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  • Pillars of Eternity im Test mit Video: D&D-RPG ohne D&D

    Mit Feuerwänden lassen sich die Schlachtfelder taktisch geschickt aufteilen. Quelle: PC Games

    Der Nachschub an hochklassigen Old-school-Rollenspielen für den PC reißt nicht ab: Nach Divinity: Original Sin und Wasteland 2 steht mit Pillars of Eternity der nächste Hochkaräter auf der Matte. Warum Obsidians RPG im Baldur's Gate-Stil mit der Konkurrenz den Boden aufwischt und ein Muss für jeden Genre-Fan ist, erfahrt ihr in unserem Test samt extralangem Video-Review!

    Irgendetwas zu meckern gibt es immer. Das liegt für uns Spieletester in der Natur der Sache.

    Wer beim Spielen ganz genau hinschaut, entdeckt das berühmt-berüchtigte Haar in der Suppe, ärgert sich über ungenutztes Potenzial und verfasst im Kopf bereits die Wunschliste für Add-on und Nachfolger. Bei Pillars of Eternity ging es uns nicht anders.

    Doch der Umstand, dass wir bereits jetzt eine unbändige Vorfreude beim Gedanken an eben dieses bereits bestätigte Add-on verspüren, an diesen Nachfolger, diese Tatsache sagt eigentlich schon alles aus über Obsidian Entertainments neues, per Kickstarter-Kampagne finanziertes Rollenspiel. Am Ende zählt halt immer noch der Spielspaß. Und der erreicht bei Pillars of Eternity neue Höhen.

    Erzielt wird diese Euphorie mit bewährten Methoden. Wer Baldur's Gate gespielt hat, erkennt sie sofort.

    Entschlacktes Dungeons & Dragons

    Ein zentrales Versprechen der Kickstarter-Kampagne von Pillars of Eternity war es, die gute, alte Zeit der sogenanten CRPGs wiederaufleben zu lassen, speziell die heute legendären Party-Rollenspiele mit Infinity-Engine. Ihre prominentesten Vertreter: Baldur's Gate 1+2 und Planescape: Torment.

    Dieser Plan ist aufgegangen.

    Wer anno dazumal die RPGs aus dem Hause Bioware und Black Isle gespielt hat, der ist nach fünf Minuten drin im Spiel. Iso-Perspektive, eine Party mit bis zu sechs Figuren (einer davon der selbsterstellte Hauptcharakter, der Rest eine Auswahl aus acht NPC-Gefährten mit eigener Geschichte und Quest-Reihe oder wahlweise manuell erstellte Mitstreiter ohne Persönlichkeit wie in Icewind Dale) - das kennt man als Rollenspiel-Veteran.

    Die detaillierten 2D-Hintergründe sehen fantastisch aus. Das Aussehen der 3D-Figuren ändert sich je nach gewählter Ausrüstung. Die detaillierten 2D-Hintergründe sehen fantastisch aus. Das Aussehen der 3D-Figuren ändert sich je nach gewählter Ausrüstung. Quelle: PC Games Doch die Parallelen gehen tiefer: Mauszeiger, Zaubersprüche, Weltkarte, ja sogar die Ladebildschirme - alles wirkt vertraut und wenn nicht dreist kopiert, so doch zumindest stark inspiriert von der Baldur's Gate-Serie. 15 Jahre nach dem Meilenstein Baldur's Gate 2 wirkt das allerdings nicht wie Innovationsarmut, sondern im Gegenteil wie eine willkommene Rückbesinnung auf alte Stärken. Zumal Obsidian sich nicht damit zufrieden gegeben hat, die geistigen Vorgänger einfach nur zu kopieren, sondern sie intelligent ins neue Jahrtausend transportiert mit all den Komfort-Features (Gruppen-Inventar, Vergleichsfunktion, Item-Kiste) und sinnvollen Vereinfachungen (beim Schlösserknacken und Fallen-Entschärfen wird automatisch die Figur mit dem höchsten Mechanik-Wert ausgewählt, Fernkampfwaffen brauchen keine Munition), die sich damals noch keiner vorstellen konnte.

    Die Steuerung ist sehr intuitiv, die Kämpfe spielen sich wie in einem Echtzeitstrategie-Spiel. Die Steuerung ist sehr intuitiv, die Kämpfe spielen sich wie in einem Echtzeitstrategie-Spiel. Quelle: PC Games Gleich zu Beginn nimmt einen das Spiel auf vorbildliche Weise an die Hand, gibt im Tutorial Tipps und erklärt das ganz eigene Regelsystem von Pillars of Eternity, das auf den ersten Blick an den Dungeons&Dragons-Unterbau der Baldur's Gate-Serie erinnert, im Detail jedoch durch deutlich mehr Zugänglichkeit und Transparenz punktet. So dürfen etwa alle elf Klassen jede Waffe und Rüstung verwenden - es gibt keine künstlichen Restriktionen à la "Zauberer mit Schwert? Nein, das geht so nicht!". Wer jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt angesichts dieser vermeintlichen "Casualisierung", der sei beruhigt: Natürlich hat es Nachteile für einen Zauberkundigen, wenn ihr ihm die dickste Plattenrüstung anzieht. Dann nämlich verlängert sich im Kampf die Wartezeit zwischen zwei Aktionen.

    Kurzum: Das Regelwerk ist schlüssig, einsteigerfreundlich, aber dennoch komplex und vielschichtig. Wer es genau wissen will, darf zu jedem Attribut, jeder Fähigkeit und jedem Talent Beschreibungstexte einblenden und die Auswirkungen angelegter Ausrüstung auf die Charakterwerte sind sofort ersichtlich. Ein Logbuch im Kampf verrät bei Bedarf Einzelheiten: Warum trifft mein Priester das Erdelementar nicht? Wieso hat der Bolzen aus der Armbrust meines Waldläufers nur 16 Schadenspunkte statt 23 verursacht?

    Ein zusätzlicher Expertenmodus blendet für Kenner der Materie die meisten Hilfsanzeigen aus. Außerdem gibt's ganze vier jederzeit änderbare Schwierigkeitsgrade, die nicht einfach die Hitpoints von Gegnern hochschrauben, sondern die Größe und Anzahl von Monstergruppen beeinflussen. Für die ganz Harten existiert sogar ein Permadeath-Modus - gibt die komplette Abenteurergruppe den Löffel ab, wird euer einziger Spielstand gelöscht. Wem das kurz vorm Ende der zwischen 40 und 60 Stunden langen Einzelspieler-Kampagne passiert, hat allen Grund zum Fluchen.

    Pillars of Eternity im Video-Review

    11:23
    Pillars of Eternity im Testvideo: So klasse ist das inoffizielle Baldur's Gate 3

    Rollenspiel mit Seele

    In Pillars of Eternity dreht sich alles um Seelen und was mit ihnen nach dem Tod passiert. In der fürs Spiel kreierten Welt Eora bewohnen die immer gleichen Seelen im Lauf der Jahrtausende zahllose verschiedene Körper. Euer Held kann die Vergangenheit der Seelen anderer Personen erkunden, was ihn zu etwas Besonderem macht. Gleichzeitig drohen ihn jedoch die Erinnerungen an seine eigenen vorherigen Inkarnationen in den Wahnsinn zu stürzen. Daraus ergibt sich eine glaubwürdige Motivation, dem Bösewicht des Spiels nachzustellen und seine Pläne zu durchkreuzen. Schon bald wird der Spieler in ein Netz aus Intrigen verstrickt, es gilt Geheimbünde zu bekämpfen und über das Schicksal eines ganzen Landes zu entscheiden. Schlussendlich mischen sogar die Götter selbst mit und ihr müsst am Ende eine folgenreiche Entscheidung treffen.

    Von der spannenden Hauptstory wollen wir nicht zu viel verraten. Unser Protagonist erlebt aber immer wieder Visionen seines frühen Lebens. Von der spannenden Hauptstory wollen wir nicht zu viel verraten. Unser Protagonist erlebt aber immer wieder Visionen seines frühen Lebens. Quelle: PC Games Die Hintergrundgeschichte von Pillars of Eternity schafft es spielend, einen über Dutzende Stunden bei der Stange zu halten. Das ist vor allem das Verdienst der Autoren bei Obsidian. Egal ob es sich um Beschreibungen von Kreaturen und Orten in der umfangreichen Enzyklopädie handelt, um Dialoge mit etlichen NPCs, historische Abhandlungen in Büchern oder spannende Kurzgeschichten beim Erkunden fremder Seelen - der Schreibstil ist durchweg exzellent und muss sich nicht vor dem des Klassikers Planescape: Torment verstecken. Ganz so viele Textwüsten wie im Black-Isle-Rollenspiel müsst ihr übrigens nicht durchqueren. In Nebenaufträgen und bei Hintergrundinfos zur toll entworfenen Welt Eora ist zwar fast immer minutenlanges Lesen angesagt, gerade die Hauptgeschichte punktet jedoch mit vielen vertonten Dialogen.

    In den zahllosen Dialogen spielen immer wieder die Attribute und der Ruf eures Protagonisten eine wichtige Rolle. In den zahllosen Dialogen spielen immer wieder die Attribute und der Ruf eures Protagonisten eine wichtige Rolle. Quelle: PC Games Die Sprachausgabe ist dabei ausschließlich auf Englisch, die Bildschirmtexte sind auch auf Deutsch verfügbar. Die Übersetzung leider nicht rundum gelungen. In Dialogen gibt es immer wieder Rechtschreib- und Grammatikfehler, zudem sind teilweise Wörter noch auf Englisch und einige Items haben irreführende Namen. Bitte schleunigst fixen, liebe Entwickler! Wer bei der Kombination Obsidian und Rollenspiel angesichts der Vergangenheit des Studios (Fallout: New Vegas, Neverwinter Nights 2, Star Wars: Knights of the Old Republic 2) übrigens weitere Fehlerquellen und den Spielspaß sabotierende Bugs vermutet, der irrt: Pillars of Eternity lief in unserem Test ausnehmend rund, Abstürze gab es keinen einzigen. Quest-Bugs konnten wir zudem gar keine feststellen. Saubere Arbeit, Obsidian!

    Update vom 1. April 2015: Obwohl in der Testversion nicht beobachtet, leidet die inzwischen gepatchte Verkaufsversion offenbar doch unter einigen Bugs, darunter sogar ein möglicher Plotstopper, der aber nur bei einem kleinen Teil der Spieler auftritt. Obsidian arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einer Lösung.

    Heil mich!

    Auf unserer Reise durch Wälder und über Friedhöfe und hinter die Mauern zweier großer Städte mit den Ausmaßen von Baldurs Tor sind Kämpfe genretypisch an der Tagesordnung. Zwar lassen sich viele Auseinandersetzungen vermeiden - dazu mehr auf Seite 2 -, aber die Echtzeitschlachten mit Pausefunktion sind dennoch ein integraler Bestandteil des Spiels. Gut so! Denn sie machen einen Heidenspaß. Jedes Gefecht erfordert taktisches Geschick und das Haushalten mit endlichen Ressourcen wie magischen Tränken, Zaubersprüchen, beschworenen Monstern und vor allem der Ausdauer eurer Kämpen. Jeder Charakter besitzt zwei Werte, die seine Gesundheit bestimmen: Ausdauer und Lebenspunkte.

    Flächenzauber machen vor Verbündeten nicht halt: Friendly Fire wird so manchen unvorsichtigen Helden in Pillars of Eternity dahinraffen! Flächenzauber machen vor Verbündeten nicht halt: Friendly Fire wird so manchen unvorsichtigen Helden in Pillars of Eternity dahinraffen! Quelle: PC Games Werden eure Helden getroffen, verlieren sie hauptsächlich Ausdauer; ein kleiner Prozentsatz des Schadens wird zudem von den Lebenspunkten abgezogen. Sinkt die Ausdauer auf Null, wird die Figur bewusstlos und steht erst nach dem Kampf wieder zur Verfügung - mit dramatisch gesenkten Lebenspunkten. Sind alle Lebenspunkte weg, stirbt die Figur und ist unrettbar verloren. Wem das zu hart ist, kann in den Optionen einstellen, dass Charaktere vor dem Tod erst verkrüppelt werden und sich so mit einem einzigen Lebenspunkt ans Leben klammern.

    Der Knackpunkt an der Sache: Heiltränke und Zauber stellen lediglich Ausdauer wieder her oder erwecken einen ausgeknockten Charakter aus der Bewusstlosigkeit. Lebenspunkte werden dagegen ausschließlich durch Rasten wiederhergestellt! Das macht die Gefechte anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und sehr knifflig, weil häufiges Rasten nötig ist und unvorsichtige Spieler schnell mal an einen Gegner geraten, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu bezwingen ist. Mitlevelnde Feinde gibt's in Pillars of Eternity nämlich nicht!

    Weil ihr unterwegs mit begrenzten Vorräten nur bis zu vier Stopps einlegen dürft, sind regelmäßige Trips in die Taverne zum Schlafen notwendig. Ein Glück, dass dies nur selten in unnötig langen Laufwegen resultiert. Eine extrem praktische Beschleunigungsfunktion überbrückt solche Wartezeiten zudem zuverlässig. Im Kampf lässt sich das Tempo zudem extrem verlangsamen, um in aller Ruhe Befehle zu geben - für Kenner der Baldur's Gate-Serie ist aber natürlich der Druck auf die Pausetaste das Mittel der Wahl.

  • Pillars of Eternity

    Pillars of Eternity

    Publisher
    Paradox Interactive
    Developer
    Obsidian Entertainment (US)
    Release
    26.03.2015
    Leserwertung
     
    Meine Wertung
    Es gibt 153 Kommentare zum Artikel
    Von Holyangel
    Wird Obsidian selber die deutsche Übersetzung nicht nochmal angehen? Finde ich doch ein bisschen schwach... und wieder…
    Von Meisterhobbit
    Klar, wenn selbst das Patchen auf die Community abgeladen wird, ist das sogar noch mieser, als den Moddern bloß die…
    Von angelan
    Mich hat das konsolige Interface auch genervt und ich habe die Mod installiert. Da finde ich auch, dass man das vom…

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    • Es gibt 153 Kommentare zum Artikel

      • Von Holyangel Erfahrener Benutzer
        Wird Obsidian selber die deutsche Übersetzung nicht nochmal angehen? Finde ich doch ein bisschen schwach... und wieder ein paradebeispiel, wie die mod community ausgenutzt wird...

        Es geht ja nicht und 3 Fehler in der Übersetung und das Spiel hat wohl genug Geld reingeholt um eine gute Übersetzung zu machen...
      • Von Meisterhobbit Erfahrener Benutzer
        Klar, wenn selbst das Patchen auf die Community abgeladen wird, ist das sogar noch mieser, als den Moddern bloß die Möglichkeit zu geben (oder sie vielmehr eher darum zu bitten) , (optionalen) neuen Content zu basteln, der dann letztlich dem Spiel eine längere Lebensdauer (ergo mehr Einnahmen) verschafft,…
      • Von angelan Erfahrener Benutzer
        Mich hat das konsolige Interface auch genervt und ich habe die Mod installiert. Da finde ich auch, dass man das vom Entwickler hätte besser machen können.
        Vorteile von Mods: man kann das installieren, was man haben möchte, das andere weglassen, eines der großen Vorteile von Mods. Ich bekomme Ideen, muss sie…
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Pillars of Eternity
Pillars of Eternity im Test mit Video: D&D-RPG ohne D&D
Der Nachschub an hochklassigen Old-school-Rollenspielen für den PC reißt nicht ab: Nach Divinity: Original Sin und Wasteland 2 steht mit Pillars of Eternity der nächste Hochkaräter auf der Matte. Warum Obsidians RPG im Baldur's Gate-Stil mit der Konkurrenz den Boden aufwischt und ein Muss für jeden Genre-Fan ist, erfahrt ihr in unserem Test samt extralangem Video-Review!
http://www.pcgames.de/Pillars-of-Eternity-Spiel-16031/Tests/Test-mit-Video-D-und-D-RPG-ohne-D-und-D-1154548/
26.03.2015
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2015/03/Pillars_of_Eternity_Test_15-pc-games_b2teaser_169.jpg
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