Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
  • Fallout 4: Zu viel Kampf, zu wenig Substanz - Kolumne eines enttäuschten Spielers (Spoiler!)

    So wenig Rollenspiel wie nie zuvor: Wie Bethesdas Open-World-Gigant Fallout 4 unseren Redakteur Peter Bathge mit uninspirierten Quests, rätselhaften Design-Entscheidungen und abgespeckten RPG-Elementen besonders zum Schluss vor den Kopf gestoßen hat, lest ihr in der Kolumne. Achtung: Der Artikel enthält Spoiler, auch zum grundsätzlichen Ablauf des Schlussakts!

    Vermutlich bin ich selbst schuld. Meine Erwartungen an Fallout 4 waren einfach zu gigantisch.

    Mein Spiel des Jahres - nein, Verzeihung - mein Witcher 3 des Jahres sollte es werden. Denn während alle Welt auf CD Projekts Rollenspiel-Granate mit dem weißhaarigen Hexer abfuhr, ließ mich Geralts Monsterjagd seltsam kalt. Wie viel behaglicher erschien mir da im Vergleich doch das postnukleare Ödland von Fallout 4! Bis kurz vor Jahresende hatte ich Bethesdas Knallerspiel deswegen extra einen Platz auf dem Treppchen freigehalten. Kein leichtes Unterfangen, immerhin wimmelte es im Kalenderjahr 2015 nur so von hochkarätigen PC-Spielen. Doch Fallout 4 würde sie alle überstrahlen.

    So dachte ich jedenfalls. Dass dem nicht so ist, erkennt ihr schon an der Existenz dieser Kolumne. Wo die Enttäuschung herrührt und warum ich mich in über 65 Stunden in Fallout 4 trotzdem nur schwer vom Bildschirm losreißen konnte, das ist nicht so einfach zu erklären. Erst recht nicht ohne Spoiler. Von daher bitte ich alle Leser, die sich noch nicht ans Bethesdas neues Mammutwerk gewagt haben und von Aufträgen und Geschichte überrascht werden wollen: Kehrt diesem Artikel den Rücken! Das ist eure letzte Chance! Es folgen Spoiler - kleine wohlgemerkt, aber heutzutage gibt es ja schon einen Shitstorm, wenn man die ersten fünf Minuten eines Spiels verrät. Eine weitere Spoiler-Ankündigung gibt es weiter unten für den vorletzten Absatz. Darin gehe ich auch auf den grundsätzlichen Ablauf des Story-Endes ein. Ihr wurdet gewarnt!

    Fallout 4: 5 empfehlenswerte Mods im Video 5:43 Fallout 4: 5 empfehlenswerte Mods im Video Fallout 4: Das PC Games-Logo entsteht im Zeitraffer 4:17 Fallout 4: Das PC Games-Logo entsteht im Zeitraffer Fallout 4: Crafting-Grundlagen im Let's Play erklärt - Video 29:30 Fallout 4: Crafting-Grundlagen im Let's Play erklärt - Video

    Eine Spielwelt zum Verlieben

          

    Die Spielwelt ist der größte Pluspunkt von Fallout 4. Die Spielwelt ist der größte Pluspunkt von Fallout 4. Quelle: PC Games Fallout 4 ist zweifellos ein sehr gutes Spiel - die 88 Punkte aus dem PC-Games-Test kommen nicht von ungefähr. Inbesondere die Spielwelt sorgt dafür, dass ich mich im letzten Monat immer wieder in das virtuelle Umland Bostons gewagt habe. Es gibt so viel zu entdecken, so viele interessante Orte, von Banditen, Ghulen und Supermutanten wimmelnde Häuser, versteckte Gegenstands-Lager, gefährliche Todeskrallen-Brutstätten und und und.

    Auf so eine kompakte, trotz ihrer Größe nie leer und langweilig wirkende Spielwelt schauen andere Open-World-Entwickler voller Neid, seien es nun die Macher von Far Cry 4 oder Mad Max. In Fallout 4 kann ich mir einfach frei Schnauze eine Richtung aussuchen und drauflos wandern: Es dauert keine fünf Minuten und ich stoße auf die nächste Örtlichkeit, wo es was zu looten gibt, zu töten und zu questen.

    Indes: Für viel mehr wird diese herrlich dichte Spielwelt von den Entwicklern nicht genutzt! Zu oft ist der Abzugsfinger gefragt, fast immer resultieren Aufträge und simples Erkunden in Shootouts mit feindlichen Ödland-Bewohnern, die mich zwar noch nie gesehen haben, die mir aber aus irgendeinem Grund sofort ans Leder wollen. NPCs? Dienen nur als XP-Quelle.
    Furcht einflößene Feinde besiegen und bessere Ausrüstung finden - das macht ein Fallout 4 eine Weile lang unerhört viel Spaß. Furcht einflößene Feinde besiegen und bessere Ausrüstung finden - das macht ein Fallout 4 eine Weile lang unerhört viel Spaß. Quelle: PC Games

    Zu wenig schräge Typen

          

    In den letzten Wochen habe ich einige tolle Quests in Fallout 4 erlebt. Ich habe mich als Superheld Silver Shroud verkleidet und Verbrechern mit tiefer Stimme lächerlich pathetische Sätze über Gerechtigkeit und Rache an den Kopf geworfen, auf die ein brütender Comic-Charakter wie Batman stolz gewesen wäre. Ich habe ein Segelschiff voller Roboterpiraten besucht und ihnen geholfen, mit altertümlichen Kanonen ein bizarres Entermanöver abzuwehren.

    Fallout 4 kennt nur eine Sprache: das Rattern des Maschinengewehrs. Und ich habe ... dabei eigentlich nie etwas anderes getan, als irgendwelche Feinde abzuknallen. Manchmal musste ich auch dieses oder jene Item bergen, aber das war es auch schon. Das Quest-Design von Fallout 4 ist stupide. Ja, es gibt eine Handvoll nett aufgemachter Missionen - aber erstens sind darunter viel weniger erinnerungswürdige Exemplare als bei Fallout 3. Und zweitens fehlt in diesen Aufträgen das, was Fallout für mich ausmacht - die Entscheidungsfreiheit.

    Vier Antwortmöglichkeiten: Das simple Dialog-System von Fallout 4 hat verheerende Auswirkungen. Vier Antwortmöglichkeiten: Das simple Dialog-System von Fallout 4 hat verheerende Auswirkungen. Quelle: PC Games Der Kern des Problems: das überarbeitete Dialog-System. Die Vielfalt der Gespräche leidet unter den standardmäßigen vier Antwortmöglichkeiten, die mir das Spiel anbietet. Selbst ein Mass Effect, der Prototyp eines aalglatten, sinnvoll modernisierten Rollenspiels, hat mehr Diversität zu bieten. Und auch mehr Freiheit in der Dialogführung. Denn in Fallout 4 werde ich überraschend oft in eine Rolle gezwungen, kann kaum einmal eine Quest ablehnen und selbst die vermeintlich "böse", oft allenfalls sarkastische Antwortmöglichkeit ist viel zu zahm für Fallout-Verhälntnisse. Mensch, Bethesda! Fallout ist die Serie, in der man Sklaven halten, sich als Pornostar verdingen und ja - Kinder töten konnte! Der Fallout-Humor war mal tiefschwarz und ultrafies, das Ödland eine Stätte der Verderbtheit. Heute spiegelt sich das allenfalls in der Präsenz von ein paar Raidern wieder, die hier und da einen abgetrennten Kopf in ein Urinal geworfen haben.

    34:31
    Fallout 4: Umfrage im Video - so haben die PC-Games-Leser abgestimmt!

    Ultimativ enttäuschend: Gespräche und Handlung

          

    Dialoge in Fallout 4 sind überwiegend fade, der Reiz des Wegklickens war bei mir stets hoch. Einzig die NPC-Begleiter des Helden wie Priatdetektiv Nick oder Roboter Codsworth haben etwas Interessantes zu sagen. Der größte Aufwand beim Schreiben des Fallout 4-Skripts scheint in die Gestaltung der Terminal-Texte geflossen zu sein, die man an Computern überall in der Spielwelt auslesen kann. Und tatsächlich, zusammen mit dem sogenannten "environmental storytelling" - also der Art, wie etwa Skelette in einem Pub platziert sind oder ein detailliert ausstaffiertes Bettenlager eine Geschichte über seinen Besitzer erzählt - zeichnen diese Texte zuweilen nette Dioramen von vor und nach dem Atomschlag. Doch hätte ich gerne auf diese anstrengend zu lesenden Tagebuch-Einträge verzichtet, wäre dafür mehr Liebe in Dialoge, Quests und die Story geflossen.

    Die Geschichte mit ihrem unbefriedigenden Schlussakt ist ein Kapitel für sich. Im Gegensatz zu meinem Kollegen Felix Schütz habe ich nach dem Auftakt in Vault 111 tatsächlich nicht sofort den großen Twist der Handlung erraten. Die Suche nach dem Sohn meines Protagonisten erschien mir aber in jedem Fall als nachvollziehbare Motivation. Erst recht in der Rolle einer weiblichen Heldin, denn der Beschützerinstinkt als Mutter wirkte da noch passender. Wie das damit zusammenpasst, dass ich die Suche einer verzweifelten Mutter nach ihrem kleinen Baby Shaun regelmäßig für eine Chance auf bessere Power Armor und das Waffen-Crafting an der Werkzeugbank unterbrochen habe? Na ja, Fallout 4 ist halt ein Bethesda-Spiel! Da gehört es zum guten Ton, angesichts der unzähligen Möglichkeiten in der offenen Spielwelt das eigentliche Ziel mal für ein, zwei oder 50 Stunden aus den Augen zu verlieren ...
    Das Crafting und der Basenbau hält viele Fallout 4-Fans bei Laune, aber ich wünsche mir mehr RPG-Elemente. Das Crafting und der Basenbau hält viele Fallout 4-Fans bei Laune, aber ich wünsche mir mehr RPG-Elemente. Quelle: PC Games

    Die anfängliche Begeisterung flaut stetig ab

          

    Fallout 4 ist prima dazu geeignet, mal die Sau rauszulassen und mit Systemen wie dem Charaktereditor herumzublöden. Fallout 4 ist prima dazu geeignet, mal die Sau rauszulassen und mit Systemen wie dem Charaktereditor herumzublöden. Quelle: Kotaku Je mehr ich mich jedoch nach meinen ausgedehnten Erkundungstrips in alle vier Himmelsrichtungen auf die Hauptgeschichte konzentrierte, umso tiefer sank meine Laune. Bis dahin hatte ich mich bestens unterhalten gefühlt von der in Fallout 4 nahezu perfekten Motivationsschleife aus erkunden->kämpfen->looten->craften->mehr erkunden->mehr kämpfen. Doch je länger ich spielte, desto öfter entpuppten sich auf den ersten Blick interessante Szenarien wie ein großes Roboter-Wettrennen mit Stadionansager und Wetteinsätzen als belanglose Kulisse für ewig ewig gleiche Auseinandersetzungen mit Pistole und Raketenwerfer. Fielen Aspekte wie das Fraktionssystem mit seinen vier unterschiedlichen Parteien weitaus belangloser aus als gedacht. Verpasste es die Story, mich emotional abzuholen oder aus dem bekannten Korsett auszubrechen.

    Fallout 4 mag ein toller Open-World-Shooter sein, aber der erhoffte Rollenspiel-Hit ist es für mich nicht. Stattdessen gab es mit zunehmender Spieldauer immer nur mehr: mehr Items, mehr Kämpfe, mehr Gewalt, mehr XP. Aber nie fügt Bethesda der nach wenigen Spielminuten bekannten Formel etwas signifikant Neues hinzu (Basisbau ausgenommen). Die Aufträge folgen immer demselben Muster, Überraschungen sind rar gesät. Mini-Spoiler : Eine Traumsequenz in den Erinnerungen eines Widersachers auf halber Strecke ist eine der wenigen spielmechanischen Ausnahmen, denn hier bleibt die Knarre stecken. Doch weil weder der im Fokus stehende Charakter noch seine Geschichte sonderlich spannend ist, verpufft auch der Einschlag dieser Anomalie wirkungslos.

    Fallout 4 ist ein sehr breit angelegtes Spiel, sowohl die Ausmaße seiner Spielwelt als auch die reine Menge an Aufträgen, Bauoptionen und auszurüstenden Gegenständen sind gigantisch. Die große Weite geht aber zulasten der Tiefe. Wer hinter die Kulisse aus spaßigen Schusswechseln und dem Reiz des Neuen bei der Erkundung der Spielwelt blickt, der ist wie ich schnell enttäuscht über die mangelnde Komplexität. Auch in Sachen Charaktersystem, das auf den ersten Blick so umfangreich wie nie wirkt - letztlich aber in Sachen Spieltiefe gerade mal einen Fingerhut füllt.

    Wenn Charakterwerte keine Rolle spielen

           Fallout 4-Kolumne von PC Games-Redakteur Max Falkenstern PC PS4 XBO 48

    Fallout 4: Kolumne eines Spielers, der 70 Stunden bestens unterhalten wurde

      Fallout 4 hat Makel. Na und? In der Kolumne schildert Redakteur Max Falkenstern, warum er seine 70 Stunden im Ödland dennoch nicht eine Sekunde bereut.
    Fallout 4: Reddit-Nutzer YttriumTyclief zeigt das Spiel aus Iso-Ansicht PC PS4 XBO 2

    Fallout 4 aus Iso-Perspektive: Nostalgie für Fallout-Veteranen

      Wie hätte Fallout 4 ausgesehen, wenn das Team von Black Isle Studios verantwortlich gewesen wäre? Neue Bilder zeigen das Endzeit-Rollenspiel aus Iso-Perspektive
    Die neue Nexus-Grafik-Mod überarbeitet das Terrain von Fallout 4 und macht es hübscher. PC PS4 XBO 5

    Fallout 4: Grafik-Mod macht das Wasteland schöner

      NexusMods veröffentlicht eine Grafik-Modifikation für Bethesdas Rollenspiel-Epos Fallout 4, welche das Terrain des Wastelands überarbeitet.

    In Fallout 4 gibt es 70 Perks. Für jedes Level-up gibt es einen Punkt, den man in eines dieser Talente investieren kann, ausbaufähig in mehreren Stufen. Theoretisch kann der Held dadurch bis Stufe 275 immer wieder ein neues Perk auswählen. Klingt großartig, oder? Fanden wir vor Release von Fallout 4 auch, als wir das neue Charaktersystem erklärten. Diese schiere Menge muss doch einfach eine unglaubliche Vielfalt bei der Charakterentwicklung bieten! Falsch gedacht. Denn während Bethesda mit der einen Hand jede Menge Perks wie Puderzucker über dem Fallout 4-Kuchen verstreut hat, hat sich das Studio mit der anderen Hand die Rosinen aus dem Teig gepickt und ersatzlos gestrichen: die Skills. Unbeabsichtigte Ironie: Die Perks heißen in der deutschen Version von Fallout 4 Skills, sind aber leider kein Ersatz dafür.

    Ob es in Fallout 3 und New Vegas so sinnvoll war, Skills wie Schlösser knacken auf einer Skala von 1-100 stufenweise zu steigern, aber nur beim Erreichen bestimmter Grenzen einen merklichen Unterschied festzustellen, das sei mal dahingestellt. Siehe dazu auch unseren (ncht immer schmeichelhaften) Vergleich mit den Vorgängern.

    Ich habe grundätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass Bethesda das Skillsystem für Fallout 4 überarbeitet. Aber doch nicht so! Denn die neue Perk-Vielfalt kommt mit einem großen Aber, das für mich das Spiel fast ruiniert hat: Perks/Skills haben nur noch minimale Auswirkungen auf Gespräche und das Lösen von Aufträgen. Entwickler Bethesda hat bei Fallout 4 also einfach mal so das noch schlagende Rollenspiel-Herz aus der Serie geschnitten und geht einen noch konsequenteren Weg als bei The Elder Scrolls 5: Sykrim. So ähnelt das Spiel nun mehr einem (zweifellos spaßigen!) Open-World-Spielplatz wie Just Cause 3 als dem stets von Geschichte, Entscheidungen und Charakterwahl getragenen Fallout, das ich kenne und liebe.
    Mehr schräge Typen und abgefahrene Quests wie in Fallout 2 - das wünscht sich Peter Bathge für Fallout 4. Mehr schräge Typen und abgefahrene Quests wie in Fallout 2 - das wünscht sich Peter Bathge für Fallout 4. Quelle: Interplay In Fallout (siehe Rückblick) - ja, selbst in Bethesdas bereits deutlich entrümpeltem Fallout 3 - spielte es tatsächlich eine Rolle, wie mein Charakter angelegt war. Obsidians Fallout: New Vegas forcierte das. Genau wie dieses Jahr in Pillars of Eternity vom selben Entwickler waren dort viele Dialogoptionen nur dann sichtbar, wenn mein Avatar über den entsprechenden Skill, das passende Perk oder die nötige Ausbaustufe des S.P.E.C.I.A.L.-Attributs verfügte.

    Als Wissenschafts-Nerd konnte ich nicht nur besonders gut Terminals hacken - ich konnte mich auch besser als sonst mit anderern Forschern unterhalten, konnte durch meinen geschulten Geist komplexe Lösungen für Probleme ausmachen und so Quests auf unterschiedliche - oft pazifistische - Weise lösen. Und wenn mein Held besonders charismatisch war, konnte ich potenzielle Gegner bequatschen, nach einer diplomatischen Lösung suchen, sie für mich kämpfen lassen. Verdammt noch eins, im ersten Fallout konnte ich sogar den Endgegner zum Selbstmord überreden und mir so einen harten Bosskampf sparen!

    Das neue Perk-System von Fallout 4 macht auf den ersten Blick viel her, ist aber wenig komplex. Das neue Perk-System von Fallout 4 macht auf den ersten Blick viel her, ist aber wenig komplex. Quelle: Bethesda Charisma gibt es auch in Fallout 4, doch seine Einsatzmöglichkeiten sind rigoros eingeschränkt. Zwar gibt es immer wieder mal farbige Gesprächsoptionen, die mich das Attribut/Perk einsetzen lassen. Aber in vielen Fällen ist meine Belohnung dafür nur eine Extraportion Erfahrungspunkte. Diplomatische Lösungen sind rar gesät. Einmal kann ich die kampfeslustige Mäträsse eines Mafia-Bosses zurück zu ihrem Mann schicken, um so ihr Leben zu verschonen. Es ist das einzige Beispiel, an das ich zurückdenken kann, wo Charisma einen tatsächlichen Einfluss auf den Spielverlauf hat. Oft wird es nur dazu verwendet, die ausgehandelte Belohnung für Nebenmissionen in die Höhe zu treiben. Das ist doch keine Entscheidungsfreiheit, Bethesda, kein richtiges Rollenspiel! Das ist ein Lippenbekenntnis zum einst so grandiosen Charaktersystem, das für Fallout 4 auf dem Altar der Massentauglichkeit geopfert wurde.

    Was dann aber selbst in Hinblick auf die Zugänglichkeit und dem Streben nach den kleinsten gemeinsamen Nenner keinen Sinn ergibt, ist die Art, wie Fallout 4 endet. In einem Massenmord.

    Ende ohne Wahl, aber mit Qual (Spoiler zum Finale!)

          

    Das Fraktionssystem von Fallout 4 hat mich nicht vom Hocker gehauen. Es gibt vier unterschiedliche Gruppierungen und alle vier bombardieren den Spieler auf Wunsch mit einer endlosen Aneinanderreihung von zufälligt generierten Besorgungen, die als "Missionen" zu deklarieren mir widerstrebt. Diese Mini-Aufträge schicken einen noch dazu immer wieder an die gleichen Orte, wo auf magische Weise zuvor ausgeräucherte Ghul-, Raider- und Supermutanten-Lager von neuem bevölkert sind. Aber gut, das kann man ignorieren, es ist reiner Füller. Was mich viel mehr wurmt ist die Art, wie Fallout 4 den Konflikt zwischen den vier Fraktionen zuspitzt und letztendlich auflöst. Nämlich so, wie es jede andere Situation angeht: mit Gewalt.

    In Fallout: New Vegas hingen die Dialogoptionen noch von den Skills ab, es gab weitaus mehr Entscheidungsmöglichkeiten als in Falllout 4. In Fallout: New Vegas hingen die Dialogoptionen noch von den Skills ab, es gab weitaus mehr Entscheidungsmöglichkeiten als in Falllout 4. Quelle: PC Games Selbst auf der Seite der aufrechten Minutemen, einer dem Allgemeinwohl dienenden Organisation, die Frieden und Freiheit für die Bevölkerung des Ödlands anstreben, muss ich zwei andere Fraktionen komplett auslöschen. Das Gleiche bei der Railroad, einer Untergrundbewegung voller Idealisten, die sich die Rettung der roboterhaften Synths auf die Fahnen geschrieben haben. Irgendwann legt Fallout 4 einen Schalter um und plötzlich mutieren diese beiden nur scheinbar guten Fraktionen zu blutrünstigen Killern, die nur durch die Auslöschung etlicher Menschenleben zufrieden zu stellen sind. Unter den Opfern sind vielleicht etwas verkopfte, aber doch relativ harmlose Forscher des Instituts und die zwar fanatischen, im Grunde aber doch sehr aufrichtigten Paladine der Stählernen Bruderschaft. Was soll das?

    Haben die Entwickler vielleicht mal daran gedacht, dass ich nicht zum Massenmörder in ihrem Spiel werden will? Ich bin bestimmt der Letzte, der was gegen virtuelle Gewaltdarstellung sagt, besonders wenn sie so albern überzeichnet daher kommt wie die explodierenden Köpfe von Fallout 4. Aber in meiner Vorstellung war Fallout 4 nun mal ein Rollenspiel, kein Hatred. In RPGs möchte ich gerne diplomatisch agieren und mich für den moralisch einwandfreien Weg entscheiden, möchte Konflikte wenn möglich friedlich lösen und am Ende eine Spielwelt zurücklassen, die durch meine Mitarbeit zu einem besseren Ort geworden ist. Ich möchte nicht durch das Blut etlicher namentlich gekennzeichneter Charaktere waten, mit denen ich in vielen Fällen wenige Stunden zuvor noch zivilisiert Gespräche geführt und für die ich Quests erledigt habe. Aber genau dazu zwingt mich Fallout 4 - ein Unding!

    Meine Meinung - eure Meinung?

          

    Warum verdammt noch mal gibt es in Fallout 4 keinen Mittelweg? Was bringt es mir denn, den gesamten Spielverlauf über meinen Charisma-Wert auf die Maximalstufe gebracht zu haben, wenn ich am Ende doch wieder zur Waffe greifen muss? Tut mir Leid Bethesda. Das, was ihr da abgeliefert hat, mag zwar aussehen wie Fallout. Es mag den Anschein erwecken, ein Rollenspiel zu sein. Doch für mich ist es trotz vieler schöner Stunden mit dem Spiel - gemessen an der gigantisch hohen Erwartungshaltung - letztlich nur eine riesengroße Enttäuschung.

    Bleibt also nur noch eine Frage ungeklärt: die nach meinem Witcher 3 des Jahres. Wenn nun also doch nicht Fallout 4, welches Spiel hat denn dann in meinen Augen 2015 die höchsten Weihen verdient? Ganz ehrlich: Ich bin geneigt, Rocket League zu sagen. Das hab ich immerhin fast doppelt so lange gespielt wie Fallout 4. Müdigkeitserscheinungen: Fehlanzeige. Aber letztlich hab ich mich dann doch für Pillars of Eternity entschieden. Das ist wenigstens ein echtes Rollenspiel.

    Wie findet ihr Fallout 4? Geht ihr mit den Ergebnissen der großen Umfrage auf PC Games.de konform? Habt ihr ähnliche Kritikpunkte wie ich oder seid ihr der Meinung, ich solle mich nicht so anstellen? Schreibt es mir in den Kommentaren!

    07:17
    Fallout 4: Video-Review der PC-Fassung
    • Es gibt 108 Kommentare zum Artikel

      • Von Reddington187
        Also es hat zwar die typischen Bugs für Bethesda Spiele aber diese werden gefixt und sonst bin ich selbst sehr glücklich mit dem Spiel und für mich wae The Witcher denn Hyoe nicht wert ich habe das Spiel keine 20Stunden gespielt die alten zwei jedoch Jahre lang und auch Fallout 3 hatte ich über 300 Stunden und das ungelogen es ist zwar nicht so gross wie Fallout 3 aber trotzdem gibts keinen anderen Titel der soviel bietet und unterhält!!
      • Von diethylamid
        man hätte es echt nicht besser schreiben können. Hut ab vor diesem Artikel. Genau meine Meinung argumentativ belegt.
      • Von evileul Neuer Benutzer
        Ich hab gerade Fallout 4 zu ende gespiele und bin auch maßlos entäucht besonders über das ende. Einerseits hat mir der siedlungsbau ne menge spaß gemacht und hab praktich erst mit level 55 mit der hauptquest angefangen. Es gab einzelne nebenmissionen die spaß machten aber das wars.
        Fallout 3 ist für mich…
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2016 PC Games Hardware 08/2016 PC Games MMore 08/2016 play³ 08/2016 Games Aktuell 08/2016 buffed 08/2016 XBG Games 03/2016 N-Zone 07/2016 WideScreen 08/2016 SpieleFilmeTechnik 07/2016
    PC Games 07/2016 PCGH Magazin 08/2016 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
1180104
Fallout 4
Fallout 4: Zu viel Kampf, zu wenig Substanz - Kolumne eines enttäuschten Spielers (Spoiler!)
So wenig Rollenspiel wie nie zuvor: Wie Bethesdas Open-World-Gigant Fallout 4 unseren Redakteur Peter Bathge mit uninspirierten Quests, rätselhaften Design-Entscheidungen und abgespeckten RPG-Elementen besonders zum Schluss vor den Kopf gestoßen hat, lest ihr in der Kolumne. Achtung: Der Artikel enthält Spoiler, auch zum grundsätzlichen Ablauf des Schlussakts!
http://www.pcgames.de/Fallout-4-Spiel-18293/Specials/Kolumne-Story-Ende-Enttaeuschung-Spoiler-Kommentar-1180104/
09.12.2015
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2015/11/Fallout4_REVIEW_PCG_PS4_022-pc-games_b2teaser_169.jpg
fallout 4,rollenspiel,bethesda
specials