Gut oder böse? Wir brauchen bessere Moralsysteme in Videospielen

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Kolumne Christian Fussy - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Gut oder böse? Wir brauchen bessere Moralsysteme in Videospielen
Quelle: PC Games

Viele moralische Entscheidungen in Spielen lassen sich darauf herunterbrechen, ob wir gut oder böse sein wollen. Das ist zu wenig, findet Redakteur Chris.

Antihelden wie Tony Soprano, Don Draper, Saul Goodman oder die Boys und Ladies aus The Boys sind im TV ein absoluter Renner. Moralisch ambivalente Figuren passen perfekt in das Format, weil nicht von vorneherein klar ist, wo ihr Weg hinführt und welcher Impuls am Ende siegen wird. Wir können uns gut in das Dilemma hineinversetzenund spekulieren, welche Auflösung uns wohl erwartet, nur um dann auf clevere Weise überrascht oder bestätigt zu werden. Das ist spannend und hält das Publikum bei der Stange.

In Videospielen, deren Geschichten manchmal ähnlich viel Zeit einnehmen wie eine ganze Serie, spielen solche moralischen Herausforderungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Mit dem Unterschied, dass wir selbst beeinflussen können, in welche Richtung sich die Hauptfigur entscheidet. Insbesondere RPGs legen großen Wert auf Entscheidungsfreiheit, so spannend wie im TV wird's dabei allerdings nur in den wenigsten Titeln. Trotz hervorragend geschriebener Story und vielschichtigen NPCs setzen nämlich immer noch genügend Spiele auf unflexible Moralsysteme für unsere eigene Figur. Meist werden wir sogar dafür bestraft, wenn wir versuchen, von ausgetretenen Pfaden abzuweichen. Natürlich gibt es auch einige prominente Ausnahmen, die bestätigen aber bekanntlich die Regel.

Du hast die Wahl - drück immer das Gleiche!

Hat man bei sämtlichen Entscheidungen die Wahl einer "guten" oder eine "bösen" Herangehensweise, heißt das meistens, dass man sich früh im Spiel für eine Seite entscheidet und dann jedes Mal die entsprechende Option wählt. Zuletzt spielte ich unter anderem King Arthur: Knights Tale, KoTOR 2 und die Mass Effect-Reihe, die alle solche Systeme enthalten.

Wenn unsere Antworten oder Handlungen einer bestimmten Gesinnung entsprechen, füllt sich eine Leiste. Ist diese voll, erhalten wir etwa Boni auf bestimmte Fähigkeiten oder neue Lösungswege für Quests. In Mass Effect sind diese sogar farblich hervorgehoben, sodass wir nicht aus Versehen Punkte liegen lassen.

Wer sich nicht auf eine Seite festlegen möchte, hat in solchen RPGs definitiv einen Nachteil. Aber auch diejenigen, die kein Problem damit haben, einen durchtrieben-fiesen oder herzensguten Charakter zu spielen, werden von dem System noch zu stark gegängelt. Es gibt ja nicht nur eine allumfassende Form des Guten oder Bösen, sondern Schattierungen. Ein eiskalter Geschäftsmann, der für seine Gier über Leichen geht, ist zweifelsohne böse, aber deswegen noch lange kein mordlüsterner Wahnsinniger.

In vielen RPGs, wie in KoTOR, werden wir durch das Punktesystem gezwungen, keine Grenzen zu kennen, unabhängig von persönlicher Motivation. Es reicht nicht, selbstsüchtig und opportunistisch zu handeln. Wer seine Bosheit auf Maximum halten will, um alle Boni abzustauben, muss zudem grausam und sadistisch agieren. Dadurch wirkt die Hauptfigur wie ein Roboter, der auf Gut oder Böse programmiert ist. Was ja irgendwie auch stimmt.
Star Wars: Knights of the Old Republic 2 Quelle: PC Games Star Wars: Knights of the Old Republic 2

Entscheidungen sollten natürlich Konsequenzen haben und Belohnungen für bestimmte Wege zu erhalten, ist ja in erster Linie gar nicht schlecht. Die eigene Gesinnung in harten Zahlen festzuhalten, degradiert Charaktereigenschaften jedoch zur Ressource. Ich treffe z.B. eine gute Entscheidung für besonderen Loot, will aber böse spielen, also töte ich danach unwichtige Figuren für Punkte. Das ist kein gutes System.

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    • Kommentare (18)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        Eine entsprechende Formulierung wäre in dem Fall hilfreicher gewesen. :P
        Nach Deinem Post ist es mir auch aufgefallen.?

        Zitat von MarcHammel
        Aber der ist dann halt nur ein A-Loch. Ein spielbares Böse gibt es meist überhaupt nicht.
        Wobei es auch bei den Guten idR keine Schattierung gibt.
        Letztendlich kann ein kalter Auftragskiller auch durchaus alte Leute über die Straße geleiten und selbst die Herzensgüte eines Guten kennt Grenzen.

        Was bleibt ist das starr vorgegebene Korsett der Entwickler (zumeist wie der Level eines Schlauchshooters) und eben die zärtlichen Ausnahmen vereinzelter Titel die zeigen das es nicht unmöglich ist.
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        Eine entsprechende Formulierung wäre in dem Fall hilfreicher gewesen. :P
        Nach Deinem Post ist es mir auch aufgefallen.?

        Zitat von MarcHammel
        Aber der ist dann halt nur ein A-Loch. Ein spielbares Böse gibt es meist überhaupt nicht.
        Wobei es auch bei den Guten idR keine Schattierung gibt.
        Letztendlich kann ein kalter Auftragskiller auch durchaus alte Leute über die Straße geleiten und selbst die Herzensgüte eines Guten kennt Grenzen.

        Was bleibt ist das starr vorgegebene Korsett der Entwickler (zumeist wie der Level eines Schlauchshooters) und eben die zärtlichen Ausnahmen vereinzelter Titel die zeigen das es nicht unmöglich ist.
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Zitat von LesterPG
        Ich meinte bei den Studios angekommen ...
        Besagte Ausnahmen sind Eben genau Diese und die Masse macht es sich einfach.?
        Eine entsprechende Formulierung wäre in dem Fall hilfreicher gewesen. :P
        Zitat von LesterPG
        ... und langweilt Erwachsene die wissen das die Regel nicht nur entweder schwarz oder weiß ist ...
        Darum kommt es zu solche Artikel.?
        Jetzt sind wir aber beim Problem, dass man in Videogames eben (fast) nie einen bösen Charakter spielt. Und selbst wenn, ist er meist so gestaltet, dass man irgendwie doch Sympathie für ihn hegt. Wenn man die Wahl hat, dann führen alle Wege dennoch zu einem mehr oder weniger guten Ende.

        Letztlich spielt man, wenn man "böse" spielt, einfach nur einen Charakter, der für sein Ziel alles tut. Nicht mehr, nicht weniger. Aber der ist dann halt nur ein A-Loch. Ein spielbares Böse gibt es meist überhaupt nicht.
      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von MarcHammel
        Eigentlich ist das in der Masse schon angekommen. Es geht ja nicht wirklich um "gut" und "böse", sondern einfach um völlig unterschiedliche Ansichten. Der Begriff "böse" fällt in der Regel erst, wenn es um Extreme geht (Mord, sexueller Missbrauch o.ä.).
        Ich meinte bei den Studios angekommen ...
        Besagte Ausnahmen sind Eben genau Diese und die Masse macht es sich einfach.?

        Zitat von MarcHammel
        Das Gut-Böse-Schema ist allerdings per se nichts schlechtes. Dieses Schema gibt vor allem Kindern Orientierung im Leben und zeigt ihnen eine moralische Basis auf, aus der sie ihre eigenen Moralvorstellungen entwickeln werden.
        ... und langweilt Erwachsene die wissen das die Regel nicht nur entweder schwarz oder weiß ist ...
        Darum kommt es zu solche Artikel.?
      • Von Sephiroth86 Mitglied
        der Screenshot ist doch von Black & White :D
      • Von Gast1730761802 Mitglied
        Zitat von LesterPG
        Wie schon erwähnt geht da deutlich mehr als nur gut/böse, nur das ist bei der breiten Masse einfach noch nicht angekommen ,weil einfach halt immer einfacher ist. ?
        Eigentlich ist das in der Masse schon angekommen. Es geht ja nicht wirklich um "gut" und "böse", sondern einfach um völlig unterschiedliche Ansichten. Der Begriff "böse" fällt in der Regel erst, wenn es um Extreme geht (Mord, sexueller Missbrauch o.ä.).

        Das Gut-Böse-Schema ist allerdings per se nichts schlechtes. Dieses Schema gibt vor allem Kindern Orientierung im Leben und zeigt ihnen eine moralische Basis auf, aus der sie ihre eigenen Moralvorstellungen entwickeln werden.

        Ich möchte mal behaupten, was Gut oder Böse ist, bzw. was gut oder schlecht ist, liegt weniger im Auge des einzelnen Betrachters, sondern vielmehr in der Kultur, Erziehung und der Zeit begründet. Aktuell erleben wir ja auch einen starken Wertewandel. Ein solcher Wertewandel ist auch immer von Konflikten geprägt, weswegen sowas auch mal die ein oder anderen seltsamen Blüten tragen kann.

        Zitat von hunterseyes
        Wie schnell die eigenen werte über den Haufen geworfen werden, sieht man, sobald man den gewohnten Lebensstil bzw das Niveau absenkt. Je tiefer man nach unten kommt, desto mehr wird geduldet, um zu überleben.
        Dafür muss man nicht mal nach unten kommen. Es reicht schon, wenn Leute sich in ihrem Wohlstand vermeintlich bedroht fühlen und jemand im Vorbeigehen versehentlich an ihrem Thron aneckt.
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