Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.
Doch zeigt sich dies auch in den zahlreichen außerirdischen Supercomputern, die von Jim Kirk zu Tode diskutiert werden, weil sie so schlimm unmenschlich sind. Diese pessimistische Sichtweise auf Technologie kommt in den späteren Serien so gut wie überhaupt nicht mehr vor, erst jetzt - mit dem neuerlichen Schreckgespenst der KI am Horizont - werden zum Beispiel bei "Discovery" auch wieder kritische Töne angeschlagen.
Besonders spannend ist die Beziehung zwischen Mensch und der Technologie, die er benutzt, im ersten Kinofilm Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film). Die Innovation scheint den Lebewesen aus Fleisch und Blut hier außer Kontrolle geraten, was sich in mehrfacher Hinsicht tödlich gegen sie wendet.
Zuerst dreht ein Transporter zwei glücklose Seelen durch den Fleischwolf, dann sorgt eine Fehlfunktion des Antriebs für ein brandgefährliches Wurmloch - und schließlich kehrt eine alte, von einer fremden Macht weiterentwickelte Erdsonde zurück, um der Menschheit, die sie ins All schoss, den Garaus zu machen.
Quelle: Paramount
Am Ende müssen Mensch und Technologie Frieden und Liebe finden, deswegen verschmelzen Lebewesen und Maschine in einem magischen Zeugungsakt und transzendieren in eine ungekannte Dimension, was freilich ein sehr esoterisches Konzept ist. Und doch spielt es auf die Herangehensweise in der Entwicklung von Alltagsgadgets an, nämlich, dass diese den Menschen berücksichtigen und ihm zugewandt sein sollen.
Der Kulturoptimist würde sagen, dass Geräte für Endnutzerinnen und -nutzer heutzutage freundlich oder gar menschlich entwickelt werden. Der Kulturpessimist könnte sagen, dass viele Menschen heute mit ihrem Smartphone so untrennbar verschmolzen sind wie V'Ger mit Ilia und Decker.
Um Smartphones, aber auch um Datenschutz, Entertainment und Gaming soll es dann in der Fortsetzung dieses Artikels gehen.
Sebastians bisherige Star-Trek-Retrospecials
- Star Trek: The Motion Picture - ein perfekter, unperfekter Film
- Star Trek 2 Der Zorn des Khan: Eine Reise aus der Midlife-Crisis und zurück
- Ungerader Film mit klassischen Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock
- Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
- Utopie, Zoff & Teerpfützen: Die erste Staffel von Star Trek The Next Generation
- Star Trek 5 The Final Frontier: William Shatners Pechsträhne am Rande des Universums
- Staffel 2 von Star Trek TNG: Streiks, Sturköpfe und Sternen-Storys
- Horror im Weltraum: 13 schaurige Star-Trek-Folgen für Halloween
- Star Trek TNG Staffel 3: Zwei neue Michaels und eine alte Enterprise
- Star Trek TNG Staffel 3, Teil 2: Morgenluft und ein legendärer Cliffhanger
- Das Borg-Rätsel ist gelöst: Die vierte Staffel von Star Trek TNG
- Die vierte Staffel von Star Trek TNG Teil 2: Es bleibt ja in der Familie
- Die zwölf Tage von Star Trek: Die besten Weihnachtsfolgen von Enterprise und Co.
- Die Entstehungsgeschichte von Star Trek 6 Das unentdeckte Land: Das unentdeckte Drehbuch
- Bargeld, Bigotterie, Berlinale: Wie Star Trek 6 Das unentdeckte Land in die Welt kam
- Mister Spock und jede Menge Politik - Staffel 5 von Star Trek TNG
- Müde Mitte und ein genialer Hattrick - Staffel 5 von Star Trek TNG, Teil 2
- Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek: Von der Luftfahrt bis zur Originalserie
- Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek, Teil 2: Von den wilden 70ern bis zu seinem Vermächtnis
- Der 25. Geburtstag von Star Trek: So schräg war das silberne Jubiläumsjahr
- Star Treks wilde Videospiele-Geschichte: Die Grafik-Adventures von Interplay
Verfügbarkeitshinweis: Star Trek: Treffen der Generationen, Star Trek: Der Aufstand und Star Trek: Nemesis sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf 4K-UHD, Blu-Ray und DVD. Alle Staffeln von Star Trek: The Next Generation sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-Ray und DVD. Alle Staffeln von Star Trek: Voyager sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf DVD.
Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

Ich habe nämlich immer darauf geachtet - und es wird in verschiedenen Folgen unterschiedlich dargestellt.
Entweder werden die Atome durch den Raum an die andere Stelle teleportiert und dort zusammengesetzt oder in anderen Folgen wird die Information kopiert und am Zielort aus dort vorhandener Materie zusammengestellt und am Usprungsort vernichtet.
Beide Versionen kommen vor......ziemlich irritierend wenn man genau darauf achtet.
Beamen wird wie hier bereits geschrieben kein wahrscheinliches Szenario sein, allein schon weil man dafür das Original tötet und an einer anderen Stelle repliziert. Das machen Menschen mit Selbsterhaltungsinstinkt sicher so nicht mit. Denkbar wäre Beamen in Form eines Portals / Wurmlochs, dass Materie transportieren kann, aber auch für mich gilt natürlich ein eingeschränktes Vorstellungsvermögen, da bestimmte Grundlagen für weiterführende Ideen noch gar nicht erforscht worden.
Wenn das Away Team (oder Landing Party) auf einer Planetenoberfläche erreicht werden soll, kann man zwar weiter über Lichtjahre hinweg funken, 500 km zu den Weggebeamten gehts aber wegen "Ionensturms" oder sonstwas gerade mal nicht, weil es das Drehbuch so will.
Reisen mit (Über-) Lichtgeschwindigkeit? Nein, für alle Zeiten nein, da ... (schon wieder) Naturgesetz. Wenn es gelingen sollte, eine ultraleichte Minisonde auf 5 bis 10% von c zu bescbleunigen mittels "Breakthrough Starshot", dann war es das. Bemannte Raumschiffe? Never. Zu schwer, so groß, und nie genügend Energie. Der Warpantrieb beschleunigt nicht das Schiff, er staucht den Raum. Ursprünglich war Warp nur erlaubt wenn kein Planet in der Nähe, weil es für alles in der Umgebung gefährlich wäre. Inzwischen ist auch das egal - weil Drehbücher es wollen. Da schießen zig Schiffe nacheinander flupp-flupp von Zero auf Warp, die nur hunderte Meter Abstand voneinander hatten und immer gern im Orbit um Planeten. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals erklärt wurde. Der Podcast Weltraum-Wagner behandelt das Thema umfassend und sehr unterhaltsam. "Interstellare Raumfahrt - Wie reisen wir zu anderen Sternen?"
Beamen? Leider nein, für alle Zeiten, weil (wir ahnen es) Naturgesetze. Man muss dazu wissen, dass Beamen ein Geldspartrick der Desilu-Studios waren. Als TOS gedreht wurde, wären Shuttle-Landeszenen zu aufwändig und zu teuer gewesen. Beamen kann man mit billigem Filmtrick hinzaubern, bisschen Glitzer in Wasserstrudel ins Standbild reinkopiert, fertig. Technisch bedeutet das Beamen die Zerlegung des lebenden Menschen oder jedes Gegenstandes in ein Plasma. Atomkerne werden also von Elektronen getrennt. Dafür brauch es mehr als 10,000 Grad. Zuerst muss der gesamte Körper gescannt werden, jedes Atom mit Koordinaten, dazu Bewegungsrichtung, bestehende Bindung, jene Bindungen die sich bilden, jene die sich lösen, jede Reizleitung jeder Synapse inklusive Aktionspotenzialen u.v.m. Was könnte diese Datenmenge in Sekunden ermitteln und speichern? Was könnte all dieses Plasma dann irgendwo hin senden? Bei Star Trek wird keine Beamkopie erschaffen, sondern die Materie als Plasma zum Zielort geschickt. Was sorgt dafür, dass sich alles am Zielort wieder zusammensetzt? Was könnte diese Datenmenge so schnell auslesen? Wie bekommt man jedes Atom dazu just wieder das zu tun was es in der Nanosekunde seiner Zerlegung tat? Und wenn es dann mehr als 10.000 Grad heiß ist, wie schnell kühlt denn das Ganze dann ab und kann dann wieder leben? Ist jemandem mal aufgefallen, dass beim Beamen das heiße Plasma in wenigen Metern Entfernung den ganzen Transporterraum inkl. Anwesende in Sekundenbruchteilen verdampft? Mir nicht.
Es wird nichts mit Beamen, denn Naturgesetze gelten seit 13,82 Mrd. Jahren und auch in 350 Jahren. Die Unschärferelation nach Heisenberg allein, das wissen auch die Filmschaffenden, steht dem entgegen, und vieles mehr. Daher haben sie den "Heisenberg-Kompensator" erfunden. Dessen Erfinder M. Okuda wurde vom Time Magazin gefragt wie der denn funktioniere. Antwort war: "Danke, gut."
Wir sollten anerkennen, dass Science Fiction neben realistischen technischen Möglichkeiten auch völlig absurde (aber schöne) Phantasien erzählt, und wir sollten uns davor hüten solche Utopien für umsetzbar zu halten. Manche fordern tatsächlich bei der Energieversorgung auf Kernfusion zu setzen, statt auf Erneuerbare. Windturbinen, Solarzellen funktionieren, bei Fusion ist das alles andere als sicher. Sich auf Utopien zu verlassen würde bedeuten das Essenzielle im Jetzt zu vernachlässigen, was uns so gefährlich werden könnte, dass es uns die Existenz als Spezies kostet. Zur Zeit tun wie alles dafür dass wir das 24. Jahrhundert nicht erleben. Dann müssen wir uns auch nicht um die geldlose Gesellschaft sorgen... ein weiteres Konstrukt, das bei Star Trek nie logisch hergeleitet wird. Wie wir wissen, gibt es Handel zwischen den Planeten der Föderation und darüber hinaus. Die Ferengi kassieren in Latinum, aber wie zahlen die anderen? Von UFC (Universal Federation Currency) nix gehört.
Ich finde Star Trek wunderbar, als visionäre Unterhaltung mit gewissen ethischen Betrachtungen des Menschen und seiner Gesellschaften, aber es taugt nicht als Blaupause für eine realistische Zukunft.