Stormgate: Der neue König der Echtzeitstrategie, aber nichts für Einzelspieler

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Special Dominik Pache - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Stormgate: Der neue König der Echtzeitstrategie, aber nichts für Einzelspieler
Quelle: Frost Giant Studios

Stormgate belebt den Geist von Klassikern wie Starcraft und Warcraft neu. Besonders im Multiplayer überzeugt das Spiel und könnte zur neuen Genre-Referenz werden. Wer sich jedoch auf die Kampagne freut, wird wahrscheinlich enttäuscht.

Die Infernalen sind wiederum ein ganz anderes Paar Schuhe. Das kriegerische Volk verhält sich durch die schiere Anzahl Kämpfer wie ein Heuschreckenschwarm, der über das Schlachtfeld herfällt. Durch das Potenzial explosionsartiger Ausdehnung sind die Infernalen prädestiniert für Rush-Taktiken. Und wer jetzt an die Zerg denkt, liegt wieder richtig.

Um bestimmte Gebäude herum breitet sich der sogenannte Schleier aus, der dafür sorgt, dass Einheiten der Infernalen einen Schild erhalten. Außerdem können Infernals nur auf dem Schleier bauen. In Produktionsgebäuden werden neue Einheiten nicht zunächst langwierig ausgebildet, durch Magie erscheinen Infernale augenblicklich. Diese Zauberkraft könnt ihr auch sammeln, wodurch ihr viele Einheiten gleichzeitig spawnt. So stampft ihr ganze Armeen innerhalb weniger Sekunden aus dem Boden.

Infernal Armee Quelle: PC Games Der Kobold ist der Arbeiter der Infernalen; er sammelt Ressourcen und errichtet Gebäude. Im Gegensatz zu Arbeitern anderer Fraktionen verschmilzt der Kobold jedoch mit den erschaffenen Konstruktionen und opfert sich dabei selbst. Kommt dem kleinen Wicht aber nicht zu nahe, denn er ist für sein explosives Temperament bekannt.

Die menschlichen Vanguard spielen sich im Gegensatz zu den Infernalen und Celestials klassisch. Sie können überall auf der Karte bauen und benötigen dazu keine speziellen Voraussetzungen. Außerdem dürfen mehrere Arbeiter an einem Gebäude werkeln, wodurch Bauten enorm schnell errichtet werden können.

Als Spieler der Menschen solltet ihr darauf achten, eure wenigen Überlebenden der infernalen Invasion nicht als Kanonenfutter zu verwenden: Einheiten erhalten Erfahrung, sodass sie im Rang aufsteigen und dadurch über mehr Lebensenergie verfügen.

Als Vanguard-Spieler könnt ihr obendrein rasch die Taktik wechseln. Manche Gebäude und Einheiten haben mehrere Spezialisierungen, wodurch sie sehr anpassungsfähig sind. Das beste Beispiel ist der Wachposten, der, abhängig von der eingesetzten Einheit, komplett unterschiedliche Eigenschaften erhält. Steckt ihr einen Exo - also den klassischen Marine - in den Bunker, schießt der wie gewohnt auf alle ankommenden Gegner. Ihr könnt aber auch alle anderen Infanterieeinheiten im Gebäude stationieren. Wenn ihr einen MedTech hineinpackt, heilt euer Bunker Infanterie in der Umgebung, ein Arbeiter im Wachposten repariert Mechs und Gebäude.

Vanguard sind die klassische Rasse für Anfänger, und natürlich drängt sich auch hier wieder der Vergleich mit den Terranern aus Starcraft auf.

Das fühlt sich gut an

Was aber alle Fraktionen vereint, ist das fantastische Spielgefühl von Stormgate. Hier haben die Entwickler meisterhafte Arbeit abgeliefert. Noch nie spielte sich ein RTS so intuitiv und komfortabel, bot dabei aber gleichzeitig so viel Tiefe, dass wir uns gar nicht ausmalen können, wie viele verschiedene Taktiken aus der Varianz an Einheiten, Upgrades und Fraktionen entstehen können.

Die Steuerung geht extrem flott von der Hand. In der linken unteren Ecke des Bildschirms sorgt eine praktische Schnellauswahl für ein rasantes Spieltempo. Hier errichtet ihr nicht nur Gebäude, sondern trainiert auch Einheiten aus allen Produktionsstätten, setzt Sammelpunkte und erforscht Upgrades. Wenn ihr euch mitten im Schlachtgetümmel befindet, ist es also nicht nötig, Gebäude mit Hotkeys durchzuschalten, oder gar in eure Basis zurückzukehren, um neue Rekruten zu verwalten. Das funktioniert alles über die Schnellauswahl, ihr könnt euch also auf euren Angriff konzentrieren.

Zusätzlich wählt ihr mit einem einfachen Druck auf die Leertaste eure gesamte Armee aus. So spart ihr euch die mühsame Navigation über die Map auf der Suche nach verstreuten Einheiten.

Vanguard Kampagne Quelle: PC Games Aber auch andere Mechaniken befreien euch von nervigem Mikromanagement. Errichtet ihr ein Gebäude, müsst ihr dazu nicht manuell einen Arbeiter von anderen Aufgaben abziehen. Das passiert automatisch, und der Arbeiter kehrt nach dem Job auch automatisch zum Ressourcensammeln zurück.

Die eingesparte Zeit benötigt ihr aber auf dem Schlachtfeld, denn Einheiten in Stormgate haben eine viel niedrigere Time to Kill als man das zum Beispiel aus Starcraft gewohnt ist. Allgemein ist das Gameplay darauf konzentriert, dass ihr Armeen über die Karte navigiert, da ihr euch durch die Komfortfunktionen weniger auf den Basenbau konzentrieren müsst. Dabei simplifiziert das Spiel die Grundlagen des RTS-Genres jedoch nicht, wie es andere Genrevertreter in der Vergangenheit getan haben. Das ist eine ideale Lösung.

Nur die Harten kommen in den Ranked-Mode

Zu jedem guten Echtzeitstrategiespiel, insbesondere einem, das E-Sport-Ambitionen hegt, gehört ein Ranglistenmodus. Hier wählt ihr eure Wunschrasse aus oder lasst euch eine zufällige Fraktion zuweisen, um gegen Spieler aus aller Welt anzutreten. Und wir müssen zugeben: Ja, wir sahen anfangs kein Land im Ranked-Modus. Das liegt vorwiegend daran, dass wir uns noch keinerlei Build-Order zurechtgelegt hatten und einfach darauf losspielten. Ein schwerer Fehler! Nach ein paar Runden im Custom-Game-Mode, in dem man Spiele gegen Freunde austragen, aber auch gegen die KI antreten kann, lief es schon besser. Trotzdem müssen wir aber zunächst ein wenig trainieren, um aus den unteren Rängen aufzusteigen.

In Versus-Matches dürft ihr keine Helden verwenden, hier zählt allein die Schlagkraft eurer Armee. Trotzdem gibt es wie in Warcraft 3 Creep Camps. Da levelt ihr aber nicht auf, sondern nehmt Punkte ein, sobald ihr die Widerlinge besiegt habt. Auf diese Weise erhaltet ihr für kurze Zeit passive Boni wie erhöhtes Bewegungstempo, mehr Lebenspunkte oder einen schnelleren Ressourcenabbau.

Am oberen Bildschirmrand habt ihr Zugriff auf eine Leiste mit Spezialfähigkeiten. Die variieren je nach gewählter Rasse und der Upgrade-Stufe eures Hauptgebäudes. Spielentscheidende Fähigkeiten wie Superwaffen oder Ähnliches könnt ihr nicht bedienen, die Kombination aus Armee und Fähigkeiten kann aber trotzdem die ein oder andere Schlacht maßgeblich beeinflussen.

Im Ranglistenmodus stehen euch zum Early-Access-Start sieben schön unterschiedliche Karten zur Verfügung.

Gemeinsam zum Sieg

Unser persönliches Highlight ist der Koop-Modus. Zusammen mit zwei anderen Spielern tretet ihr hier auf sechs grundlegend unterschiedlichen Karten gegen die KI an. Die Maps sind aber nicht bloß Skirmish-Karten. Es ist dagegen fast so, als würde man mit den sechs Maps noch mal sechs verschiedene Spielmodi bekommen.

Auf einer Karte etwa wurden wir mit unseren Mitstreitern in einem Krater platziert, den wir nachts vor heranstürmenden Horden der Infernals beschützen mussten. Tagsüber hatten wir zwar unsere Ruhe, dann war aber unsere Aufgabe, die Nester der dämonischen Biester auszuräuchern, um zu gewinnen. Dabei sei angemerkt: Normalerweise gibt es im Spiel keinen Tag- / Nachtwechsel.

Auf einer anderen Karte müssen wir die hochgesicherte Basis unseres Widersachers zerstören und währenddessen immer wieder erscheinende Konvois mit Nachschub für unseren Gegner abfangen. Dabei müssen wir allerdings aufpassen, um nicht unter die Räder der riesigen Karren der Karawane zu kommen. Wieder ein Aspekt, der im "normalen" Spiel nicht zum Tragen kommt.

Koop Konvoi Mission Quelle: PC Games Eine weitere Karte stellt dann gleich mal das ganze Genre auf den Kopf! Dort spielen wir nämlich kein RTS mehr, sondern ein MOBA mit RTS-Anleihen. Wie in DotA und LoL spawnen auf unserer und der gegnerischen Seite Einheitenwellen, die sich auf drei Lanes aufteilten und von Türmen aufgehalten werden. Ziel ist es, das gegnerische Hauptgebäude samt Obermotz plattzumachen und mit Nebenaufgaben unsere Einheiten zu verstärken. Dabei spielen wir allerdings nicht einen einzelnen Helden, sondern nach wie vor mit unserer kompletten Armee.

Die Helden im Koop-Modus wählen wir vor dem Spielstart aus. Sie bestimmen gleichzeitig, mit welchem Volk wir antreten. Die Leiste mit Spezialfähigkeiten am oberen Bildschirmrand ist hier nicht an die Stufe unseres Hauptgebäudes gekoppelt, sondern an das Level unseres Helden. Der steigt mit abgeschlossenen Spielen immer weiter bis Level 10. Vorausgesetzt, wir haben den Helden gekauft, sonst können wir ihn nur bis Level 5 aufsteigen lassen.

Und was kostet der Spaß?

Gekauft? Richtig gelesen, Stormgate ist ein Free-to-Play-Spiel. Das bedeutet, dass die Entwickler nicht über den Verkauf einer Vollversion Geld verdienen, sondern durch Echtgeldtransaktionen innerhalb des Spiels. Und die stecken in jeder Faser von Stormgate. Nicht nur das Max-Level für Helden kostet was, auch die neuen Kapitel der Kampagne. Kostenlos ist nur der Prolog mit seinen drei Missionen. Wenn ihr wissen wollt, wie die Geschichte weitergeht, werdet ihr zur Kasse gebeten. Zusätzlich gibt es alternative Begleiter und Skins für eure Truppen, beides ist allerdings rein kosmetisch.

Die Entwickler wollen das Spiel lange Zeit supporten. Laut Roadmap sollen alle paar Monate neue Inhalte ins Spiel finden. Noch für dieses Jahr sind eine weitere Koop-Map, zwei neue Helden für den Koop-Modus, drei weitere Kampagnen-Missionen sowie Mutatoren geplant, die das Spielgefühl im Koop-Modus wöchentlich verändern sollen. Durch Kriegsbeutekisten, die ihr mit XP verdient, könnt ihr euch witzige Skins mit In-Game-Aktionen verdienen.

Ein mächtiger Map-Editor soll noch 2024 gezeigt werden, mit dem die Community nicht nur neue Karten, sondern ganze Spielmodi erstellen können soll. Live gehen soll der Baukasten jedoch erst nächstes Jahr, gemeinsam mit neun weiteren Story-Missionen, einer eigenen Koop-Kampagne und neuen Einheiten. Außerdem halten dann Turniere ihren Einzug ins Spiel und die Rangliste bekommt einen Drei-gegen-Drei-Modus. Bisher könnt ihr nur im 1-on-1 antreten. Seltsam ist allerdings, dass Tools, mit denen man Stormgate erlernt, erst 2025 ins Spiel gepatcht werden. Die wären aufgrund der Komplexität des Spiels schon jetzt von Vorteil.

Im Multiplayer-Modus trumpft Stormgate auf und könnte die neue Referenz im Genre werden. Wenn die Entwickler im Verlauf des Early Access auf das Balancing achten - das wir zu so einem frühen Zeitpunkt nicht beurteilen können - wird sich das Spiel zum neuen König der Multiplayer-Echtzeitstrategie mausern und seinen Vorbildern damit alle Ehre machen. Für reine Einzelspieler ist Stormgate derzeit allerdings nicht zu empfehlen.

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