Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.
Bleiben wir aber doch noch ein wenig dabei, wie digitale Daten im Star-Trek-Universum übertragen werden. An keinem anderen Beispiel wird schöner deutlich, dass die Autorinnen und Autoren in den 80ern und 90ern eine Ahnung von jeder Menge hatten, nur nicht sonderlich viel von Computern. Sie behandeln Daten andauernd wie etwas Materielles; es scheint keinen Unterschied zu geben zwischen einem Gigabyte Daten und einem Liter Wasser.
Wenn man Daten bei Computer A abzapft, dann sind sie dort nicht mehr vorhanden, befinden sich stattdessen in einem Transportbehältnis. Bei Wasser wäre das ein Eimer, im Fall von Enterprise-Daten ein Padd. Am Ende werden besagte Daten in den Zielcomputer B geschüttet oder persönlich dem Chefingenieur übergeben oder wer auch immer sich dafür interessierte.
Dass schon bei USB-Sticks, die heute im Jahr 2024 langsam, aber sicher, archaisch wirken, am Ende des Prozesses die Daten meistens auf dem Quellcomputer, dem Zielcomputer und dem Stick selbst liegen, das hat man nicht vorausgesehen, dabei gab es damals bereits Floppy-Discs und Festplatten.
Außerdem liegt die Analogie aus dem tatsächlichen menschlichen Umgang völlig auf der Hand: Wenn ich einem meiner Freunde einen Witz erzähle, ist der Gag doch anschließend nicht aus meinem Gedächtnis gelöscht, bloß, weil er ihn durch meinen Mund verlassen hat.
Selbst heute, wo Daten oder digitalen Kunstwerken anhand von zugeordneten und sehr umstrittenen NFTs (Non-Fungible Tokens) eine Art Einmaligkeit verliehen werden kann, ist es nicht möglich, Kopien dieser Daten durch vervielfältigende Weitergabe zu unterbinden. Das Einzige, was ein NFT sicherstellt, ist ein nachweisbarer Eigentumsanspruch auf das jeweilige Datenpaket.
Quelle: Paramount
Die Daten des holografischen Doktors gehen meist ohne Sicherheitskopie auf Reisen.
Besonders prekär wird der sprunghafte Datentransfer bei der Serie Voyager, wo eines der überlebenswichtigsten Besatzungsmitglieder - der einzige Arzt an Bord - selbst ausschließlich aus Daten besteht, denn er ist ein Computerprogramm, das auf der Krankenstation holografisch dargestellt wird.
Später im Laufe der Serie fällt dem Doktor in dem Zweiteiler Future's End (Vor dem Ende der Zukunft) ein mobiler Emitter aus einem noch viel ferneren Jahrhundert in die Hände, welcher es ihm erlaubt, auch Umgebungen ohne vorinstallierte Holoemitter aufzusuchen; nach zweieinhalb Jahren ist der Doktor endlich "frei".
Doch wann immer er seinen mobilen Emitter ansteckt, werden die riesigen Datenmengen seines Programms ebenfalls nicht per Copy & Paste dupliziert, sondern per Cut & Paste hart verschoben. Sein Programm kann nicht an beiden Stellen gleichzeitig existieren - auf der Krankenstation und unterwegs mit dem mobilen Emitter. Warum eigentlich nicht?
Haarsträubend fahrlässig wird es dann in der Episode Message in a Bottle (Flaschenpost), wo sich für die am anderen Ende der Galaxis verschollene Voyager ein Datenkanal in die Heimat auftut. Durch diesen schicken Sie den holografischen Doktor - eben wie die titelgebende Flaschenpost - auf eine unfassbare Reise über eine riesige Distanz hinweg ins Ungewisse.
Seine Rückkehr ist mehr als fraglich. Auch hier werden die Programmdaten nicht vervielfältigt, sondern verabschieden sich für den leichtsinnigen Trip restlos aus dem Computer des Schiffes. Dabei wäre es essenziell, von dem Doktor, der ohnehin schon ein Notfallprogramm ist, eine Sicherheitskopie im Rechner zu behalten.
Neun Folgen später, in der Episode Living Witness (Der Zeitzeuge), ist das Publikum dann vollends verwirrt, denn nun plötzlich existiert sie, die Sicherheitskopie des holographischen Doktors! Nachdem ein Datenmodul mit einer solchen Kopie auf einem fremden Planeten crashte und dort viele Jahrhunderte lang vergessen wurde, wird die antike Kopie des Doktors aktiviert, nur um festzustellen, dass seine Crew schon seit ewig langer Zeit zu Hause und/oder tot ist.
Warum das mit der Sicherheitskopie nur hier möglich ist und vorher nie - man weiß es nicht, Star Trek ist und bleibt unangefochtene Königin in der Disziplin "mal so - mal so".
Quelle: Paramount
Zwei Soong-Androiden - das sind 200.000 Terabyte Festplattenkapazität.
Doch unabhängig davon, ob diese Daten nun einmalig sind oder nicht: irgendwo müssen sie auch hinterlegt werden und da ist es nur zu interessant zu erfahren, wie sich Speicherkapazitäten in den nächsten 350 Jahren entwickeln. Meistens drückt sich Star Trek elegant darum anzugeben, wie viel Festplattenplatz beispielsweise eine Enterprise hat; man zieht sich geschickt mit Fantasiebegriffen wie "Kiloquads" aus der Affäre.
Doch in der legendären Next-Generation-Episode The Measure of a Man (Wem gehört Data?) erfahren wir immerhin, wie viel sich der Android Data merken kann, der ja anscheinend ein Vielfaches der menschlichen Kapazität bietet. "Eight hundred quadrillion bits" heißt es im Drehbuch; die englische Quadrillion entspricht der deutschen Billiarde, also 10 hoch 15, und dann ist schnell ausgerechnet, dass Datas Hirn insgesamt 100.000 Terabyte abspeichern kann.
Ich vermag das schlecht zu beurteilen, aber es klingt gleichzeitig viel und auch erschreckend wenig für eine so ferne Zukunft und für all die riesigen Informationsmengen, welche der Androide in ständigem Abruf hat.
Vielleicht noch ein interessantes Beispiel zum Thema Größenordnungen von Daten, die der Transporter beim Beamen von Personen zu verarbeiten hat: In der DS9-Episode Our Man Bashir (Unser Mann Bashir) geht der Transport von fünf Humanoiden (einer davon enthält zudem einen Trill-Symbionten) schief - und anstatt die Personen materialisieren zu können, müssen die Daten hektisch irgendwo geparkt werden.

Ich habe nämlich immer darauf geachtet - und es wird in verschiedenen Folgen unterschiedlich dargestellt.
Entweder werden die Atome durch den Raum an die andere Stelle teleportiert und dort zusammengesetzt oder in anderen Folgen wird die Information kopiert und am Zielort aus dort vorhandener Materie zusammengestellt und am Usprungsort vernichtet.
Beide Versionen kommen vor......ziemlich irritierend wenn man genau darauf achtet.
Beamen wird wie hier bereits geschrieben kein wahrscheinliches Szenario sein, allein schon weil man dafür das Original tötet und an einer anderen Stelle repliziert. Das machen Menschen mit Selbsterhaltungsinstinkt sicher so nicht mit. Denkbar wäre Beamen in Form eines Portals / Wurmlochs, dass Materie transportieren kann, aber auch für mich gilt natürlich ein eingeschränktes Vorstellungsvermögen, da bestimmte Grundlagen für weiterführende Ideen noch gar nicht erforscht worden.
Wenn das Away Team (oder Landing Party) auf einer Planetenoberfläche erreicht werden soll, kann man zwar weiter über Lichtjahre hinweg funken, 500 km zu den Weggebeamten gehts aber wegen "Ionensturms" oder sonstwas gerade mal nicht, weil es das Drehbuch so will.
Reisen mit (Über-) Lichtgeschwindigkeit? Nein, für alle Zeiten nein, da ... (schon wieder) Naturgesetz. Wenn es gelingen sollte, eine ultraleichte Minisonde auf 5 bis 10% von c zu bescbleunigen mittels "Breakthrough Starshot", dann war es das. Bemannte Raumschiffe? Never. Zu schwer, so groß, und nie genügend Energie. Der Warpantrieb beschleunigt nicht das Schiff, er staucht den Raum. Ursprünglich war Warp nur erlaubt wenn kein Planet in der Nähe, weil es für alles in der Umgebung gefährlich wäre. Inzwischen ist auch das egal - weil Drehbücher es wollen. Da schießen zig Schiffe nacheinander flupp-flupp von Zero auf Warp, die nur hunderte Meter Abstand voneinander hatten und immer gern im Orbit um Planeten. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals erklärt wurde. Der Podcast Weltraum-Wagner behandelt das Thema umfassend und sehr unterhaltsam. "Interstellare Raumfahrt - Wie reisen wir zu anderen Sternen?"
Beamen? Leider nein, für alle Zeiten, weil (wir ahnen es) Naturgesetze. Man muss dazu wissen, dass Beamen ein Geldspartrick der Desilu-Studios waren. Als TOS gedreht wurde, wären Shuttle-Landeszenen zu aufwändig und zu teuer gewesen. Beamen kann man mit billigem Filmtrick hinzaubern, bisschen Glitzer in Wasserstrudel ins Standbild reinkopiert, fertig. Technisch bedeutet das Beamen die Zerlegung des lebenden Menschen oder jedes Gegenstandes in ein Plasma. Atomkerne werden also von Elektronen getrennt. Dafür brauch es mehr als 10,000 Grad. Zuerst muss der gesamte Körper gescannt werden, jedes Atom mit Koordinaten, dazu Bewegungsrichtung, bestehende Bindung, jene Bindungen die sich bilden, jene die sich lösen, jede Reizleitung jeder Synapse inklusive Aktionspotenzialen u.v.m. Was könnte diese Datenmenge in Sekunden ermitteln und speichern? Was könnte all dieses Plasma dann irgendwo hin senden? Bei Star Trek wird keine Beamkopie erschaffen, sondern die Materie als Plasma zum Zielort geschickt. Was sorgt dafür, dass sich alles am Zielort wieder zusammensetzt? Was könnte diese Datenmenge so schnell auslesen? Wie bekommt man jedes Atom dazu just wieder das zu tun was es in der Nanosekunde seiner Zerlegung tat? Und wenn es dann mehr als 10.000 Grad heiß ist, wie schnell kühlt denn das Ganze dann ab und kann dann wieder leben? Ist jemandem mal aufgefallen, dass beim Beamen das heiße Plasma in wenigen Metern Entfernung den ganzen Transporterraum inkl. Anwesende in Sekundenbruchteilen verdampft? Mir nicht.
Es wird nichts mit Beamen, denn Naturgesetze gelten seit 13,82 Mrd. Jahren und auch in 350 Jahren. Die Unschärferelation nach Heisenberg allein, das wissen auch die Filmschaffenden, steht dem entgegen, und vieles mehr. Daher haben sie den "Heisenberg-Kompensator" erfunden. Dessen Erfinder M. Okuda wurde vom Time Magazin gefragt wie der denn funktioniere. Antwort war: "Danke, gut."
Wir sollten anerkennen, dass Science Fiction neben realistischen technischen Möglichkeiten auch völlig absurde (aber schöne) Phantasien erzählt, und wir sollten uns davor hüten solche Utopien für umsetzbar zu halten. Manche fordern tatsächlich bei der Energieversorgung auf Kernfusion zu setzen, statt auf Erneuerbare. Windturbinen, Solarzellen funktionieren, bei Fusion ist das alles andere als sicher. Sich auf Utopien zu verlassen würde bedeuten das Essenzielle im Jetzt zu vernachlässigen, was uns so gefährlich werden könnte, dass es uns die Existenz als Spezies kostet. Zur Zeit tun wie alles dafür dass wir das 24. Jahrhundert nicht erleben. Dann müssen wir uns auch nicht um die geldlose Gesellschaft sorgen... ein weiteres Konstrukt, das bei Star Trek nie logisch hergeleitet wird. Wie wir wissen, gibt es Handel zwischen den Planeten der Föderation und darüber hinaus. Die Ferengi kassieren in Latinum, aber wie zahlen die anderen? Von UFC (Universal Federation Currency) nix gehört.
Ich finde Star Trek wunderbar, als visionäre Unterhaltung mit gewissen ethischen Betrachtungen des Menschen und seiner Gesellschaften, aber es taugt nicht als Blaupause für eine realistische Zukunft.