Clementines Entwicklung in The Walking Dead: Season 2 - Erwachsen werden und das Ende
Vorsicht, Spoiler: Einen Monat nach der Veröffentlichung von Episode 5 lässt Redakteur Peter Bathge seine Eindrücke der zweiten Staffel des Telltale-Adventures The Walking Dead Revue passieren. Dabei analyisiert er die Rolle von Protagonistin Clementine, ihre Entwicklung zur Erwachsenen und warum Telltale die anderen Charaktere diesem Wandel berechtigterweise untergeordnet hat.
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Möglicherweise wirken die Erwachsenen in Season 2 deshalb so unnahbar und unsympathisch auf mich, weil ich sie aus Clementines Perspektive sehe? Telltale scheint seine junge Protagonistin absichtlich isolieren zu wollen: Wohin sie sich auch wendet, wird ihr Vertrauen enttäuscht und das allzu menschliche Versagen der Erwachsenen (etwas, das im Falle von Lee undenkbar schien) wird offensichtlich. Luke, der sich Clementine gegenüber von seiner sympathischen Seite zeigt, stolpert von einem Fehler zum nächsten: Zu Anfang spielt er sich noch als inoffizieller Anführer der Gruppe und erfahrener Zombie-Kämpfer auf, nur um kurz darauf durch seine eigene Schuld von Carvers Wachen geschnappt zu werden. Er handelt mehrmals unüberlegt, hat etwa Sex mit Jane, während der Rest der Gruppe ums Überleben kämpft und Rebecca in den Wehen liegt.
In dieselbe Kerbe schlägt der Verrat von Bonnie und Mike, die in Episode 5 zusammen mit dem russischen Jungen Arvo vor Kennys Wahnsinn fließen. Ihr Plan beinhaltet, Clementine zusammen mit Jane, Kenny und dem Baby zurückzulassen. Ich gebe zu: Diese Wendung wirkte auf mich im ersten Augenblick höchst unlogisch. Warum sollten zwei Personen, die bis dato eine positive Einstellung zu Clementine hatten, plötzlich zwei Kinder ohne Vorräte in den Händen eines Irren zurücklassen? Doch im großen Zusammenhang gesehen verstehe ich Telltales Entscheidung, Clementine durch diese Spaltung der Gruppe weiter zu isolieren und den Konflikt zwischen ihren Ersatz-Eltern Kenny und Jane auf die Spitze zu treiben.
Quelle: PC Games
Geht Clementine am Ende mit Kenny oder Jane? Oder schlägt sie sich alleine durch? Der Spieler entscheidet.
Das alles trägt dazu bei, Clementines Vertrauen in die Erwachsenen weiter zu erschüttern, dieses kindliche Grundvertrauen, dass die Großen schon wissen werden, was zu tun ist, egal wie aussichtslos die Situation auch wirken mag. Nicht vergessen: Bereits zu Beginn der Staffel musste Clementine den Verlust von Omid und Christa hinnehmen, Clementines von Lee ausgewählte Adoptiveltern. Insbesondere Christas Kälte gegenüber Clementine nach Omids Tod ist hier ein Schlüsselereignis und das erste Anzeichen vom Motiv der zweiten Staffel: Clementines Abnabeln von Vertrauenspersonen und ihre von äußeren Zwängen bestimmte, verfrühte Entwicklung zu einer selbstverantwortlichen Person.
Erwachsen werden auf die harte Tour
So muss sie ihre in Episode 1 davongetragene Wunde durch den Biss eines Hundes selbst nähen. Außerdem übernimmt sie Verantwortung für eine andere Person, so wie einst Lee Clementine unter seine Fittiche genommen hat: Ihre Bindung zu Rebeccas Baby dürfte in Zukunft noch einmal von Telltale aufgegriffen werden.
Als Kind ist Clementine oftmals machtlos gegenüber den Entscheidungen der Erwachsenen.
Im Laufe der Geschichte erweist sich Clementine mehr als einmal als fähige Kämpferin und clevere Strategin. Unter anderem ist sie ein wichtiger Bestandteil des Plans, aus Carvers Lager auszubrechen (Episode 3). Dennoch sehen die Erwachsenen sie beizeiten immer noch als Kind. Ihre fehlende Macht wird in den oft hitzigen Diskussionen zwischen Kenny und dem Rest der Gruppe deutlich. Telltale macht dies sehr geschickt: Zwar hat der Spieler hier immer mehrere Auswahlmöglichkeiten in den Multiple-Choice-Dialogen. Doch meistens reagieren die Erwachsenen kaum auf das von Clementine gesagte, sie zanken sich über ihren Kopf hinweg.
Quelle: PC Games
Drastisch, aber notwendig: Clementine beweist in Season 2, dass sie für sich selbst sorgen kann und auf niemanden angewiesen ist.
Clementines Handeln steht in starkem Kontrast zu dieser Behandlung. Sie verhält sich eben nicht wie ein naives Kind, sondern stellt mehr als einmal ihren scharfen Verstand unter Beweis. Je nach Spielerwahl versucht sie dabei, an ihren von Lee vermittelten moralischen Grundsätzen festzuhalten oder nimmt mehr und mehr vermeintlich notwendige Übel in Kauf, um das Überleben der anderen Figuren und ihrer eigenen Person zu sichern. Carver, der Bösewicht der Staffel, stellt dabei das Gegengewicht zur weisen Vaterfigur Lee dar. Am Ende von Episode 3, kurz bevor Kenny Carver tötet, wird deutlich, dass sich Clementines Leben an einer Weggabelung befindet: Strebt sie danach, die Ideale von Lee hochzuhalten? Oder wählt sie den berechnenden, leidenschaftslosen Weg, den ihr Carver aufzeigt?
Was Clementine für mich in dieser Staffel als Charakter so attraktiv macht, ist ihre Dualität: Beide Extreme des menschlichen Handelns, das "Gute" wie das "Böse" stehen ihr offen. Ich entscheide, in welche Richtung das Pendel ausschlägt. Während Clems Verhalten gegenüber dem Baby darauf hindeutet, dass sie in Zukunft eine Art Mutterrolle einnehmen könnte, sprechen ihre Entschlossenheit im Kampf gegen Zombies und feindlich gesinnte Überlebende dafür, dass sie sich weiter in sich selbst zurückziehen und Fremden gegenüber misstrauischer reagieren könnte. Ihre Erfahrung mit Alto, der sie bei seiner Flucht in Episode 5 angeschossen hat, und der Verrat von Bonnie und Mike dürften Narben hinterlassen haben, die nur schwer verheilen werden. Auch wäre es nur zu verständlich, sollte sich in Clementine die Erkenntnis durchsetzen, dass gute Absichten und Mitleid anderen gegenüber nur Komplikationen bedeuten.
Die zwei Gesichter der Clementine
Das Ende
Quelle: PC Games
Die Nebencharaktere spielen nur insofern eine Rolle, als dass sie dabei helfen, Clementines Persönlichkeit zu definieren.
Fünf Endsequenzen hat Telltale für The Walking Dead: Season 2 zusammengeschustert. Alle enden mit dem Tod von Kenny oder Jane. Interessanter als die Entscheidung, welchen der beiden Clementine erschießt beziehungsweise sterben lässt, ist meiner Meinung aber ihr Verhalten danach. Verzeiht sie Jane für ihre Täuschung mit dem Baby? Gibt sie Kenny gegen besseres Wissen noch einmal eine Chance? Lässt sie zusammen mit Jane noch einmal Fremde in ihr Lager oder weist sie diese ab, basierend auf ihren vergangenen Erfahrungen? Sucht sie Schutz in der befestigten Flüchtlingsstadt Wellington und durchtrennt dafür ihre letzte Bindung zur ursprünglichen Gruppe der Überlebenden, indem sie Kenny zurücklässt? Oder kommt sie zu dem Schluss, dass Freundschaft in diese furchtbaren postapokalyptischen Welt zu kostbar ist, um sie aufzugeben, und kehrt an Kennys Seite zurück in die Wildnis?
Es fällt mir schwer, mich für einen Favoriten unter diesen Endsequenzen zu entscheiden, da jedes Ende für die Entwicklung von Clementines Charakter Sinn ergibt. Doch der wohl schlüssigste, konsequenteste, aber auch deprimierende Abschluss ist sicher Option Nummer fünf: Clementine wendet sich von Jane/Kenny ab und macht sich auf eigene Faust auf den Weg nach Süden, das Baby im Schlepptau.
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Dieses Ende stellt für mich die perfekte Verkörperung dessen dar, was Clementine im Verlauf von zwei Staffeln The Walking Dead geworden ist: Längst ist sie kein albernes kleines Waisenkind mehr, sondern eine fähige, entschlossene junge Frau, die gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen und deren Vertrauen in andere Menschen durch dramatische Ereignisse massiv erschüttert wurde. Was mich dabei zu Tränen rührt, ist die Tatsache, dass dieser Wandel für sie so schmerzhaft sein musste.

Das Close-Up auf die Waffe des Mannes hat mich zwar auch etwas skeptisch gemacht, muss aber noch nichts heißen. Schließlich rennt zu dem Zeitpunkt jeder mit einer Waffe rum und Jane und Clem sind erfahren genug, um den Neuen nicht gleich blindes Vertrauen zu schenken.
Du sagst die Kombination der Leute passt nicht zusammen, vor allem wegen der Farbe des Kindes und den roten Haaren des Mannes. Nur wie leitest du dir das in einer Zombieapokalypse her? Selbst Clem hat im Laufe der 2 Staffeln viele Menschen kennengelernt und viele neue Gruppen wurden geschlossen. Ich empfand gerade diese eher normale Konstellation von Mann, Frau und Kind als kleinere Bedrohung und guten Grundstock zum bilden einer neuen Gruppe.
Den Ansatz mit dem Zeitsprung für die 3 Staffel finde ich super und eine Clem als NPC mit einem Gewissen, welches durch unsere Entscheidungen geprägt ist fände ich komplett genial.
Die Wandlung von Kenny konnte man schon in Season 1 erahnen. Aber er hat eben 2 Gesichter.
Die Bindung zu vielen Charakteren hat mir auch gefehlt. Zu Jane, zu der anderen kleinen (deren Namen ich nicht mal mehr weiß), zu Mike... zu Luke... da fehlt die emotionale Bindung. Die Charaktere wurden toll eingeführt aber haben für mich persönlich immer so gewirkt als seien sie nur Mittel zum Zweck. Nur mit Kenny (der ja aus Staffel 1 bekannt war) konnte ich etwas anfangen und mitfühlen...
Vielen Herzlichen Dank für den Beitrag :)
auch wenn ich manches Zustimme, war für mich Season 2 einer der Schwächsten Teile, ich fand einfach das Clementine zu abgebrüht wirkte, dass machte sie unglaubwürdig ebenso hatte ich keinerlei Charakter Bindung zu Jane und Kenny seine Wandlung war ja echt erschreckend, der Erste Teil hat mich jeden Charakter dazu gebracht zu lieben, in der Fortsetzung waren mir die Schicksale irgendwie egal!
So sehr ich Kenny mochte, er war am Ende einfach nicht mehr er selbst.
Jane habe ich verziehen, weil sie für Clem wie eine große Schwester ist, von der sie noch einiges lernen kann.
Außerdem wollte ich Clem nicht völlig ohne Erwachsenen da stehen lassen, das hätte meiner Meinung nach auch die Chancen des Babys verringert.
Bei den Neuen hab ich wirklich hart überlegt, aber sie waren mir dann irgendwie doch nicht ganz geheuer.
Ich glaube der Schwenk am Ende auf die Knarre in der Hose des Mannes, sollte das auch verdeutlichen.
Vielen Herzlichen Dank für den Beitrag :)
auch wenn ich manches Zustimme, war für mich Season 2 einer der Schwächsten Teile, ich fand einfach das Clementine zu abgebrüht wirkte, dass machte sie unglaubwürdig ebenso hatte ich keinerlei Charakter Bindung zu Jane und Kenny seine Wandlung war ja echt erschreckend, der Erste Teil hat mich jeden Charakter dazu gebracht zu lieben, in der Fortsetzung waren mir die Schicksale irgendwie egal!