Stormgate: Verdammt gute Echtzeitstrategie, aber nichts für Einzelspieler

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Stormgate: Verdammt gute Echtzeitstrategie, aber nichts für Einzelspieler
Quelle: Frost Giant Studios

Stormgate belebt den Geist von Klassikern wie Starcraft und Warcraft neu. Besonders im Multiplayer überzeugt das Spiel und könnte zur neuen Genre-Referenz werden. Wer sich jedoch auf die Kampagne freut, wird wahrscheinlich enttäuscht.

Erinnert ihr euch noch, als Thrall die Horde nach Kalimdor führte? Oder als Kerrigan zur Queen of Blades wurde? Nostalgische Momente sind etwas Besonderes. Obwohl Stormgate ein neues Spiel ist, blitzen immer wieder Momente aus den glorreichen Zeiten der Blizzard-Strategiespiele auf. Dennoch scheitert die selbst ernannte Hoffnung der Echtzeitstrategie oft genau dort, wo Starcraft und Warcraft einst brillierten.

Stormgate spielt nicht in einem anderen Universum, sondern auf unserer Erde in der gar nicht allzu fernen Zukunft. Fast alle Staaten haben sich zusammengeschlossen, um außerirdische Artefakte zu erforschen, die das Fortbestehen der Menschheit sichern sollen. Im Jahr 2124 öffnet jedoch ein verrückt gewordener Wissenschaftler Portale in eine andere Welt. Und durch diese Portale strömen höllische Bestien, die dem sogenannten infernalen Schwarm angehören. Die Menschheit hat dieser dämonischen Invasion nichts entgegenzusetzen, weshalb die Zivilisation zusammenbricht und die verbliebenen Menschen um ihr Überleben kämpfen müssen.

Für Stormgate wurde intensives World-Building betrieben, angesprochen werden sogar Themen wie Klimawandel, Artensterben und soziale Ungleichheit. Im Spiel selbst merkt man davon allerdings wenig. Die ausführliche Hintergrundgeschichte könnt ihr lediglich in einem Codex nachlesen oder auf der Entwickler-Webseite in einer E-Novelle schmökern, die die Geschichte des verrückten Wissenschaftlers erzählt.

Die bisher veröffentlichte Kampagne von Stormgate wandert hingegen auf vergleichsweise ausgetretenen Pfaden. Ihr begleitet Amara Nassar, Kommandeurin der Widerstandstruppen der Menschen, auf ihrer Suche nach einem Artefakt, das den Verlauf des Krieges gegen den infernalen Schwarm wenden soll. Die Story wird in CGI-Zwischensequenzen und In-Game-Cutscenes erzählt, die jedoch nicht mitreißen. Charaktere stehen meist einfach nur herum und erzählen, dass sie etwas Dringendes unternehmen müssen. Die tatsächliche Gefahr kommt selten rüber und wird zusätzlich vom teils grotesken Charakterdesign konterkariert, das zwischen Holzpuppenoptik und Plastikfiguren-Look schwankt. Oft bewegen sich nicht einmal die Münder der Charaktere, was die Puppenhaftigkeit verstärkt. Außerdem ist der Ton in Zwischensequenzen und bei Funksprüchen schlecht abgemischt. Manche Sätze sind viel zu leise und kaum zu verstehen, während andere einen wegen hoher Lautstärke regelrecht zusammenzucken lassen.

Cutscene mit Hauptcharakter Quelle: PC Games Das ist besonders schade, weil das Spiel ein Ensemble an guten Sprechern bietet. Blizzard-Legende Chris Metzen spricht den Bösewicht und sorgt immer wieder für nostalgische Schauer. Metzen half auch bei der Hintergrundgeschichte des Spiels, bevor er für die neuen Erweiterungen von World of Warcraft wieder von Blizzard abgeworben wurde. Es ist enttäuschend, dass bisher so wenig aus der umfangreichen Lore des Spiels gemacht wird.

Maue Ausbeute für Kampagnen-Freunde

Zum Start des Early Access stehen sechs Kampagnen-Missionen aufseiten der Menschen bereit, von denen ihr die ersten drei umsonst spielen könnt. Mit der Zeit sollen immer wieder Fortsetzungen der Kampagne erscheinen, die ihr dann einzeln kaufen müsst. Die Missionen sind sehr abwechslungsreich gestaltet: In einer müsst ihr eine feindliche Basis mit Spezialeinheiten infiltrieren und übernehmen, um anschließend mit eurem neuen Außenposten eine Armee aufzubauen, die den Feind vernichtet. In einer anderen Mission verteidigt ihr eine Basis gegen anrollende Gegnerwellen, bis ein Timer abläuft, und müsst dabei eure Taktik konstant an neue Feinde anpassen. Auch Charakter-Missionen, in denen ihr einzelne Helden spielt, sorgen für Abwechslung.

Ein paar mehr Einsätze hätten die Entwickler aber gerne entwerfen können, denn alle sechs bisher spielbaren Level sind in gut drei Stunden abgeschlossen. Vorausgesetzt, die Verbindung zu den Servern bleibt stabil, denn die Kampagne dürft ihr nicht offline spielen. Während des hohen Andrangs zum Start und den damit verbundenen Serverproblemen wurden wir mehrfach aus Partien geschmissen und mussten die jeweilige Mission neu starten. In der Menschen-Kampagne spielt ihr ausschließlich aufseiten des menschlichen Widerstands gegen den infernalen Schwarm. Die dritte Fraktion, die himmlische Armada, bekommt ihr hier nicht zu Gesicht. Das wird sich höchstwahrscheinlich im Verlauf der Entwicklung ändern, doch zum Start in den Early Access ist der Umfang der Kampagne gering.

Aller guten Fraktionen sind drei

Dabei sind die drei extrem unterschiedlichen Fraktionen in Stormgate einer der absoluten Höhepunkte des Spiels. Habt ihr die Kampagne beendet und startet ein Skirmish-Match aufseiten der himmlischen Armada - die im englischen Celestial genannt werden - müsst ihr im Prinzip das komplette Spiel von Grund auf neu lernen.

Die Celestial Armada ist eine alte, technologisch fortschrittliche Zivilisation erleuchteter Wesen, die in riesigen fliegenden Zitadellen durchs Universum reisen. Sie suchen nach Welten, die reich an einer Substanz namens Animus sind, um die Geheimnisse der Schöpfung zu erforschen und die Galaxie vor katastrophalen Bedrohungen zu bewahren. Angeführt werden sie von rätselhaften Wesen, den Souveränen, die einen endlosen Krieg gegen den infernalen Schwarm führen. Wer jetzt Parallelen zu den Protoss aus Starcraft erkennt, liegt richtig. Doch das Spielgefühl ist doch ziemlich anders, als das, was man aus der eindeutigen Vorlage kennt.

Celestial Base Quelle: PC Games Spieler starten mit einer fliegenden Struktur namens Bogenschiff, die sich von Beginn an frei über die Karte bewegt, sodass ihr überall bauen könnt. Zusätzlich bekommt man einen Morph-Kern, der sich in jedes andere Gebäude verwandeln kann. Die Armada nutzt keine Arbeiter zum Errichten von Gebäuden - stattdessen materialisieren die Celestials Strukturen aus dem Orbit überall dort, wo sie ein sogenanntes Kaskadenfeld festgelegt haben. Als Celestial-Spieler kann man sich im Prinzip über das gesamte Schlachtfeld verteilen und die Einheiten-Produktion zentralisieren.

Während die beiden anderen Fraktionen auf ihre Versorgungsgrenze achten müssen, um neue Einheiten zu bauen, müssen sich die Celestials darum nicht kümmern. Allerdings sollten sie ihre Energiemenge im Auge behalten. Ein Stromüberschuss gibt Vorteile und stärkt ihre Armee, zu wenig Energie schränkt Fähigkeiten ein und verlangsamt sogar die Produktion.

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