Warcraft 3: Reforged - Kommt die Rettung zur Blizzcon?

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Special Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Warcraft 3: Reforged - Kommt die Rettung zur Blizzcon?
Quelle: Blizzard

Kein Spiel hat Blizzards Ruf so beschädigt wie Warcraft 3: Reforged. Trotz zeitlos guter Kampagnen enttäuschte die Neuauflage mit fehlenden Mehrspielerfeatures und veralteten Zwischensequenzen, die Fans straften das Spiel gnadenlos ab. Seitdem hat sich erschreckend wenig getan. Doch was, wenn Blizzard für die Blizzcon 2021 noch ein Ass im Ärmel hat? Besteht noch Hoffnung für Warcraft 3: Reforged? Ein Kommentar zum Stand des Remakes - und warum Blizzard seine Chancen endlich mal nutzen muss.

Was eigentlich ein Selbstläufer sein sollte, wurde zur denkwürdigen Bauchlandung: Mit dem lang ersehnten Warcraft 3 Reforged hat Blizzard den mit Abstand schlechtesten Release seiner Firmengeschichte hingelegt. Vor knapp einem Jahr sorgte der Remaster für lange Gesichter, auf Metacritic hagelte es vernichtende User-Bewertungen. Dabei war das Spiel im Grunde immer noch gut, zumindest im Singeplayer. Schließlich steckte unter all dem Ärger das grandiose Warcraft 3, das nach wie vor als eines der besten Echtzeit-Strategiespiele aller Zeiten gilt. Diesen Ruf hat es auch seinen hervorragenden Kampagnen zu verdanken - und die machen im Remaster immer noch viel Spaß.

Doch wie auch unser Test zeigte, ist die Neuauflage gleichzeitig ein Armutszeugnis für ein Entwicklerteam, das fast 30 Jahre lang für Top-Qualität stand: Beim Release von WC3: Reforged kam es zu ärgerlichen Bugs, Tasten ließen sich nicht im Spiel umbelegen, Spielstände wurden nicht in die Cloud geladen, beim Wechsel zwischen Neuauflage und Classic-Modus kam es zu Problemen. Die tollen Kampagnen sollten ursprünglich mit schicken neuen Zwischensequenzen erzählt werden, das fertige Ergebnis war davon jedoch weit entfernt. Auch für das HUD war ein Update geplant, doch im fertigen Spiel war davon nix zu sehen. Und die angedachten Ergänzungen in den Story-Kampagnen, mit denen man wichtige Charaktere stärker ausbauen wollte? Wurden während der Entwicklung kurzerhand gestrichen, laut Blizzard hätten die Fans keine größeren Änderungen gewünscht. Ob da was dran ist, darf allerdings bezweifelt werden - schließlich hat sich Blizzard auch sonst wenig Mühe gegeben, auf die Wünsche der Warcraft-Fans einzugehen. (Wie man's richtig macht, konnte man sich übrigens wenig später bei Command & Conquer Remastered ansehen.)
Im Mehrspielermodus fehlen bis heute einige wichtige Features. Quelle: PC Games Im Mehrspielermodus fehlen bis heute einige wichtige Features.

Baustelle Multiplayer: Hat Blizzard aufgegeben?

Für Reforged hatte Blizzard aufwändige Zwischensequenzen angekündigt. Quelle: Blizzard Für Reforged hatte Blizzard aufwändige Zwischensequenzen angekündigt. Trotz allem: Die Solo-Kampagnen sind auch in WC3: Reforged ausgesprochen spielenswert. Nicht nur, weil sie schon im 19 Jahre alten Originalspiel großartig waren, sondern auch dank der grafischen Verbesserungen, die vor allem die Einheitenmodelle mächtig aufpolieren. Für Einzelspieler-Fans, die Warcraft 3 vielleicht zum ersten Mal erleben, geht Reforged also grundsätzlich in Ordnung.

Der eigentliche Ärger lauerte dafür im Mehrspielermodus. Der Multiplayer war im originalen Warcraft 3 geradezu legendär, im Remaster dagegen machte sich schnell Ernüchterung breit: Schon in der Beta zeichneten sich deutliche Probleme ab, von Lags und Verbindungsabbrüchen bis hin zu fehlenden Features aus dem Originalspiel. Obwohl Blizzard zumindest die technischen Mängel mittlerweile mit Patches größtenteils in den Griff bekommen hat, wurden andere Versprechen schlichtweg nicht gehalten: Bis heute gibt es keinen Clan-Support, keine ordentliche Ladder, selbst die Profile, die Blizzard noch im August 2020 umfassend vorgestellt hatte, sind bis heute nicht zu finden. Damit bietet der Multiplayer nach wie vor weniger Funktionen als das Originalspiel, das Blizzard ärgerlicherweise mit einem Zwangs-Upgrade auf die Reforged-Fassung gepatcht hatte. Dabei gingen auch Besitzern des Originalspiels wichtige Features verloren. Die fehlende Unterstützung für Custom Campaigns oder die fragwürdigen Nutzungsbedingungen, mit denen Blizzard sämtliche Rechte an Nutzerinhalten für sich beanspruchte, machten den Ärger komplett.

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Chancen für ein Comeback

Zunächst schien die heftige Kritik, die sich vor allem um den Mehrspielerpart drehte, bei Blizzard anzukommen. Eilig versprachen die Entwickler, fehlende Features nachzuliefern und so lange zu optimieren, bis das Spielerlebnis den hohen Erwartungen entspricht - doch das ist schlichtweg nicht passiert. Dank Patches hat sich das Spiel zwar technisch gesteigert und auch am Balancing wurde ein wenig geschraubt, doch seitdem scheint die Entwicklung regelrecht stillzustehen. Auch die Kommunikation mit der Community macht da wenig Hoffnung: Der letzte größere Patch stammt von Oktober 2020, dem gleichen Monat, in dem das interne Entwicklerteam laut einem Bloomberg-Bericht angeblich aufgelöst wurde. Infos für die Spieler? Fehlanzeige.

Nun, kurz vor der nächsten Blizzcon, stellt sich die Frage, wie es mit Warcraft 3: Reforgedüüberhaupt noch weitergehen kann. Lässt man den Titel einen leisen, unwürdigen Tod sterben? Kümmert sich ein anderes Team zumindest um das Nötigste?

Oder - und hier beginnt das Wunschdenken - nutzt man die Blizzcon 2021 endlich als große Chance für ein Comeback? Zugegeben, einfach wäre es nicht. Man müsste Fehler eingestehen, Glaubwürdigkeit vermitteln. Und man müsste endlich transparent machen, wohin die Reise geht: Wird Reforged doch noch auf Vordermann gebracht? Kümmert sich ein neues Team darum, dass die fehlenden Features eingebaut werden? Besteht sogar die Chance, dass Blizzard die Grafik, das Interface oder die faden Zwischensequenzen nochmal anpackt? Eine aufwendige Überarbeitung des Spiels dürfte sich für Blizzard an diesem Punkt kaum noch lohnen, zumindest finanziell. Doch hier geht es schon längst nicht mehr um Einnahmen, sondern um Blizzards Ruf, der in den letzten Jahren schwer gelitten hat. Es wird Zeit für eine Kehrtwende - und jetzt wäre die Zeit dafür.

Grafikvergleich: Original vs. Reforged
Warcraft 3: Reforged
Warcraft 3: Reforged Warcraft 3: Reforged

Vertrauen lässt sich zurückverdienen

Es gibt viel wieder gutzumachen. Die vergeigte Ankündigung von Diablo Immortal steckt einigen Fans zwar noch immer in den Knochen, doch immerhin hat sich die Stimmung hier deutlich gebessert. Einerseits, weil auch das erhoffte Diablo 4 inzwischen enthüllt wurde, andererseits weil das umstrittene Immortal bei vielen Alpha-Testern einen überraschend guten Eindruck hinterlassen konnte. Die Warcraft-Fans brauchen dagegen endlich ein klares Zeichen, dass sie von Blizzard wieder gehört werden. Und nein: Mit Free2Play-Ablegern für Smartphones dürfte man die verprellten Reforged-Käufer wohl kaum zurückgewinnen.
Und dann ist da natürlich noch das andere Remake, das sich die Fans seit vielen Jahren herbeisehnen: Diablo 2, das laut hartnäckiger Gerüchte auf dieser Blizzcon unter dem Titel Diablo 2: Resurrected enthüllt werden könnte. Angeblich wird das Remake von Vicarious Visions entwickelt - ein Team, das mit der Neuauflage von Tony Hawk's Pro Skater für Aufsehen sorgte und mittlerweile ein Teil von Blizzard ist. Doch wie soll man Vertrauen in das nächste Remake von Blizzard setzen, wenn Warcraft 3: Reforged immer noch so in der Luft hängt? Schon allein deshalb muss Blizzard endlich ein Zeichen setzen: Warcraft 3: Reforged gehört nicht aufgegeben oder unter den Teppich gekehrt. Andere Spiele wie No Man's Sky oder Final Fantasy 14 haben gezeigt, dass auch gescheiterte Spiele eine große Zukunft haben können. Und war nicht auch Diablo 3 bis zum Release von Reaper of Souls ein Sorgenkind für Blizzard? Vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass das Studio daraus die richtigen Lehren zieht.

Blizzard wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Zu diesem Anlass werden im Online-Shop drei Fan-Bundles angeboten, in denen kosmetische Inhalte für Blizzards wichtigste Spiele stecken: Overwatch, WoW, Starcraft 2, Diablo 3, Heroes of Storm oder Hearthstone, sie alle werden bedient. Alle bis auf Warcraft 3: Reforged. Aber das hat schließlich auch ganz andere Sorgen.

Hoffnungen für die Blizzcon 2021

Die Blizzcon, Blizzards beliebte Hausmesse, wird dieses Jahr als reiner Online-Event abgehalten, alle Inhalte sind kostenlos zugänglich. Los geht's am 19. Februar um 23 Uhr (MEZ), hier gibt's den Übersichtsplan mit allen Ankündigungen, Veranstaltungen und Panels. Erste Leaks werfen bereits ein Licht auf das, was uns in diesem Jahr erwarten könnte.

Update: Infos von der Blizzcon 2021

Ihr habt die Eröffnungszeremonie der Blizzcon 2021 verpasst und wollt wissen, was Blizzard über Warcraft 3: Reforged zu sagen hatte? Eine kompakte Zusammenfassung gibt's hier.

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    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Stirrling Gelegenheitsspieler/in
        :D Danke Felix für den Link am Ende, das hat mich umfassend informiert.
      • Von Stirrling Gelegenheitsspieler/in
        :D Danke Felix für den Link am Ende, das hat mich umfassend informiert.
      • Von FeralKid Spiele-Kenner/in
        Zitat von Kakiss
        Fand es schlimm dass die Einheitensounds ausgetauscht wurden und es keine Möglichkeit gibt zu den alten zu tauschen.
        Grafik sieht sehr generisch aus, als ob ein 0815 asiatisches mobile Game Warcraft nachahmt, von Charme und Charakter keine Spur.
        Online wurde ja mehr als genug erläutert.

        Zum Glück haben sie damals alles erstattet, so einen Müll kann ich nicht akzeptieren.
        Wobei ich sagen würde, wenn ich nur die SP Kampagne durchzocken will, dann werde ich mir der neuen Grafik dennoch besser bedient, als vor über 20 Jahren im Originalspiel. Dafür eignet sich WCIII Reforged allemal. Es ist auch heute noch ein geniales Spiel und die Kampagne macht nach wie vor riesen Spaß. Kaputt gemacht wurde halt der Multiplayermodus und das muss Blizzard auch klar gewesen sein. War ihnen offenbar egal und diese Kritik müssen sie sich gefallen lassen. Ich muss aber auch sagen, dass man im Netz oftmals völlig überzogene Kritik dazu liest. Da sind auch Leute dabei, die haben weder das Original noch das Remake jemals wirklich gespielt, dass merkt man einfach. Sowas kann man dann nicht ernst nehmen. Das sind Leute die sonst nichts zu tun haben im Leben denke ich.
      • Von Kakiss Mitglied
        Fand es schlimm dass die Einheitensounds ausgetauscht wurden und es keine Möglichkeit gibt zu den alten zu tauschen.
        Grafik sieht sehr generisch aus, als ob ein 0815 asiatisches mobile Game Warcraft nachahmt, von Charme und Charakter keine Spur.
        Online wurde ja mehr als genug erläutert.

        Zum Glück haben sie damals alles erstattet, so einen Müll kann ich nicht akzeptieren.
      • Von Cobar Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von FeralKid
        Genau so ist es. Mit dem SP Mode wirst du bei WCIII Reforged mittlerweile allerdings glücklich werden. Die Bugs sind gefixed. Die Kritik bezieht sich auf den online Mode. Das Spiel hat ja eine sehr lebendige eSport scene und die ist weiterhin komplett angeschmiert. Bspw gibts keine ledders und kein Ranking. Du weißt nie ob du gerade gegen einen Profi oder rookie spielst. Geht halt garnicht sowas...
        Was ja eigentlich gar nicht so schlimm gewesen wäre, wenn sie das bei Reforged so gemacht hätten, aber dass sie vorher dann noch das "alte" WC3 mit Reforged verbunden haben zu einem Spiel, war der Todesstoß für den eSport bei WC3. Wie kann man sowas machen? Wollten vielleicht nur langsam mal die Serverkosten sparen mit der Aktion?
      • Von FeralKid Spiele-Kenner/in
        Zitat von Batze
        Ganz ehrlich, ein WC 3 reforged habe ich niemals gebraucht.
        Weil eine Geniale Geschichte kann man nicht besser machen mit einem kleinem Grafik Update.
        Ich behalte es mir in Erinnerung wie ich es damals gespielt habe, Genialste Geschichte aller Spiele die ich jemals gespielt habe. Das einzige Spiel was eine 10/10 von der Story her jemals verdient hat.
        Was besseres ist jedenfalls mir noch nie wieder untergekommen.
        Genau so ist es. Mit dem SP Mode wirst du bei WCIII Reforged mittlerweile allerdings glücklich werden. Die Bugs sind gefixed. Die Kritik bezieht sich auf den online Mode. Das Spiel hat ja eine sehr lebendige eSport scene und die ist weiterhin komplett angeschmiert. Bspw gibts keine ledders und kein Ranking. Du weißt nie ob du gerade gegen einen Profi oder rookie spielst. Geht halt garnicht sowas...
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