Watch Dogs im Test: Soundtrack, Sprache, Kopierschutz + Fazit

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Nachts dagegen sorgen Regen und Lichteffekte für reihenweise offene Münder. (PC)
Quelle: PC Games

Was bleibt nach dem Hype? Im ausführlichen Test von Ubisofts Open-World-Hoffnung beantworten wir alle Fragen zu Story, Umfang, Grafik und Missionen. Zwei Redakteure haben sich zusammen weit über 80 Stunden lang durch die PC- und PS4-Versionen des Action-Adventures gekämpft und verraten euch, warum Watch Dogs zwar nicht das erhoffte Superspiel, aber dennoch einer der unterhaltsamsten Titel des jungen Spielejahres 2014 ist.

Beim optionalen Trinkspiel geht es darum, trotz erschwerter Steuerung die angezeigten Tasten zu treffen. (PS4) Quelle: PC Games Beim optionalen Trinkspiel geht es darum, trotz erschwerter Steuerung die angezeigten Tasten zu treffen. (PS4) Echte Radiostationen gibt es in Watch Dogs nicht. Wer sich auf unheimlich witzige und hintersinnige Beiträge aus dem Autoradio gefreut hat, wie sie in der GTA-Serie an der Tagesordnung sind, wird also enttäuscht. Dafür enthält das Spiel eine sehr umfangreiche Songliste, die beim Einsteigen in ein Fahrzeug nach dem Zufallsprinzip abgespielt wird; wir dürfen Neuzugänge durch das Hacken von Musikanlagen in Geschäften freischalten und ungeliebte Songs überspringen. Zu Letzterem hatten wir im Test aber kein einziges Mal Veranlassung, denn der Soundtrack ist durchweg klasse und deckt eine Menge unterschiedlicher Musik-Genres ab. Besonders das perfekt zur städischen Kulisse passende Stück "Cold Night in Chicago" hat uns gefallen, ist es doch wie gemacht für das entspannte Cruisen zu nachtschlafener Zeit, während der Regen sanft aufs Autodach prasselt. Zu Fuß und in den Missionen setzt Watch Dogs auf instrumentale Musikbegleitung, die sich vor den gesungenen Parts nicht zu verstecken braucht und das leicht futuristische Hacker-Setting sehr schön unterstreicht, ohne sich in uninspirierten Dubstep-Dauerschleifen oder dem die Filmlandschaft versuchenden Inception-Dröhnen zu verlieren.

Für fahrbahre Untersätze existiert neben der Außenansicht auch eine Cockpit- und Stoßstangen-Perspektive. (PS4) Quelle: PC Games Für fahrbahre Untersätze existiert neben der Außenansicht auch eine Cockpit- und Stoßstangen-Perspektive. (PS4) Liebevolles Detail: Diese beiden Turteltauben schmusen und beschweren sich sogar, wenn Aiden sie zu lange anstarrt. (PS4) Quelle: PC Games Liebevolles Detail: Diese beiden Turteltauben schmusen und beschweren sich sogar, wenn Aiden sie zu lange anstarrt. (PS4) Zur tollen Musik gesellt sich die starke Soundkulisse, besonders in der Innenstadt. Während die Waffengeräusche eher schwach und beliebig wirken, sind die Umgebungs-Sounds eine Klasse für sich und bringen das virtuelle Chicago zusammen mit der detaillierten Grafik und dem glaubwürdigen NPC-Verhalten erst so richtig zum Leben. Ein Sonderlob hat sich Ubisoft mal wieder für die deutsche Vertonung verdient, auch wenn die Stimme von Protagonist Aiden sehr dünn und emotionslos daher kommt. Allerdings hat das englische Original das gleiche Problem; der Charakter an sich ist einfach kein Charmebolzen. Wer des Englischen mächtig ist, dürfte dennoch lieber zur Originalfassung greifen, denn die Sprachausgabe ist hier durch die Bank exzellent. Gerade Aidens Verbündete im Hacker-Milieu sind hervorragend getroffen. Brillant: Ihr dürft gesprochene Sprache und Textbotschaften sowie Untertitel beliebig mischen, also etwa mit englischem Ton und deutschen Texten spielen.

Das Hacker-Game: Watch Dogs 2

Uplay-Pflicht am PC

Zuletzt noch eine unerfreulich Nachricht für PC-Spieler mit Argwohn gegenüber jeder Kopierschutz-Maßnahme: Zum Spielen von Watch Dogs benötigt ihr zwingend einen Uplay-Account. Selbst wenn ihr das Spiel über Steam gekauft habt! Die inzwischen übliche Online-Kontenbindung verhindert zumindest theoretisch den Weiterverkauf. Immerhin lässt sich Uplay genauso wie Steam im Offline-Modus betreiben - Watch Dogs funktioniert auch ohne aktive Internetverbindung tadellos, nur die Mehrspieler-Invasionen klappen auf diese Weise logischerweise nicht. Egal ob offline oder online: Das Spiel speichert den Fortschritt automatisch und benutzt dabei lediglich einen einzigen Speicher-Slot - wer ein neues Spiel anfängt, überschreibt seinen vorherigen Kampagnenfortschritt. Absolvierte Missionen lassen sich nachträglich nicht mehr wiederholen.

Watch Dogs: Finale PC-Version vs. E3 2012-Trailer

Hype kontra Realität

Motorräder sind deutlich robuster als in der Realität und drängen auch mal einen Pkw ab. (PS4) Quelle: PC Games Motorräder sind deutlich robuster als in der Realität und drängen auch mal einen Pkw ab. (PS4) An der Technik und Spielmechanik von Watch Dogs gibt es absolut nichts auszusetzen und trotzdem kann es dem eigenen Hype nicht standhalten. Es ist geradzu unverständlich, wie wenig das Spiel sein realistisches Setting in erzählerischer Hinsicht nutzt. Wir leben in einer nahezu komplett vernetzten Welt, in der Datendiebstahl immer wieder ein großes Thema ist und Watch Dogs schafft es trotzdem nicht, die Brücke zum Spieler zu schlagen. Die Entwickler haben es nicht geschafft, eine Spielwelt, die Spaß machen soll, mit einer zum Nachdenken anregenden, auf persönlicher Ebene bewegenden Story zu verbinden, obwohl das bei diesem Setting so einfach gewesen wäre. Zu oft verliert sich Watch Dogs in Andeutungen, traut sich aber nicht, das Thema richtig aufzugreifen. Wenn Watch Dogs von einer Sache genug hat, dann ist es ungenutztes Potenzial. Hoffentlich kann Ubisoft das beim fest eingeplanten Nachfolger besser nutzen - dann wird Watch Dogs 2 nicht "nur" ein äußerst unterhaltsames Open-World-Actionspiel. Sondern der große Kracher, der Meilenstein, der GTA-Bezwinger, der schon der Erstling gerne sein würde.

Meinungen

Wertung zu Watch Dogs (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Watch Dogs (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Unverbrauchtes Hacker-SettingHervorragend designte, authentische SpielweltWundervolle Atmosphäre mit viel Großstadt-FlairExzellentes, dynamisches, unkompliziertes DeckungssystemSpannende Schusswechsel mit ZeitlupeHacking erlaubt viele spielerische FreiheitenUnzählige Nebenaufgaben, viel AbwechslungFordernde Kamerapuzzles, vor allem bei ctOS-TürmenEinige liebenswerte Charaktere (Jordi, T-Bone)Grundsätzlich spannende Thriller-HandlungFunktionales SchleichsystemSchräge digitale Trips mit erstaunlich hoher LangzeitmotivationInteressante, weil ungewöhnliche Eskortmissionen per KameraAnhängliche KI-Polizisten, intelligente GegnerGroßartige englische, sehr gute deutche VertonungStarker Soundtrack mit großer Bandbreite an unterschiedlichen MusikrichtungenDichte SoundkulisseStarke Grafik mit vielen Details, besonders nachtsSehr flüssiger Bildaufbau (PS4)Großer Umfang inklusive Mehrspielermodi (ca. 60 Stunden für 100%)Nahezu keine Open-World-Krankheiten wie Clipping-FehlerMit dem Gamepad perfekt zu steuernSensationell hoher Detailgrad in Sachen NPC-VerhaltenMotivierende ZufallsverbrechenLustige Virtual-Reality-SpieleFordernder, aber fairer Schwierigkeitsgrad (vier Optionen zur Wahl)Freie Tastenbelegung
Ausgeprägte erzählerische Mängel (Roter Faden, Figurendesign, der Held)Missionsabläufe wiederholen sich oftGewöhnungsbedürftiges FahrverhaltenProfiling ist nur ein GimmickUnspektakuläre Story-Auflösung mit unnötigem TwistMaus-Tastatur-Steuerung ist nicht optimal (PC)Mehrspielermodus auf Invasionen beschränktAufgesetztes Hacking-Minispiel á la Pipe ManiaKein freies Speichern, nur ein Speicher-SlotEnorme Hardware-Anforderungen (PC)Rufsystem halbherzig umgesetztStreng lineare Kampagne ohne EntscheidungenAnsätze zur Gesellschaftskritik werden nicht genutzt
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  1. Seite 1 Watch Dogs im Test: Story, Spielwelt, Grafik
  2. Seite 2 Watch Dogs im Test: Hacken, Schleichen, Knobeln
  3. Seite 3 Watch Dogs im Test: Nebenaufgaben
  4. Seite 4 Watch Dogs im Test: Soundtrack, Sprache, Kopierschutz + Fazit
    • Kommentare (173)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Evermore1982 Anwärter/in
        ich spiel es grade aufm PC und bin da geteilter Meinung. Es bringt zwar Spaß aber es ist schon wie in fast jedem Open-World Titel auf dauer immer das Gleiche. Ich habe vorher Mordors Schatten gespielt und dort ist es ähnlich. Die Aufgabenmuster wiederholen sich doch recht fix.
        Wer lust hat, kann ja mal reinschaun.
        https://www.youtube.com/watch?v=oC2EsMXt6is
      • Von Evermore1982 Anwärter/in
        ich spiel es grade aufm PC und bin da geteilter Meinung. Es bringt zwar Spaß aber es ist schon wie in fast jedem Open-World Titel auf dauer immer das Gleiche. Ich habe vorher Mordors Schatten gespielt und dort ist es ähnlich. Die Aufgabenmuster wiederholen sich doch recht fix.
        Wer lust hat, kann ja mal reinschaun.
        https://www.youtube.com/watch?v=oC2EsMXt6is
      • Von Rising-Evil Mitglied
        Also wenn man das Spiel mal mit allen für PC bislang erschienen Open-World-Titeln vergleicht, so kann man eigentlich sagen, dass nur wenige Spiele (GTA IV, Assassins Creed, Mafia 2) eine so realistische Welt darstellen...
        Ich finde das wird hier viel zu wenig berücksichtigt, was für ein enormer Aufwand das ist..

        Klar, es gibt Dinge, die waren selbst in GTA 3 besser gelöst.. z.B. brennt ein Auto, kommt die Feuerwehr, oder wird jemand erschossen, kommt der Krankenwagen... solche Kleinigkeiten auf die Rockstar immer viel Wert gelegt hat, gibt's bei Watch_Dogs eben nicht, schade eigentlich..

        Dafür haben die Passanten soviel zu erzählen, das ist einfach nur krass...vor allem dass das Spiel in zig Sprachen (deutsch, englisch, französisch, spanisch usw.) übersetzt wird, ein Aufwand den sich R* erspart, indem sie ihre Spiel nur auf Englisch mit entsprechendem Untertitel rausbringen..

        Den einzigen richtig heftigen Kritikpunkt muss ich eigentlich mehr Ubisoft als dem Spiel selbst ankreiden : Das Marketing
        So dreist zu lügen, ohne rot zu werden, nicht schlecht
        Erstmal die E³-Grafik-Lüge, dann noch das Produkt mit Feautures bewerben, die erst 3 Monate nach Release mit 'nem Patch nachgeliefert werden (Freunde hacken !)

        Ob ich mir da überhaupt noch "The Division" antun soll,keine Ahnung , denn ; wer weiß bei Ubisoft schon wie das finale Spiel ausschaut ?
      • Von MichaelG Mitglied
        Zitat von Jalpar
        Allerdings sind die Anleihen von AC nicht zu übersehen. Die Aussichtspunkte sind hier ctOS-Türme, die man hacken. Man sammelt zwar keine Federn und Banner, dafür jedoch Audiologs und persönliche Daten.
        Diese repetiven Dinge könnte man auch einer Spieleserie wie GTA vorwerfen. Sind es in GTA III die Pakete waren es bei San Andreas Graffiti u.s.w. Diese Systeme findest Du bei eigentlich fast jedem Spiel mit entsprechender Spieldauer. Bei den einen Spielen sind es diese Dinge wie Funktürme/Aussichtsplattformen/Ctos-Antennen, bei anderen (insbesondere RPG) sich wiederholende 08/15 Nebenquests. Besorge mir x dann bekommst DU y. Schalte XY aus. Jage Tier XY, besorge die Waffe XY u.s.w. Und da regt sich auch kaum einer darüber auf.

        Und ich halte die Ctos Türme für sehr gelungen. Weil nicht identisch zu lösen. Die Funktürme in FC 3 waren vom Prinzip ihrer Wirkung her (Sichtfeld erweitern, Freischalten von interessanten Missionen und Objekten) durchaus ähnlich, auch das Klettern auf die Aussichtstürme in AC, aber trotzdem immer irgendwie anders. Und dann auch die Dinge wie die QR-Codes sind ziemlich knackig. Ebenso wie die Privatsphäre knacken und die Gangverstecke.

        Und das nächste ist: Man ist (bis auf die Ctos Türme und -zentralen) nicht gezwungen, diese zu machen. Alles optionales Beiwerk. Aber ich mache das gern. :D Daher bin ich nach ca. 20 h erst bei rund 18% Spieldauer. :D Dafür hab ich momentan 17 oder 18 Skillpunkte die ich noch nicht vergeben kann, weil ich Willkommen in der neuen Welt noch nicht gemacht habe (vermutlich irgend eine Hauptmission, davon hab ich erst 2 Stück gemacht). Ich verliere mich momentan in den Nebenmissionen. Mir fehlen nur noch 3 Ctos Türme und 1 Zentrale (die im Nordwesten) :D
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Zitat von Rabowke
        Hm ... und was hast du davon? Ich nehme mal an, wenn du einen Autofahrer aus seinem teuren Sportwagen ziehst, wird er trotzdem die Bullen rufen, oder? ;-)
        Das Opfer vielleicht schon (aber auch nicht immer) - nein, es geht jetzt eher um Fälle wie "Schusswaffengebrauch in der Öffentlichkeit". :-)

        Generell merkt man schon, dass Passanten seltener die Polizei rufen.
      • Von Rabowke Klugscheißer
        Hm ... und was hast du davon? Ich nehme mal an, wenn du einen Autofahrer aus seinem teuren Sportwagen ziehst, wird er trotzdem die Bullen rufen, oder? ;-)

        Ansonsten ist es ein nettes Gimmick, nehm ich an.
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