Wie Star Trek in den 90ern die Technologie der Zukunft sah - von Retro bis Fantasy
In Teil eins unseres Specials zur Zukunftstechnologie in Star Trek geht es um Datenverarbeitung mit Wassereimern, Glibbertüten und noch viel mehr.
Etwas erinnert gefühlt habe ich mich an die Dual-Screen-/Controller-Lösung der Wii U - die Älteren erinnern sich vielleicht an Nintendos zwischen zwei Megahits eingesandwichte, einerseits technisch beeindruckende, andererseits unterverkaufte Konsole.
Der eigentliche Computer der Enterprise ist allgegenwärtig und befindet sich nicht in den unabhängigen Padds - und auch der Monitor ist lediglich seine visuelle Verlängerung. Im 1986 herausgegebenen Writer/Director's Guide der Next Generation ist der Sprachsteuerung des Computers gleich eine ganze der insgesamt knapp 50 Seiten gewidmet.
Was dort steht, ist elektrisierend und erinnert frappierend an die Formeln, mit denen man heutzutage Siri, Alexa, Google oder andere Sprachassistenten anspricht. Dabei sind die Befehle an den Enterprise-Computer stets ich-bezogen: "show me" holt Informationen auf einen Bildschirm, "tell me" lässt diese Informationen auditiv wiedergeben, "get me" startet einen Telefonanruf mit der gewünschten Person und "play me" ermöglicht Zugriff auf die Musik- und anderen Mediendatenbanken des Schiffes.
Eine sehr esoterische und formularische Ansprache an den Bordcomputer, die sich im Drehalltag nicht bewährte und deswegen über den Guide hinaus keinen Einzug in die eigentliche Serie hielt - und doch hat man das Gefühl, dass die Schöpfer heutiger Digitalassistenzen hier gespickt haben.
Quelle: Paramount
Ab der Kirk-Film-Ära halten Touchscreens bei Star Trek Einzug.
Die sonstigen Eingaben an Bord der Enterprise über die Sprachsteuerung hinaus sind jedoch rätselhaft. In der Originalserie aus den 60ern hantierten die Charaktere an wunderbar bunten Knöpfen, Lichtern und Schaltern, die allesamt völlig unbeschriftet waren. Man schien wissen zu müssen, welche Funktion sich hinter jedem Knopf verbarg, und die Bedienung dieser Vielknopfanlagen schien eine Menge gemeinsam zu haben mit der Knopfseite eines Akkordeons.
Das retrofuturistische Prequel Enterprise aus den 2000ern bereitete diese haptische Eingabeart einigermaßen schlüssig vor, indem sämtliche Bedienelemente visuell verankert wurden in der Formensprache heutiger Flugzeuge, U-Boote oder allem voran NASA-Raumkapseln.
Ab den Kinofilmen der 80er-Jahre hatte dann bereits der Touchscreen Einzug gehalten bei Star Trek - und nun im 24. Jahrhundert wurde ihm ein ganz eigenes Design gegeben. Der legendäre wissenschaftliche Berater und futuristische Designer Michael Okuda erfand die LCARS (das steht für Library Computer Access and Retrieval System); das sind jene bunt geschwungenen Bögen auf schwarzem Untergrund, die auch heute noch Star-Trek-Fans nur zu gerne als Bildschirmhintergrund für Smartphone oder Notebook verwenden.
Außerdem bildet das Design auf jeder Star-Trek-Convention die Grundlage für zahlreiche PowerPoint-Präsentationen der dort vortragenden Expertinnen und Experten.
Doch im Gegensatz zur niedrigschwelligen Sprachsteuerung sind die LCARS-Displays völlig rätselhaft und unintuitiv. Hier eine Zahl, dort ein Buchstabenkürzel, doch im Prinzip ist der Touchscreen des 24. Jahrhunderts nicht "sprechend", muss genauso erlernt werden wie die "Edelsteine" oder "Gummibärchen", die zu Kirks Zeiten gedrückt wurden.
Vom selbsterklärenden Interface eines Smartphones oder Smart-TVs, deren Bedienungsanleitungen heute nur noch die wenigsten studieren müssen oder wollen, sind die LCARS weit entfernt. Stimmt schon, als die Serie vor über dreißig Jahren ausgestrahlt wurde, konnte man auf dem futzeligen Bild von Röhrenfernsehern keine der rätselhaften Beschriftungen lesen, doch seitdem vor etwa zwölf Jahren ein HD-Remaster der Next Generation erstellt wurde, sind die Typo-Fragmente bestens sichtbar.
Quelle: Paramount
LCARS, das legendäre Interface-Design des Michael Okuda
Wann immer Fließtext dargestellt wird, lohnt es sich bei der neuen Variante, auf Pause zu drücken, denn obwohl diese Textwüsten niemals für Zuschaueraugen gedacht war, haben die Autorinnen und Autoren sie wahrhaftig geschrieben. Manchmal geben sie einigen Aufschluss über die fiktive Welt Star Treks oder sind vollgepackt mit Insiderwitzen über andere Filme, Comics und Serien, welche den Produktionsstab seinerzeit begeisterten.
Der Bordcomputer und andere "dienende" KIs sind im 24. Jahrhundert zudem eine positive und den Nutzerinnen und Nutzern zugewandte Erscheinung.
Sowohl in der Originalserie als auch in der Next Generation wird der Computer gesprochen von Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberrys Gattin Majel Barrett, doch während sie zu Kirks Zeiten mit kalter und eintöniger Roboterstimme intonierte ("Wor-king!"), ist ihr Duktus bei Picard & Co. zwar immer noch sachlich, aber doch durchaus menschlich. Daran orientieren sich auch die Sprachausgaben unserer heutigen Gadgets.
In gewisser Weise spiegelt das den Blick Star Treks auf Computer oder Automatisierung in der Echtwelt wider. In den 60er-Jahren wurde die Digitalisierung als ein arbeitsplatzzerstörendes Schreckgespenst gesehen, nirgendwo deutlicher dargestellt als im Computer M5, der ganze Raumschiffsbesatzungen ersetzen soll - und infolge deren Rebellion zum Massenmörder wird.

Ich habe nämlich immer darauf geachtet - und es wird in verschiedenen Folgen unterschiedlich dargestellt.
Entweder werden die Atome durch den Raum an die andere Stelle teleportiert und dort zusammengesetzt oder in anderen Folgen wird die Information kopiert und am Zielort aus dort vorhandener Materie zusammengestellt und am Usprungsort vernichtet.
Beide Versionen kommen vor......ziemlich irritierend wenn man genau darauf achtet.
Beamen wird wie hier bereits geschrieben kein wahrscheinliches Szenario sein, allein schon weil man dafür das Original tötet und an einer anderen Stelle repliziert. Das machen Menschen mit Selbsterhaltungsinstinkt sicher so nicht mit. Denkbar wäre Beamen in Form eines Portals / Wurmlochs, dass Materie transportieren kann, aber auch für mich gilt natürlich ein eingeschränktes Vorstellungsvermögen, da bestimmte Grundlagen für weiterführende Ideen noch gar nicht erforscht worden.
Wenn das Away Team (oder Landing Party) auf einer Planetenoberfläche erreicht werden soll, kann man zwar weiter über Lichtjahre hinweg funken, 500 km zu den Weggebeamten gehts aber wegen "Ionensturms" oder sonstwas gerade mal nicht, weil es das Drehbuch so will.
Reisen mit (Über-) Lichtgeschwindigkeit? Nein, für alle Zeiten nein, da ... (schon wieder) Naturgesetz. Wenn es gelingen sollte, eine ultraleichte Minisonde auf 5 bis 10% von c zu bescbleunigen mittels "Breakthrough Starshot", dann war es das. Bemannte Raumschiffe? Never. Zu schwer, so groß, und nie genügend Energie. Der Warpantrieb beschleunigt nicht das Schiff, er staucht den Raum. Ursprünglich war Warp nur erlaubt wenn kein Planet in der Nähe, weil es für alles in der Umgebung gefährlich wäre. Inzwischen ist auch das egal - weil Drehbücher es wollen. Da schießen zig Schiffe nacheinander flupp-flupp von Zero auf Warp, die nur hunderte Meter Abstand voneinander hatten und immer gern im Orbit um Planeten. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals erklärt wurde. Der Podcast Weltraum-Wagner behandelt das Thema umfassend und sehr unterhaltsam. "Interstellare Raumfahrt - Wie reisen wir zu anderen Sternen?"
Beamen? Leider nein, für alle Zeiten, weil (wir ahnen es) Naturgesetze. Man muss dazu wissen, dass Beamen ein Geldspartrick der Desilu-Studios waren. Als TOS gedreht wurde, wären Shuttle-Landeszenen zu aufwändig und zu teuer gewesen. Beamen kann man mit billigem Filmtrick hinzaubern, bisschen Glitzer in Wasserstrudel ins Standbild reinkopiert, fertig. Technisch bedeutet das Beamen die Zerlegung des lebenden Menschen oder jedes Gegenstandes in ein Plasma. Atomkerne werden also von Elektronen getrennt. Dafür brauch es mehr als 10,000 Grad. Zuerst muss der gesamte Körper gescannt werden, jedes Atom mit Koordinaten, dazu Bewegungsrichtung, bestehende Bindung, jene Bindungen die sich bilden, jene die sich lösen, jede Reizleitung jeder Synapse inklusive Aktionspotenzialen u.v.m. Was könnte diese Datenmenge in Sekunden ermitteln und speichern? Was könnte all dieses Plasma dann irgendwo hin senden? Bei Star Trek wird keine Beamkopie erschaffen, sondern die Materie als Plasma zum Zielort geschickt. Was sorgt dafür, dass sich alles am Zielort wieder zusammensetzt? Was könnte diese Datenmenge so schnell auslesen? Wie bekommt man jedes Atom dazu just wieder das zu tun was es in der Nanosekunde seiner Zerlegung tat? Und wenn es dann mehr als 10.000 Grad heiß ist, wie schnell kühlt denn das Ganze dann ab und kann dann wieder leben? Ist jemandem mal aufgefallen, dass beim Beamen das heiße Plasma in wenigen Metern Entfernung den ganzen Transporterraum inkl. Anwesende in Sekundenbruchteilen verdampft? Mir nicht.
Es wird nichts mit Beamen, denn Naturgesetze gelten seit 13,82 Mrd. Jahren und auch in 350 Jahren. Die Unschärferelation nach Heisenberg allein, das wissen auch die Filmschaffenden, steht dem entgegen, und vieles mehr. Daher haben sie den "Heisenberg-Kompensator" erfunden. Dessen Erfinder M. Okuda wurde vom Time Magazin gefragt wie der denn funktioniere. Antwort war: "Danke, gut."
Wir sollten anerkennen, dass Science Fiction neben realistischen technischen Möglichkeiten auch völlig absurde (aber schöne) Phantasien erzählt, und wir sollten uns davor hüten solche Utopien für umsetzbar zu halten. Manche fordern tatsächlich bei der Energieversorgung auf Kernfusion zu setzen, statt auf Erneuerbare. Windturbinen, Solarzellen funktionieren, bei Fusion ist das alles andere als sicher. Sich auf Utopien zu verlassen würde bedeuten das Essenzielle im Jetzt zu vernachlässigen, was uns so gefährlich werden könnte, dass es uns die Existenz als Spezies kostet. Zur Zeit tun wie alles dafür dass wir das 24. Jahrhundert nicht erleben. Dann müssen wir uns auch nicht um die geldlose Gesellschaft sorgen... ein weiteres Konstrukt, das bei Star Trek nie logisch hergeleitet wird. Wie wir wissen, gibt es Handel zwischen den Planeten der Föderation und darüber hinaus. Die Ferengi kassieren in Latinum, aber wie zahlen die anderen? Von UFC (Universal Federation Currency) nix gehört.
Ich finde Star Trek wunderbar, als visionäre Unterhaltung mit gewissen ethischen Betrachtungen des Menschen und seiner Gesellschaften, aber es taugt nicht als Blaupause für eine realistische Zukunft.