Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
Quelle: Paramount

In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.

Captain Picard hat jede Menge Stress. In den letzten drei Wochen musste er sich darum kümmern, dass sein zweiter Offizier Data sich aus heiterem Himmel eine Androidentochter baute, danach half er seinem taktischen Offizier Worf auf der klingonischen Heimatwelt, eine fiese Intrige gegen dessen Familie aufzuklären und fand sich sogar auf der falschen Seite eines d'k tahg wieder (das ist ein klingonischer Dolch).

Und zu guter Letzt wurde er von einem Doppelgänger auf der Enterprise ersetzt, während er selbst sich mit drei ungleichen Aliens in einem Knast wiederfand. Jean-Luc Picards Crew ist sich einig: Der Mann braucht Urlaub und so setzen sie alles daran, dass sich der viel beschäftigte Stoiker zu einer Reise zum lustvollen Planeten Risa durchringt.

Ich selbst habe just im Mai 2024 auch eine Menge um die Ohren, wenn auch vielleicht nicht so welt(raum)bewegende Dinge wie der legendäre Captain der Enterprise-D. Einen Star-Trek-Artikel für die PC Games schreibe ich (diesen hier!), eine historische Zeitungsrecherche gilt es auszuwerten, und auf dem Postproduktionsstapel warten über achteinhalb Stunden rohes Tonmaterial darauf, zu Podcasts verwandelt zu werden.

Abgesehen von meinem Notebook und dem legendären Recherchebuch The Star Trek: Deep Space Nine Companion liegt kein Arbeitsutensil auf meinem Schreibtisch, nur eine Handvoll Actionfiguren zur spielerischen Zerstreuung zwischendurch, wenn ich über dem nächsten Absatz grübele.

Was unser beider Arbeitsumgebungen gemeinsam ist, das ist die Kanne schwarzen Tees - bei Picard Earl Grey, bei mir, der ich Bergamotte verschmähe, Malty Assam.

Fiesling Ru'afo mit einem Padd, dem Tablet der Zukunft Quelle: Paramount Fiesling Ru'afo mit einem Padd, dem Tablet der Zukunft Ansonsten sieht der Schreibtisch des Captains 342 Jahre in der Zukunft - so, wie man sie sich anno 1990 vorstellte - ganz anders aus: Picards Tisch ist übersät mit Padds (mit zwei "d", das ist die Kurzform für Personal Access Display Device) und ja, diese Dinger sehen ziemlich genau so aus wie zeitgenössische Tablets und sind eines der beliebtesten Beispiele, die herangezogen werden, wenn es darum geht zu demonstrieren, wie hellseherisch und treffsicher mitunter die Darstellung der Zukunft in Star Trek gelang.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn unter alles Wegweisende mischt sich bei Star Trek auch stets die Naivität des Retrofuturismus. Akkurate Darstellung geht einher mit herrlichem Quatsch, der sich daraus ergibt, dass die bunten Weltraumabenteuer noch aus dem weitgehend analogen Zeitalter des 20. Jahrhunderts stammen.

Die meisten Menschen, die ein Tablet besitzen, haben exakt eines. Was sollte man auch mit mehreren? Doch der ultrakrasse Endstress des Captain Picard wird in der Episode Captain's Holiday (Picard macht Urlaub) - die Kamera verharrt beim Einblenden des Folgentitels auf den Padds - dadurch symbolisiert, dass Picard einen regelrechten Wust an Tablets vor sich liegen hat.

Sensorendaten vermutlich, eventuell auch die nächste Personalauswertung und womöglich sogar Shakespeare für die Mittagspause - doch halt, das kann nicht sein, der Chef ist schließlich urlaubsreif, er gönnt sich keine Zeit für solche Zerstreuung. Und dennoch ist dieses Symbol der Überarbeitung gleichzeitig symptomatisch dafür, dass die damaligen Autorinnen und Autoren die Echtwelt-Tragweite der von ihnen ersonnenen Technik nur ansatzweise ahnen konnten.

Heutzutage steckt der Inhalt hunderter, tausender solcher Padds wie selbstverständlich in meinem Notebook und alle Daten, die ich benötige, kommen per E-Mail, per Download oder aus der Cloud zu mir. Doch im 24. Jahrhundert läuft es trotz des zentralen Computers eines jeden Föderationsschiffs ganz anders.

Jeder Datei ist, so scheint es, ein Padd zugeordnet und wenn man zwölf Berichte anfordert, dann bekommt man auch zwölf Tablets auf den Schreibtisch. Zwar werden manchmal auch Daten über das schiffsinterne Intranet versendet, doch oft genug kommt es vor, dass ein Charakter meint: "Hey, wo ist denn die Auswertung?" Und mit den Worten "Na hier!" wird ihm ein Padd übergeben.

In der Voyager-Episode Good Shepherd (Der gute Hirte) steht die filmische Reise eines solchen Padds zu Fuß und per Turbolift einmal quer durchs ganze Schiff aufs unterste Deck dafür, wie Daten aus dem Elfenbeinturm der Brücke hinab gelangen zu den niederen Rängen in den Untiefen des Schiffes.

Eine meiner liebsten Padd-Anekdoten ereignet sich in der DS9-Episode "Explorers" (Die Erforscher), wo Stationsarzt Dr. Bashir während des Anbandelns mit einer neuen Liebschaft in der Bar empfindlich von der Wissenschaftsoffizierin Dax gestört wird und ihr daraufhin diskret ein Padd in die Hand drückt, auf dem steht: "GO AWAY".

Drei Episoden später dann erteilt Bordmalocher O'Brien dem angehenden Sternenflotten-Kadetten und Ferengi Nog eine Lehrstunde, hält dabei ein Padd in der Hand - und wenn man auf Pause drückt und ganz genau hinschaut, dann sieht man, dass darauf steht: "GO AWAY".

Selbstverständlich war nicht vorgesehen, dass dem Publikum auffällt, wie hier eine Requisite in der Eile wiederverwendet wurde, aber in meinem Kopf beginnen sofort die Fragen: Hat O'Brien das Padd in der Bar gefunden? Oder ist das Padd bei Dax' Arbeit abgestürzt und statt des "Blue Screen of Death" haben sich die zwei plakativen Worte eingebrannt - und nun übernimmt O'Brien die Aufgabe des IT-lers und soll es reparieren?

Fakt ist: Was in Star Trek aussieht wie ein Tablet, ist hier offenkundig nur fähig, eine einzige Datei zu beinhalten, und ein Empfangen oder Übertragen von Daten scheint unmöglich zu sein. Die schöne neue Welt des 24. Jahrhunderts.

Ein hervorragender Aufhänger, um heute, viele Jahrzehnte später, einen Reality-Check der Star-Trek-Alltagstechnologie zu unternehmen. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht um die realitätsferneren Apparate wie den Warp-Antrieb oder den Transporter. Diese wurden zum einen geschaffen, damit die Charaktere schnell in der jeweiligen Geschichte der Woche ankommen; sie haben kaum Bezug zu den Gadgets, die uns Menschen des 21. Jahrhunderts tagtäglich umgeben.

Bildergalerie

Zum anderen bin ich kein Physiker, denn die Trek-Fans unter den Akademikerinnen und Akademikern haben bereits zahllose Bücher und Vorträge gefüllt mit den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Beamens und der Überlichtgeschwindigkeit. Ich bin bestenfalls unstudierter Westentaschen-Historiker und -Soziologe mit einer großen Liebe zu klassischem Star Trek.

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    • Kommentare (4)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von AlBundyFan Hobby-Spieler/in
        Was mich immer "fasziniert" hat ist der Umgang mit dem Thema "Beamen".

        Ich habe nämlich immer darauf geachtet - und es wird in verschiedenen Folgen unterschiedlich dargestellt.

        Entweder werden die Atome durch den Raum an die andere Stelle teleportiert und dort zusammengesetzt oder in anderen Folgen wird die Information kopiert und am Zielort aus dort vorhandener Materie zusammengestellt und am Usprungsort vernichtet.
        Beide Versionen kommen vor......ziemlich irritierend wenn man genau darauf achtet.
      • Von AlBundyFan Hobby-Spieler/in
        Was mich immer "fasziniert" hat ist der Umgang mit dem Thema "Beamen".

        Ich habe nämlich immer darauf geachtet - und es wird in verschiedenen Folgen unterschiedlich dargestellt.

        Entweder werden die Atome durch den Raum an die andere Stelle teleportiert und dort zusammengesetzt oder in anderen Folgen wird die Information kopiert und am Zielort aus dort vorhandener Materie zusammengestellt und am Usprungsort vernichtet.
        Beide Versionen kommen vor......ziemlich irritierend wenn man genau darauf achtet.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Ich denke man sollte nicht unterschätzen was nach dem heutigen menschlichen Verstand realisierbar ist und was in 300 Jahren. Würde man jemanden 1924 fragen, wie er sich die Zukunft vorstellt, würde er wahrscheinlich fliegende Autos oder Robotik anführen. Auch die Vorstellungen in den 1960 Jahren wie es z.B. 2020 aussehen wird, weichen doch stark voneinander ab, nicht jedoch so, dass man gar keine Entwicklung erkennen kann, sondern dahingehend, dass die Menschen damals gar keine Vorstellung davon hatten wie bestimmte Dinge funktionieren oder gar keine Grundlage für eine Annahme hatten um darauf ein Gedankenspiel aufzubauen. Deswegen werden Sci-Fi Serien früher oder später an der Realität und Umsetzbarkeit scheitern, auch wenn sie natürlich trotzdem für Anregungen und Ideen sorgen. Einen Schiffscomputer per Sprachbefehl abrufen - das ist z.B. schon ein Ding, was wir seit ca. 20 Jahren können. (Alexa lässt grüßen)

        Beamen wird wie hier bereits geschrieben kein wahrscheinliches Szenario sein, allein schon weil man dafür das Original tötet und an einer anderen Stelle repliziert. Das machen Menschen mit Selbsterhaltungsinstinkt sicher so nicht mit. Denkbar wäre Beamen in Form eines Portals / Wurmlochs, dass Materie transportieren kann, aber auch für mich gilt natürlich ein eingeschränktes Vorstellungsvermögen, da bestimmte Grundlagen für weiterführende Ideen noch gar nicht erforscht worden.
      • Von LtCdrHoppenstedt NPC
        Star Trek widerspricht sich ständig. Innerhalb der Serien und serienübergreifend. Man funkt per "Subspace Communication" (was immer der Subraum sein soll... sicher was mit Quantenfeldern oder so) in Echtzeit über viele Lichtjahre hinweg, von der Enterprise zur Erde und retour. Naturgesetz: nichts ist schneller als das Licht. Behalten wir im Kopf. In SNW Episode 2-9 ("Subspace Rhapsody) experimentiert Spock mir einer "natürlich vorkommenden Subraumfalte", die dabei helfen könnte die Kommunikation zu beschleunigen, da der Status Quo doch "Wochen" an Übertragungszeit bedeutet. Aha. Haben wir bisher anders gesehen.

        Wenn das Away Team (oder Landing Party) auf einer Planetenoberfläche erreicht werden soll, kann man zwar weiter über Lichtjahre hinweg funken, 500 km zu den Weggebeamten gehts aber wegen "Ionensturms" oder sonstwas gerade mal nicht, weil es das Drehbuch so will.

        Reisen mit (Über-) Lichtgeschwindigkeit? Nein, für alle Zeiten nein, da ... (schon wieder) Naturgesetz. Wenn es gelingen sollte, eine ultraleichte Minisonde auf 5 bis 10% von c zu bescbleunigen mittels "Breakthrough Starshot", dann war es das. Bemannte Raumschiffe? Never. Zu schwer, so groß, und nie genügend Energie. Der Warpantrieb beschleunigt nicht das Schiff, er staucht den Raum. Ursprünglich war Warp nur erlaubt wenn kein Planet in der Nähe, weil es für alles in der Umgebung gefährlich wäre. Inzwischen ist auch das egal - weil Drehbücher es wollen. Da schießen zig Schiffe nacheinander flupp-flupp von Zero auf Warp, die nur hunderte Meter Abstand voneinander hatten und immer gern im Orbit um Planeten. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals erklärt wurde. Der Podcast Weltraum-Wagner behandelt das Thema umfassend und sehr unterhaltsam. "Interstellare Raumfahrt - Wie reisen wir zu anderen Sternen?"

        Beamen? Leider nein, für alle Zeiten, weil (wir ahnen es) Naturgesetze. Man muss dazu wissen, dass Beamen ein Geldspartrick der Desilu-Studios waren. Als TOS gedreht wurde, wären Shuttle-Landeszenen zu aufwändig und zu teuer gewesen. Beamen kann man mit billigem Filmtrick hinzaubern, bisschen Glitzer in Wasserstrudel ins Standbild reinkopiert, fertig. Technisch bedeutet das Beamen die Zerlegung des lebenden Menschen oder jedes Gegenstandes in ein Plasma. Atomkerne werden also von Elektronen getrennt. Dafür brauch es mehr als 10,000 Grad. Zuerst muss der gesamte Körper gescannt werden, jedes Atom mit Koordinaten, dazu Bewegungsrichtung, bestehende Bindung, jene Bindungen die sich bilden, jene die sich lösen, jede Reizleitung jeder Synapse inklusive Aktionspotenzialen u.v.m. Was könnte diese Datenmenge in Sekunden ermitteln und speichern? Was könnte all dieses Plasma dann irgendwo hin senden? Bei Star Trek wird keine Beamkopie erschaffen, sondern die Materie als Plasma zum Zielort geschickt. Was sorgt dafür, dass sich alles am Zielort wieder zusammensetzt? Was könnte diese Datenmenge so schnell auslesen? Wie bekommt man jedes Atom dazu just wieder das zu tun was es in der Nanosekunde seiner Zerlegung tat? Und wenn es dann mehr als 10.000 Grad heiß ist, wie schnell kühlt denn das Ganze dann ab und kann dann wieder leben? Ist jemandem mal aufgefallen, dass beim Beamen das heiße Plasma in wenigen Metern Entfernung den ganzen Transporterraum inkl. Anwesende in Sekundenbruchteilen verdampft? Mir nicht.

        Es wird nichts mit Beamen, denn Naturgesetze gelten seit 13,82 Mrd. Jahren und auch in 350 Jahren. Die Unschärferelation nach Heisenberg allein, das wissen auch die Filmschaffenden, steht dem entgegen, und vieles mehr. Daher haben sie den "Heisenberg-Kompensator" erfunden. Dessen Erfinder M. Okuda wurde vom Time Magazin gefragt wie der denn funktioniere. Antwort war: "Danke, gut."

        Wir sollten anerkennen, dass Science Fiction neben realistischen technischen Möglichkeiten auch völlig absurde (aber schöne) Phantasien erzählt, und wir sollten uns davor hüten solche Utopien für umsetzbar zu halten. Manche fordern tatsächlich bei der Energieversorgung auf Kernfusion zu setzen, statt auf Erneuerbare. Windturbinen, Solarzellen funktionieren, bei Fusion ist das alles andere als sicher. Sich auf Utopien zu verlassen würde bedeuten das Essenzielle im Jetzt zu vernachlässigen, was uns so gefährlich werden könnte, dass es uns die Existenz als Spezies kostet. Zur Zeit tun wie alles dafür dass wir das 24. Jahrhundert nicht erleben. Dann müssen wir uns auch nicht um die geldlose Gesellschaft sorgen... ein weiteres Konstrukt, das bei Star Trek nie logisch hergeleitet wird. Wie wir wissen, gibt es Handel zwischen den Planeten der Föderation und darüber hinaus. Die Ferengi kassieren in Latinum, aber wie zahlen die anderen? Von UFC (Universal Federation Currency) nix gehört.

        Ich finde Star Trek wunderbar, als visionäre Unterhaltung mit gewissen ethischen Betrachtungen des Menschen und seiner Gesellschaften, aber es taugt nicht als Blaupause für eine realistische Zukunft.
      • Von statler665 Anwärter/in
        Sehr schöner Artikel. Bin seit den 90er dabei. So viele (technische) Widersprüche konnte ich beim schauen nicht ausmachen, wie in dem Artikel sehr schön zusammengetragen und auf den Punkt gebracht. Wie wenig Speicher Data eigentlich hat und warum das Hologramm des Doktors nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Offensichtlich und richtig erkannt. Jetzt weiß ich auch endlich wie das edle Design der Oberflächen heißt LCARS Library Computer Access and Retrieval System i.e. Zugriffs- und Abrufsystem für Bibliothekscomputer. Aber schon krass, wie weit sie die Zukunft erahnt haben, oder? Sprachsteuerung hält auf jeden Fall Einzug und ist Realität. Egal ob Siri oder Alexa, spiele das oder das oder wie ist das Wetter draußen oder ruf bitte den oder den an. Beamen und (Über-) Lichtgeschwindigkeit werden wir wohl nicht mehr erleben aber bestimmt unsere Nachkommen, wenn sie sich nicht wegbomben. Und darum ging es doch immer in Star Trek, das gemeinsame Miteinander und lösen von Konflikten für ein friedliches Zusammenleben. Vor allem steht nicht mehr das Streben nach Profit sondern nach Wissen im Fokus. Deshalb habe ich die Star Trek geliebt. Jetzt gehe ich erst mal an meinen Replikator und lasse mir mein geheimnisvolles schwarze Leibgetränk replizieren.
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