Publisher-Check: Activision - Die Fakten im Check
Zweiter Teil unserer Special-Reihe, in der wir nacheinander die größten Hersteller, ihre Geschichte, Skandale und Erfolge beleuchten wollen, um schlussendlich die Frage beantworten, ob etwa jährlich erscheinende Spieleserien mit Minimaländerungen, Schließungen von einstmals erfolgreichen Entwicklerstudios und der heute herrschende DLC-Wahnsinn eine berechtigte, sichere Strategien für die Milliarden schweren Unternehmen mit zumeist über 10.000 Mitarbeitern sind. Diesmal knöpfen wir uns den Marktführer Activision vor, bei dem den meisten Spieler vor allem als erstes Call of Duty einfällt.
Der Service-Check
Der Service von Activision kann sich ausschließlich bei den führenden Serien des Publishers sehen lassen. Ist ein Spiel erfolgreich, wird dieses Patch für Patch deutlich verbessert um auch meist ein sehr bugfreies und gutes Erlebnis zu bieten. Dasselbe kann man allerdings nicht von Activisions Mittelklasse- oder gar Ramsch-Spielen behaupten, denn diese verschwinden meist sehr schnell vom Produktpflege-Radar des Unternehmens. So geschehen mit dem erfolglosen Lizenztitel The Walking Dead: Survival Instinct, für das trotz bestätigter Bugs bis heute kein Patch für eine endlich gut spielbare Version gesorgt hat.
Ebenfalls kritisch zu sehen ist die DLC-Politik des Herstellers. So lässt sich der Publisher selbst geringfügige Erweiterungen meist recht teuer bezahlen und bringt diese – wie beispielsweise bei Call of Duty - auch in recht hoher Frequenz heraus. Dabei geht Activision auch gerne Vereinbarungen über zeitexklusive Inhalte mit Konsolenherstellern ein, die wiederum einen Nachteil für deren Konkurrenz bedeuten.
Besonders kritisch wurde von PC-Spielern Activisions Schritt weg vom dedizierten Servern zum Matchmaking über firmeneigene Server direkt in Call of Duty: Modern Warfare 2 gesehen. Allerdings hat sich der Publisher mittlerweile dem Druck der Spieler gebeugt und wird mit Call of Duty: Ghosts wieder dedizierte Server auf allen Plattformen anbieten.
Der Community-Check
Quelle: Activision
Das Fan-Adventure The Silver Lining war jahrelang in Entwicklung. Kurz vor dem Release stoppte Activision das Projekt; es musste nachverhandelt werden, um eine Veröffentlichung zu erreichen.
In diesem Bereich haben vor allem die First-Party-Studios des Publishers in den letzten Jahren einen guten Eindruck gemacht. So hat beispielsweise das Studio Treyarch mit David Vonderhaar einen eigenen Community-Manager an vorderster Front, um auf Vorschläge und Anregungen der Community zu den Call of Duty-Produkten zu reagieren. Daher wandelt sich das Balancing des Spiels im Laufe der Zeit – und häufig auch nach den Vorstellungen und Anregungen der Spielerschaft.
Allerdings fiel Activision bei der Community durch eine Aktion gegen das Fanprojekt mit dem ursprünglichen Namen King's Quest 9 – The Silver Lining in Ungnade. Die nichtkommerzielle und inoffizielle Fortsetzung der Kings-Quest-Reihe aus dem Hause Sierra war bereits seit 2002 bei den Hobbyentwicklern Phoenix Online Studios in Entwicklung – gedeckt durch eine offizielle Erlaubnis vom französischen Medienkonzern Vivendi, zu dem Blizzard Entertainment gehört. Diese Zustimmung wurde erst nach langen Verhandlungen im Jahr 2005 erreicht. Doch dann stoppte Activision das Projekt 2010 kurz vor dem Release.
Seit der Fusion mit Blizzard besaß Activision nun die Rechte an der Serie und fühlte sich nicht mehr an die Vereinbarung gebunden, die vorher zwischen Vivendi und Phoenix Online getroffen worden war. Die Hobbyentwickler mussten das komplette Material des Spiels von der Website entfernen. Erst nach erneuten monatelange Verhandlungen und dem Zugeständnis einer Namensänderung bekam Phoenix am 26. Juni 2010 die Erlaubnis zur Veröffentlichung. Am 10. Juli 2010 erschien dann schließlich nach langem Erlaubnis-Kampf die erste Episode von nun The Silver Lining genannten Gratisspiel.
Der Öffentlichkeits-Check
Als Publisher funktioniert Activision sehr strukturiert, unflexibel und achtet minuziös darauf, was von der PR-Abteilung an die Presse weitergegeben wird und was unter Verschluss bleibt. Ist ein Spiel aber bereits in vorzeigbarem Zustand, setzt das Unternehmen bei Messen und Vorstellungen auf einen bombastischen Auftritt mit immens hohen Marketingkosten. Nicht nur für die Presse werden große Events zum Präsentieren veranstaltet, auch für die Spieler hält man große Events ab, an denen in der Regel sehr viele Anspielstationen zur Verfügung stehen. Auf der Gamescom bietet Activision beispielsweise inzwischen gleich zwei riesige Säle mit aufgebauten Konsolen, damit die Besucher den Mehrspielermodus von Call of Duty: Ghosts spielen konnten.
Die Aufmerksamkeit der Spieler zu erreichen hat Activision schon immer geschafft. Im Laufe der mittlerweile 34-jährigen Firmengeschichte leider häufig auch mit negativen Schlagzeilen. Seien es die saftige Preiserhöhungen, kontroverse Zitate von Firmenchef Bobby Kotick, irreführende Aussagen zu Kürzungen an Spielen oder auch dem Skandal in der Spielebranche 2010 – dem Rausschmiss der Schöpfer von Call of Duty.
Unbeliebt bei den Spielern machte man sich auch mit dem Wahrheitsgehalt von offiziellen "100% Uncut"-Siegeln auf einigen Spielen der Call-of-Duty-Reihe. Activision weiß wie jeder andere Publisher auch, dass es gerade in Deutschland vielen Spielern wichtig ist, einen ungeschnittenen Titel zu spielen. Erst recht bei Spielen, die ohnehin mit einem USK-18 Siegel nur für ein erwachsenes Publikum gedacht und zugelassen sind. Doch gerade auf dem Markt, der durch das deutschen Jugendschutzgesetz und die USK besonderen Regeln in Sachen Gewaltdarstellung unterliegt, greifen immer mehr Interessenten zu Importspielen wie beispielsweise der in der Regel unzensierten deutschen Version in Österreich oder auch Versionen, die für Großbritannien hergestellt werden.
Im Vorfeld der Veröffentlichung von Modern Warfare 2 hatte Activision erklärt, die deutsche Version würde komplett ungeschnitten erscheinen. Das stellte sich später als falsch heraus. Entschärft wurde die Flughafenszene, bei der man im Original als russischer Terrorist auch Zivilisten ausschalten kann und in der deutschen einfach nur mit den anderen Spielfiguren mit lief, aber nicht schießen konnte. Kritische Nachfragen nach der entsprechenden Uncut-Pressemitteilung wurden als "Interpretationsvariante" ausgelegt. Es dauerte nicht lange, bis Fans ihrem Unmut darüber Luft machten.
Zu allem Überfluss ließ sich dann auch die ungekürzte – und vielen Spielern importierte - internationale Version des Ego-Shooters in Deutschland nicht über Steam freischalten. Valves Onlinedienst quittierte den Versuch mit der Fehlermeldung: "Nicht verfügbar – Aufgrund der hiesigen Bestimmungen und Gesetze erlaubt Activision diese Version von Modern Warfare 2 nicht in Deutschland." Betroffene deutsche Spieler waren entrüstet und entfachten einen Shitstorm über dem Hersteller.
Nun sollte man meinen, Activision hätte aus diesem Fall gelernt, beging aber im November 2012 beim Release von Black Ops 2 den gleichen Fehler noch einmal. Auch bei diesem Spiel fand sich ein "100% uncut" Aufkleber auf der Packung. Nur Stunden nach Release verbreitete sich rasend schnell im Internet, dass nicht nur die USK-, sondern auch die Version aus Österreich und der Schweiz mit einem geschnittenen Zombie-Modus ausgeliefert wurden.
In diesem waren zwar Blut- und Goreeffekte vorhanden, aber es war nicht möglich, Gliedmaßen abzutrennen. Auch hier war es nie Gegenstand der Diskussion, ob das Fehlen dieses Features Auswirkungen auf das Gameplay hat, sondern eher darum, dass man wieder fehlerhafte Aussagen über die Schnitte an seinen Spielen traf, was das Vertrauen der Käufer in den Publisher erneut schwer enttäuschte.
Der Spiele-Check
Quelle: Activision
Mit Skylanders etablierte Activision in den vergangenen Jahren recht schnell eine neue Marke, die auf Xbox 360 und Playstation 3 sehr erfolgreich ist.
Activision setzt viele Spieleserien wie Skylanders (PS3, Xbox 360, Wii) und Call of Duty mit hohen Budgets um und liefert qualitativ hochwertige Produkte ab, die meist Wertungen im Bereich von 80 bis 90 Punkten erhalten. Dabei leidet allerdings die Innovation und eine Franchise durchlebt mit hoher Frequenz nur eine leichte Evolution, statt neue Features zu bieten. Ein Beispiel dafür ist die erfolgreiche, aber innovationsarme Call of Duty-Reihe. Andererseits besitzt Activision zwar auch andere und eigentlich hochwertige Lizenzen, lässt aber dann von teils völlig unbekannten Studios Spiele dazu entwickeln, die dann wie etwa Fast & Furious Showdown mit einer Metacritc-Wertung von 22 auch einmal das untere Ende der Wertungsskala ausloten.
Der Zukunfts-Check
Activision ist dafür bekannt, eine Serie so lange zu führen, bis sie nicht mehr genügend Umsatz generiert. Dann scheut man sich auch nicht, Marken wie etwa Guitar Hero oder Tony Hawk aufzugeben. Allerdings wird alle paar Jahre auch eine große Menge Geld in ein aufstrebendes Projekt investiert. Zurzeit arbeitet Activision zusammen mit den ehemaligen Halo-Entwicklern von Bungie am Online-Spiel Destiny. Mit diesem Projekt wagt sich der Hersteller wenigstens etwas mehr aus der Deckung als mit einem Modern Warfare 4 oder einem Black Ops 3. Destiny verspricht viel Innovation, macht bisher einen sehr ambitionierten Eindruck und wird vermutlich mehrere Hundert Millionen Dollar bis zur Fertigstellung verschlingen.
Man muss man kein Prophet sein, um zu orakeln, dass Activision an diesem durchaus erfolgreichen Geschäftsmodell von einigen großen Marken, die vor allem mit Lizenztiteln garniert werden, auch in Zukunft weniger ändern wird. Neben Call of Duty war vor allem Skylanders für Activision eine gute Investition. Nach eigenen Angaben generierte die Marke durch den Verkauf von Spielen, Fanartikeln und Spielfiguren weltweit bislang einen Umsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar. Hauptsächlich wird man also sicherlich weiter auf starke Titel, die sich auch im Merchandising-Bereich lukrativ als Goldesel einsetzen lassen, konzentrieren. Zudem zieht Activision wenig überraschend für alle Marken auch einen Release auf mobilen Plattformen wie Tablet-PCs und Handys in Erwägung.
Grundsätzlich ist nichts Verwerfliches daran, wenn Firmen ihre Marken so ausnutzen, dass sie auch Früchte tragen. Würden den Spielern die immer wiederkehrenden Serienteile und die zahlreichen DLCs dafür nicht gefallen, würden sie dem Publisher nicht immer wieder Gewinne durch die hohen Verkaufszahlen bescheren. Denn letztlich hat es der Spieler in der Hand, durch seine Kaufentscheidung Veränderungen bei der Spieleentwicklung zu bewegen – und der Publisher ist als börsenorientiertes Unternehmen in der Pflicht, Gewinne einzufahren. Und so endet die Geschichte von Activision, wie sie begann. Mit (dem) Call of Duty.
In diesem Artikel
- Seite 1 Publisher-Check: Activision - Nur Call of Duty oder steckt mehr dahinter?
- Seite 2 Publisher-Check: Activision - Die Fakten im Check
- Seite 3 Publisher-Check: Activision - Bobby Kotick und Die Akte Infinity Ward
- Seite 4 Publisher-Check: Activision - Die Studios
- Seite 5 Publisher-Check: Activision - Die Call of Duty-Serie
- Seite 6 Bildergalerie
Bildergalerie
- Seite 1 Publisher-Check: Activision - Nur Call of Duty oder steckt mehr dahinter?
- Seite 2 Publisher-Check: Activision - Die Fakten im Check
- Seite 3 Publisher-Check: Activision - Bobby Kotick und Die Akte Infinity Ward
- Seite 4 Publisher-Check: Activision - Die Studios
- Seite 5 Publisher-Check: Activision - Die Call of Duty-Serie

EA Hass kann ich nicht nachvollziehen
Activision joa %-)
edit: hat Activision eigentlich noch die Bond Lizenz? Oder hat man die ihnen abgenommen, nach dem grottenschlechten Legends? :B Könnte MGM verstehen wenn das der Fall wäre :)
edit²: