[SPOILER] The Walking Dead: Season 2 - Weil ich ein Mädchen bin! Wie Clementine die 2. Staffel zusammenhält
Vorsicht, Spoiler: Einen Monat nach der Veröffentlichung von Episode 5 lässt Redakteur Peter Bathge seine Eindrücke der zweiten Staffel des Telltale-Adventures The Walking Dead Revue passieren. Dabei analyisiert er die Rolle von Protagonistin Clementine, ihre Entwicklung zur Erwachsenen und warum Telltale die anderen Charaktere diesem Wandel berechtigterweise untergeordnet hat.
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Letzte Warnung: Dieser Artikel und die verwendeten Bilder enthalten Spoiler zum Ende von Episode 5 aus The Walking Dead: Season 2. Weiterlesen auf eigene Gefahr!
Das Geheimnis steckt im Namen: Telltale Games will Spiele entwickeln, die Geschichten erzählen. Dass die Entwickler für die Position als Märchenonkel der Videospielgemeinde prädestiniert sind, haben sie nach vielen "Ja, ganz nett"-Projekten 2012 endgültig bewiesen: Die erste Staffel von The Walking Dead gilt vielen Spiele-Fans als Meilenstein. Selten war ein Spiel so dramatisch, die emotionale Bindung zu den Figuren so stark, die Entscheidungen über Leben und Tod so knifflig.
Umso verwunderter war Telltales begeistertes Publikum dieses Jahr, dass die Fortsetzung namens Season 2 ausgerechnet in den Paradedisziplinen des Vorgängers ins Straucheln kam. Wie im Test en détail aufgeführt, wirken die Charaktere dieses Mal beliebig, die Story sprunghaft, das Spiel nicht ganz so mitreißend wie vor zwei Jahren. Das liegt sicher zu Teilen an der Tagesform der beteiligten Entwickler. Vermutlich hat es jedoch auch etwas mit der Art der Geschichte zu tun, die Telltale in Season 2 erzählen will: die seiner einzigartigen Protagonisten Clementine.
Ein junges Mädchen im Fokus
Quelle: PC Games
Clementine sieht sich mit der Erkenntnis konfrontiert, dass ihr alter Freund Kenny nicht mehr zu retten ist.
Ein Kernpunkt der Kritik an Season 2: Der Erzählung fehle der rote Faden. Ich sage: Clementine ist der rote Faden, der Fokuspunkt, das Zentrum des Sonnenesystems, um das sich alles dreht. Das kleine Mädchen mit der Kappe steckt mittendrin in einer Story übers Erwachsenwerden und alles, was sonst noch in Season 2 geschieht, muss sich diesem Ziel unterordnen. Kein Wunder, dass die anderen Überlebenden wie Staffage wirken: Telltale hat ihnen absichtlich wenig (im Rückblick vielleicht zu wenig) Raum eingeräumt, damit sie Clementine als Protagonistin nicht überstrahlen. Die Rechnung mag im Rückblick zwar nicht ganz aufgegangen sein, dennoch fasziniert mich dieser Ansatz.
Nehmen wir als Beispiel etwa Sarah, die Tochter von Carlos, dem Arzt der Gruppe. Carlos hat sie von den wahren Ausmaßen der Zombie-Apokalypse so gut wie möglich abgeschirmt. In den ersten zwei Episoden der Staffel wirkt sie daher zumeist unbeschwert und verspielt. Sie schließt schnell Freundschaft mit Clementine, während der Rest der Gruppe Clem anfangs in Folge ihres vermeintlichen Zombiebisses (in Wirklichkeit ein Hundebiss) sehr feindselig gegenüber steht. In den Dialogen mit Sarah kann der Spieler Clementine in einer eher altersgerechten Art handeln lassen als sie das sonst tut. Clementine genießt in Sarahs Gesellschaft ihre Kindheit, aber sie wird auch daran erinnert, wie weit sie sich bereits von dieser kindlichen Naivität entfernt hat.
Die Zombies sind der Katalysator für Clementines Entwicklung.
Später, wenn Sarah nach Carlos' Tod in Verzweiflung versinkt und sich im Trailerpark weigert, Clementine, Jane und Luke zu folgen und stattdessen den sicheren Tod wählt, kann der Spieler sie davon überzeugen, sich doch in Sicherheit zu bringen. Das kann man so interpretieren, dass Clementine sich verzweifelt an den Teil ihres kindlichen Selbst klammert, der durch Sarah repräsentiert wird. Sie will noch nicht loslassen, will zu einem kleinen Teil immer noch Kind sein, trotz der bitteren Realität, dass sie erwachsen werden muss, um zu überleben.
Quelle: PC Games
Sarah ist die Verkörperung von Clementines Zögern, ihre kindliche Seite aufzugeben. Ihr brutales Ableben soll aufzeigen, dass dieser Part von Clems Persönlichkeit auf ewig verloren ist.
Als Sarah kurz darauf dennoch von den Zombies zerfleischt wird, stellt das nicht nur den Tod eines (letztlich eher nervigen) Nebencharakters dar; es ist eine Metapher für das Absterben des kindlichen Teils von Clementines Persönlichkeit. Egal wie sehr sie sich auch dagegen wehren mag, letztlich muss sie sich damit abfinden, dass sie nicht mehr das kleine Mädchen ist, das wir alle in Season 1 zu lieben gelernt haben. Die Zombies, die Sarah verzehren, sind nur der Katalysator für diese unvermeidliche Entwicklung.
Verkorkste Vorbilder
Quelle: PC Games
Jane und Kenny sind beide denkbar ungeeignet für die Rolle als Clementines Ersatz-Eltern.
Wie sich Clementine an ihre bisherige Existenz als zu beschützendes Küken der Gruppe klammert, ist ein wiederkehrendes Motiv der zweiten Staffel. Dazu gehört auch ihre Suche nach einem Ersatz für ihre Eltern und Lee, der am Ende von Season 1 so tragisch aus dem Leben schied. Telltale hat Jane und Season 1-Rückkehrer Kenny dazu auserkoren, als Clementines Bezugspersonen zu fungieren. Jane schwankt dabei zwischen der Rolle als Mutter und großer Schwester: Hinter ihrer rauen Schale verbirgt sich ein weicher Kern; ihre Rückkehr am Anfang von Episode 5 legt darüber Zeugnis ab. Jane hat Vorbildcharakter für Clementine, sie ist selbstständig und tough, bringt ihr neue Überlebenstechniken bei und unterstützt sie in ihrem Weg zu einer eigenständigen Persönlichkeit.
Kenny ist eine bekannte Größe, das Wiedersehen mit ihm markiert bei Spielern und Clementine zugleich einen Moment des Durchatmens: "Jetzt wird alles gut!" Ein Irrtum, natürlich. Kenny entpuppt sich als emotional äußerst instabil, die Vater-Tochter-Beziehung zwischen den beiden wandelt sich spätestens in Episode 4 ins Umgekehrte. Denn plötzlich ist es der irrationale und schwer verletzte Kenny, der auf Clementine angewiesen ist und nur ihr vertraut. Clementine muss für ihn sorgen, was besonders in einer Szene in Episoe 4 deutlich wird, als der Spieler durch behutsame Mausbewegungen Kennys verletztes Auge neu verbindet.
Quelle: PC Games
Lees Gastauftritt gehört zu den emotionalen Höhepunkten der letzten Episode. Clementine muss sich endgültig mit seinem Tod abfinden.
Das Ende von Episode 5 mit der Konfrontation zwischen Jane und Kenny ist dann der endgültige Beweis dafür, dass Clementine sich nicht mehr auf die Erwachsenen verlassen kann. Kenny zeigt sich in höchstem Maße irrational und paranoid. Auch Jane legt Zeichen einer Psychose an den Tag, wenn sie Rebeccas Baby allein und ungeschützt in der Kälte zurücklässt, nur um Clementine zu beweisen, wie verrückt Kenny ist. Die Wahl, welchen der beiden Charaktere Clementine rettet, ist dann nur noch zweitrangig. Längst ist zu diesem Zeitpunkt in Clementine und dem Spieler die Erkenntnis gereift, dass keiner der beiden Erwachsenen absolut vertrauenswürdig ist.
Lees Einfluss ist in Clementines Handeln spürbar.
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Unterstrichen wird das von der bittersüßen Szene kurz zuvor, einem Flashback zu einem Gespräch zwischen einer jüngeren Clementine und ihrem Beschützer Lee aus Season 1. Dabei wird deutlich, dass Lee die Ausnahme war: Ein Mensch mit klaren Moralvorstellungen und einem eisernen Willen, der eine Gruppe anführen und ihr mit gutem Beispiel vorangehen konnte. Jemand, der in der Lage war, sich gegen eigensinnige Personen wie Kenny durchzusetzen. Der bereit war, schwierige Entscheidungen zu fällen und mit den Konsequenzen zu leben, aber sich (je nach Spielerverhalten) weigerte, seine Grundsätze zu verraten, auch wenn das bequemer gewesen wäre als die Alternative. So habe ich Lee zumndest damals gespielt und in diesem Geist habe ich auch versucht, Clementines Entscheidungen in Season 2 zu wählen.

Das Close-Up auf die Waffe des Mannes hat mich zwar auch etwas skeptisch gemacht, muss aber noch nichts heißen. Schließlich rennt zu dem Zeitpunkt jeder mit einer Waffe rum und Jane und Clem sind erfahren genug, um den Neuen nicht gleich blindes Vertrauen zu schenken.
Du sagst die Kombination der Leute passt nicht zusammen, vor allem wegen der Farbe des Kindes und den roten Haaren des Mannes. Nur wie leitest du dir das in einer Zombieapokalypse her? Selbst Clem hat im Laufe der 2 Staffeln viele Menschen kennengelernt und viele neue Gruppen wurden geschlossen. Ich empfand gerade diese eher normale Konstellation von Mann, Frau und Kind als kleinere Bedrohung und guten Grundstock zum bilden einer neuen Gruppe.
Den Ansatz mit dem Zeitsprung für die 3 Staffel finde ich super und eine Clem als NPC mit einem Gewissen, welches durch unsere Entscheidungen geprägt ist fände ich komplett genial.
Die Wandlung von Kenny konnte man schon in Season 1 erahnen. Aber er hat eben 2 Gesichter.
Die Bindung zu vielen Charakteren hat mir auch gefehlt. Zu Jane, zu der anderen kleinen (deren Namen ich nicht mal mehr weiß), zu Mike... zu Luke... da fehlt die emotionale Bindung. Die Charaktere wurden toll eingeführt aber haben für mich persönlich immer so gewirkt als seien sie nur Mittel zum Zweck. Nur mit Kenny (der ja aus Staffel 1 bekannt war) konnte ich etwas anfangen und mitfühlen...
Vielen Herzlichen Dank für den Beitrag :)
auch wenn ich manches Zustimme, war für mich Season 2 einer der Schwächsten Teile, ich fand einfach das Clementine zu abgebrüht wirkte, dass machte sie unglaubwürdig ebenso hatte ich keinerlei Charakter Bindung zu Jane und Kenny seine Wandlung war ja echt erschreckend, der Erste Teil hat mich jeden Charakter dazu gebracht zu lieben, in der Fortsetzung waren mir die Schicksale irgendwie egal!
So sehr ich Kenny mochte, er war am Ende einfach nicht mehr er selbst.
Jane habe ich verziehen, weil sie für Clem wie eine große Schwester ist, von der sie noch einiges lernen kann.
Außerdem wollte ich Clem nicht völlig ohne Erwachsenen da stehen lassen, das hätte meiner Meinung nach auch die Chancen des Babys verringert.
Bei den Neuen hab ich wirklich hart überlegt, aber sie waren mir dann irgendwie doch nicht ganz geheuer.
Ich glaube der Schwenk am Ende auf die Knarre in der Hose des Mannes, sollte das auch verdeutlichen.
Vielen Herzlichen Dank für den Beitrag :)
auch wenn ich manches Zustimme, war für mich Season 2 einer der Schwächsten Teile, ich fand einfach das Clementine zu abgebrüht wirkte, dass machte sie unglaubwürdig ebenso hatte ich keinerlei Charakter Bindung zu Jane und Kenny seine Wandlung war ja echt erschreckend, der Erste Teil hat mich jeden Charakter dazu gebracht zu lieben, in der Fortsetzung waren mir die Schicksale irgendwie egal!