Spartan, DirectX 12 und Kompatiblitätsliste
Am 29. Juli erschien Windows 10. Zum Launch erläutern wir im nachfolgenden Special nicht nur die zahlreichen Neuerungen im aktuellen Betriebssystem von Microsoft, sondern beantworten auch wichtige Fragen zum Upgrade. Außerdem fertigten wir eine Kompatiblitätsliste für Windows 10 an.
Windows 10: Das ist Spartan
Quelle: PC Games
Microsofts neuer Browser Edge kommt minimalistisch daher. Die Einstellungen rechts zeigen fast das gesamte Optionsmenü der derzeitigen Version der Software.
Mit die größte Überraschung an Windows 10 war, dass Microsoft die Gelegenheit nutzt, um den in den letzten Jahren nur mäßig erfolgreichen Internet Explorer abzulösen. Damit versucht Microsoft alte Zöpfe abzuschneiden, die der inzwischen 20 Jahre alte Browser mitschleppt. Aus Kompatibilitätsgründen bleibt er jedoch mit an Bord. Ihn als Standard-Surf-Programm ablösen soll der Browser "Edge", der bislang unter dem Namen "Project Spartan" firmierte. Die Benutzeroberfläche orientiert sich optisch recht stark an Googles Browser Chrome. In der Titelleiste zeigt der Browser linksbündig die Tabs an, in der Navigationsleiste darunter befinden sich die Buttons für das Navigieren und die Adresszeile sowie rechtsbündig angeordnet die Schaltflächen für die Einstellungen, Lesezeichen und die mit Edge neu hinzugekommenen Funktionen.
So besitzt Edge nun einen Lesemodus, wie man ihn von Mobilbetriebssystemen wie iOS kennt. Edge blendet nach einem Klick auf den entsprechenden Button alle störenden Elemente inklusive Werbung aus, der Nutzer sieht nur den Aufmacher, die Überschrift sowie den Fließtext. Das Ganze wirkt dabei wie ein Artikel aus der Zeitung. Ein weiteres Funktions-Upgrade zieht sehr großen Nutzen aus dem Stylus, der vielen Surface-Tablets beiliegt. Der Button "Webseitennotiz erstellen" blendet eine Leiste ein, auf der ihr diverse Mal- und Schreibwerkzeuge vorfindet. Mit diesen dürft ihr mittels Stylus oder Maus Notizen auf die Webseite malen, ganz so als handle es sich um ein Stück Papier. In der Werkzeugleiste ganz rechts befinden sich die Einstellungen von Edge. Diese sind im Vergleich zum Internet Explorer extrem verschlankt worden und passen in eine einzige, wenige Zentimeter breite Spalte.
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Auch an der Geschwindigkeit hat Microsoft ersten Tests zufolge deutlich geschraubt. Während der Internet Explorer 11 in den Benchmarks Octane und JetStream recht weit abgeschlagen hinter Chrome und Firefox liegt, schafft es Edge, sich vor oder zumindest auf das gleiche Niveau der Konkurrenten aus dem Hause Google oder Mozilla zu stellen. Aus unserer Sicht etwas unglücklich gewählt ist das neue Logo: Dieses nutzt die Initiale des Namens "Edge" in blauer Farbe. Damit erinnert das Erkennungszeichen frappierend an das des Internet Explorers. Wir vermuten, dass das neue Logo bei nicht eingeweihten Personen sehr oft zu Verwechslungen führen wird.
Windows 10: Weitere interessante Neuerungen
Neben den bis jetzt vorgestellten und sehr konkreten Änderungen plant Microsoft auch einige Anpassungen und Neuerungen, die noch nicht als finale Fassung vorliegen und bei denen noch nicht feststeht, ob sie je den Weg in das fertige Windows finden. Hier ist der Paketmanager Oneget zu nennen, an dem Garret Serack, ein Entwickler von Microsoft, zurzeit arbeitet und von dem eine Vorabversion in Windows 10 integriert ist. Durch diesen lassen sich zukünftig vielleicht Programme wie auf einem unixoiden Betriebssystem durch eingängige Kommandozeilenbefehle installieren. Aber auch eine zentrale grafische Software- und Update-Verwaltung wie etwa Synaptic unter Ubuntu wäre möglich. Zurzeit lässt sich der Windows'sche Paketmanager aber ausschließlich über die Kommandozeile bedienen.
So lässt sich etwa mit dem Befehl install-package-name vlc der VLC-Player installieren. Als Repository – also der Server, der die Softwarepakete bereithält – dient zurzeit das Archiv von Chocolately. Dieses wird nicht von Microsoft selbst betrieben, sondern vom Entwickler Rob Reynolds, der bereits einen eigenen Windows-Paketmanager namens Nuget anbietet. Er und Microsoft wollen zukünftig miteinander kooperieren. Auch wenn Oneget ein guter Anfang ist, steht für die Zukunft noch viel Arbeit bevor. Denn im Gegensatz zu unixoiden Betriebssystemen erfolgt die Installation von Software immer noch meist manuell über eigene grafische Programme, die nicht ohne Weiteres in einem Silent-Modus und über eine Script-Steuerung ablaufen können.
Aktuellen Installern fehlt zudem auch jede Möglichkeit, den Windows-Paketmanager automatisch zur Installation der für das Funktionieren der Software notwendigen Bibliotheken anzuweisen. Das muss zurzeit extern und unelegant über eine separate XML-Datei im Paket gelöst werden. Windows 10 hat außerdem auch etwas für Freunde der Kommandozeile etwas zu bieten: Erstmals in der Windows-Geschichte funktionieren die gängigen Tastaturkürzel STRG-C und STRG-V auch in der Eingabeaufforderung, was den Umgang mit diesem archaischen Werkzeug extrem vereinfacht.
Windows 10: Des einen Leid ist des anderen Freud
Als weitere erwähnenswerte Neuerung hat Microsoft angekündigt, das Update-Verfahren von Windows zu überarbeiten. Denn vor allem im letzten Jahr rutschten bei Microsoft sehr viele Updates durch den Prozess, die in der freien Wildbahn für große Probleme sorgten. Diese Sorgen möchte Microsoft künftig mit einer zweistufigen Update-Einstellung abschwächen. Der Nutzer kann in Zukunft wählen, ob er die Updates sofort installieren möchte, allerdings mit dem Risiko, auf ein unerwartetes Problem zu stoßen, oder ob er den Software-Flicken erst später aufspielen will, nachdem er bereits von zahlreichen anderen Nutzern ausgetestet worden ist.
Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile. Während der Ungeduldige eventuelle Lücken im Betriebssystem schnell stopfen kann, muss der vorsichtige Nutzer mit dem Risiko leben, dass sein Rechner in der Wartezeit über das eigentlich schon gestopfte Sicherheitsleck hin gekapert werden könnte. Umgekehrt geht derjenige, der die Patches schnell installiert, das Risiko ein, dass die Updates sein System zum Absturz bringen.
Direct X 12: die neue Grafikschnittstelle
Quelle: Microsoft
Die Vorteile von DirectX 12 liegen in der höheren Performance. Inspirieren ließ sich Microsoft von AMDs Mantle-API, die einen Low-Level-Zugang bietet.
In der Zwischenzeit hat Microsoft auch die Arbeiten an der für Spieler wohl wichtigsten Grafikschnittstelle (API) Direct X 12 abgeschlossen. Das Feature-Set steht also fest und muss nun nur noch von den Entwicklern umgesetzt werden. Microsoft holte sich die Inspiration vor allem bei AMDs Mantle-API, die einen Low-Level-Zugang zu den Chip-Funktionen für Entwickler bietet. Damit lässt sich der Hardware mehr Leistung entlocken, allerdings könnte sich das in Zukunft insofern äußern, dass die Spieleentwickler genauer auf die Eigenheiten der verbauten Hardware eingehen müssen. Direct X 12 setzt bei der Anzahl der Draw Calls (Anweisung der CPU an die GPU, etwas zu zeichnen) an, die pro Zeit an den Grafikchip übertragen werden können.
Microsoft forciert einen schnellen Umstieg für die Software. Die Vorteile werden insbesondere in der höheren Performance liegen. So erklärte das chinesische Entwicklerstudio Snail Games, dass es durch eine nur sechswöchige Optimierung eines seiner Spiele (King of Wushu) die Bildrate um zehn Prozent steigern konnte, dabei laut eigener Aussage aber noch nicht sämtliche Funktionen der API einsetzt. Zudem wird es künftig möglich sein, die in vielen Gaming-Systemen zurzeit brachliegende GPU im Prozessor zusätzlich zum dedizierten Grafikchip für die Beschleunigung eines Spiels zu nutzen. Microsoft demonstrierte diese Fähigkeit auf der Build-Messe in einem Video, wo die Funktion eine UE-4-Demo von etwa 36 auf 40 Fps beschleunigt. Die Entscheidung zur Nutzung dieser Funktion liegt beim Spieleentwickler. Die auf der E3 von Nvidia und Co. gezeigten Demos für Direct X 12 standen uns leider nicht für eigene Messungen zur Verfügung.
Windows 10: Kompatibilität und Performance
Quelle: PC Games
Wir haben getestet, welche Spiele unter Windows 10 problemlos laufen - und welche nicht.
Die letzten großen technischen Änderungen in der Windows-Familie fanden mit Windows Vista statt. Seitdem gab es unter der Haube im Großen und Ganzen eine vergleichsweise vorsichtige Weiterentwicklung. Aber dennoch kommt es immer wieder vor, dass auf einer neuen Windows-Version oft genutzte Programme oder Spiele nicht mehr oder nur mit merklich niedrigerer Geschwindigkeit laufen. In dieser Hinsicht können wir fast vollständig Entwarnung geben: Grundsätzliche Kompatibilitätsprobleme begegneten uns in unserem Test mit 30 Spielen nicht. Nur Call of Duty: Advanced Warfare zeigte sich auf unserer Benchplattform störrisch und verweigerte sich dem Performance-Vergleich mit Windows 7 und 8 mit einem Absturz beim Laden des Levels. Auf einem anderen System funktionierte der Shooter dagegen einwandfrei.
Weitere kleine Probleme konnten wir bei Assassin's Creed: Unity entdecken. Der Action-Titel zeigte auf unserem Benchsystem mit AMD-GPU ein leichtes Texturflackern. Das ist nicht zwingend Windows 10 anzulasten, sondern könnte auch auf ein Treiberproblem hindeuten. Zudem lief auch dieses Spiel auf einem zweiten System ohne Probleme. Generell decken sich unsere Erfahrungen mit denen aus den offiziellen Microsoft-Foren, wo Nutzer ebenfalls eine Liste zur Kompatibilität von Spielen und Software unter Windows 10 pflegen (Link: pcgh.de/komp). Dort waren zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels 332 Spiele gelistet, wovon nur 19 meist relativ unbekannte Spiele und Programme Probleme auf Microsofts neuem Betriebssystem aufweisen.
Insgesamt können wir hier also ein sehr positives Fazit ziehen. Gleiches gilt für die Spielegeschwindigkeit unter dem neuesten Sprössling der Microsoft'schen Betriebssystemfamilie. Meist sind sowohl Windows 7, 8.1 und 10 ähnlich schnell, wobei es bei CPU-lastigen Spielen eine Tendenz hin zu Windows 7 als schnellstes OS gibt. Des Weiteren fällt auf, dass im Vergleich über die Betriebssysteme hinweg die Nvidia-Karte eine stabilere Leistung als das AMD-Pendant liefert. Das könnte aber am Treiber liegen: Der Geforce 353.03 unterstützt Windows 10 bereits offiziell, während das beim Catalyst 15.20 Beta noch nicht der Fall ist.
