Publisher-Check: Activision - Bobby Kotick und Die Akte Infinity Ward
Zweiter Teil unserer Special-Reihe, in der wir nacheinander die größten Hersteller, ihre Geschichte, Skandale und Erfolge beleuchten wollen, um schlussendlich die Frage beantworten, ob etwa jährlich erscheinende Spieleserien mit Minimaländerungen, Schließungen von einstmals erfolgreichen Entwicklerstudios und der heute herrschende DLC-Wahnsinn eine berechtigte, sichere Strategien für die Milliarden schweren Unternehmen mit zumeist über 10.000 Mitarbeitern sind. Diesmal knöpfen wir uns den Marktführer Activision vor, bei dem den meisten Spieler vor allem als erstes Call of Duty einfällt.
Bobby Kotick - Der Chef
Robert A. Kotick (geb 1963), auch bekannt als Bobby Kotick, ist eine der kontroversesten Figuren der Spielebranche. Seit 1991 ist er CEO und Direktor von Activision Blizzard und seit 2012 außerdem noch Direktor der Coca-Cola Company. Er übt diesen Job seitdem parallel zu seiner Tätigkeit bei Activision Blizzard aus.
Bobby Kotick machte in der Öffentlichkeit vor einigen Jahren oft durch häufig unbedacht anmutende und streitbare Aussagen von sich reden und zog damit mehrfach den Unmut der Spielerschaft auf sich. Hier die bekanntesten:
Gegenüber Analysten in Deutschland äußerte Kotick damals: "Die meisten der zwanzig Jahre, in denen ich für Wachstum bei Activision gesorgt habe, waren wir damit zufrieden, Produkte herzustellen, die attraktiv für den 16 bis 35 Jahre alten Typen sind, der kein Date für Samstagnacht abbekommen hat." Eine Aussage, die der Kernzielgruppe von Activision nicht sonderlich gefallen haben dürfte…
Dieser oft zitierte Satz ist bei vielen Medien, die ihn verbreitet haben, aus dem Zusammenhang gerissen. Er fiel ursprünglich 2004 gegenüber dem Hollywood Reporter Magazin und galt für eine Zeit, als Activision 1990 unter dem Namen Mediagenic firmierte und am Boden war. Kotick liebte Spiele und krempelte die Firma wieder zur Spieleschmiede Activision um. Als er die Aussage in einer Konferenz der Deutschen Bank im September 2009 wiederholte und unglücklich ausdrückte: "Ich will den Spaß aus der Spieleentwicklung nehmen", habe er zu den Investoren gesprochen und deutlich machen wollen, dass die Entwicklung bei Activision nicht unorganisiert und in den Tag hinein ablaufe. Es sei vielmehr wichtig, keine finanzielle Verantwortungslosigkeit walten zu lassen. So jedenfalls erklärte er seine unglückliche Wortwahl 2010 auf einer DICE-Konferenz. Er habe niemals gemeint, dass Activision-Entwickler keinen Spaß bei der Arbeit haben sollten.
Auch hier wurde Kotick missinterpretiert. Es war eine ironische Ergänzung auf die Antwort des damaligen Noch-CEOs Mike Griffith auf eine Frage des Analytikers Tony Gikas zu den erfolgten Preiserhöhungen. Die oben genannte Aussage traf Kotick zwar, jedoch war sie – auch mit Blick auf seinem Spitznamen Bobby "The Money" Kotick - deutlich selbstironisch gefärbt, was durch ein Lachen verdeutlich wurde, in das dann auch die übrigen Konferenzteilnehmer einstimmten.
Das jedenfalls behauptete das Forbes-Magazin, indem es einige Aussagen von Kotick sehr weitläufig auslegte und interpretierte. In deinem Artikel von Februar 2009 heißt es, er würde eine Abneigung gegen seine eigenen Produkte haben und hätte nie auch nur einen Joystick in der Hand gehabt. Der Activision CEO revidierte das später und erklärte, er habe sich unter anderem sowohl in Call of Duty als auch mit seiner Familie in Guitar Hero versucht. Allerdings habe er eine leicht süchtig werdenden Persönlichkeit und könne gar nicht aufhören, Call of Duty: Modern Warfare 2 zu spielen und das würde ihn davon abhalten, seine anderen wichtigen Aufgaben (u. a. die Leitung von Activision) zu erfüllen. Er spiele von Zeit zu Zeit, aber eben nicht intensiv, wie er auf der DICE-Konferenz 2010 erklärte.
Bei aller Antipathie, die viele Spieler Kotick entgegenbringen und ihm häufig auch Bereicherung am Spieler und Ausbeutung der Mitarbeiter vorwerfen, sind die Fakten seines Erfolges nicht von der Hand zu weisen. Er hat den strauchelnden Konzern, der schon kurz vor der Pleite stand, wieder auf Kurs gebracht und zu einem der erfolgreichsten Publisher der Welt ausgebaut. Kotick inszenierte die Fusion von Activision und Blizzard und wurde am 9. Juli 2008 von den Aktionären als CEO der neu zusammengeführten Firma bestätigt. Laut Forbes Magazine erhielt er 2009 dafür ein Jahresgehalt 953,654 US-Dollar, dass sich durch Zulagen und Aktienoptionen im gleichen Jahr auf insgesamt3,2 Millionen US-D ollar erhöhte. Bereits vier Jahre später – 2013 – hat sich Kotick bereits zu einem Gesamtverdienst von 64,9 Millionen US-Dollar Verdienst hochgearbeitet, wobei er "nur" 2 Mio. Dollar Grundgehalt bei Activision kassiert. Weitere 56 Millionen Dollar entfallen auf seine Aktienanteile bei Activision in insgesamt fünf Jahren. Nur Oracle-Gründer Larry Ellison (96,2 Mio. US-Dollar) steht in der Liste der 200 bestbezahlten CEO's amerikanischer Unternehmen noch vor ihm.
Die Akte Infinity Ward
Quelle: Activision
Call of Duty-Schöpfer Jason West und Vince Zampella.
Es war der größte Skandal in der Spielebranche 2010. Activision feuerte die Schöpfer von Call of Duty. Im Jahr zuvor hatten sie gemeinsam mit Call of Duty: Modern Warfare 2 noch den größten Spielelaunch der Geschichte hingelegt, doch am 1. März 2010 wurden die beiden damaligen Infinity-Ward-Bosse Jason West und Vince Zampella überraschend von Activision gekündigt. Die Medien überschlugen sich mit nebulösen Berichten, zahlreiche Gerüchte über die Hintergründe tauchten auf. Offiziell sprach Activision von Vertrauens- und Vertragsbruch der beiden Angestellten. Wenig später stellte sich heraus, dass das Verhältnis zwischen dem Entwicklerstudio und dem Publisher schon seit einiger Zeit angespannt gewesen war. Drei Tage darauf antworteten West und Zampella ihrerseits – mit einer Klage wegen angeblicher Unterschlagung von mindestens 36 Millionen US-Dollar Honorarzahlungen und gründeten ihr eigenes Studio namens Respawn Entertainment unter dem Dach von Electronic Arts. Der Konkurrenz-Publisher war bereits vor ihren Verträgen mit Activision ihr Arbeitgeber; dort waren sie für die Medal-of-Honor-Titel verantwortlich. Aktuell setzt sich Respawn Entertainment neben West und Zampella zu großen Teilen aus ehemaligen Infinity-Ward-Mitarbeitern zusammen und arbeiten für EA an Titan Fall.
Im April 2010 erweiterten West und Zampella dann noch die Anklageschrift gegen den Publisher, um die Shooter-Marke für sich zu beanspruchen. Ihrer Klage nach wäre Activision vertragsbrüchig geworden, als der Publisher hinter ihrem Rücken die Arbeiten an einem neuen Modern Warfare-Spiel begonnen hatte, West und Zampella in ihren Verträgen aber kreative Kontrolle über die Marke gehabt hätten. Activision bemühte ebenfalls seine Anwälte und verklagte nicht mehr nur West und Zampella, sondern auch Konkurrent Electronic Arts wegen angeblich bereits 2009 erfolgter Abwerbeversuche auf 400 Millionen Dollar Schadenersatz. Der Rechtsstreit zog bis zum Frühjahr vergangenen Jahres hin. Am 31. Mai 2012 meldete die Los Angeles Times, dass es kurz vor Prozessbeginn doch noch eine außergerichtliche Einigung zwischen den Parteien gegeben hat. Deren Inhalt sei aber vertraulich. Weiterhin berichtete der Reporter von einem lächelnden Jason West, der das Gericht verlies. Einer offiziellen Pressemitteilung Activision zufolge hat der Publisher eine einmalige Zahlung an Zampella und West geleistet.
In diesem Artikel
- Seite 1 Publisher-Check: Activision - Nur Call of Duty oder steckt mehr dahinter?
- Seite 2 Publisher-Check: Activision - Die Fakten im Check
- Seite 3 Publisher-Check: Activision - Bobby Kotick und Die Akte Infinity Ward
- Seite 4 Publisher-Check: Activision - Die Studios
- Seite 5 Publisher-Check: Activision - Die Call of Duty-Serie
- Seite 6 Bildergalerie
Bildergalerie
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EA Hass kann ich nicht nachvollziehen
Activision joa %-)
edit: hat Activision eigentlich noch die Bond Lizenz? Oder hat man die ihnen abgenommen, nach dem grottenschlechten Legends? :B Könnte MGM verstehen wenn das der Fall wäre :)
edit²: