Weird-Tales-Magazin aus. :)
Zum Spiel selbst: Das Original-AITD war auch viel deutlicher in Rätseln und Adventure verwurzelt noch. Heute kennt die Masse das halt maximal als (optisches) Vorbild von Resident Evil, das selbst in der noch vergleichsweise gemächlichen Erstausgabe schon mehr auf Wummen ging (hole übrigens gerade Mikamis The Evil Within nach, heidewitzka, hetzt der einem da gelegentlich wieder Massen auf den Hals, wenn auch anders als im stupiden RE4 bislang zum Glück nicht durchgehend). Dabei kam AITD aus einer anderen Schule. Etwa zur gleichen Zeit hatten Infogrames auch noch das Cthulhu-Adventure Shadow Of The Comet gebracht. Übrigens: Als die Sequels rauskamen, war Mastermind Frédérick Raynal längst weg (Adeline Software, Little Big Adventure). Aber die nahmen das vorweg, was auch andere Jahre bis Jahrzehnte später machen sollten: Mehr Äkschn musste rein, im Versuch, die Zielgruppe zu erweitern.
Alone In The Dark -- ein Pionier in jeder Hinsicht. :-D
Das Kampfsystem ist grottig und zu allem Überfluss gibt es extrem nervige Kamerafehler. Die Figur bewegt sich komisch, es gibt kein lock-on, eine Axt zerbricht einfach nach 5 Schlägen und wenn man aich nur weit genur zurückzieht, bleiben die Monster einfach stehen.
Das Positive: die dennoch gelungene Lovecraftesque Atmosphäre, die Dialoge sind sehr professionell eingesprochen und das Jazz-Gedudel passt zum Setting.
Dennoch ist das vA in dem Zustand nie und nimmer ne 8.
Wenn's etwas günstiger wird könnte das für mich ein denkbarer Kauf werden.